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Die Welt · 1898-03-18 · 11 (18.3.1898) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
11 (18.3.1898)
Article
Die Geschichte Israels "nur für Herren"
Date
1898-03-18
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 Nr. 11 zeichneten Vorlesungen gehören: Geschichte Israels, Ethik, Lllinik der Jahn- und Mundkrankheiten,Nibelungenlied,Cävilprocessrecht,Religionsphilosophie, Knjstallographie und andere gefährliche Sachen. ($lf jüdische Matrosen aus dem Kriegsschiffe „Rtaine." Das amerikanische Kriegsschiff „Maine," das in eineni cubanischen Hafen in die Luft gesprengt wurde und mehr als 200 Menschen unter seinen Trümmern begrub, hatte auch elf jüdische Matrosen an Bord. Sie haben alle in Ausübung ihrer Pflicht den Ehrentod gefunden. Ihre Namen sind: Henri) Baum, Charles B e r g m a n, Leon Banner, Josef Gordon, William Robinson, Jacob Bekker, Fred Blumberg, Louis Fl eis chm an, Daniel Preis, Henri) Groß, George Schwarz. Ostern naht. Tie judenfeindlichen Blätter sind bereits an der Arbeit, für die Feier des nahenden Passahfeftes unter ihren Lesern Stimmung zu machen. Der „Deutsche Gen.-Anz." in Berlin bringt z. B. einen Leitartikel mit der Ueberschrift: „Ostern naht! Tie Juden zapfen wieder Christenblut ab." — Bor einigen Tagen erhob im böhmischen Fabriksorte Reichenau die Arbeiterin Marie Blüml gegen die jüdische Witwe Friedmann die Beschuldigung eines „Ritualactes." Sie behauptete, von der Witwe Friedmann überredet worden zu sein, bei ihr zu Bette zu gehen, und die Witwe habe sich dann in der Nacht auf sic geworfen und ihr das Blut gleich einem Bampyr ausgesogen. Infolge des starken Blutverlustes fei sie nun so schwach, dass sie ihrer Arbeit in der Fabrik nicht mehr obliegen könne. Das Bezirksgericht ließ nun die Blüml durch den Bezirksarzt untersuchen, und das Resultat der Untersuchung war, dass die Blüml in Haft genommen wurde und sich nun vor Gericht wegen Irreführung der Behörden und Verleumdung zu verantworten haben wird. Das entdeckte Paradies. Ter englische Forschungsreifende Seton-Karr behauptet, das Paradies gefunden zu haben. Auf feiner Reise im Somalilande gelangte er in eine Gegend, deren Boden von Werkzeugen aus Feuerstein wimmelte. Wie Seron-Karr versichert, sollen sie nach dem Zeugnis von Kennern aus den ältesten Zeiten des Menschengeschlechtes herstsmmen. ''Als nun der Engländer, schon von dem Gedanken erfüllt, dass dort die ältesten Menschen gelebt haben, die Gegend aufmerksam betrachtete, fand er eine merkwürdige Ähnlichkeit mit dem in der Bibel beschriebenen Paradies. Derselbe große Strom, der sich in vier Flüsse theilt, ein großes Thal mit üppigem Pflanzenwnchs von himmelhohen, unbefteigbaren Felsen umringt, die nur an einer Stelle in einem engen Passe Zutritt zum Thale gestatten. Die Witterung des Landes ist so mild, dass es niemals im Jahre friert. Selbst im Winter ist die Kleidung beschwerlich. Der Garten Eden liegt nach der Angabe Seton-Karr's auf dem ersten Grade nördlicher Breite, nahe beim Meridian, der durch 'Aden geht. Man hat das Paradies schon schon an vielen Stellen gesucht. In der Tartarei, in China, auf der Insel Ceylon, in Armenien, Mesopotamien, Syrien, Persien, Arabien, Aethiopien, Aegypten. Seron-Karr bringt von feiner Forschungsreise nicht weniger als drei Wagenladungen Steinwerkzeuge mit. Ueber Hebron schreibt im letzten Hefte der „Mittheilnuaen und Nachrichten des deufcheu Palästinavereines" ein Reiseforfcher: „Im Mai unternahm ich eine Reife nach Hebron, uw ich feit bald vierzig Jahren nicht mehr gewesen war. Ich fand große Veränderungen zum Besseren. Es sind sehr viele neue Häuser gebaut worden, so dass die friiheren vier getrennt stehenden Quartiere durch Zwifchenbauten zu einem Ganzen genwrden sind. In den letzten Jahren sind besonders im NW. der Stadt längs der Jerusalemer Straße viele Neubauten meist in europäischem Stil errichtet worden. Die Einwohnerzahl hat sich sehr verurehrt, namentlich ist die Zahl der Juden geuwchfen, sie soll sich jetzt auf achtzehnhundert Seelen belaufen; aber auch Christen, selbst Europäer, gibt es jetzt mehr als früher in Hebron. Tic dorthin führende Straße ist gut und mit Kilometersteinen besetzt. Bei dem 86. Stein beginnt die Neustadt. Tie Straße misst im Ganzen von Jerusalem ab 87*/2 Kilometer und hört etwas unterhalb des großen Teiches auf. Der Teich war mit Wasser gestillt. Auch die Weinberge haben sich vermehrt; neue Wohnhäuser sind da und dort in ihnen gebaut worden, bis auf dreiviertel Stunden Entfernung von der Stadt. Das ist ein deutlicher Beweis für den Fortschritt der Eultur und für die größere Sicherheit des Eigenthuuls." & Die zionistische Lewegung. Spenden für zionistische