Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 8 (25.2.1898)
- Article
- Berlin
- Date
- 1898-02-25
- Page
- 11 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 8 Jfcowar Deutschland. Berlin. Die „Kreuzz." vom 16. Februar berichtet: Das Gerücht von einem Ritualmord setzte unlängst, wie der „ft1. H. Z." mitgetheilt wird, die Einwohnerschaft von Skaisgirren in Aufregung und macht auch gegenwärtig viel von sich reden. Bor einiger Zeit war das Dienstmädchen eines jüdischen Kaufmannes im Ort spurlos verschwunden: augestellte Recherchen haben über das räthselhaste Verschwinden des Mädchens bisher keine Aufklärung gegeben, wohl aber Veranlassung zu dem erwähnten dunklen Gerüchte. Frankreich. P r o c e s s Zola. Das Plaid oyer des Angeklagten. „In der Kammersitzung vom 22. Jänner hat der Minister- Präsident Mi-line unter frenetischem Jubel seiner gefälligen Majoritär erklärt, dass er zu den zwölf Bürgern, in deren Hände er die Vertheidigung der Armee gelegt, Vertrauen habe. Da hat er von Ihnen gesprochen, meine Herren, und ebenso wie General Billot sein Urtheil dem Kriegsgerichte dictiert hatte, den Major Eßterhazv fteizusprechen, indem er von der Tribüne ans seinen Untergebenen den militärischen Befehl von der undiscutierbaren Achtung vor der Oliose jugec gab, so wollte auch Herr Möline Ihnen die Ordre geben, mich im "Namen der Armee zu verurtheilen, welche beschimpft zu haben er mich beschuldigt. Ich überlaste es dem Gewissen aller ehrlichen Leute, diese Pression der öffentlichen Gewalten auf die Justiz des Landes zu beurtheilen. Das sind abscheuliche politische Sitten, welche eine fteie Nation entehren. Wir werden sehen, meine Herren, ob Sie gehorche:: werden. Aber es ist nicht wahr, dass ich vor Ihnen stehe durch den Willen des Herrn Meline. Er hat nur der Nolhwendigkeit, mich zu verfolgen, in großer Verwirrung und in der Angst vor dem neuen Schritt nachgegeben, den die Wahrheit auf ihrem Wege machen sollte. Das weiß die ganze Welt. Wenn ich vor Ihnen stehe, so ist es, weil ich es gewollt. Ich allein habe es entschieden, dass die dunkle, die ungeheure Angelegenheit vor Ihre Jurisdiction komme, und ich allein bin es, der Sie aus freiem Willen gewählt har, Sie, den höchsten und unmittelbarsten Ausfluss der französischen Gerechtigkeit, damit endlich Frankreich Alles wisse und sich ausspreche: meine Handlungsweise hat keinen anderen Zweck gehabt und meine Person bedeutet nichts dabei. Ich habe sie geopfert und bin zufrieden, die Ehre der ganzen "Nation in Ihre Hände gelegt zu haben. Sie werden es mir daher verzeihen, wenn das Licht in Ihren: Gewissen noch nicht vollständig ist. Das ist nicht mein Fehler. Es scheint, dass ich geträumt habe, als ich Ihnen alle Beweise erbringe:: wollte, indem ich glaubte, dass Sie allein würdig, allein berufen sind. Man har begonnen. Ihnen mit der linken Hand zu nehmen, was man Ihnen mit der rechten zu geben schien. Mar: schien wohl Ihre Jurisdiction anzunehmen, aber wenn man das Vertrauen in Sie hatte, dass Sie die Mitglieder eines Kriegsgerichtes rächen würden, so blieben doch gewisse andere Officiere unerreichbar und Ihrer Gerechtigkeit entzogen. Begreife das, wer kann. Das ist eine "Absurdität, gepaart nur Heuchelei, und der offenbare Augenschein ergibt, dass man an Ihrem Menschenverstand ziveifelt, dass man nicht gewagt hat, die Gefahr zu laufen, uns "Alles sagen und Sie über Alles richten zu lasten. Man behauptet, man habe den Scandal eindämmeu wollen. Was halten Sie von diesem Scandal, von meinem Vorgehen, das darin bestand. Sie mir dieser "Affaire zu befassen, damit das in Ihnen verkörperte Volk durch Sie zum Richter würde? Man behauptet ferner, dass man eine verschleierte Revision nicht annehmen konnte. Damit hat man eingestanden, dass man sich im Grunde vor Ihrer souveränen Controlc fürchtet. Das Gesetz hat in Ihnen seine Vertreter, und es ist dieses Gesetz des Volkes, das ich gewünscht habe, das ich als guter Bürger hochachte und nicht das zweideutige Verfahren, zu den: man Sie selbst har erniedrigen wollen. Ties, meine Herren, ist meine Entschuldigung dafür, dass ich Sie aus Ihren Geschäften herausgerissen habe, ohne dass ich doch die Macht hatte, Ihnen