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Die Welt · 1898-03-18 · 11 (18.3.1898) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
11 (18.3.1898)
Article
Rechtsanwalt Wassili Bermann
Date
1898-03-18
Page
9 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 11 Rechtsanwalt Wafstli Bermann. (3. September 18^2 — 18. März 18'»<'>.) Mit der Geschichte der nationaljüdischen Bewegung in Russland ist der Name Wassili Bermann anss Engste verknüpft. Wassili Bermann war in Mitau 1862 geboren, genoss seine elementare Schulbildung in der von seinem Vater, einem tüchtigen Pädagogen, in Petersburg gegründeten Schule und absolvierte in derselben Stadt das Gymnasium. Schon als Student der juridischen Facnltät zu Petersburg stellte sich Wassili Bermann in den Dienst des Jndenthums und suchte durch den Verein „Schwester Zion" die Idee von der Befteiung des jüdischen Volkes in weitere Kreise zu tragen. Im Jahre 1884 gab er das Sammelwerk „Palästina" heraus. Schon dieses erste Werk lenkte die allgemeine Aufmerksamkeit auf den hochbegabten, jungen Schriftsteller. Auf der Versammlung der russischen „Chowewi Zion" in Druskeniki 1887 galt Wassili Bermann neben dem geistigen Vater der nationaljüdischen Bewegung in Russland Dr. L. Pinsker als Führer der „Sionophilen", wie Bermann die Anhänger des nationaljüdischen Gedankens nannte. Als es galt, die Genehmigung des „Odessaer Vereines zur Unterstützung jüdischer Handwerker und Ackerbauer in Syrien und Palästina" zu erwirken, da bot der gewiegte Jurist Wassili Bermann seine ganze Thatkraft und seinen ganzen Einfluss auf, um alle Schwierigkeiten, die sich der Gründung des Humanitätswerkes in den Weg stellten, beseitigen zu helfen. Wassili Bermann gehörte zu den Theilnehmern des ersten officiellen Delegiertentages der russischen „Chowewi Zion", der im Jahre 1890 in Odessa abgehalten wurde. Nach Petersburg zurückgekehrt, verlegte Bermann allen Eifer auf die Herausgabe der Fortsetzungen seines Sammelwerkes, das er in ein Jahresbuch umzuwandeln gedachte. So entstand der im Jahre 1891 herausgegebene „Zion", der an Inhalt und Ausstattung bedeutende Vorzüge vor dem Sammelwerke aufweist. Der „Zion", der Dr. Pinsker gewidmet ist, gewährt einen interessanten Einblick in die damalige Entwicklungsphase des jüdisch-nationalen Gedankens. Von Bernrann, der den fördernden Einfluss der Geschichtskenntnis auf die Stärkung des Nationalbewusstseins wohl kannte, gieng auch die Initiative zur Gründung der „historisch-etnographischen Commission" im Schoße der „Gesellschaft zur Verbreitung der Bildung unter den Juden in Russland" aus. Als im Jahre 1892 das Petersburger Centralcomitö der;,Je\vish Colunisation Association“ geschaffen wu'-de, und sich die Nothwcndigkeit einer wissenschaftlichen Fundierung der Colonisationsfrage ergab, da trat Bermai.'n auf Veranlassung der I. C. A. eine Studienreise an, deren Resultat er in einem inhaltsreichen Elaborat niederlegte und so dem Ccntral-Comitä ein wertvolles Hilfsmittel für das Colonisationswerk bot. Innerhalb der I. C. A. rief Bermann das sogenannte berathende Bureau ins Leben. Das Bureau obliegt dem Studium aller mit dem Judenthum zusammenhängenden, actuellen Fragen und unterbreitet seine Berichte dem Centralcoinitö. Tie Anstrengungen der Reisen hatten die Gesundheit Bermanns hart mitgenommen. Der unermüdliche Kämpfer für das Wohl des jüdischen Volkes begann zu kränkeln. Aber er ließ sich durch seinen leidenden Zustand nicht abhalten, auch fernerhin für seine Brüder mit der größten Hingebung zu wirken. Schließlich sah sich Wassili Bermann doch gezwungen, ein mildes Klima aufzusuchen. Er reiste nach Aegypten, in das Land, wo seine Väter vier Jahrhunderte lang die Sclawnketten getragen. Am 18. März 1896 hauchte Waffili Bermann seine Seele aus. Sein Grabstein trägt die Inschrift: „Verdorre meine Rechte, vergess' ich Dein, Jerusalem!" So hatte es der Sterbende gewünscht. In den Kreisen der russischen Judenheit hat die Kunde von dem Tahinscheiden des edlen Menschenfreundes die tiefste Trauer geweckt. Jetzt jährt sich zum zweitenmale der Tag, der einer guten Sache einen hingebenden Kämpfer entrissen hat. Und mit schmerzlicher Theilnahme denken die Freunde des frühzeitig Dahingegangenen. Petersburg. 0. 6. Mkltchromk. Barney Barnatos Neffe und überlebender Hauptpartner Wolf Joel wurde in seinem Bureau in Johannesburg erschossen. Der Thäter wurde verhaftet. Der Ermordete soll das Spfer einer Erpressung geworden sein. Ter Mörder, Ludwig v. Veldtheim, kam in sein Bureau, verlangte von Ivel 2500 Pfund Sterling und schoss, als Joel dies verweigerte, mit dem Revolver auf ihn. Veldtheim machte dam: einen vergeblichen Selbstmordversuch und wurde festgenonnnen. Wolf Ivel stand am Anfänge der Dreißiger. Er war der Sohn von Barnatos Schwester. Barney Barnatv gab ihm frühzeitig Gelegenheit, sein großes geschäftliches Talent zu verwerten. Er wurde alsbald Barnatos rechte Hand. Barnato ernannte ihn auch zu seinem Test^mentsexecutor. Nach Barnatos Tode war Wolf Joel die Seele der Firma Barnato Brothers. Er wohnte seit Jahren in London, fuhr aber wiederholt nach Südafrika. Sein effecrives Vermögen wird auf zwei Millionen Pstmd geschätzt. Die Bevölkerung Berlins nach Konfessionen stellt sich nach dem Resultate der letzten Volkszählung in folgendem Zahlenverhältnis dar: Evangelische 1,420.833, andere Protestanten 5758, Katholiken 155.363, andere Christen 7824, Juden 86,152, Bekenner anderer Religionen 91. Mit unbestimmter Angabe des Bekenntnisses wurden 1093, ohne jede Angabe 190 gezählt. Bon^.Lord Bcaronsfield. Sir John Mowbray, der „neue Vater des Unterhauses," hat jüngst einem Journalisten seine Erinnerungen über seine parlamentarische Thärigkcit mitgetheilt, die ans das Jahr 1853 znrückgcht. Von Tisracli sagt John Mowbray: Tisraeli war kein Redner wie John Bright und Gladstvne. Aber er war ein vollendeter Debatter. Er wiederholre sich sehr oft, und er that es absichtlich, da er dem Grundsatz huldigte, dass es nöthig sei, den Leuten die Sache vit zu sagen, um sie in die Köpfe hineinznbringen. Das war ermüdend, und Tisraeli war zuweilen langweilig. Mit Begeisterung gedenkt John Mowbray der Liebenswürdigkeit seines „Tizzy" und der Lady Beakonsfield. Wenn Tisraeli Abends nach Hanse kam, erzählte ihm seine Gattin alle ihre Erlebnisse des Tages, und er berichtete ihr über die Vorfälle im Parlamente, wobei sie ihm freudig Beifall spendete. Sie war die liebende Gattin, die ihren Mann auf alle Weise zu schonen suchte. Einmal fuhr sie mit ihm ins Parlament, wo er eine wichtige Rede halten musste. Beim Einsteigen in den Wagen wurde ihr Finger eingeklemmt. Sie verbiss den heftigen Schmerz, um ihren Gatten nicht zu beunruhigen, da sie wusste, dass viel von dieser Rede abhieng. Magyarisicrnng. Zu den Magyarisierren des Jahres 1897 stellen die Juden unter allen Confessionen den höchsten Percentsatz, nämlich 53.77 Percent. Tie Zahl der magyarisierten Inden des Jahres 1897 beträgt 090. Die beschichte Israels „nur für Herren." In dem Verzeichnisse der Vorlesungen an der Universitär Kiel findet sich ein Vermerk, dass die mit * versehenen Vorlesungen weiblichen Zuhörern nicht zugänglich seien. Zu den mit * be-

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