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Die Welt · 1898-03-04 · 9 (4.3.1898) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
9 (4.3.1898)
Article
Storozynetz (Bukowina)
Date
1898-03-04
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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verein zu begründen, den man aber in Folge vieler Schwierigkeiten abseits lassen musste, ist nun in Erfüllung gegangen. Am 6. Februar fand in der großen Synagoge eine jüdische Volksversammlung statt, in der Dr. I. R o m m e r vor der fast ausnahmslos erschienenen Judenschaft über den Zionismus referierte. Der Redner schilderte an der Hand eines reichen statistischen Materials die progressive Proletarisierung des jüdischen Mittelstandes, der einem Elend ohne Ende entgegengehe. Unter der Wirkung dieser Rede constituierte sich ein Zionsverein, der auf dem Boden des Baseler Programmes steht, und dem sofort 90 Mitglieder beitraten. Jaroslau. Die hiesige Ortsgruppe „BnejZion" hielt am 13. v. M. eine außerordentliche Generalversammlung zum Zwecke der Wahl eines Ausschusses ab. In denselben wurden gewählt: Dn Emil Blumenfeld — der Delegirte unseres Vereines am Baseler Eongresie — zum Präsidenten, Dr. Max Feldmann zum Vice-Präsidenten. Wir geben uns der Hoffnung hin, dass der neugewählte Ausschuss durch thatkräftiges Austreten alles Mögliche aufbieten wird, um den Ansprüchen, die an ihn gestellt werden, gerecht werden zu können. Piatra. Rach mehreren vergeblichen Versuchen ist es endlich den Herren D. Davidovici, L. Berger, I. Schwarz und A. Rose gelungen, einen Verein junger Handwerker mit dem Namen „Zion" hier zu gründen. Die Zahl der Mitglieder beläuft sich bereits auf 40. Nun hofft man, dass sämmtliche junge Handwerker dieser Stadt dem Vereine beitreten werden, dessen einziger Wunsch es ist, die ganze hiesige Jugend in einer brüderlichen Vereinigung zu sehen. Der Verein hat auch eine Abendschule für Erwachsene errichtet; unter Anderem wird auch hebräischer Unterricht ertheiE. A. A. Basel. Wenn man von Baseler Zionisten spricht, darf man nicht allein an jene Juden denken, die im August vorigen Jahres auf dem Boden der gastfreundlichen Stadt sich aus den verschiedensten Ländern zusammengesunden haben, um den Grundstein zum Nationalbau zu legen. Basel selbst besitzt Zionisten, begeisterte Zionisten, und was die Stadt umso rühmlicher vor anderen Städten hervorhebt, ist der Umstand, dass ein großer Theil der christlichen Einwohner dem Zionismus ihre Sympathie offen und klar zum Ausdruck bringt. Dieses Zusammenwirken der jüdischen und christlichen Zionisten sichert dem Zionismus in der Schweiz trotz der mannigfachsten Widerwärtigkeiten die Zukunft. Vorige Woche wurden wir durch die Uebersendung eines Liedes überrascht, das am Laubhüttenseste 1812 im Hause Picard & Venedig in Basel gesungen wurde. Der christliche'Verleger P. Kober veranstaltete die 'Ausgabe. Und heute liegt uns bereits die erste Mittheilung des Baseler Zionistenvereines vor. Bescheiden und geräuschlos ist dieser in die Agitation getreten. Ohne den Aufwand oratorischer Behelfe, was doch so nahe läge, ja selbst ohne den geringsten „Eommentar" lesen wir „die Judennoth in Rumänien." Mit der Wiedergabe dieses Artikels der „Welt" halber Verein bewiesen, dass er fernab von jederphilanthropischen Schwärmerei oder weltverbessernden Laune den . Zionismus als eine nationale Frage der ganzen Judenheit erfasst hat, dem selbst das günstigste Verhältnis, wie die gegenwärtige Situation der Juden in der Schweiz, nicht widerspreche. Das Flugblatt soll den Beginn einer ganzen Serie von Eorrespondenzen und Mittheilungen bilden. Wir werden uns freuen, von den kommenden zu berichten. 6el>' Rew-Hork. Ein eigenartiger zionistischer Verein wurde hier jüngst gegründet, nämlich von jungen Knaben im Alter von 12 Jahren angefangen. Die chngen Zionisten nennen ihren Verein „Näare Zion* („Die Jungen Zions") und zahlen einen wöchentlichen Beitrag von je 3 Cents. Ihre Versammlungen halten sie im Hause ihres Genossen Hurwitz ab. Es war dies eine freudige Ueberraschung, als diese „Jungen Zions" letztens in der zionistischen Volksversammlung als geschloffene Körperschaft erschienen, in geschlossenen Reihen Platz nahmen und den Rednern aufmerksam zuhörten. Ihr provisorischer Präsident, ein Vierzehnjähriger, bestieg die Rednerbühne und hielt eine kurze begeisterte Ansprache in schönstem Englisch. „Hupisgoh*. Tan Francisco. In der hiesigen Synagoge „Newe Zedek" fand vor einigen Tagen eine zahlreich besuchte Zionistenversammlung statt, in welcher HerrRev.Dr.Mosessohn eine glänzende Rede hielt. Der Referent beleuchtete in klarer Weise die angebliche Mission der Juden, Licht unter den Böllern zu verbreiten; dieser Mission hätten sie lange genug getreue Dienste geleistet, und es wäre nun wahrlich an der Zeit, an die eigene Wohlfahrt zu denken, die sie nur in ihrer eigenen Heimat erreichen können. Nach ihm sprach der Rabbiner der spanischen Gemeinde, Herr Berm a n, und erntete großen