Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 9 (4.3.1898)
- Article
- Das Purim-Fest in Saragossa
- Date
- 1898-03-04
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 9 Seite 13 und Gebieter täuscht sich gewaltig, wenn er meint, dass die Juden irgendwelche „loyale" Gefühle für ihn hegen. Bei diesem Volke ist Alles nur Heuchelei und Verstellung. Selbst wenn sie am Geburtstage meines hohen Gebieters mit ihren geschmückten Thorarollen vor ihm erscheinen, so ist dies nur eine Heuchelei. Tenn die Futterale sind leer und die Thorarollen selbst lassen sie in der Synagoge zurück, um sie nicht durch den Anblick eines christlichen Fürsten entweihen zu lassen." Als der König diese Worte hörte, ergrimmte er heftig und schwur, dass er alle Juden seines Reiches vertilgen lassen werde, noch morgen, an seinem Geburtstage. Und dann werde die Reihe an die übrigen Juden des Landes kommen. An demselben Abend, als der .König den Juden Saragossa's Rache schwor, konnte der Synagogendiener Efraim Baruch keinen Schlaf finden, als er aber endlich Mitternachts einschlief, erschien ihm im Traume der Prophet Elias, benachrichtigte ihn von dem traurigen Schicksale, das der Gemeinde bevorsiehe und forderte ihn zugleich auf, die Thorarollen in ihre Futterale zurückzugeben. Der Synagogendiener legte jedoch diesem Traume keine Beachtung bei und schlief ruhig weiter. Da erschien ihm der Prophet Elias nochmals und ermahnte ihn, die Thorarollen unverzüglich in die Futterale zurückzugeben und Niemandem etwas davon mitzutheilen. Der Synagogendiener sprang nun schnell aus dem Bette und that, was der Prophet von ihm verlangt hatte. Als am anderen Tage die jüdische Gemeinde Saragossa's, mit den Futteralen ihrer Thorarollen vor dem Könige erschien, da fuhr dieser den Rabbiner und die Vorsteher barsch an, warf ihnen vor, dass sie, um ihn zu verhöhnen, „mit den leeren Futteralen vor ihm erscheinen," er habe daher beschlossen, alle Juden seines Reiches tödten zu lassen, und mit dem Gemetzel werde auch unverzüglich begonnen werden. „Oeffnet diese Futterale, die ihr in Euren Armen tragt", rief der König voller Ingrimm, „damit alle meine Unterthanen sehen, wie das verdammte Judengezücht seinen Spott, mit mir treibt und mich statt mit der Thora mit leeren Pappendeckel- und Holzfchachteln segnet." Bei diesen Worten erschracken die Juden gewaltig, und Todtenblässe malte sich auf ihren Gesichtern. Als der König ihre Verlegenheit., sah, rief er seine Diener herbei und befahl ihnen, die.Futterale den Armen der Juden zu entreißen und sie mit Gewalt zu ösinen. Aber welche Ueberrafchung für den Rabbiner und die Vorsteher, die von dem Traumgesichte, das der Synagogendiener in der vergangenen Nacht gefehen hatte, nichts wufsten, als sie in den vermeintlichen leeren Futteralen die Thorarollen erblickten! Das wirkliche Wunder an der Sache aber war, dass, als man in Gegenwart des Königs die Thorarollen öffnete, dieselben insgesammt den Vers: „Als sie noch im Lande ihrer Feinde waren, verachtete ich sie nicht und verabscheute sie nicht, um sie zu vernichten und meinen Bund mit ihnen zu zerstören. Denn ich bin der Ewige, Euer Gott," zeigten. Der König bereute es nun, einem falschen und lügenhaften Rathgeber Gehör geschenkt zu haben und befahl, den Renegaten auf der Stelle zu enthaupten, was auch geschah. Da sich dieses Wunder am 18. Schebath