Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 7 (18.2.1898)
- Article
- [Kommentar] / L.
- Date
- 1898-02-18
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
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Association selbst besteht nach den letzten Angaben aus 31 Ortsgruppen, einem Frauenverein in London und vier Jugendvereinen. In der neuen Pariser Monatschrift „Le Libre" referiert Jacques Bahar über den Zionismus. Er schildert darin den eigenen Entwicklungsgang von der Protestschrift „kie--ker" bis zur zionistischen Gesinnung. Diese sei lediglich ein Resultat des Baseler Congresses. Jur Zionismus sieht der Verfasser das Erwachen und die Wiedergeburt, und nicht den bloßen "Ausdruck des Schmerzes und der Verzweiflung. Schars aber treffend fertigt Bahar jene französischen Juden ab, die den Zionismus als „unpatriotisch" denuncieren. Er vergleicht den Patriotismus mit der Liebe, von der man eben nicht viel spricht, sondern die man übt. Die französischen Juden fühlen sich aber immer unheimlicher in diesem Lande, und darum ihre lauten patriotischen Declamationen. Ter Artikel bemüht sich auch in socialer Richtung, die Rotwendigkeit des Zionismus zu beweisen, sowie über die climatischen und ethnologischen Eigenschaften Palästinas auszuklären. Im „Jewish World-4 schreibt dessen über die Verhältnisse in Nordafrika sehr gut informierter Pariser Eorrespondent (Jacques Bahar): Fenil „Nebrr W assrrversorcumg tm alten Jerusalem." Unter diesem Titel hielt Herr Architect M i, x Fleischer in der „Gesellschaft für Sammlung und Conservierung von surrst- und historischen Denkmälern des Judenthums" einen äußerst instructiven Vortrag. Er begann mit den Worten: „In der „Neuen freien Presse" vom 25. December 1892 war ein Feuilleton mit der Ileberschrift „Station Jerusalem" enthalten. Darin wurde mitgetheilt, dass am 21. August desselben Jahres die erste Locomotive in die heilige Stadt einfuhr, und an dieses Ereignis war manche launige und witzige Bemerkung geknüpft, und so mancher Leser wird die technische Neuigkeit freudig begrüßt haben, weil jedes Verkehrsmittel die Civilisation fördert und dem Fortschritt behilflich ist. Jerusalem war in seinen Glanztagen auch der Sitz der höchsten Intelligenz und der Civilisation und hatte Meisterleistungen der Technik aufzuweisen, seinen Tempel, seine Paläste, seine Fortistcationen und seine Wasserleitungen. Ich hatte erfahren, dass die Forscher da viel Interessantes zutage gefördert haben, und dieses kam mir unwillkürlich in den Sinn bei der Lectüre dieses Feuilletons. Obwohl mich zionistische Schwärmereien nicht leiteten, fand ich es wert, eingehende Studien zu machen." . . . Dann führte der Vortragende Folgendes aus: Judäa ist ein Land, dem es an Quellen und Bächen nicht fehlt. Aber sein Gebirgscharacter und die Niederschlagsverhältnisse veranlassten schon die ältesten Bewohner des Landes die vorhandenen Quellen zusammenzufassen und weirerzuleiten, und die Riederschlagswässer in Cisteruen zu bewahren. Aber auch die Hebräer haben zu allen Zeiten der Bewässerung die größte Sorgfalt zugewendet. Vermittels tiefer Brunnen, Cisternen, Verbindungscanälen vermochte man, nach dem Ausdrucke der Propheten, Quellen in der Wüste hervorzuzaubern, man sammelte Regenwasser und vertheilte es auf Hochebenen. Jerusalem hatte nach Berechnungen des Banrathes Schick 1,944.000 m* Flächenmaß mit 200.000 bis 250.000 ständigen Einwohnern. Zu Zeiten der Feste sollen daselbst über 2,000.000 Menschen versammelt gewesen sein, und doch hat Jerusalem trotz des colossalen Bedarfes für die Reinigungen und Waschungen nie an Wassermangel gelitten. Seine Lage in der Nähe der Wasserscheide aus dem Rücken eines Kalksteinhügels ist ungünstig, und nur den vorzüglichen Wasserwerken verdankte es die Bedeckung seines Bedarfes. Heute sind diese Werke zerfallen, und meist nur Cisternen, welche mitunter seit den ältesten Zeiten bestehen, geben Wasser, welches bei Regen gesammelt wurde. Ter Tempelplatz besaß viele solche Cisternen. Eine davon konnte 120.000 Hektoliter Wasser fassen und heißt das kleine Meer. Auch die Teiche in der Umgebung Jerusalems sind eigentlich offene Cisternen. In Verwendung