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Die Welt · 1898-02-11 · 6 (11.2.1898) · p. 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
6 (11.2.1898)
Article
Paris
Date
1898-02-11
Page
11 (sequence 1)
Language
German
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Seite 11 Zeugen nicht zustehe, über die Nothwendigkeit ihrer Auslage zu entscheiden. Sie können bei der Verhandlung sich aus das Amtsgeheimnis berufen. Das Gericht ordnet daher ihre Vorladung sür morgen an, und dieselben haben zu erscheinen. (Bewegung.) Bezüglich der krank gemeldeten Damen, nämlich Frau de Boulancy, Fräulein de Comminges und anderer, wird der Gerichtsarzt Tr. S o c q u e t delegiert, um deren Gesundheitszustand sestzustellen. Tann ersolgt die Vernehmung der Frau Treysus. Madame Treyfus erscheint. (Einige höhnische Zuruse ertönen, welche mit den Worten zurückgewiesen werden: Ruhig, Eamelots'.) Madame Treysus passiert das Spalier des Publicums und geht sesten Schrittes gegen den Gerichtstisch. Sie ist vollkommen ruhig. Frau Treyfus ist mittlerer G'üße, sie hat scharfgeschnittene Züge, prägnanten Gesichtsausdruck, dunkle Augen, kastanienbraune Haare, die glattgekämmt sind. Labori entwickelt nun die Fragen, die er an Frau Treysus zu stellen wünscht. Tie Zeugin soll aussagen, welche Meinung sie über den guten Glauben habe, welcher Zola bei seinen Angriffen geleitet hat. Sie soll bezeugen, in welcher Weise sie die Verhastung ihres Gatten durch den damaligen Major de Paty du Clam erfahren hat. Ter Präsident will die Fragen nicht zulassen. Ta erhebt sich Zola und. sagt zu dem Präsidenten mit lauter Stimme folgende, sehr rasch hervorgestoßene Worte: Diese Vernehmung har den Zweck, zu beweisen, dass ich in gutem Glauben gehandelt, dass ich als Mann von Ehre und Rechtschaffenheit vorgegangen bin. Ich verlange nur dasselbe Recht, das man Mördern und Dieben nicht vorenthält. (Bewegung.) Man hat mich beschimpft, man hat mich wie einen Banditen behandelt. Ich mache die Geschwornen zu Richten: über meine Situation. Es muss mir gestattet sein, meinen guten Glauben zu beweisen. Ta der Gerichtshof alle Fragen Laboris über die Illegalität des Vorgehens gegen Capitän Treyfus ablehnte, so wird Frau Treyfus überhaupt nicht vernommen. Der Zeuge, Advocat Leblois, sagte über seine Beziehungen zu P i c q u a r t aus und über die verschleierten Damen, die in Eßterhazy's Leben eine solche Rolle gespielt h, ben. L a b o r i erklärt, er wolle zeigen, dass die verschleierten Frauen aus der Umgebung des Obersten de Paty du Clam oder des Informations-Bureaus des Kriegsministeriums stammen. L e b l o i s schildert nun die Behandlung, welche Picquarr von Seite des Kriegsministettums zutheil wurde. Man habe ihn förmlich weggelockr. Man habe ihm gesagt, er müsse eine Mission erfüllen, welche besonderes Vertrauen erfordere. Ohne die nothwendigen Kleidungsstücke musste er abreisen. Alan ließ ihn nicht nach Patts zurück und verttöstete ihn von Tag Nach Leblois legte S ch e u r e r - K c st n e r seine Aussage ab. Er will Briefe vorlesen, die zwischen General Gonse und Picquart gewechselt wurden. Ter. Präsident erlaubt es nicht, und der Zeuge darf nur einiges aus dem Gedächtnisse citieren. Aus der Aussage gehr weiter hervor, dass der Kttegsminister B i l l o t Scheurcr-Kestner eine persönliche Untersuchung versprochen hatte. Scheurer-Kestner wartete aber vergeblich auf die Untersuchung. Statt dessen wurde gegen ihn eine heftige Presscampagne geführt. Nach Schcurer-Kestner wird der ehemalige Präsident Casimir -Perier einvernommen. Es wird behauptet, Casimir-Perier habe seine Dimension in dem Augenblicke gegeben, da er den Missbrauch mit dem geheimen Beweisstücke in dem Treyfus-Processe erfuhr, weil er zu machtlos war, um der ihm durch den Grafen Münster überbrachten Versicherung Kaiser Wilhelm'«.II. zu entsprechen, dass Treyfus keinen Verrath zu Gunsten Deutschlands begangen habe. Casimir-Perier bemerkt auf eine Anfrage Laboris, dass er sich als Präsident der Republik den Act Treyfus habe geben lassen, dass er aber aus der Zeit seiirer Amtsführung keine Aussage machen könne. Ta der Präsident und 'der Gerichtshof keine der zahlreichen Fragen Laboris 'zulassen wollen, so ist das Verhör des ehemaligen Präsidenten der Republik bald zu Ende. Er verlässt unter Ovationen des Publicums den Saal. Nach einer ziemlich belanglosen Aussage des Banquiers Costto wurde die Sitzung aufgehoben. Paris, 8. Februar. Zola schwebte heute beim Verlassen des Iustizpalastes in Lebensgefahr. Eine große Menschenmenge stieß bei seinem Anblicke 'Todesdrohungen aus. Ein Student stürzte auf Zola zu, indem er ihn mit den gemeinsten Schimpfwotten überschüttete. Die zahllose Menge, die sich in feindlichster Haltung um Zola drängte, schtte: Tod! Tod! Jn's Wasser mit ihm! Unter, dem Schutze der Polizei gelangte Zola endlich, ohne thätlich insulttett zu werden, an seinen Wagen. Paris, 0. Februar. Unter riesigem Andrang des Publicums fand heute die Fortsetzung der Verhandlung gegen Zola statt. Tie Generale B o i s d e f f re und G o ns e verschanzten sich hinter ihr Amtsgeheimnis. Major Lauth sagt nichts Wesentliches aus. Der Archivar im Kttegsministerium, Gribelin, verwickelt sich in Widerspttiche. Advocat Leblois beschuldigt ihn der falschen Zeugenaussage. Interessant war die Vernehmung. Merciers. Labori treibt ihn sehr in dw Enge, und endlich erklärt Mercier auf die präcise Frage des Bettheidigers: „Hat es ein geheimes Beweisstück gegeben, ja oder nein, Herr General?" auf diese Frage nicht 'antworten zu .können. Mit der Vernehmung des ehemaligen Iustizministers T r a r i e u x, der die Machinattvnen gegen Treyfus bespricht, ■ schließ: die Sitzung. Nach derselben wiederholten sich die abscheulichen Scenen gegen die Freunde Zolas und gegen diesen selbst. . Türkei. Jerusalem. (Ottg.-Corr.) Am vorletzten Sonntag starb hier hvchbetagt der Rabbiner Iudah Leib Tiskin genannt „Britzker Raw." Tiskin stammt aus Lithauen, wo er am Anfänge dieses Iahrhundetts geboren war. Seine erste Berufung erfolgte nach Brest, wo er an die Spitze der Chassidim trat. Als sich in Jerusalem eine lithauische Chassidim-Gemeinde bildete, berief sie ihn hieher. Tie „Iewish-Colonisation-Associarion" hat eine Subvention von 140.000 Francs fiir die Colonie Chedere beschlossen. Amerika. New-Hork, 20. Jänner. (Orig. Corresp.i. Tie Centtale in Amerika ist seit gestern Abend in Funktton. Unter überaus reger Betheiligung hat die Beamtenwahl stattgefunden. Ter officielle Name der Centtale lauter: Verband der Zio - nisteninden Verein igle n Staaten von Nordamerika. Verbands-Präsident ist Rabbiner Tr. Philipp Klein, Präsident der Executive Tr. I. Bluestone, Vicepräsidenten sind die Herren: H. K. S ar a s oh n, Herausgeber des jüdischen Tagblattes, H. W. S ch u l m a n n und Tr. Mosessohn, General-Secretäc ist Tr. Michael Singer. In die Executive wurden gewählt: Rabbiner Zadikoff, David Tritsch, I. Wilner, Anwalt Morissohü, Alberr Fruchter, H. B. Isaacson, Moses Aszud, M. Bukansky, Redactenr des ,..Je\vish Daily Herald", Iac. Manilas, Louis Kohn und H. Rabinowitz. Tie von ‘ Tr. Michael Singer sorgsam ausgearbeitete Constitution wurde eu bloc angenommen. Laut der Constitution hat der Verband die Pflicht, jährlich mindestens vier Broschüren zu publicircn und dieselbe jedem, dem Verbände angehörenden Vereine in so vielen. Exemplaren unentgeltlich zur Verfügung zu. stellen, als der betreffende Verein Mitglieder zählt. Tie Centtale hat zu den Maffenversammlungen der Einzelvereine Redner zu senden und für die Errichtung hebräischer Freischulen mit hebräischer Unterrichtssprache Sorge zu tragen und die Verbindung mit der Executive des Congreffes aufrecht zu erhalten. . Dem Verbände gehören vorläufig die folgenden Vereine an: Rabbinerverein Zion Hamezujenerh, New-Dorker Zionsfreunde, Zionoh, Dorsche Zion, Benoth Zion, Zionsverein Iehuda Halevi, Chowewe Zion of Brooklyn, Benei Zion of Bayonne, Mevaseras Zion of Elisabethpott, Chowewe Zion, Benei Zion und Benoth Zion of Cleveland. Ter erste allgemeine Zionistentag wird im Monate Mai in New-Aork abgehalten werden.

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