Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 10 (11.3.1898)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1898-03-11
- Page
- 3 (sequence 2)
- Language
- German
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Rr. 10 Sette 3 ist also nichts weiter als eine Meinungsäußerung über möchte, die Qualitäten Eßterhazy's. Dieser jedoch scheint merkmüssen, würdig erpicht darauf, von Picquart als Gegner acceptiert zu werden. Man sollte meinen, dass sein Ehrgeiz von den Ovationen und fürstlichen Küssen, die er empfangen, befriedigt sein könne. Doch was ist ihm ein Kuss von Orleans gegen einen Degenstich -on Picquart! Wie eine bessere Regung erscheint die Begierde, durch ein Duell mit dem tadellosesten Ehrenmann Frankreichs, dem nicht einmal die ärgsten Feinde Schlechtes nachsagen können, ausgezeichnet zu werden. Aber Ehrenmänner sind nun einmal Ehrenmänner, und ihres Handschlags wie ihres Degens muss man würdig sein. Weder das eine noch das andere lässt sich von ihnen erzwingen. eine allzugroße Ehre, die sie leider ab lehnen Unter dem erschütternden Eindruck, den der Tod Cavallotti's im Duell hervorgerusen, zogen die Studenten durch die Straßen Roms mit dem Ruf: „Nieder mit dem Duell V‘ Gegenüber den unzähligen Ausbrüchen der Leidenschaft war das einmal ein spontaner Ausbruch der Vernunft, doppelt bemerkenswert bei Leuten, zu deren Standesanschauungen die Zweikampfmoral gehört. Die endgiltige Abschaffung des Duells wäre segensreich genug, aber irgend ein Stand müsste damit anfangen. Die Sache geht ja nur aus dem Wege eines gesellschaftlichen Uebereinkommens. Freilich sind die Meisten durch allerhand Rücksichten gebunden. Am stärksten jedoch die Juden, vielleicht das einzige Culturproblem, an dessen Lösung sie sich nicht betheiligen mögen, wenigstens vorläufig nicht. Es wird modern, die Juden als blutdürstig zu schildern, und anlässlich des Purimfestes werden sie beschuldigt, mit diesem Feiertag die Erinnerung an ein Blutbad, das sie einst unter persischen Antisemiten angerichtet haben, noch immer fröhlich zu begehen. Wie verkommen ist diese Rasse, so rufen die barmherzigen Freunde der alten Perser aus, dass sie noch nach 2500 Jahren über den Massenmord, den die intrigante Esther angestistet hat, jubilieren. Dass man sich heute noch in Deutschland zur Vernichtung der römischen Legionen im Teutoburger Wald beglückwünscht, dass Spanien Freudenfeuer anzündet wenn vierhundert Amerikaner ertrinken und in die Luft gesprengt werden, ist wohl nur aus das böse Beispiel, welches das Purimfest gibt, zurückzuführen. So sind die Feierlichkeiten fast aller Nationen verjudet. Der Frauen nimmt sich Herr Gregorig an, der zum lustigen Antisemitismus schon manchen Beitrag geliefert hat. Als im Landtag vom Arbeiterrisico die Rede war, und man besonders der Frauen gedachte, die sehr oft von den Maschinen an ihren Kleidern erfasst werden, rief Herr Gregorig corrigierend aus: „Von den Juden!" Wie neckisch, wenn jüdische Wüstlinge sich in Schwungräder und Treibriemen verwandeln, um nur ja einmal nach Frauenröcken haschen zu dürfen. Herr Schneider, der gerne ein wenig gewaltthätig wird, hatte neulich, als er wieder einmal vergeblich zum Judenmord aufförderte, den Einfall, man solle den Verkehr von Christen mit Juden unter die Sittlichkeitsdelicte rechnen und demgemäß ahnden. Ter das sagt, ist ein Volksvertreter! Die erste Gymnasiallehrerin in Oesterreich ist eine Jüdin. Die Arme, die auf bisher unbetretenen Pfaden allen voranschreitet, muss es entgelten. Mit einemmale scheint es nichts verächtlicheres für eine Frau zu geben, als der Beruf einer Gymnasiallehrerin. Lateinisch lernen. Griechisch vortragen, Mathematik dotieren — nur eine Jüdin kann so unweiblich