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Die Welt · 1898-02-11 · 6 (11.2.1898) · p. 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
6 (11.2.1898)
Article
Wien
Date
1898-02-11
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 Nr. 5 Aus Habbier und aus Furcht haben sie planmäßig die arabische Rasse erniedrigt, sie haben ihr die höheren Schulen genommen und ihr so das neue Wissen vorenthalten, während sie ihr die alte Tradition nahmen. Sie haben die Araber ihrer Civilisarion beraubt, während die Juden ihnen ihren Boden stahlen. Die französischen Eroberer verweigerten den Einheimischen die politischen Rechte und überlieferten sie so um so sicherer der Expropriation durch das französische Privatrecht und dem Wucher." Krakau. (Orig. Corr.). Die hiesigen Cultuswahlen finden endgiltig am 14. und 15. Februar statt. Tie Agitation der Präsidialcoterie lässt nach außen hin nach, um desto intensiver im Geheimen zu wirken. „Sie agitiert von Mann zu Mann, scheut keine Drohungen und spart nicht mit persönlichen Versprechungen. Sie scheint aber ihrer Sache doch nicht ganz sicher zn sein, denn sie verbreitet das Gerücht, als ob sie in der II. und III. Curie schon die Majorität hätten, um dadurch die Gegner zu einem Rückzug zu zwingen." Richtig beurrheilt die Kampfmittel beider Parteien ein hiesiges Blatt, indem es sagt: „Die herrschende Clique hat eine langjährige Schule in der Wahlmacherei absolviert, ihre Thätigkeit aus diesem Gebiete beruht auf Praxis, während die Oppositionsparteien nach dieser Richtung Laien sind und bleiben." Dazu kommt noch . eines. Die Zionisten kämpfen im öffentlichen Interesse und ihre einzigen Waffen werden immer nur die Aufklärung und Belehrung fein; bei der Coterie handelt es sich aber um die Befriedigung persönlicher Eitelkeit, und um den Besitz der Mandate, die ihnen Selbstzweck sind. Es lässt sich denken, wer in den Mitteln weniger wählerisch ist. 8. R. Deutschland. Berlin, 8. Februar. Aus angeblich diplomatischer Quelle wird dem „Berliner Tageblatt" eine Enthüllung zur Dreyfus- Affaire mitgetheilt, wonach ein französisches Consortium von Berräthern den Namen Dreyfus zum Verkauf militärischer Geheimniffe au Russland missbraucht habe. Als die ruffische Regierung nach Etablierung der russofränkischen Entente den wahren Sachverhalt mittheilte und den Verräther preisgab, war das Pariser Cabinet in größter Verlegenheit. Um die keimende Allianz nicht zu gefährden, wurde Dreyfus und Deutschland vorgeschoben und diese Fiction auch bis jetzt aufrecht erhalten. Frankreich. Paris, 7. Februar. Der erste Tag des Proceffes Zola ist vorüber. Er brachte das Ergebnis, das man erwartet hatte: die Begrenzung des Beweisverfahrens auf drei Punkte des Briefes Zoläs. 9!nr darüber, was Zola von dem Kriegsgerichte über Eßterhazy behauptet hatte, soll der Beweis zugelassen werden: so lautet die Entscheidung des Gerichtshofes. Zola soll nur beweisen dürfen, dass das Kriegsgericht Eßterhazy wissentlich freigesprochen, obwohl ihm die Schuld Eßterhazy's klar gewesen sei. Es erscheinen weder die Mitglieder des Kriegsgerichtes, das Dreyfus verurtheilte, noch die des andern, welches Eßterhazy freisprach. Von militärischen Zeugen erscheinen blos der Stellvertreter des Generalstabs-Chefs, General Gonse, und Obersilieutenant Picquart mit Major Eßterhazy. Noch nicht entschieden ist die Fra^e, ob der Gerichtshof die Entschuldigungsgründe der Ofsiciere anerkennen, werde. Das größte Gewicht legte die Bertheidigung auf das Erscheinen des ehemaligen Kriegsministers M e r c i e r und des Obersten de Paty du Clam sowie der Comteffe Blanche de Comm i n g e s, welche de Paty du Clam mit der verschleierten Dame an derselben Stelle der Champs Elys^es in Verbindung gebracht hatte, an welcher eine andere oder dieselbe verschleierte Frau sich Eßterhazy als Retterin nahte. Ein anderes wichtiges Resultat ist zu verzeichnen: Die Stimmung hat sich sichtlich beruhigt. Als Zola im Juftizpalais erschien, grüßten ihn die hier versammelten Advocaten. Bon dem Beweisverfahren kann man nicht mehr viel erwarten, da das Beweisgebiet eine solche Einschränkung erfahren hat. Den Höhepunkt wird die Verhandlung durch Z o l a's. Erklärung und Georges