all' das Licht zu erschließen, das ich ersehnte, das volle Licht. Ich habe nur dieses eine leidenschaftliche Verlangen gehabt. Diese Debatten haben es Ihnen bewiesen, wir haben Schritt für Schritt ein hartnäckiges Verlangen nach Verdunkelung zu bekämpfen gehabt. Ein Kampf war nöthig, um jedes Endchen Wahrheit hervorzuziehen. Man hat über Alles discutiert, hat uns Alles verweigert, hat unsere Zeugen terrorisiert in der Hoffnung, uns an der Beibringung unserer Beweise zu verhindern, und Ihretwegen haben wir gekämpft zu dem Zwecke, dass dieser Beweis Ihnen vollständig vorgelegt würde, damit Sie sich ohne Reue, nur Ihrem Gewissen folgend, aussprechen könnten. Ich bin also gewiss, dass Sie unsere Bemühungen in dieser Richtung würdigen rverden und dass im klebrigen genügend Klarheit verbreitet worden ist. Sie haben die Zeugen gehört. Sie werden meinen Bertheidiger hören, der Ihnen die wahre Geschichte vortragen wird. Diese Geschichte, welche alle Welt in Athen: hält und die doch Niemand kennt. Und so bin ich ruhig. An Ihnen ist es jetzt, die Wahrheit z>: ergründen, sie wird ans Licht kommen. Herr Mclline hat geglaubt, Ihnen Ihr Urtheil dictteren zu können, indem er Ihnen die Ehre der Armee,anvertraute. Im Namen dieser Ehre der Armee appelliere ich selbst an Ihre Gerechtigkeir. Ich stelle Herrn Meline das ausdrücklichste Dementi entgegen: ich habe niemals die Armee beleidigt. Ich habe im Gegentheil meine Liebe, meine Achtung für die "Nation in Waffen ausgesprochen, für unsere lieben französischen Soldaten, die sich bei der ersten Drohung erheben und den französischen Boden vertheidigen toürden. Es ist gleichfalls falsch, dass ich die Chefs, die Generale angegriffen habe, die sie zum Siege führen würden. Wenn einige Persönlichkeiten in den Bureaux des Kriegsministeriums die Ariuee selbst durch ihre Umtriebe compromittiert haben, greift man die ganze Armee an, wenn man das sagt? Handelt man nicht vielmehr als guter Bürger, wenn man diese Armee so von jeder Mitschuld losspricht, wenn man den Allarurruf ertönen lässt, damit die Fehler, die allein uns schon einmal zu Besiegten gemacht, nicht wiederkehren und nicht zu neuen Niederlagen führen? Ich vertheidige mich übrigens nicht: ich überlasse es der Geschichte, meine Handlungsweise, welche notywendig war, zu richten. "Aber ich erkläre, dass man die Armee entehrt, »venu man Solchen, welche die Waffe trogen, gestattet, den Commandanten Eßterhazp nach den schamlosen Briefen, die er geschrieben har, zu umarmen. Ich erkläre, dass die tapfere Arnree jeden Tag durch Banditen beschimpft wird, die unter den: Vorwände, sie zu vertheidigen. sie n:it ihrer niedrigen Gemeinschaft beschmutzen, indem sic "Alles, was Frankreich noch Gutes und Großes aufweift, in den Schmutz zerren. Ich erkläre, dass Jene diese große nationale Armee entehren, w e lch e den Rui: „H och die Armec!" mit d e m Rufe: „Nieder mir den Juden!" verbinden. Sie haben auch gerufen: „Hoch Eßrer hazy!" Großer Gott, das Volk des heiligen Ludwig, Bayard's und Condö's, das Volk, welches hundert große Siege zählt: das Volk der großen Kriege der Republik und des Kaiserreiches : das Volk, dessen Kraft, Annntth und Großherzigkeit das Weltall geblendet har, ruft: „Hoch Eßterhazv!" Das ist eine Schmach. Wahrheit und Gerechtigkeit allein können uns reinwaschen, können die Legende zerstören, die sich gebildet har: Drepfns ist gerecht und gesetzlich durch sieben unfehlbare Offfciere vernrtheilt worden, die man nicht einmal eines Jrrthnms verdächtigen darf, ohne die ganze Arn:ee zu beleidigen. Er büßt in Martern sein schändliches Verbrechen, und da er Jude ist, so hat sich ein jüdisches Spndicat, ein inrernattouales Spndicac der Vater landslvsen gebildet, das über hundert von Millionen zu dem Zwecke verfügt, den Verräther durch die schamlosesten Manöver zu rerren. Dieses Shndicat hat sich au das Werk gemacht, Verbrechen auf Verbrechen zu hänfen. Es kauft die Gewissen, versetzt Frankreich in eine tödrliche Erregung, beschließt, es an den Feind zu verkaufen, Europa mir einem allgemeinen Kriege zu überziehen, um nur nicht auf seinen schrecklichen Plan zu verzichten. Das ist sehr einfach, selbst kindisch und albern, wie