steht heute hauptsächlich der obere Siloahteich und noch 5 andere. Eine interessante Leitung „Die jetzigen Excesse in Algier sind das Todtengelaute für die politische und sociale Rolle, die die Juden dort gespielt haben. Und mit dem Verschwinden der algerischen Juden cu§ einer politischen und socialen Macht wird Frankreich seine Autorität in Algier einbüßen. Auf Grund einer genauen Kenntnis der Sachlage kann ich bestimmt behaupten, dass der Verlust Algiers für Frankreich nur eine Frage der Zeit ist, denn die Juden haben eine wesentliche Stütze der französischen Herrschaft gebildet, und nur ihr "Aufenthalt im Lande ist eine Garantie für den Frieden zwischen den Franzosen und Arabern. Die vollständige Ausrottung der Araber ist das Ziel der französischen Herrschaft in Algier; die Franzosen loszuwerden, ist das einzige Ideal der Araber. Die Juden haben dabei an sich vergessen, als sie nur daran dachten, jene beiden zusammenzuhalten. Der Handel liegt darnieder, der Fremdenverkehr hört auf. Die wohlhabenden Juden wandern in Massen aus, und zwar nicht nach Frankreich, sondern nach England." Man wird mit diesem Commentar Herrn Jauräs vielleicht besser verstehen und — würdigen. L. letou. verbindet den Mariabrunneu — der alte Name ist nicht sichergestellt — mit dem Siloahteich und erstreckt sich in einem in Fels gehauenen Tunnel in einer Länge von 536*6 m mit einem Gefälle von 30 en>. Im Jahre 1880 badeten Knaben an der Siloahquelle und entdeckten in der Nähe der Badeftelle eine Schrift. Baurath Schick machte Copien und veranlasste den deutschen Palästinaverein zu Nachforschungen. Professor G u t h e leitete diese und machte von der Abschrift einen Gipsabdruck. Sie ist althebräisch und schildert die Art der Herstellung. Sie gibt die Länge des Tunnels mir 1200 hebräischen Ellen an. Leider fehlen wichtige Worte gänzlich, so dass man den Inhalt nicht genau kennt. Klar ist jedoch zu entnehmen, dass der Tunnel von beiden Enden zugleich bearbeitet wurde, und dass die Arbeiter sich zu einer bestimmten Zeit an einer bestimmten Stelle trafen. Diese "Arbeit könnte man dem Könige Hiskia zuschreiben, also aus dem achten Jahrhundert vor Christi. Sie wäre damit das älteste Schrift-Denkmal jüdischen Ursprungs. Wertvoller sind die Wasserleitungen im Süden. Den Mittelpunkt des ganzen Systems bilden die Salomonischen Teiche, weil zu ihnen vorerst alle Quellen zugeleitet wurden, und von ihnen die Weiterleitung erfolgte. Sie liegen drei Stuudcn von Jerusalem entfernt und sind übereinander angeordnet. Der oberste Teich fasst 620.000 Hektoliter, der mittlere, 756.000, der untere 930.000. Diese Teiche hatten den Zweckeinen Wasservorrath für die Zeit der Trockenheit zu sammelno Tie Herstellung erfolgte in der Weise, dass der Felsen mit den damals gebräuchlichen Sprengmitteln und Brecheisen ausgebrochen wurde. Zum Schutze der Anlagen dürfte an Stelle des heutigen Castelles, das gegen die Beduinen zu dienen hatte, ein anderes Castell gestanden haben, da die Werke nächst der Straße nach Hebron liegen. In unmittelbarer Nähe befinden sich vier Quellen. Die Leitung nach Jerusalem erfolgte in zwei getrennten Aquäducten. Tie obere Leitung beginnt an der Ostwand des Castells und ist theils gemauert, theils in Felsen gehauen. Tie Anlage ist nach Versicherungen von Fachleuten von ganz meisterhafter Ausführung. Sie konnte das Wasser bis auf die höchsten Punkte der Stadr tragen. Tie andere Leitung besteht noch heute und bringt noch Wasser nach Jerusaleum. Leider fehlen irgendwelche Auszeichnungen, um das Alter dieser Werke zu erfahren. Man hat es wohl immer vermieden, über die Wasserzuführung in der Oeffeutlichkeit Mittheilung zu machen, weil das Wasser für Jerusalem mit eine Waffe für seine Vertheidignug war. Thatsache ist, dass die Stadt niemals an Wassermangel litt, selbst zu Zeiten der strengsten Belagerung, während die Römer und Kreuzfahrer zum Beispiel vom Durfte furchtbar geplagt wurden. Im Allgemeinen wird die obere Leitung als die ältere angesehen. Aber auch bezüglich der Fortftihrung der Abfallswässer war Jerusalem gut versorgt. Tie erhaltenen Reste der Cloaken zeugen davon. ES bestand in der Hauptstadt eine besondere