Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 9 (4.3.1898)
- Article
- Jerusalem
- Date
- 1898-03-04
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
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sw<r Nr 9 wird, sie würden finden, dass den armen Juden nicht mit den Almosen gedient ist, sondern dass es für deren Zukunft besser wäre, denselben Gelegenheit zu eigenem Erwerb zu geben. Deremsnalhnchtkn. Brün». Die jüdisch-nationale Verbindung „Beritas" veranstaltete am 15. Febr. a c. einen Vortragsabend, bei welchem das Berbindungsmitglied J.-U.-E. Berthold F e i w e l über „Das neue Ghetto" sprach. — Am 20. d. M. hielt Herr Dr. G o j t e i n, Rabbiner aus Nachod, im Einzelverbande „Zion" einen Vortrag über „Nationaljudenthum und Religion". Das zahlreiche Auditorium spendete den sachlichen Ausführungen des orthodoxen, aber dessenungeachtet nationalgesinnten Rabbiners lebhaften Beifall. — In der Plenarversammlung der jüdisch-nationalen Jerialverbindung „Zephir ah" wurden für das Sommersemester in den Ausschuss gewählt: sind. mech. Oscar Kramer als Präses, st-d. raeeh. Arthur Hartmann als Schriftführer, cund. ined. Theodor Tramer als Cassier. Graz. Der akademische Verein „E h a r i t a s" veranstaltet am 8. März in den Annensälen ein Purimkränzchen. Politischer Bolksverein Wien. (Ein katholischer Priester als Herold der Judeneman cipation. Ueber dieses Thema sprach am 16. Februar Herr Rabbiner Tr. Rippner aus Glogau in einer vom „Politischen Bolksverein" einberufenen Versammlung. Der Vortrag wäre ziemlich belanglos, wenn es der Redner am Schluffe nicht versucht hätte, in verblümter, aber doch ganz greifbarer Form auf den Zionismus anzuspielen. Tr. Rippner bewies eingangs seiner Rede, dass Aufklärung und Duldsamkeit nicht immer Hand in Hand gehe. Herder schämte sich z. B., mit Mendelssohn öffentlich in einem Badeorte zu verkehren. Voltaire ließ sich in seiner philosophischen Ruhe nicht stören, wenn der Pöbel die Juden auf der Straße mit Steinen bewarf. Friedrich der Große, der als Freigeist gilt, bedrückte die Juden, wie alle Könige vor ihm. Eine rühmliche Ausnahme bilde Henry Gr^goire, Bischof von Blois. Zwar war schon Mirabeau für die Emancipation der Juden eingetreten, aber er wäre nicht ohne Grügoire durchgedrungen. Die „Gesellschaft für Wissenschaften und Künste" in Metz hatte eine Preisausgabe gestellt: „Gibt es Mittel, um die Juden nützlicher und glücklicher zu machen?" Gregoire gewann den Preis. Die Ansichten, die er in seinem Buche niederletzte, waren so mnstergilrig, dass sie Dr. Rippner bis auf eine acceptierte, nämlich: die Juden besäßen einen schlechten Geruch, aber die Taufe vertreibe diesen. Und um den Zuhörern die volle Bedeutung Grögoires und auch des eigenen Vortrages vor Augen zu führen, besprach Dr. Rippner in ausführlicher Weise die literarische Fehde zwischen Gregoire und dem „bekannten Judenfeind Michaelis, der in den ,Göttinger f c u il Das Purirn-Fest in Saragossas) Unter der Regierung des Königs Alphonso V. von Aragonien konnten sich die Juden überall ganz frei bewegen und genossen die vollste Gunst des Regenten. Es war ihnen Gewerbefreiheit und unbeschränkter Aufenthalt im ganzen Lande zuerkannt. In der Stadt Saragossa wohnten zur damaligen Zeit fünftausend Familien. Elend, Verfolgung war ihnen unbekannt. Zwölf prächtige Bethäuser besaß die jüdische Gemeinde Saragossa's. Alphonso V. war ein großer Menschenfreund und wurde von jedem geliebt und verehrt. Er wählte Saragossa zur Residenzstadt und nahm seinen Wohnsitz in einem der größten und schönsten Paläste. Dem Könige zu Ehren war in der jüdischen Gemeinde von Saragossa ein besonderer Brauch angeführt worden. Am Geburtstage des Königs zogen die Juden mit den Thorarollen, die in seidene Gewänder gehüllt und mit silbernen Kronen geschmückt waren, durch die Straßen der Stadt nach dem königlichen Palast. Au der Pforte des Palastes wurden sie vom Landesfürsten und den Großen den Landes auf's Huldreichste empfangen, der Oberrabiner erhob beim Anblicke der irdischen Majestät seine Hände zum Segensspruche und stehle auf das Haupt des Königs und das Reich alles