Beifall. Es wurde sofott die Gründung eines zionistischen Vereines in Angriff genommen, und die meisten der Anwesenden meldeten ihren Beitritt an. B. Cairo. Ter neugewählte 'Ausschuss des zionistischen Vereines „Bar Eochba" entwickelt eine sehr lebhafte Agitation. Am 2. Februar fand eine Vereinsversanuulung statt, in der Herr Sterner über das Arbeitsprogramm des Vereines und der Präsident, Herr Kornfeld, in längerer Rede über die Wichtigkeit der Agitation im engen Familienkreis sprach. Für den 9. Februar hatte die Vereinsleitung eine allgemeine Volksversammlung einberufen, in der in fünf verschiedenen Sprachen über den Zionismus referiert wurde. Es sprachen unter großem Beifall der Versammelten die Herren: Kornfeld (hebräisch), Bettelheim (italienisch). Kreutschmar (arabisch), Harmalin und Hornstein «französisch), Weinstein (jüdisch-deutsch). Ganz besonders muss die Leistung des Herrn Hornstein hervorgehoben werden. Er verstand es durch seinen geistreichen Vortrag die Versammlung derart zu begeistern, dass er mehrmals von stürmischem Beifall unterbrochen wurde. Ebenso begeisternd wirtte die arabische Rede des Herrn Kreutschmar, der für sich das Verdienst in Anspruch nehmen darf, die nur arabisch sprechenden Juden mit den Zielen des Zionismus bekannt gemacht zu haben. Mit der Schekelsammlung wurde bereits begonnen. Die Agitation in Egypten, wo die Juden aus den verschiedensten Ländern zusammenströmen, hat große Schwierigkeiten zu überwinden, da es an einer einheitlichen, allgemein verständlichen Sprache mangelt. Wie gut wäre hier das Hebräische! & ConchmdenM. O efterreich-Ungarn. Brünn. (Orig.-Corr.) In Brünn, wo bekanntlich nach den Versicherungen der dortigen „Deutschen mosaischer Confession" nicht einmal Spuren von Antisemitismus zu entdecken sind und wo die bösen Zionisten das einzige störende Element für die so rührende Harmonie zwischen „arischen und semitischen Deutschen" bilden, weshalb diese Störenfriede im höheren Aufträge selbst von der Kanzel herab beschimpft werden, wurde von den Deutschvolklichen am letzten Faschingsdienstag in den Räumen des „Deutschen Hauses" ein Fest veranstaltet, welches zugleich eine Art Revue über die Anhängerschaft der deutschvolklichen Partei in Brünn bilden sollte. Dieser Nebenzweck des Festes wurde offenbar in einer die Veranstalter im höchsten Maße beftiedigenden Weise verwirklicht, denn das Organ der „Deutschvolklichen" Brünns meldet mit Genugthuung, dass das Fest den Beweis erbracht habe, dass „die deutsche Bürgerschaft Brünns fast ausnahmslos im deutsch-vvlklichen Lager steht." Für den aufmerksamen Beobachter der Vorgänge in Mähren bildet dieses Ergebnis keine Ueberraschung, denn ein solcher weiß längst, dass die sogenannten „Liberalen" in Mähren, soweit sie nicht beiden Parteien — der deutsch fortschrittlichen und der deutschvolklichen — gleichzeitig angehören, wie beispielsweise gewisse „liberale" Führer, sich doch um der „Gemeinbürgschast aller Deutschen" willen gerne der Führerschaft der „Deutschvolklichen" unterordnen. Doch soll weiteren Kreisen der Judenschaft nicht vorenthalten bleiben, dass die piece de resistanro des Festes ein Maskenscherz bildete; ein „Deutsch volklicher" erschien als polnischer Jude verkleidet und wurde, so oft er den Saal betrat, von.Gcnsdarmen ergriffen, geschlagen, gestoßen und aus dem Saale geführt. Nach dem Hinauswurs kehrte er jedesmal sogleich wieder, woraus sich dasselbe Schauspiel zur allgemeinen Belustigung wiederholte. Der Jude scheint nun einmal zum eisernen Bestände der deutschvolklichen Belu stigungen zu gehören. Allein diesmal handelt es sich nicht blos um einen harmlosen Scherz, wie ettva bei der Sonnwendfeier, welche die Deutschnationalen Brünns im Jahre 1896 veranstaltet haben, bei der aus dem von sämmtlichen Festtheilnehmern — zu welchen sämmtliche deutsch liberale Vereine Brünns gehörten — im Reigen umhüpften flammenden Holzstoß ein Jude in effi-ie verbrannt wurde, sondern diesmal sollte zugleich die treue Anhänglichkeit der mährischen Juden an das Deutschthum symbolisch dargestellt werden. Aber man glaube ja nicht, dass die „Deutschen mosaischer Consession" durch diese ihnen erwiesene zarte Aufmerksamkeit zum Nachdenken über ihr Deutschthum angeregt werden. Die fteisinnige Brünner „Sonntagszeittmg" erklärts angesichts dieses Vorfalls, dass der Antisemitismus überhaupt nicht ernst zu nehmen sei, und so dürfen die „jüdischen Deutschen" ihr Geld auch weiterhin deutschen Zwecken widmen und können auch weiterhin von deutscher Größe und Herrlichkeit ttäumen. Lemberg. Wenn ein bedeutender europäischer Schriftsteller sein Schriststellerjubiläum feiert, so werden ihm zu Ehren Bankette veranstaltet, Huldigungsadressen geschickt, die Zeittmgen bringen spaltenlange Artikel über seine Biographie und seine Werke. Kurz und gut, man erachtet es als eine Pflicht, an der Ehrung des Mannes theilzunehmen. Wie anders ist es bei uns? In voriger Woche feierte einer der bedeutendsten

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