ereignete, so bestimmten die Juden von Saragossa, dass dieser Tag von nuir an in ihrer Gemeinde als ein Festtag begangen werde, der vorhergehende aber ein Fasttag und ein Tag der Buße sein solle. In Salonichi existiert noch jetzt eine kleine jüdische Gemeinde von ungefähr einhundenfünszig Familien, welche Abkömmlinge der Juden von Saragossa sind, und ihre eigenen Synagogen mit ihren besonderen Gebräuchen besitzen. Ein jedes Jahr versammeln sich nun noch heute die Juden am 17. Schebath, fasten an diesem Tage und begebest sich dann in die Synagoge, wo nach dem Abendgebete eine Megillah verlesen wird. Nach der Verlesung kehren sie zu ihren Familien zurück, beleuchten die Wohnungen wie an einem Festtage und verbringen die Nacht und den folgenden Tag in Jubel und bei Festgelagen, wobei, was übrigens bei Juden selbstverständlich ist, auch der Armen und Nothdürftigen nicht vergessen wird. Ta es doch unmöglich ist, zu glauben, dass aus eine bloße Legende hin jüdische Gemeinden sich herbeilassen, einen Fast- und zugleich einen Festtag zu begehen und dabei auch eine ^Megillah in der Synagoge zu verlesen, so muss diese Sage sicherlich eine historische Grundlage haben. '3t. E. M endroch owicz. & Das neue Ghetto. Schauspiel in 4 Acten von Theodor Hcrzl. P e r s Hellmann. Frau Hellmann. Charlotte Rheinberg\ örren Hermine Samuel J Tücher Samuel. Frau Samuel. Dr. Jacob Samuel. Rheinberg. Wasserstein. o n e n: Dr. Friedheimer. Rittmeister von Schromm. Dr. Bichler. Dr. Franz Wurzlechner. Peter Vednik. Ein Sollicitator. Wabi. Kathi. Resi. Diener. Ort der Handlung: Wien. — Zeit: 1S9H. Erster Act. Salon. Tapezierer-Einrichtung vom Ende der Siebzigerjahre. Alles glänzend und stark vergoldet. Haupteingang rechts. In der Mitte hinten eine offene Balkonrhür. Der Balkon ist lang und schmal. Links hinten breite Oefsnung nach dem Speisesaal. Man sieht ein Stück des Buffets. Links vorn eine ebenfalls offene Thür. Ueberall Hochzeitsgeschenke und Blumen.) 1. Srenr. Kathi, Wabi, Resi, später Bichler. Kathi (beugt sich über das Balkongitter, lugt aus). Wabi (ruft hinaus). Siehst es? Kathi. Ka Spur noch! Resi (sitzt). Der Rabbiner lasst sich halt Zeit. Reiche Leut' hab'n lange Hochzeit. Wabi. Ja, reich! Solche Brillianten hab'n f alle. Wie die Kieselsteinen. Resi. Sind halt Juden! Kathi. Na, Frau Resi, machen s Jhner's bequem? Resi. Js ja nix zum Kochen. (Deutet verächtlich hinaus.) Alles fertig bestellt. Kathi (setzt sich zu ihr). Schön war's, unser Fräul'n Hermin' in derer weißen Seiden. Wabi (setzt sich auch). Mir g'fallt der Bräutigam. Resi. Lassen's mi aus: a Jud! So a Nasen! Wabi. Ah na, Frau Resi, sauber is er schon. 5k a t h i. Und a freindlicher, guater Herr. I kenn ihm. Bichler (ist eingetreten, steht schmunzelnd). Guten Tag, meine Damen! Kathi und Wabi (springen kreischend und verlegen auf). Jeffas, der Herr Doctor! Resi (erhebt sich langsam). Kiff' d' Hand!^ Bichler. Na, wie gehl's denn, Frau Resi? Resi. D' Füaß sind halt schlecht. Na ja, in ganzen Tag auf die Steiner in der Küchel. Bichler. Ich werde Ihnen Salicyl geben. Resi. Kiff' d' Hand, Herr Doctor! (Link:' hinten ab.) Bichler (zieht feine Uhr heraus.) Um drei Uhr Gratulation. Ist denn noch niemand aus dem Tempel zurück? Wabi. Nein. Herr Doctor! Bichler. Ist mein Geschenk gut angekommen? Kathi. Was war's denn, Herr Doctor? Bichler. Eine Porcellanvase, Alt-Wien.