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Die Welt · 1898-02-04 · 5 (4.2.1898) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
5 (4.2.1898)
Article
An Förderer zionistischer Dichtung
Date
1898-02-04
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12 Nr. 5 freunde, mich bei der neuen Ausgabe dadurch unterstützen zu wollen, dass sie mir Lieder und geeignete Gedichte möglichst bald an meine unten stehende Adresse einsenden wollen. Mit bestem Danke und mit ergebenem Zionsgruße Heinrich Löwe, Berlin C 22, Auguststraße 47. Odessa. Die zionistischen Studenten der hiesigen Universität wollen während des Monates Mai eine Pilgerfahrt nach Palästina unternehmen. Sie wünschen auch, sich mit gesinnungsgenössischen Collegen an anderen Universitäten in dieser Angelegenheit ins Einvernehmen zu setzen. Helsingfors (Finnland). Nun hat der Zionismus auch in unserer Stadt siegreichen Einzug gehalten. Bei der am 10. Jänner stattgesundenen Jahresversammlung des Vereines „Bikur-Cholim" wurde von mehreren Rednern auf die traurige Thatsache hingewiesen, dass man in Helsingfors nichts vom Zionismus wisse, während diese Bewegung sich jetzt anschicke, die ganze jüdische Welt zu erobern. Und doch hätte man Ursache und genügenden Grund, nach dem Zionismus mit beiden Händen zu greisen, denn Intoleranz und Antisemitismus sind hier keineswegs fremde Begriffe, und nur das wirklich objecrivc Vorgehen der Polizei und das stille Wirken einiger Philantropen, wissen der Sache ihre Schärfe zu benehmen. Unser Rabbiner S. B u k a n z ergriff sofort die Gelegenheit, um in begeisterten Worten für den Zionismus einzutreten. Auch die nachfolgenden Redner, allen voran der Vorsteher der Talmud-Thoraschule, M. R o s e n t h a l, und Herr A. Engel, erklärten sich als unbedingte Anhänger des Zionismus. Schließlich wurde ein Zionsverein „Mokirei Zion" gegründet, dem der größte Theil der Anwesenden sofort beitrat. Auf die Versammlung folgte ein geselliger Abend, wo mehrere begeisterte Toaste aus den Zionismus und seine Führer ausgebracht wurden. J. S. London. Für die zionistische Eonferenz in London, die nunmehr die „Chovevi Zion Association" selbst einberust, sind bereits den zionistischen Vereinen Einladungen zugegangen. Dieselben enthalten die von uns bereits in der Nummer 28 v. I. angeführte Tagesordnung. Ter Termin ist darin jedoch noch nicht festgesetzt. Es unterzeichnet ein Eomite, u. zw. Mr. Herbert B e n t w i ch als Chairman und I. de Haas und S. A. H i r s ch als Secretäre. London. Mir Befriedigung kann ich berichten, dass unsere Bewegung in England immer größere Fortschritte macht. Neue Vereine sind entstanden in Stanley und Haffordshire. Ter Fall Dreyfus hält auch hier die Judenschast stets wach und ist für eine drohende Mahnung an die Rückkehr zu ihrem Volksthum. Ter Herausgeber der „Jewish World" Mr. Benusam veröffentlichte jüngst einen zionistischen Artikel in der bekannten illustrierten Zeitschrift „Sketch" und hat bereits über Einladung der Wochenschrift „Black and White" über Zionismus geschrieben. Pittsburg. Der hiesige Verein „D o r s ch e i Z i o n" hat in der letzten Zeit mehrere^ Masscn-Meetings abgehalten. Die Gründung eines Frauenvereines „V'n o s Zion" steht unmittelbar bevor. Dublin. Wie im vorigen Jahre hat auch während des letzten Ehanukasestes der hiesige Verein „Eh ow cwc Zion" eine Makkabäerseier veranstaltet, um für die zionistische Idee zu agitieren. Es sprachen Dr. V i g o d er, Rabbiner I o s e l o w i tz, Rcv. Mendelsohn u. A. Tie Redner wiesen auch aus die Judenercesse in Prag und Bukarest hin, die für die Juden eine drohende Mahnung bilden. Der Abend hatte einen großen Erfolg, indem nicht nur viele neue Mitglieder dem Vereine beigetreten'sind, sondern auch ein besonderes Comirö, das den Schekel sammeln und sich direct mit dem Wiener Actionscomitö ins Einvernehmen setzen solle, gegründet wurde. New-Dork. Ueber Anregung des Herrn Rabbiner Tr. Philipp 5t l c i n, Tr. M. Singer und Tr. I. B l u e st o n e geht die Centralleitung der amerikanischen Zionisten daran hebräische Freischulen mit hebräischer Unterrichtssprache zu errichten. Durch diese Schulen soll die hebräische Sprache zu einer lebendigen Sprache und zur Umgangssprache der Juden ausgebildet werden. Chicago. Sonntag, den 2. Jänner fand hier ein vom Verein „Zion" veranstaltetes Massen-Meeting statt. Sein Besuch war außerordentlich zahlreich. Die Redner, Rabbiner Brody, Mr. Zolotkoss, Mr. I g l o v i tz und Air. H o r o w i tz wussten mit ihren hinreißenden Worten die Massen der Zuhörer für den Zionismus zu begeistern. Diesem erstanden hier viele neue Freunde, von denen die meisten auch dem Verein sofort beilraten. Wie tiefe Wurzeln bereits der Zionismus unter den