Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 8 (25.2.1898)
- Article
- Hotzzu-Aszo (Ungarn)
- Date
- 1898-02-25
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 10 Nr. 8 Die hiesige jüdisch-nationale akademische Jagend, welche durch Vorträge aus der jüdischen Geschichte und Literatur Vieles zur Verbreitung der zionistischen Idee und Popularisierung derselben beigetragen hat, schloss sich auch der allgemeinen Kundgebung für Zola an. Am Tage des Beginnes seines Procesies wurde —- auf Anregung des Schreibers dieser Zeilen — ein längeres Telegramm an Zola nach Paris entsendet. IVi. K Obertyn. Am 10. Februar wurde hier ein Verein „Zion" gegründet, dem die Herren 21. Emsig, M. M o s l e r, S. B a 1t u ch , 21. L. K i e s l e r vorstehen. Lhrzanow. Am 14. Februar wurde hier eine jüdische Volksversammlung unter dem Vorsitze des Herrn Dr. Adolf Ries er abgehalten, die die Besprechung des Zionismus zum Zwecke hatte. Die durch die Diskussion animierte Versammlung beschloss die Gründung eines Vereines „Bnei Zion", dem die meisten "Anwesenden sogleich beitraten. Frumosa. Die Statuten des vor Monaten gebildeten Einzelvereines „Wama" sind von der Landesregierung genehmigt worden. Die constituierende Versammlung fand dank der Bemühungen des Herrn Rosenbaum, Samstag, den 5. Februar statt. Sadagörä. Hier hat sich ein jüdisch nationaler Verein „Z i o n" mit dem Programm des Baseler Congresses gegründet. Der Verein hat sich bereits unter überaus zahlreicher Betheiligung der hiesigen Glaubensgenossen constituiert und wurden die Herren Rosenblatt, Eichenwald, Gabor, Picker, Sperber, Gottlieb, Lehr, Kofsler, Rosenblatt, Schäfer, Korn und Retter in den Ausschuss gewählt. London. Die Vorbereitungen für die auf den l>. März festgesetzte Londoner Zionisten-Conferenz sind im besten Gange. Am "Abend vorher findet in den Räumen des Makkabäerclubs eine gesellige Unterhaltung statt, bei welcher keine Reden gehalten, aber nationale Lieder gesungen werden sollen. Oberst Goldsmid, der Präses des Chovevi Zion-Vereines, wird bei der ersten Sitzung der Eonferenz den Vorsitz führen und die Begrüßungsrede halten Unter anderen ist Oberst Conder als Redner vorgemerkt. Eine ganze Anzahl von Vereinen haben ihre Theilnahme an der Eonferenz angemeldet; unter den Delegierten befindet sich der neue "Abgeordnete von Plymouth, S. F. Mendl. Leeds. Im Vereine „Chovevi Zion" hielt am letzten Freitag, der Herausgeber des „Jewish Express" Mr. Dalianski einen sehr interessanten Vortrag über „Daniel Deronda", worin er auf den Ursprung der zionistischen Bewegung zurückkam und besonders die Bedeutung des seligen Rabbiners Kalischer schilderte. Am Samstag und Sonntag sprach wieder Rabbiner Schulhof aus Nordamerika zur freudigen Ueberraschung aller Zionisten in der New Briggate Synagoge über den Zionismus. Manchester. Die drei hiesigen zionistischen Vereine „Dorschei Zion", „Vaad Hazioni" und der Knabenverein „Bnei Zion", agitieren sehr lebhaft. Fast jeden Samstag finden Meetings statt, die zur Verti^ang der zionistischen Gesinnung erheblich beitragen. Die beiden erstgenannten Vereine werden bei der Londoner Eonferenz durch Delegirte vertreten sein. Auch macht die zionistische Propaganda in den Arbeiterkreisen große Fortschritte. „Vaad ——Hazioni" zählt bereits über 1000 Mitglieder. Johannesburg, den 24. Jänner 1X08. "A n das z i onistischeBureaudesEongressesWien. Hiermit ersuche ich Sie ergebenst, mir ein oder mehrere Exemplare Ihrer werten „Instruction für Zionisten" schicken zu wollen. Es wird Sie gewiss interessieren, zu erfahren, dass es sogar im weiten Süden Afrikas viele begeisterte Zionisten gibt. Das Project, eine jüdische Colonial- Bank zu gründen, fand hier lebhafteste Zustimmung. Da ein Brief-Wechsel zwischen Ihnen und uns ungefähr acht Wochen dauert, so bitte ich Sie höflich, mir gleich mittheilen zu wollen, auf rveiche Weise wir in "Afrika in den Besitz der "Antheilscheine der geplanten Bank kommen können, da, bis wir die "Aachricht von der Gründung derselben erhalten und Geld nach Europa schicken, dieselben längst vergriffen sein können. In der angenehmen Hoffnung, dass die jetzige zionistische Bewegung eine Erlösung für Israel bringen wird, zeichne ich Hochachtungsvoll "A. D i r m e i k, Mitglied des provisorischen ComitEs der Eho vevey-Zion u I o h a n n e s b u r g. Zola verurtheilt. Unter riesiger