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Die Welt · 1898-02-18 · 7 (18.2.1898) · p. 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
7 (18.2.1898)
Article
Todesfall [Nachricht]
Date
1898-02-18
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 Nr. 7 einen unermüdlichen Mitkämpfer und einen wackeren Gesinnungsgenossen. Der Leibarzt kKladstonc s in Cannes ist ein Jude — Tr. Philipp Frank. Derselbe ist in Manchester geboren und promovierte im Jahre 1853 in Berlin. Im Jahre 1871 nahm er am deutsch-frauzösi,chen Krieg theil. Während desselben lernte er die Schwester des Fürsten von Westmünster, Lady Campbell, kennen, welche daun seine Gattin nu.rde. Der Zionismus bei Krupp. Inden „Hamburger Nachrichten", dem Leiborgan des Fürsten Bismarck, schildert der Berliner Correspondent eine Festlichkeit, welche vom bekannten Grostindnstrielleu Krupp am vorigen Sonntag irr Berlin Veranstalter wurde. „Hochadel, Diplomatie, Parlament, Armee und Marine, Kunst und Wissenschaft waren durch illustre Persönlichkeiten vertreten. "Am Tische neben den Ministern säst der Ches des kaiserlichen Civileabiuets, Herr von Lueauus. — Ten Blumenschmuck der Tafeln trugen Behälter, die Kriegsschiffe vorstellten. Da waren Panzer und Kreuzer jeder Classe nebst fürchterlichen Torpedobooten, die überall riesige Heiterkeit erregren. Wie hätte auch jemand gegen den Srrom der Belustigung anzuschwimmen sich getrauen mögen, den diese ernsten Schiffsmodelle Kruppscher Construction und mehr noch ihre vorwiegend alttestamentarischeu "Namen euisesselten. Es sind endlich auch in der Marine anstatt der nordischen Sagengestalren die großen und die kleinen Propheten zu Ehren gekommen, keiner war vergessen, jeder nach seiner biblischen Bedeutung als erste, zweite, dritte Classe oder als Aviso oder Torpedoboot qualisteierr. Hier hatte der joviale Gastgeber in der Thar zwei Fliegen mir einer Klappe geschlagen, indem seine alrrestamentarischen Kriegsschiffe an die beider: Fragen auknüpsten, die in Berlin zur Zeit besonders acruell sind: das Schicksal der Flotrenvorlage im Reichstage und das von Th. H e r z l neuerdings behandelte Problem des „Zionismus", d. h. der Begründung eines modernen jüdischen Staatswesens im gelobten Lande Palästina. Das war eine gar rege Debatte, die sich an diese alrrestamentarischen Namen knüpfte! Ta warf einer die sehr wichtige Frage ans, wie sich wohl das Schicksal des alrjüdischen Staates gestaltet haben möchre, wenn die Kinder Israels den Wert einer starken Flotte zu schätzen verstanden hätten. Tie Fahrten, die König Salomo unter Protection seines Freundes, des Königs Hiram, nach dem Goldlaude Oplstr veranstaltete, welches jetzt der parriarchalischeu Herrschaft „Dom Pauls" uurersteht, wären für angehende jüdische Seeossiciere und Matrosen eine ganz praktische Vorschule gewesen, wobei Gold die Menge und kein Reichstag dagewesen, der die Verwendung dieser Schätze für Kriegsschissbauren verhindert harre. Die Mehrheit der gelehrreu Discnssionsreduer schien denn auch der Ansicht zuzuneigeu, dass eine tüchtige jüdische Kriegsmarine sowohl den babplonischen als später den römischen Bedrängern der Kinder Israels in hohem Grade Härle unangenehm werden und letzrere möglicherweise vor Exil, Gesaugeuschafr, Unterwerfung und schliestlicher Zerstreuung hätre bewahren können." Ritnalkrrebelung. Wie das „Berliner Tageblatt" melder, wurde in Bromberg das Gerüchr colporrierr, in einer mir der Bahn zu befördernden Kiste sei durch Zufall ein gekuebelres Mädchen mir gebrochener: Armen und Beirren entdeckl worden. Sie sei ins Krankenhaus geschaffr worden, wo sie in bejammeruswerreru Zustande darniederlag. In Verbindung mir dieser Sensationsnachricht wird das Gerüchr von der Verhafrung mehrerer Juden colporrierr. Tie haben uarürlich das Mädchen in die Kiste gesteckt. Das ganze Gerüchr ist, wie das „Bromberger Blarr" melder, eine große Lüge. Auswanderung der Juden aus Russland. Wie „Woschod" melder, verließen Russland im Lause des Jahres 1897 allein durch den Hasen von Lira:: stau der Ostsee) 390« > Juden, um sich nach den verschiedensten Richtungen zu zerstreuen. (Ketauftc Juden haben in Russland erst daun die gleichen Bürgerrechte wie die Christen, wenn sie ihrer Militärpsticht nachgekommeu sind. So har jüngst der Senar entschieden. Einführung