hiesigen Juden gefasst hat, beweist am besten die Gründung eines „Zionistischen Knaben-Vere in es". Tie Schüler der hiesigen Talmud-Thoraschule haben sich aus diese Weise organisiert, um an der Seite ihrer Väter für Zion zu wirken. Sie zahlen wöchentlich 3 Centi (8 Kreuzer), einen großen Theil ihres Taschengeldes. Ter Verein heißt „Bnei Zion" und zählt bereits 27, Mitglieder. Hievon ist der älteste 13, der jüngste 12 Jahre alt. Philadelphia. Die „Ohave Zion" haben am letzten Samstag, den 8. Jänner, die hiesigen Zionisten zu einem großen Meeting versammelt. Wir sollten die angenehme Gelegenheit haben, den alten und bewährten Kämpfer für Zion in Amerika, der uns auch in Basel repräsentierte, Mr. Adam Rosenberg aus New-Iork zu hören. Nach einigen einleitenden Worten des Rabbiners Löwenthal ergriff Mr. Rosenberg das Wort. Er sprach deutsch und flocht nur hie und da hebräische Citate ein. Seine Rede dauerte über anderthalb Stunden. Mr. Rosenberg sprach nicht bloß als ein theoretischer Anhänger der zionistischen Idee, sondern als ihr praktischer Jünger. Durch die drei Jahre seines Aufenthaltes in den paläftänsischen Colonien hatte er die Gelegenheit, sowohl dieselben als auch das ganze Land, und besonders das zur weiteren Colonisation in Aussicht genommene Transjordanland genau kennen zu lernen und der Mittheilung seiner Erfahrungen galt ein großer Theil der Rede. Dann sprach Mr. Rosenberg vom Baseler Congress, den er einen Posaunenweckruf an das ganze jüdische Volk nannte, vom Schekel und den einzelnen Beschlüssen. Diese Rede wurde mit stürmischem Beifall ausgenommen und hatte auch den Beitritt vieler neuer Mitglieder zur Folge. Zum «chluss hielt Rabbiner Mastianski einen mehrstündigen sehr belehrenden Vortrag über die Vision Ezechiels, dem alle Zuhörer voll Andacht und sichtlich auch in Anerkennung seiner zeitgemäßen Bedeutung, zuhörten. Cincinnati. Die hiesigen Zionisten im „Ohave Zion" sind sehr rührig. Am letzten Sonntag, den 0. Jänner, veranstaltete der Verein wiederum eine Versammlung. Diesmal sprach Rabbiner S i v i tz aus Pittsburg, Mr. Hilf, Mr. R a s i n s k i u. A. alle in entschieden zionistischem Sinne. Zum Schluffe wurde der Ausschuss gewählt. Louisvillc. Der hiesige zionistische Verein hatte für den 10. Tecember ein Massenmeeting einberufen, das sehr zahlreich besucht war. Es sprachen Rabbiner Salomon S ch ö n f e l d, Herr L i p s ch i tz und Advocat T e m b i tz, die den Anwesenden die Bedeutung des Zionismus erklärten. Herr Simon Schafinski richtete einen Appell an die Jugend, sich in den Dienst ihres Volkes zu stellen. Ter Verein zählt ungefähr 17,0 Mtiglieder. (forrcfpntoitp. O estcrreich-Ungarrr. Wien. (Srig.-Corr.) Am 28. Jänner hielt Herr . v. Egid y im „Verein zur Abwehr des Aittisemitismus" seinen Vorrrag „Ueber die Wandlungen der Gegenwart". Egidys Ansichten sind die eines jeden gesitteten Eulrurmenschen. Neues brachte er also nicht. Aber wie er es brachte! Ni an fiihlte es, der Mann trug die volle Siegeszuversicht in sich, dass alles das so werden müsse, wie er es als gut erkannt harte. Nur unter der lebcnerweckenden und lebeirerbaltcnden Sonne des Völkersricdens können das Zusammengehörigkeits-, Persönlichkeits- und vor allem das Ebenbürtigkeitsbewussrsein, die Toleranz und Milde des wahrhaft Gesitteten, des guten Europäers sich cirttvickeln. Und nur ans Grmrd dieser Eigenschaften des Individuums werden die nothwendigen Wandlungen ans dem Gebiete der inneren Polittk, der Volkswirtschaft, der Schule, des consessionellen Lebens und des Rechrswesens zum Heile der Menschheit erfolgen können. Ten Redner lohnte reicher Beifall. Wir wünschen und hoffen, dass Herrn v. Egidys Ideale baldigst in Erfüllung gehen mögen. Für seine Ideale ist aber nur ein freies Volk reis, und dieses wollen wir schaffen. Tann dürste Herr v. Egidy nirgends treuere und selbstlosere Anhänger seiner Ideen finden als bei uns Narionaljnden. Herr v. Egidy ist 184-7 in Mainz geboren, ttat zuerst in preußische dann in sächsische Tienste und wurde 1889 Oberst - lieurenanr. Seine im Jahre 1890 und 1891 erschienenen Schriften, in denen er voll Frciinuth seine den herrschenden Ansichten widersprechenden Anschauungen rücksichtslos bis zur letzten Cvnseqnenz darlegte, veranlassten seine Verabschiedung. Er lebt seit 1891 in Berlin, von wo aus er mit Wort und Schrift seine Ideen zu verbreiten sucht, ohne durch die zahllosen Angriffe und Widerwärtigkeiten, die ihm von allen Seiten widerfahren, sich in seinen Bestrebungen irre machen zu lassen. Ter thatkräfiige Mann, übrigens ein ausgezeichneter Redner und vornehmer Schriftsteller, dürste noch manchen Sieg der von ihm Vertreteyen Anschauungen feiern.

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