Zwecke find an Herr« Dr. O. Kokesch, Hof- und Gerichts-Advoeaten in Wien, I., Singerftratze 25, zn senden. Olmütz. Ter Verein „Zion" veranstaltete im Februar zwei Monatsversarnmlungen. Am ersten Abende hielt Herr für. Birnstein unter lebhaftem Beifall einen sorgfältig ausgearbeiteten Vortrag über „Sabbatai Zewi", am zweiten Abende sprach Herr mell. Brecher über „Zionismus und Socialismus. Wiederholt wies er darauf hin, dass der Zionismus dem Socialismus nicht feindlich gegenüberftehe, sondern ihm sogar durch die Lösung der Judenfrage die Wege ebne. Auch diesem Redner lohnte reicher Beifall. — Am •'>. März fand anlässlich des Purimfestes unter der gefl. Mitwirkung der Sängerin Frl. N a r e n t a und des Sängers Herrn B e l g e r vom Stadttheater in Olrnütz ein Geselligkeitsabend' mit Tanzkränzchen statt. Zum Gelingen dieses gutbesuchten Festes trugen außerdem die Herren Obercantor Schlesinger, die Herren R. und T. Eisler, K. Fischer, I. Tauber und Dr. I. Werner bei. Das ansehnliche Reinerträgnis fällt einem zu gründenden jüdischen Lesezirkel zu. Prerau. Nach Eröffnung des Eommerses der „Mas) a d a" und der Begrüßung der Gäste und der Vertreter der Vereine „V e r i t a s", „G e u l a h", „S e v e r i t a s" und „O l m ü tz" des Verbandes „Zion" ergriff meä. Alfred L ö w das Wort und erstattete ein Referat über Zionismus, das die Bürger Preraus in unsere Bewegung einführte. Daran schlossen stch die Ausführungen des Herrn Tr. Siegmund Werner an, die bei den Bürgern der Stadt ungemeinen Beifall erweckten, der namentlich in den Worten des Cultusvorstehers der jüdischen Gemeinde Prerau, Dr. David Seidl und hieraus in denen des Herrn Rabbiner Dr. Jacob Tauber zum Ausdrucke kam. Tie von Herrn Dr. Seidl beantragte Resolution, nach welcher sich die Anwesenden mit dem Baseler Programm für einverstanden erklärten, dem Wiener Actionscomite Vertrauen votierten und von der zweiten Nationalversammlung eine ersprießliche Thätigkeit erhofften, wurde einstimmig angenommen. Nunmehr konnte zur Erfüllung des Wunsches, in Prerau eine Ortsgruppe zu gründen, geschritten werden. Auf dem Eommerse selbst wurde noch die Wahl des vorbereitenden Comics vorgenommen, als deren Resultat sich die Wahl der Herren Rabbiner Dr. Tauber, Dr. D. Seidl und Earl Low ergab. Skotscha». Wohl zum erstenmale seit der Emancipation der Juden hat in einem reformierten Tempel eine politische Versammlung stattgefunden. Ter jüdisch-akademischen Verbindung „Jvria" gebürt das Verdienst, das jüdische Gotteshaus wieder seinem früheren Zivecke als Discussionsstätte alljüdischer Fragen zugeführt zu haben. Im Tempel zu Skotschau veranstaltete die genannte Verbindung am März a. c. Vorträge über das Thema j.Der Zionismus". Der größte Theil der Eultusgemeinde Skotschau und Umgebung hatte sich zum Minchagebete versammelt. Nach der 'Andacht übergab Rabbiner Dr. D o b s ch ü tz in kurzer, feierlicher Ansprache das Gotteshaus den Veranstaltern der Versammlung. Zunächst referierte Herr N. Rüben st ein über die Lage der Juden. Mit ergreifenden Worten schilderte der Redner die 'Armut der östlichen Juden, die stärksten Accente fand er für die moralische Unterdrückung der Juden des Abendlandes. 'Anschließend daran geißelte Referent mit beißendem Sarkasmus die blinde Assimilatiönswuth der letzten Jahrzehnte. Hieraus ent wickelte Herr ing. Racher das zionistische Programm. Das Resultat der Versammlung war der officielle Beschluss, einen Delegierten zum zweiten Zionistencongress zu entsenden. Zu diesem Zwecke wurde ein siebengliedriges Eomit« gewählt. Als hierauf Herr Eultusvorsteher D a t t n e r den Schekelblock kreisen ließ, wurden zahlreiche Beiträge gezeichnet. K. M. New-Pork. Wie Ihnen schon früher mitgetheilt worden ist, sind Verhandlungen eingeleitet worden, um den unter Führung des hochverdienten Rabbiners D r. Philipp K lein stehenden Verband der Zionistenvereine mit der „ Föderation of Zionists“, deren Präsident Herr Richard Gottheil ist, zu vereinigen. Die Verhandlungen scheiterten und hat demzufolge eine Verschiebung mancher Vereine stattgesunden. Diese Verschiebung machte in beiden Centralen eine Neuwahl nolhwendig. Im Verbände der Zionistenvereine sind gewählt worden: Verbands-Präsident Rabbiner D r. P h i l i p p K l e i n, Präsident der Executive K. H. S a r a h s o n , Herausgeber des einflussreichen „Jüdischen Tageblatt", Vicepräjidenten die Herren David T r i t s ch und Leopold Neustadt, Generalsecretär D octor Michael Singer. Die „Federation of Zionisis“ hat folgende Beamte erwähl!: Präsiden! Prof. Richard Gottheit, Vicepräsidenteu D r. I. B l u e st o n e und D r. M o s e s s o n, Generalsecretär C. B. E h r e n r e i ch.

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