des Tadaksaubaues in Palästina. Auf Veranlassung des Baron Edmund Rothschild wird in der Colonie Methule zum erstenmale mit der Anlage von Tabakanlagen begonnen, da der Boden in dieser Gegend besonders für diesen Zweig der Landwirtschaft geeignet erscheint. Der Tabak verlangt ein gleichmäßiges Clima mit mildem Winter und heißem Sommer. Hoffentlich glückt der Versuch und werden damit für die Colomsten Aussichten ans eine neue Erwerbsquelle eröffnet, umsomehr, als viele unter den aus dem Süden Russlands stammende Juden mit dem Tabaksanbau schon vom Hause ans vertraut sind. Ein jüdisches Werkhaus in Jerusalem soll demnächst vom Colonisationsverein in Odessa für arbeitslose russische Juden errichtet werden. Jüdische Arbeiter in Palästina. Tie „Odessaer Zeitung" lässt sich ans Palästina melden, dass Oie russischjüdischen Lohnarbeiter in den Colonien allmälig in den Colonistensrand übertreten, d. h., selbständig werden. Ihre Geschicklichkeit, Ausdauer und vollständige Kenntnis des landwirtschaftlichen Betriebes ernröglichen es, sie mit geringeren Kosten einzurichten, als Städter, die bis dahin der Bodenbearbeitung serr: standen. Es wurde daher von der Administration der Colonien beschlossen, künftighin nur jüdische Arbeiter in den Colonien auzustellen: bisher waren viele Taglöhner Araber, die, wiewohl im ganzen wenig verlässlich, doch unentbehrlich waren, da sie sich besser für die groben Arbeiten eigneten, als die eingewänderten Juden. "Auch treten die gewesenen Administrationsbeamten bei Verminderung des Status in die Zahl der Colonisten und erhalten sie ein Grundstück von 30 Hektar Areale mit einem entsprechenden fundus instructiis. Eröffnung einer neuen Schule in Tiberias. Endlich ist auch in dieser Stadl, in der sich die Gräber unserer berühmtesten Geistesheldeu, Rabbi Akiba, Maimonides und vieler "Anderer besiuden, und die in der Geschichte unseres Volkes durch Jahrhunderte eine so große Rolle spielte, die erste jüdische, den modernen "Anforderungen entsprechende Schule errichtet worden. Die jüdische Bevölkerung dieses Städtchens nimmt stetig zu und empfand den Mangel einer guten Schule recht schwer. (Kraf Leo Tolstoi, welcher in Folge einer Erkältung, die er sich beim Eisläufen zuzog. in Moskau krank darniederliegt, empsieug dieser Tage einen Jugendfreund, den Fürsten T. O., und halte mit ihm ein längeres Gespräch über verschiedene politische und literarische Tagessragen. Ueber dieses Gespräch berichtet nun Fürst O. in dem in Kasan erscheinenden Blarre Kamsko-Wolschskij Kraj "Nachstehendes: Gras Leo Tolstoi benützt seine Krankheit, um Heine, welchen er, wie er sagte, sehr liebe, nochmals zu lesen. Von Heine kam das Gespräch aus Zola und Treysus. Der Fürst machte die Bemerkung, dass Zola in Frankreich von vielen als Jude hingestellt werde, um an seinen: Eintrereu in die "Affaire Treysus zu nergelu. Tolstoi eurgeguete daraus: „Mir ist der Judenhass in Frankreich ebenso verhasst, wie der französische Chauvinismus und die überschwängliche Verherrlichung der "Armee. Ich gestehe, ich stimpathisiere mit der von Zola hervorgerufenen Bewegung, bei der es sich, wie mir scheint, nm die Rettung eines unschuldig Verurrheilreu handelt." In Moskau hatte sich eine jüdische Dame, die in einer "Aporbeke als Lehrling gearbeitet und nach Verlauf der Lehrzeit das Aporhekergehilseuexameu bestanden harte, an den Rector der Universität mir der Bitte gewandt, ihr zn gestatten, in die Zahl der Pharmaceuteu ausgenommen und nach "Absolvierung der Studien zum Provisorexamen zugelassen zn werden. Ter Rector schlug diese Bitte rundweg ab. "Nun wandte sich die Perenriu an das Ministerium und erhielt sofort die Erlaubnis, ihre Studien zu beenden, um hernach ein Provisordiplom erlangen zu können. — Ter „Syn Ölestschestara“ theilt mit, dass das Ministerium des Innern binnen Kurzem die Frage über das Tomicilrechr der jüdischen Handwerker' außerhalb des "Ausiedlungsrayons untersuchen und in allen Einzelheiten klarlegen wird, um das Los der Juden zu erleichtern. Die neue große Synagoge für den Westen Berlins, deren Bau im vergangenen Jahre in der Lützowstraße begonnen wurde, steht jetzt im Rohbau fertig da, und wird bereits im September d. I. zum "Neujahrsfeste eingeweiht werden.

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