Gute und Schöne vom Anzeigen das literarische Richtschwert handhabte". Michaelis: „Die Juden sind unpatriotisch." Gregoire: „So gebt ihnen ein Vaterland und sie werden es lieben." Michaelis: „Palästina ist ja das Vaterland der Juden." Grügoire: „So lange das Unheil über den Juden hereinbricht und er zitternd das Brot des Elends isst, seufzt er nach der Ankunft des Messias. Diese Ankunft wird ihm weniger wünschenswert erscheinen, wenn die Humanität ihn frei aufathmen lässt unter dem hei mischen Dache. Er wird dieFreuden der Stunde, wenn er sie erreichen kann, nicht aufgebenfürungewiss eHosfnungend erZ ukunft." % Zkltslhlistknrun-sihau. . Das zweite Heft der literarisch-wissenschaftlichen Monatsschrift ist soeben erschienen. Eine Besprechung der in dem erschienenen Hefte enthaltenen Arbeiten lassen wir demnächst folgen. Die illustrierte Londoner Wochenschrift „Black aud "White“ brachte in ihrer letzten stummer einen ausführlichen Artikel über die zionistische Bewegung aus der Feder des Herausgebers des „Jewish World". Tie Portraits von Ga st er, Herzl und N o r d a u begleiten den Artikel. Lebhaftes Interesse erweckte in jüngster Zeit ein Aufsatz in der „Contemporary Re-iew“. der die Frage des Einwanderunasverbots bespricht und die antisemitischen Ausfälle, die zur Motivierung desselben gemacht werden, beleuchtet. Der Verfasser ist ein jüdischer Schneider, der aus Russland vor etwa neun Jahren nach Amerika kam. Er bespricht die Lage der jüdischen Arbeiter, die er aus eigener Anschauung kennt, in sachlicher Weise und belegt seine Behauptungen ziffernmäßig. Vor allem beweist Herr Deutsch, der Autor des Artikels, dass die officiell angegebene Zahl der jüdischen Immigranten Englands falsch sei. So wäre dieselbe für 1801 auf 140.000 angegeben, während sie in Wirklichkeit nur 11.000 betragen habe. Gegen den Vorwurf, dass die jüdischen Arbeiter den englischen dadurch einen schweren Eoncurrenzkampf bereiten, dass sie gegen geringere Lohne arbeiten, führt Herr Deutsch den Nachweis, dass gerade der russische Jude, der seine Frau nicht in die Arbeit zu schicken pflegt, thatsächlich einen Lohn von durchschnittlich 12 Pences pro Stunde bekommt, während die anderen sich mit 10 Pences begnügen. Auch das angeblich niedrige Sittlichkeits- und Bildungsniveau des russisch-jüdischen Arbeiters sei eine Erfindung. Auch hier lässt es sich ziffermäßig Nachweisen, dass der Schulbesuch der jüdischen Kinder einen größeren Percentsatz aufweise. Die statistischen Zahlen der Verbrechen sowohl, als auch der Sterblichkeit «besonders kleiner Kinder) lassen schließlich auf sittliche und sanitäre Zustände schließen, die bei den englischen Arbeitern durchaus nicht Vorkommen. B. I f t 0 U. Himmel herab. Run war es damals in den jüdischen Gemeinden Spaniens Sitte, dass die Thorarollen nicht um sogenannte ..E/.-Chajinr; gelegt, sondern in Futterale gesteckt wurden, gleich einer Megillah, und auf der Spitze dieser Futterale ruhte eine silberne Krone. Bei der Huldigung des Königs benutzten nun die Juden Saragofsa's gewöhnlich nur die Futterale der Gesetzesrollen, während sie die Rollen selbst, um sie nicht zu profanieren, in der Synagoge zurückließen. Das war natürlich nur den Juden bekannt. Zu damaliger Zeit traf es sich aber, dass ein gewisser Chajim Sciami dem Glauben seiner Väter untreu wurde, und zum Christenthum übertrat. Er wusste sich auch bei dem Könige so in Gunst zu setzen, dass dieser ihn mit Würden, Reichthümern und Auszeichnungen überhäufte und ihn sogar zu seinem ersten Rathgeber ernannte. Als nun wieder einmal der Geburtstag des Herrschers herannahte, veranstaltete der König am Vorabende ein Fest, und als er mit den Großen seines Reiches bei Tafel saß, kam das Gespräch auch auf die Juden. Der König sprach sich sehrlobend über die Liebes- und Loyalitätsbeweise der Juden aus und äußerte seine Freude über den schönen Brauch, dem Herrscher an seinem Geburtstage mit den Thorarollen in der Hand zu huldigen und ihn zu segnen. Als der Renegat diese königlichen Worte hörte, erblasste er vor Ingrimm: er fasste sich jedoch bald und sagte: „Mein Herr *i Aus denOHebrätschen übersetzt.