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Die Welt · 1898-02-25 · 8 (25.2.1898) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
8 (25.2.1898)
Article
Der Davidsthurm und der Hippicus [Illustration]
Date
1898-02-25
Page
8 (sequence 1)
Language
German
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Seite 8 .Pk^Wdtr Nr 8 MrttchrM. Ein berichtigtes Interview. Das „New-Jork Journal" hatte ein Interview mit Nord au publiciert, von dem wir keine Notiz nahmen, weil es uns unwahrscheinlich erschien, dass Dr. Nordau sich in solcher Weise geäußert habe. Thatsächlich erhebt Dr. Nordau Einspruch gegen diese Mittheilungen und sendet dem Herausgeber des „N.-Z I." folgende Berichtigung zu: „Ich bedauere, die in Ihrem Blatte abgedruckte Unterredung bezüglich der Affaire Dreyfus als vollständig aus der Luft gegriffen bezeichnen zu müssen. Dieselbe gibt weder meine Worte noch meine Gedanken wieder. Es ist mir nie in den Sinn gekommen, der katholischen Kirche die Ungeheuerlichkeit zuzumuthen, dass sie eine Massenabschlachtung der Juden befehle oder vorbereite; dagegen habe ich allerdings gesagt, dass die Macher der antisemitischen Bewegung in Frankreich katholische Fanatiker sind. Ich habe nie gesagt, dass Paty du Clam die Documente gefälscht hat, auf Grund derer Dreyfus verurtheilt worden ist; ich habe nur auf seine ausgesprochene Voreingenommenheit in der Leitung der ganzen Untersuchung hingewiesen. Ich habe nie gesagt, ich wisse, dass EßterhaZY der eigentlich Schuldige sei; ich habe nur gesagt, dass nach der Aussage des Herrn von Bülow Dreyfus unschuldig ist. Ich habe nie ein Wort von dem gesagt, was Baron E. von Rothschild und dem Groß-Rabbiner Zadoc Kahn in den Mund gelegt wird; es ist nicht meine Gewohnheit, Privatgespräche auszuplaudern, und ich habe Ihren Vertretern nur meine Worte mitgetheilt, nicht aber ein Wort von dem, was zu mir gesagt wurde. Ueberhaupt lehne ich jede Verantwortlichkeit für das Interview in seiner jetzigen Gestalt ab; nur fünf Zeilen, die ich geschrieben und eigenhändig unterzeichnet habe, sind von mir, und darin drücke ich meine Ueberzeugung von der Unschuld des Dreyfus aus. Indem ich Sie um den Abdruck dieses Briefes bitte, bin ich ergebenst Paris, 15. Februar 1898. Dr. Max Nordau. äü£f.an rm?¥ MB Der Davidskhurrn und drr Hippirus. (Text Seile 7.) Französische Polizisten. Aust dem Pont Neuf in Paris gerieth der Journalist Armand Strauß in einen Pöbelhaufen, der „Nieder mit Zola!" und „Tod den Juden!" rief. Die Menge wollte ihn in's Wasser werfen. Schutzleute eilten herbei, da rief jemand: „Der Kerl ist ja ein Jude!" „Was?" schrien die Polizisten und begannen auf Strauß loszuschlagen. Zum Glück war auch ein Commiffär in der Nähe, der Strauß seinen Untergebenen entriß und ihn in Sicherheit brachte. Judenexcesse. Bon der deutsch-französischen Grenze werden Exceffe gegen die Juden gemeldet. In Giromagny bei Belfort zog zur Nachtzeit eine größere Menschenmenge unter Toben und Schreien durch die Straßen und plünderte Kaufläden, deren Besitzer Juden sind. In dem Städtchen sind vielfach Placate mit der Aufschrift: „Mort aux juifs“ angebracht. Religionswechsel. Unter dieser Marke meldet die „Neue Berl. Corresp.": „Im vorigen Jahre sind in Berlin 75, vor zwei Jahren 68 Personen aus dem Judenthum ausgetreten. Die Mehrzahl sind Philologen und Juristen, bei denen die Laufbahn maßgebend für den Glaubenswechsel gewesen sein mag. Aus gesellschaftlichen Rücksichten dürsten zwei Mitglieder der haute finance zum Christenthum übergetreten sein, die für die Berliner jüdische Gemeinde einen Verlust von etwa 5000 Mark Gemeindesteuern darstellen. BonDamen aus jüdischen Finanzkreisen haben im vorigen Jahre genau 12 die Aufnahme in's Christenthum gesucht und gefunden. Hier ist in der Hauptsache wohl die Rücksicht auf den künftigen Gatten maßgebend gewesen. Umgekehrt darf nicht verschwiegen werden, dass drei Christen wegen der Heirat mit Jüdinnen zum Judenthum übertraten. — Als Curiosum mag erwähnt fein, dass die Tochter eines

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