sein' und diese Dinge verstehen. Der Staat räumt den Frauen das Lehrrecht auch an Mittelschulen ein. Dieses Recht aber sofort auszuüben und darauf seine Existenz zu gründen, ist nur echt jüdische Unbescheidenheit imstande, die immer auf Schlechtigkeiten aus ist. Geschäftige Liebedienerei unternimmt es jetzt, die Schuld an den Märzlagen des Jahres 1848 von der christlichen Bevölkerung vollständig abzuwälzen, und sie einzig und allein den Juden aufzubürden. Der Zweck, wie die Heuchelei dieser Bestrebungen, ist sonnenklar. Es gilt bei festlichem Anlass den eigenen Patriotismus rosig zu beleuchten und die Loyalität der Juden zu verleumden. Was die Juden betrifft, so werden sie ihre opfermüthige Mithilfe am Befreiungswerke heute nicht feige verleugnen. Bezeichnend ist es jedoch, dass man ihnen jetzt die Urheberschaft der österreichischen Constitution zuschreiben Die englische Zionisteneonseren;. Von I. de Haas. London, Sonntag, den 6. Mär; 18f>8. Gestern abend wurde die neue Seite der jüdischen Geschichte, jene Seite, von der mir auf meiner Reise nach Basel allmälig eine Ahnuitg aufgegangen war, aufgeschlagen. In Piccadilly, mitten in der lärmenden Geschäftigkeit des fashionabelsten Theiles von London, kamen die Delegirten und Freunde der englischen Zionistenconferenz zusammen. In den Räumen des Maccabäerclubs, wo Tr. Herzl zum erstenmale vor englischen Juden seine Pläne entwickelt hatte, sah man Männer im Käppchen, Damen in Balltvilette, Knaben, Rabbiner und Officiere, sie waren aus allen vier Enden des Königreichs und Irlands hier zusammen gekommen. Das Banner der „Chovcv, Zion" mit den Abzeichen der zwölf Stämme, die ganz h hebräischer Sprache abgefaßte Landkarte Palästinas von Obers Gvldsmid, eine hübsche Sammlung von Schnitzereien ans Olivenholz palästinensischen Ursprungs, Wein von Rischon le Zion - eine wahrhaft zionistische Zusammenstellung - im ersten Stocke fand die schwungvolle Begrüßung der Gäste statt, im zweiten Stock tagte die Conferenz der Delegierten aus deti Provinzen, die das Programm siir den folgenden Tag sestsetzte - nationale Lieder und moderne Sonaten — es war sehr gewagt, einen solchen Vortragsabend zll arrangieren, bei dem ganz London vertreten war — aber cs war ein echter, rechter Erfolg, und die Versammlung war voll von jenem zionistischen Geiste, wie damals in dem engen Stübchen der Freien Straße. In dem prächtigen Gebäude, in dein die Eorrferenz tagte, sitzen die Delegierten an den Tischen, Oberst Goldsinid ftihrt den Vorsitz, über seinem Haupte weht das Banner, rechts Mr. Bentwich und Mr. Prag, auf der Rednerbühne Tr. Hirsch und Rev. H. Gollancz; blauweiße Teevrationen, eine große Anzahl von Damen — das war das Bild, das sich den Blicken des Beschauers darbot. Mr. Herbert Bentwich, der Präsident des Confer enz-Comitös, begrüßte die Anwesenden und wies angesichts des bevorstehenden Purimfestes auf die gegenwärtige Lage der Inden hin. Tann hielt Oberst Gvldsmid eine Anrede, in welcher er ganz besonder» Flachdruck auf die nationale Idee legte. Tie Verlesung vieler Telegramme und eines Briefes von Dr. Herzl wurde mit herzlicher Freude anfgenommen: Wvlfsvbn aus Cöln, der Delegierte des Centralcomitös aus Wien, wurde von der Conferenz lebhaft begrüßt; Mr. Prag las den Bericht über die Thätigkeit des Pariser Centralcomitös vor. Daun trat Dr. Hirsch in glänzender Weise für die nationale Bewegung als einen Bestandtheil der zionistischen Bewegung, ein. Seine Logik, seine geistvollen Aperens, sein Angriff auf die „Protest-Rabbini r" wurden mit ungeheurem Beifall ausgenommen und er beantragte eine Resolution, welche S. Levp ans Southsea lebbaft unterstützte. Um diese Frage drehte sich hauptsächlich die Debatte des Vormittags.