Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 6 (11.2.1898)
- Article
- Ein geplanter Übertritt zum Judenthum
- Date
- 1898-02-11
- Page
- 8 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 6 Zeit der Spiritismus stark an Verbreitung gewonnen. Der Leiter der ganzen spiritistischen Bewegung ist ein Arzt, der überzeugter Spiritist ist und die dortigen Bauern sür den Spiritismus gewonnen hat. Er und einige Schüler seiner Lehre sind unermüdlich in der Werbung neuer Anhänger. Die meisten Bekenner zählt der Spiritismus in den Dörfern Pisarov und Bukovic, wo es auch mehrere „Medien" gibt, die mit Geistern sprechen und den Verkehr zwischen diesen und den Menschen vermitteln. In Pisarov ist das Medium ein Häusler, in Bukovic ein junges Mädchen. Tie fanatischesten unter diesen Spiritisten verwerfen sogar die Lehren des Christenthums. Sie anerkennen blos das alte Testament und halten den Samstag statt des Sonntags heilige. Das war auch der Grund, weshalb sie zum Judenthum übertreten wollten. Als der Rabbiner der Deputation nun rieth, sich diesen Schritt wohl zu überlegen, kehrte dieselbe in ihre Heimat zurück und theilte den Genossen den Erfolg ihrer Reise mit. Dort wurde nun beschlossen, nicht zum Judenthum überzutreten, sondern blos aus dem Christenthum auszutreten und sich, da der Spiritismus als Religion nicht anerkannt ist, confessionslos zu erklären. Die Rückkehr der Juden nach England erfolgte am 4. Februar 1038, also vor 240 Jahren. Aus diesem Anlasse veranstaltet die „jüdisch-historische Gesellschaft" in London am 13. Februar eine große Feier. s* vic Wnistischr ßctnrpng. Spenden für zionistische Zwecke find an Herrn Dr. O. Kotes ch, Hof- und Gcrichts-Advocaten in Wie«, I., Tingcrftrastc 25, zu senden. Wien. 33zionisti scheVersammlungen.Unser Gesinnungsgenosse und unermüdlicher zionistischer Agitator in Galizien und in der Bukowina, Herr Löbel Taub es aus K o l o m e a, hat im Laufe des Jahres 1897 bei dreiunddreißig zionistischen Versammlungen gewirkt, und zwar in Tiumarc 2 (1 Volksversammlung und 1 Makkabäerfest), Dufte, Bohorodczanp, Horodenka, Drohobpcz 2, Borpslaw 2, Tolina, Jablonäw, Bolechöw, Straff, Krakau 3, Tuchöw, Tarnüw, Mielec, Ottpnia, Gwozdziec, Kolomea 2, Chodoröw, Roharyn, Borszcznw, Zaleszyki, und Stanislau (Makkabäerfest) in Galizien, in Czernowitz, Radautz und Sereth, 2 in der Bukowina und in M.-Sziget (Ungarn». Tiefe Versammlungen hatten größtentheils erfolgreiche Resultate. In manchen Orten bildeten sich selbständige locale Zionsvereine, in anderen wieder Localcomites des „Galizischen Vereines für Colonisation Palästinas „Ahawath Zion" in Tarnüw und in manchen zionistischen Ortsgruppen für die «chekelscnnmlung. Der Redner hat es nicht unterlassen, überall die Nothwendigkeit einer jeden Art der zionistischen Agitation zu betonen, so dass in vielen Orlen gleichzeitig ein localer Zionsverein mit Lese- und Sprachhalle, ein Localcomitä des „Ahawath Zion" und eine „Ortsgruppe" errichtet wurden. Tie Beschlüsse und das Programm des „Baseler Kongresses" dienen dem Redner stets zur Richtschnur, und hat derselbe Vieles zur Verbreitung des zionistischen Programmes und zur Popularisirung desselben unter der orthodoxen Juden heit in Galizien und der Bukowina beigetragen, sich dabei aber die von Wien erhaltene Instruction, vor überschwänglichen Hoffnungen auf baldige Durchführung des so schwierigen zionistischen Werkes zu warnen, stets vor Augen gehalten. Wien. Bei den Wiener Zionisten sprach als Abgesandter der „Chowewe Zion" in Braila (Rumänien), am Anfänge dieser Woche, Herr Leopold Fisch l vor, der zum Zwecke einer Information über den Stand der zionistischen Bewegung auch Berlin aufsuchen wird. Nach den Documenten, die Herr Fischl vorzubringen in der Lage war, ist die zionistische Bewegung in Braila eine sehr bedeutende und auch materiell viel zu leisten im Stande. Hoffentlich werden auch die anderen Städte Rumäniens nicht Zurückbleiben. Lemberg, 4. Februar. Das jüdische Theater hatte heute einen großen Erfolg zu verzeichnen. Unser Gesinnungsgenosse, Herr Moses Richter, ließ sein Schauspiel „Der Bann Rabbi Gersons" aufführen. Das Theater war überfüllt, und recrutirte sich das Publicum vorwiegend aus jenen Sphären, denen das jüdische Theater zum ersten Male einen Bar-Kochba und Maccabi vorführte. Wenn jene .Helden den unteren Schichten unserer jüdischen Bevölkerung geläufig sind, so ist das hauptsächlich das Verdienst des jüdischen Theaters. Nun führte uns Herr Richter in ein anderes Capitel unserer Märtprergeschichte ein, und seine Arbeit krönte der beste Erfolg. Der Applaus spottet jeder Beschreibung. Wer kennt nicht die Kraft und Strenge eines jüdischen Bannfluchs? Wer kennt nicht das hohe Ansehen, das ein Rabbi Gerson „Die Leuchte des Golus" bei der damaligen Judenschaft genoß? Der Bann ist noch heute in Kraft, und das jüdische Volk beobachtet ihn aufs Genaueste. Das jüdische Theater ist die einzige Institution, durch welche wir zu unserem Volke sprechen können und zwar zu jenem Theil unseres Volkes, der durch feine traurige Lage außer Stande ist, sich einem speciellen Studium unserer Geschichte zuzuwenden; deshalb sollte eine solche Institution thatkräftig unterstützt werden, r/.