Erregung fand am fünfzehnten Sitzungsrage der Procejs Zola, welcher ursprünglich anf drei Tage anberaumt war, seinen Abschluss. Emile Zola w u r d c zu einem Jahre Gefängnis und 8000 Francs G e l d st r a f e verurtheilt. Ter Gerant der „Aurvre", P e r r c u x, erhielt vier Monate Gefängnis und gleichfalls eine Geldstrafe von 3000 Francs. Als nach dcr Verkündigung des Wahrspruches der Gcschwornen die Menge, die den Gerichtssaal füllte, in ein schadenfrohes Geheul ausbrach, konnte sich Zola nicht enthalten, laut zu bemerken: Das sind ja wahre Kannibalen! Zola blieb ruhig und dankte seinem Bcrtheidiger L a b o r i für deffen Bemühungen. Auf der Straße grüßten ihn die Rufe: „Nieder mit Zola! Ins Wasser mit ihm'." Tie Menschenmenge vor dem Palais zerstreute sich johlend, schreiend und die Marseillaise singend. Sie schrie: „Es lebe die Armee! Nieder mit dem Berräther'. Ins Wasser mit Zola!" "Als die Officiere über die Treppe des Palais herabkamen, welche durch Soldaten besetzt war, wurden sie von der Menge mit dem Rufe: „Es lebe die Armee! Tod den Juden! Nieder mit Zola!" begrüßt. Dem General Pellieux wurde eine besondere Ovation bereitet. Tie Menge umringte ihn, er konnte kaum seinen Wagen erreichen, und Gardisten mussten ihm den Weg bahnen. Tie Franzosen haben zwischen Pellieux und Zola entschieden. "Nur Eines hat Zola noch zu seiner Größe gefehlt seine Berurtheilung. Die Franzosen haben dafiir gesorgt. W ComspMdeuM. O esterreich -Ungarn. Wien.. (Orig.-Eorr.) Es gibt eine Widersinnigkeit, bei deren "Anblick einem der Spott auf den Lippen erstirbt. Capriolen und Burlesken sind sehr amüsant, nur dürfen sie nicht auf einer dünnen Eisdecke ausgeführt werden. Wenn man einen Discussionsabend im „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" besucht, und dort der Debatte folgt, so darf man nicht daran denken, dass diese tändelnden, sorglosen Plaudereien zur Zeit der tollsten Judenexcesse abgewickelt werden, und dass man damit allen Ernstes beabsichtigt, den Antisemitismus „abzuwehren". Es wird einem ganz unheimlich zu Muthe; da ist ein Saal von Menschen, auf die man im Landtag ein Schussgeld beantragt, deren Schicksalsgenossen in Frankreich, Rumänien, Algier Böhmen :c. :c. beraubt und erschlagen werden — infolge des Antisemitismus, und wie wehren sich die Menschen im Saale von halb 7 Uhr abends bis 12 Uhr nachts gegen diesen Antisemitismus? Indem sie in langen, langen Reden sich gegenseitig erklären, anf welche Weise Tr. Lueger das Gasanleheu abgeschlossen, wie die Wiener Commune die Gaswerke der englischen Gesellschaft um einen Spottpreis hätte erstehen können, rvas jetzt nicht mehr möglich sei, wie die Gasrohre gar so langsam gelegt worden seien, wie die Wiener Bevölkerung im Jrrthum sei, wenn sie von den neuen Gaswerken eine billige Beleuchtung erwarte, wie schlimm besonders die Bororte daran seien, wie durch die neuen Gaswerke die Behebung der TramwaymisOre verzögert werde — und mit all diesen ganz hübschen Plaudereien wollen die Versammelten das blutige Schicksal des Judenthums mildern, doch nein, man kommt auf die französischen Zustände zu sprechen, man ist empört über das plötzlich entartete Enltnrvvlk — und dann beschließt der „Verein zur Abwehr des "Antisemitismus" eine Tankadresse an Zola. Gewiss sehr sympathisch, aber soll darin "Abwehr sein, wo ist da eine Brücke, die zur Behebung von Judenexcessen führt? Und am Schluss der Versammlung applaudieren sie alle mit glücklichen, zufriedenen Gesichtern nnd dann legen sie sich wohl mit dem frohen Bewusstsein schlafen, etwas gegen das tausendjährige Gespenst gethan zu haben. Es macht faclisch einen beängstigenden Eindruck, wenn man von halb 7 Uhr abends bis 12 Uhr nachts diese naive Hilflosigkeit, das kindliche Spielen auf der Eisdecke znschaut. Kinder mir grauen Haaren. Mit wüstem Kopf verlässt man die Versammlung. R. Prag. (Orig.-Eorr.» "Anfangs Februar ist von der Prager Statthalterei ein Erlass an die Staatsbeamten und Mittelschullehrer in Böhmen ergangen, in dem sie aufgefordert werden, aus allen Vereinen auszntreten, die eure antisemitische Tendenz zur Schau tragen oder antisemitisch sind, „selbst wenn sich solches aus dem Wortlaut der Statuten nicht schließen lässt." - - Bei den Karlsbader Gemeinderathswahlen siegten im I. und 1!. Wahlkörpcr die Tentsch-Fortschrittlichen, im III. Wahlkörper die Antisemiten.