Clömenceau's Plaidvyer finden. Paris, 8. Februar. Noch gesternt abends hat Zola zahlreiche Freunde empfangen, welche ihn-zu .dem-Verlaufe des ersten Berhandlungstages beglückwünschten. Zola erklärte, es sei ihm nicht genug, freigesprochen zu werden. Dies sei ihm sogar gleichgiltig. Er wolle,' dass aus dem Processe die Erkenntnis Boden gewinne, dass Dreyfnsunschuldig verurtheilt wurde. Diesen Rechtsirrthum müsse man gutmachen. „Die unglückliche Frau des Ex-Capitäns", sagte Zola, „wollte mich sprechen, wahrscheinlich, um sich zn bedanken. Ich habe jede Annäherung höflich abgelehnt. Ich will ganz unbefangen meine Aufgabe zu Ende führen." - - Nach der gestrigen Verhandlung suchten Studenten vor Zola's Haus zu demonstrieren. Noch ehe sie die Straße, wo Zola wohnt, erreicht hatten, - wurden sie zerstreut. Paris, 8. Februar. Im „Figaro" spricht Corngly die Befürchtung aus, dass die Affaire Dreyfus als Plattform für die Wahlen dienen könne. Das wäre Wahnsinn. Paris, 8. Februar. Heute um halb 1 Uhr wird die Verhandlung fortgesetzt. Der Gerichtshof wird zunächst seine Entscheidung über die Enthebungsgründe publicieren, welche die Ofsiciere für sich in Anspruch nehmen, um nicht aussagen zu müssen. Dann folgt das Verhör der noch übrig gebliebenen Zeugen. Man hofft, dass es möglich sein werde, das Urtheil bereits morgen, wenn auch in später Nachtstunde, zu fällen. Paris, 8. Februar. .„Matin" glaubt, dass der P r o c e s s Zol-a die ganze Woche dauern werde. Dasselbe Journal sagt, Oberstlieutenant Picquart, welcher gestern in Freiheit gesetzt wurde, wird nunmehr die Entschließung des Kriegsministers betreffs seiner Person abwarten. . . Paris, 8. Februar. Unter coloffalem Andrange des Puh- ' licums fand die zweite Sitzung des Gerichtshofes in dem Processe gegen Zola statt. Bis an den Gerichtstisch.drängte sich - die Menge. Ter Gerichtshof und die Zeugen konnten nur mit Mühe auf ihre Plätze gelangen. Auch Zola, Clemenceau und L a b o r i müssen sich durch die Menge durchdrungen. Der Beginn der Sitzung musste verschoben werden, bis es den Juftizwachleuten gelang, einen Theil des Publicums aus dem Saale zu drängen. Tie Verhandlung beginnt damit, dass der Vorsitzende ein Schreiben des Majors Walsin-Eßterhazy zur Verlesung bringt. Eßterhazy will nicht erscheinen. Er stützt sich nach bewährtem Muster auf die Rechtswohlthat der rR.es judicata.w Eßterhazy führt in dem Schreiben anden Präsidenten aus, dass er von der Anklage auf Hochverrath seitens des Mathieu Dreyfus von dem Kriegsgerichte einstimmig freigesprochen worden sei. Heute erhalte er einen Brief seitens eines Privatmannes, Emile Zola, der ihn als Zeugen .citiere. Er halte daftir, dass er keinen Grund habe, dieser Vorladung Folge zu leisten und überlasse es dem Gerichtshöfe und der Jury, die Gründe für sein Vorhaben zu würdigen. Vertheidiger Labori sagt, der Major Eßterhazy sei gestern hier gewesen, heute habe er sich eines Anderen besonnen. In einem Gefühle hoher Tirscretion habe er geglaubt, Eßterhazy hieher berufen zu müssen. Er werde hier nicht als Angeklagter stehen, da er sieigesprochen sei, er könne auch seinerseits die Rechtswohlthat der res judicata anrufen. Ta aber Zola, um seinen Beweis zu liefen:, von ihm hier sprechen werde, so habe er nicht geglaubt, dass es möglich sein werde, dies zu thun, ohne ihn hieher berufen zu haben. Albert Clemenceau besteht im Namen der „Aurore" darauf, dass Eßterhazy zur Verhandlung vorgeführt werde, nötigenfalls zwangsweise durch einen Huissier des Gerichtes. ' Nachdem der Greffier die Zeugenlistc verlesen hat, wobei sich herausstellt, dass fast sämmtliche Ofsiciere nicht erschienen sind, stellt L a b o r i bezüglich der nichterschienenen Zeugen den Antrag, dieselben vorzuführen und die Krankgemeldeten gerichtärztlich untersuchen zu lassen. Der Präsident gibt den Gerichtsbeschluss über die Weigerung der Ofsiciere, als Zeugen auszusagen, bekannt. Der Gerichtshof hat erkannt, es seien General Mer c i er. Oberst de P a r y du C l a-m. - Generalstabschef Böisdeffre und O r m e s ch e v i l l e für morgen vorzuladen und zu vernehmen. Im ^Gerichtsbeschlüsse - heißt es, dass - es. den vorgeladenen

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