ä Zum Schlüsse bemerke ich noch, dass Herr Richter gegenwärtig an einem neuen Schauspiel „Der Zionist" arbeitet. Kimpolnng. Der erst vor Kurzem gegründete Verein „Zion" hat am 26. Jänner einen überaus erfolgreichen Abend zu verzeichnen gehabt. Dr. Z a l o s c e r hatte eine jüdische Theatergruppe engagiert, die das Trauerspiel „Jeremias, der Prophet" zur Aufführung brachte. Nach beendeter Vorstellung wurden von der Bühne herab zionistische Gedichte declamirt und dann eine Discussion über den Zionismus eingeleitet. Beim gemeinsamen Abendmahl sprachen die Herren Dr. Zaloscer, Dr. Blum, I. Landesberger, Räuchwerger und Karl R e i n ho l d. Zur Feier hatte sich fast die gesammte Judenschaft der benachbarten Städte eingefunden. Dolina. Im hiesigen Vereine „Benei Zion" hielt Herr Juda Leib Litwak am 6. d. M. einen Vortrag über „den modernen Zionismus". Hierauf wurde folgende Resolution gefaßt: Tie am 30. v. M. einberufene Versammlung steht auf dem Boden des Baseler Programmes und begrüßt die Vereinigung aller Vereine gleicher Tendenz aufs Wärmste. Breslau. Im „Jüdischen Rede- und Discussionsclub Graetz" hielt Herr Dr. weck. Kalmus am Samstag, den 29.Jänner vor einem'außerordentlich zahlreichen Auditorium einen Vortrag über „Zionismus". Die scharf pointirten Ausführungen des Referenten, ferne sachliche und zu Herzen sprechende Darlegung der Zwecke und Ziele der zionistischen Bestrebungen übten auf alle Anwesenden einen so tiefen und begeisternden Eindruck, dass sich selbst der egnerische Theil der Zuhörerschaft der Anerkennung durch lebaften Applaus nicht enthalten konnte. Tie ungefähr Ift.» Stunden währende Rede des Herrn Tr. Kalmus entfachte eine sehr rege Discussion, in der namentlich Herr Dr. Ellbogen das Wesen und die leitenden Grundideen des Zionismus in markanten Worten beleuchtete, und Herr Dr. kbenl. Brettholz die unverkennbaren Vorzüge dieser'Bewegung auseinander) etzie. Zum Schluffe sei noch erwähnt, dass die Zahl der Mitglieder des aus zionistischer Anregung hervorgegangenen „Jüdischen Rede- und Tiscussionsclubs" in stetem Wachsen begriffen ist. Jassy. Der neugegründete Verein „Benoth Zion" entfaltet eine äußerst rege Thätigkeit. Am 30. Jänner fand die zweite große Versammlung statt innerhalb der letzten zwei Wochen. Tr. I. 2! <x cf) t sprach über die Bedeutung der Iran in der jüdischen Geschichte, die uns nicht absichtslos die heroischen Gestalten einer Teborah, Judith und Esther überliefert habe. Mit der Absingung des Nationalliedes „Tort wo die Ecder. .." durch den Chor des Neuschotz'scheu Waisenhauses wurde die Versammlung geschloffen. Die jungen Handwerker unserer Stadt haben gleichfalls einen zionistischen Verein unter dem Namen „Bnei Zion" gegründet, der jedoch als Zweigverein der „Chowewe Zion" gelten kann. Uebrigens ist Jaffp ein fruchtbarer Boden für den Zionismus. Das Volk denkt mit Liebe an Zion und ist zu jedem Opfer bereit. Auch die Jugend ist größtentheils gut zionistisch und strömt unseren Vereinen von Tag zu Tag mehr zu. Nur die Universitätsjugend bildet einen verlorenen Posten. Mir sehr geringen Ausnahmen sind alle Jungen bereits soweit „assimilirt", dafs sie zur Annahme der Taufe kaum einer Ueberredung bedürfen. Biele Juden in Jaffp sind indolent und halten sich noch von der zionistischen Bewegung fern; wir hoffen sie aber doch noch gewinnen zu können. Braila. Das von den hiesigen Gesinnungsgenossen ins Leben gerufene Blatt „Zion" erfteut sich der beften Aufnahme unter den rumänischen Juden. Von hier aus werden auch die Vorträge in allen umliegenden Gemeinden organisiert und Conferenciers überall hingesendet. Insbesondere machen sich die Herren Lubisch und Guttmann um die Sache sehr verdient. Alle die von uns und auf unsere Veranlassung gegründeten „Chowewe Zionvereine" stehen streng auf dem Boden des Baseler Programmes. Unsere Zionisten bethätigen auch ihren Eifer in der Schekelsammlung. Bis jetzt hat noch jeder Vereinsangehorige den Schekel entrichtet. Mir Recht wird betont, dass dies die erste und wichtigste Gelegenheit ist, um den Beschlüssen des Congresses nachzukommen. Wir hoffen diesbezüglich aus ganz Rumänien Erfreuliches berichten zu können. L. G. London. Die Conferenz der englischen Zionisten findet Sonntag den 6. März statt. Sie wird aus drei Sitzungen bestehen : von 10 bis 1 Uhr Mittags, von 3 bis 5 Uhr Nachmittags