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Die Welt · 1898-03-04 · 9 (4.3.1898) · p. 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
9 (4.3.1898)
Article
Zum Kapitel: Juden in Moskau
Date
1898-03-04
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 9 Seite 9 dem Rectorate der Moskauer Universität nahegelegt wurde, die jüdischen Hochschüler, die bereits das Sieb der süns Percent passiert haben, noch auf ihr Aufenthaltsrecht in Moskau, das auf der Angehörigkeit der Eltern zu der ersten Gilde der Kaufmannschaft oder zu der bereits sehr geringen Anzahl der Soldaten aus der Zeit Nikolaus I. beruht, zu prüfen. Falls ein derartiges Aufenthaltsrecht nicht uachgewiesen wird, haben die Betreffenden trotz des Procentverhältuisfes Moskau zu verlafsen. Nunmehr wird dieselbe Verfügung auch auf die jüdischen Mittelschüler ausgedehnt, die im eigenen Interesse, um Zeit und Kosten zu ersparen, aufgefordert werden, um die Aufnahme in die Moskauer Mittelschulen nicht zu competieren. Jüdische Feigheit. Das für das Weichselgebiet amtliche, sonst aber tadellos antisemitische Organ ,. Warsciiawsky Dnewnik44 berichtet über folgenden Vorfall: Anastasia Schuljaeff, die elfjährige Tochter des Geusdarmerie-Unterofficiers aus der Eisenbahnstation Suchoduew begab sich nach dem benachbarten Dorfe um Einkäufe zu besorgen, und benützte dazu den Weg über den fest zugefrorenen Teich. Die Eisdecke gab aber plötzlich nach und das Kind versank unter dem Eis. Diesen Vorgang bemerkten einige Passanten, die aber keine Anstalten trafen, der Ertrinkenden zu Hilfe zu eilen. Der Jude S e n d e l M ü h l st e i n, der sich der Gruppe näherte und den Vorfall vernahm, erweiterte die Oeffnung im Eise, tauchte unter und kam nach längerer Zeit mit dem scheinbar leblosen Körper des Mädchens zum Vorschein. Tank angestellter Wiederbelebungsversuche gelang es, das Mädchen zu sich zu bringen. Der Teich ist an dieser Stelle fast zwei Meter tief. Da der ganze Vorgang von vielen Personen, die zugegen waren, beobachtet wurde und das Tagesgespräch in Gouvernement Kjelce bildet, macht die locale Behörde die entsprechende Vorstellung, um für S. Mühlstein die Rettungsmedaille.zu erwirken." Eine kleinruffische Borstellung zu Gunsten der jüdischen Colonien. Dem „Wosehod** wird aus Luzk, Gouvernement Wolhynien, gemeldet: Am 15. Jänner faitt* im hiesigen Adelscasino eine Theatervorstellung zugunsten der Odessaer „Gesellschaft zur Unterstützung der Ackerbau und Gewerbe treibenden Juden in Syrien und Palästina", kurzweg das „Odessaer Counto" genannt, statt. Es wurde das Schauspiel von A. M. Maximvw „Die Jüdin" durch eine kleinrussische Schauspielergesellschaft, unter der Leitung des Herrn Bobroff- Bondartschenkv aufgesührt. Ter Theatersaal war ausverkauft und vom christlichen und jüdischen Publicum überfüllt. Diese Veranstaltung ist umso erfreulicher, als eine Wohlthätigkeits- Vorstelluug in Russland nicht ohne weiteres bewilligt wird. 21«^ Amsterdam wird gemeldet, dass dorr eine Anzahl Pariser jüdischer Familien eintraf, und sich Wohnungen miethete. Auch Baron Edmund v. Rothschild soll, wie das Gerücht besagt, nach Holland zu übersiedeln gedenken. Errichtung des Rabbinerseminars für die Türkei. Ende Jänner wurde, dank dem Entgegenkommen der -Hlianee Isi aelile das Rabbinersemiuar sür das türkische Reich eröffnet. Es bedurfte einer mehrjährigen intensiven Arbeit, um die, nicht so sehr materiellen als moralischen Hindernisse zu beseitigen, die hauptsächlich von den orthodoxen spagnolischen Gemeinden dem Werke in den Weg gelegt wurden. "Nunmehr gaben sie nach mit der Bedingung, dass die Besetzung des Postens des Talmudlehrers dem Oberrabbiner Vorbehalten bleibe. Zum Directvr dieser Schule wurde ein junger Gelehrter, Herr Danon aus Adrimwpel ernannt, der sich um ihre Errichrnug am meisten verdient gemacht hat. Hygiene in Jerusalem Eine Art Board of Health, aber auf freiwilliger Grundlage, soll nunmehr in Jerusalem errichtet werden. Wer die desolaten hygienischen Verhältnisse in dieser Stadt aus persönlicher Erfahrung kennt, wird auf's Freudigste dieses Gesundheitsanit begrüßen. Das jüdische Viertel, dessen arme, aus Greisen im überwiegenden Verhältnisse bestehende Bevölkerung besonders darunter leider, muss einer gründlichen Sanierung unte'zogen werden, damit die Missstände endlich aufhören, eine ständige Rubrik in den Berichten aller Palästina-Reisenden zu sein. Die Bibel in China. In der Breslauer Zeitung lesen wir, dass beim letzten Reichsexamen in Nan-tscha-fu (in der Provinz Zzan-schi* den Candidaten der zweiten Rangsclasse folgendes Thema zur Bearbeitung gestellt wurde: Noah und seine Familie oder die Bevölkerung der Erde nach der großen Flut. Als Quelle war das alte Testament empfohlen worden. Infolge dessen war eine große Nachfrage nach Bibeln, und an einem Tage wurden 50 Exemplare der heiligen Schrift verkauft. Es ist das erstemal in der Geschichte Chinas, dass beim Examen von den Studenten die Kenntnis der Bibel verlangt wird. Die größte Schule der Welt ist die jüdische Schule in Whitechapel (London). Sie wird von 3500 Schulkindern besucht und besitzt 100 Lehrer. Die Kinder recrutieren sich aus den allerärmsteu jüdischen Familien des Ostend. Tie Schule verdankt ihre Existenz hauptsächlich der Unterstützung Lord Rothschilds. Jeder Schüler, der es wünscht, erhält morgens ein freies Frühstück. Außerdem bekommt jedes Schulkind einmal oder zweimal des Jahres einen neuen Anzug. Unglücksfall in einer Synagoge. In der Synagoge zu Zdienciol (Gouvernement Grodno, Russland) wurde am 9. Februar bei überaus starker Betheiligung eine Gedächtnisfeier sür den verstorbenen Rabbiner abgehalren, als der überfüllte hölzerne Frauenchor plötzlich eiustürzte. Es entstand eine große Panik, alles drängte nach dem Ausgange. Hiebei wurden 12 Frauen, 5 Männer und 3 Kinder zu Tode gedrückt. Viele Männer und Frauen wurden schwer oder leicht verletzt ins Spital gebracht. Die Synagoge wurde von der Polizei bis aus Weiteres geschlossen. Der Verein „Tschechische Brüderschaft" in Prag hat an den Abgeordneten Schneider und Genossen ein Schreiben gerichtet, in dem er den genannten Abgeordneten sür ihr Eintreten gegen das Schächten den Dank ausspricht und betont, dass der Verein gerade jetzt gerne Veranlassung genommen, zu conftatieren, dass zwischen aufrichtigen Angehörigen der deutschen und tschechischen Nationalität eine Verständigung möglich sei auf dem Boden gemeinsamer Interessen. W Me nonMche Bewegung. Spenden für zionistische Zwecke sind an Herrn Tr. C1. Kokesch, Hof- und Gerichts-Advocaten in Wien, I., Singer ftraßc 25, zu senden. Horodenka. Wieder haben wir — Samstag, am 12. v. M. — Gelegenheit gehabt zu sehen, wie mächtig das lebendige Wort wirkt. Herr Dr. Malz aus Lemberg war es, der gelegentlich seines Hierseins durch eine Rede über die erlösende Idee des Zionismus uns einen genussreichen Abend verschaffte. Nicht durch hochtrabende Phrasen und rhetorische Schnörkelei suchte der Redner die Gemüther zu berücken, vielmehr zeichnete sich seine Rede durch reine Sachlichkeit aus, welche aber ein inniger, warmer Ton durchzitterte und von ihrem Ursprung zeugte, einem jüdischen Herzen: und das jüdische Herz verstand sie. Oswiecirn. Die am 12. Februar 1898 abgehaltene jüdische Volksversammlung war ein glänzender Beweis für die Lebenskräftigkeit des Zionismus, illicht nur, weil übereinstimmend der Zionismus als einzig mögliche erlösende Formel angenommen wurde, sondern auch deshalb, weil fast alle maßgebenden Juden erschienen waren. Es wurde die Gründung einer zionistischen Ortsgruppe gemäß den Satzungen des Baseler Programmes beschlossen, der die Herren Groß und W. S o b e l vorstehen. ~ Wojnilow. Im Sinne des Baseler Eongressprogrammes hat sich auch hier eine Zionsgruppe mit dem Namen „Dorsche Zion" constituiert. Behufs Ausarbeitung der Vereinsstatuten wurden ins prov. Eomite gewählt die Herren: S. Singer. B. Graubar t, M. Singer und I. Grünberg. Die Statuten sind bereits der Statthalterei überreicht worden. Kolomca. Am 13. v. M. hielt im hiesigen Zionsvereine „Beth Israel" Herr Rabbinacscandidat Eh. T h u m i m einen Vortrag über „Jehuda Halevv", der von den zahlreich anwesenden Zuhörern mit großem Beifall ausgenommen wurde. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgte man den glänzenden Ausführungen des jugendlichen Vorlesers. Zum Schluffe las Herr Thumim ein von ihm verfasstes hebräisches Gedicht, betitelt' ,3« uth eher* vor, das nebst dichterischem Schwung viele tiefe Gedanken enthält. Das Gedicht erscheint demnächst gedruckt im Verlage des Vereines „Beth Israel". Storozynctz (Bukowina). Der Zionismus hat sich endlich auch bei uns durchgerungen. Der langgehegte Wunsch, einen Zions-

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