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Die Welt · 1898-02-04 · 5 (4.2.1898) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
5 (4.2.1898)
Article
Jassyer Brief
Date
1898-02-04
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 5 JtoOWdc Juden aus eigenen Mitteln unter Leitung ihres Schächters David und unter unserer resp. des Centralcomiws in Galatz Bevormundung, trotz des Rabbi Friedmann, gegründet worden. Die Colonie kam gleich „Sichron Jacob" nach meiner im Aufträge des Ceutralcomit6s nach Paris untemommenen Reise unter den Schutz des Pariser Philanthropen. Rabbi Friedmann sprach mit mir in Jassy über die Colvnisativn in einer abfälligen Weise und begründete seine Gegnerschaft mit allen Verleumdungen und Unwahrheiten, welche die Palästinenser Schnorrer noch heute in unverschämter Weise verbreiten. Aber meinen Erwiderungen setzte er hartnäckig entgegen, dass er den Aussagen seiner Chassidim unbedingten Glauben schenke. Als Oliphant hier in Jassy einer Generalversammlung beiwohnte, lud ich ihn im Austrage des Centralcomitsts in einem besonderen hebräischen Schreiben ein. Er erschien zwar nicht, sandte uns aber ein Schreiben, worin er seinen Beitritt unter gewissen Bedingungen versprach. Unter anderem verlangte er die Versicherung, dass die biblischen Erntevorschristen pünktlich eingehalten werden, und dass vor allem die ausdrückliche Einwilligung Seiner Majestät des Sultans erwirkt werde rc. Man würde gewaltig irren, wenn man glauben möchte, der Einfluss des Rabbi erstrecke sich bloß aus seine Chassidim. Seine Stimme wird in viel weiteren Kreisen hierorts gehört. Selbst Geschäftsleute, die am Sabbath ihre Geschäfte offen halten, folgen in voller Pietät den Befehlen des unfehlbaren Rabbi. Die Mädchenversammlung ervffnete Herr A rm in Dux mit einer kurzen, zündenden Ansprache. