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Die Welt · 1898-03-04 · 9 (4.3.1898) · p. None

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
9 (4.3.1898)
Date
1898-03-04
Page
None (sequence 1)
Language
German
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Sonntag den Kr^März versammelt sich in der Clerkenwell Town Hall zu London die Conferenz englischer Zionisten, die erste große Zusammenkunft dieser Art, seit der politische Zionismus den. Boden Englands betreten hat. Acht Tage vor Schluss der Anmeldungslisten waren bereits IM Delegierte zur Conserenz angesagt. Diese 130 Delegierten vertreten über zehntausend Mitglieder von zionistischen Körperschaften Großbritanniens. Delegierte wurden entsendet von sieben Londoner Gesellschaften, ferner von Vereinigungen in Birmingham, Dublin, Exeter, Glasgow, Hanley, Liverpool, Limerick, Leeds, Manchester, Norwich, Portsmouth, Plymouth, Sheffield und South-Shields. Und wenn wir diesen Katalog englischer Städte ausrollen, will uns secundenlang, ein Stolz überstiegen. An allen diesen Orten wird der. Zionsgedanke gehegt und gepflegt. Von Plymouth im Süden bis Glasgow im Norden, von Portsmouth über. Birmingham nach Manchester, und von Liverpool über die irische See mach Dublin schlingen sich die Fäden, und in Clerkenwell Town Hall sollen fie zu einem guten Seil gedreht werden. Dieses Seil ist aber wieder nur ein Faden im Vergleiche zu dem starken Tau, das aus allen Ländern ausgebracht wird/ und womit wir dereinst das glückhafte Schiff der Nation verankern werden, wenn wir anlangen vor der verheißenen Küste. In Clerkenwell Town Hall ist nur ein einziges Land vertreten, und nicht einmal das stärkste in der verhältnismäßigen Theilnahme am Zionismus. In manchem anderen Lande stellt die Judenschäft einen weit höheren Percentsatz zu unserer Bewegung, weil ja die politische, sociale und öconomische Lage auf die Recrutierung unserer Reihen einen unleugbaren Einfluss hat. So gut wie in dem britischen Reiche geht es den Juden jetzt nirgends mehr in der Welt, es ist die letzte glückliche Insel der modernen Juden. Es gab noch bis vor kurzem Gebiete, die wir für immer der Menschlichkeit und Gleichberechtigung gewonnen hielten. Das war ein T.raum. Ueberall ist der Jude ein minderwertiger Bürger, wenn er überhaupt als Bürger gilt. Nur in England ist der Jude vollwertig, und er ist beinahe noch unangefochten. Wir continentalen Juden können uns eigentlich nicht viel darauf einbilden, wenn wir am Ende aller Auskunftsmittel, gedemüthigt, von sämmtlichen Nationen und Parteien verstoßen und nur von den Extremen als Mitläufer geduldet, wenn wir zu unserem alten Stamme heimkehren. Aber die englischen Juden haben das heute sozusagen nicht nöthig, und sie thun es dennoch. Das ist etwas gar Herrliches, und darum blicken wir mit Slolz und Rührung auf sie und senden einen begeisterten Gruß unseren Brüdern nach Clerkenwell Town Hall. Anders als unsere Stammesgenossen in Frankreich, die jetzt so schwer heimgesuchl sind, haben sie nicht auf den Ausbruch des Hasses gewartet, um ihre Solidarität mit dem ganzen zerstreuten Volk in sich zu entdecken. Das ist ein Ruhmestitel für die englisch en^Zionisten, den wir ihnen freudig zuerkennen. Auft, ihnen ruhen viele unserer Hoffnungen und diese haben ja auch vom AnbeginnUr jetzigen Bewegung aus ihnen geruht. Wohl gab es eine vorübergehende.Trübung, als die englischen Chovevi-Zion im vergangenen Sommer erklärten, am Baseler Congress nicht, theilnehmen zu wollen. Der Mehrheit dieser Londoner Körperschaft wollte die Zweckmäßigkeit des allgemeinen , Congresses nicht einleuchten, und die officieüe Vertretung;unterblieb. - Wir haben uns durch dieses Verhalten, keinen Augenblick irre machen lassen in unserem Vertrauen aus die Zuverlässigkeit der lovcrs of Zion. Wir wussten, dass sie sich'. früher oder später mit dem Kern des Volkes wieder, vereiingerr würden, und das ist auch wirklich schon geschehen, früher sogar als wir es erwarteten, und mit einem Freimuth/der ihnen zur höchsten Ehre gereicht. Müssig sind die Untersuchungen, ob der Baseler Congress sich den Anschauungen der Londoner Herren oder die Londoner Herren sich den Anschauungen des Baseler Congresses angeschlossen haben. Ein Streit um die Priorität wäre sinnlos. Wir wollen alle dasselbe. Ein Ziel schwebt uns allen vor den Augen, Eine Sehnsucht nach Erleichterung erfüllt uns alle, und in dem Ideal, für das wir geduldigen Muthes zu Felde ziehen, ist etwas Vereinigendes, nichts Trennendes. Welcher einsichtige Jude vermag heute, nach zwei kurzen Jahren des politischen Zionismus, noch zu leugnen, dass diese Bewegung eine förderliche ist? Sie hat nach außen das tief gefunkene Ansehen der Juden gehoben, nach innen bedeutet sie eine Stärkung des Gefühls der Zusammengehörigkeit, und wenn auch zur Stunde die Verheißungen noch nicht erfüllt sind, so blinkt doch in der 'Nacht unseres Volksschicksals ein Schimmer von Trost auf. Dort hinaus zu liegt die Freiheit! Immer größerer Mafien bemächtigt sich die Erkenntnis, dass es nur den Ausweg aus der Noth gebe, den wir seit Jahr und Tag bezeichnen. Gewachsen ist in dieser Zeit der Antisemitis-

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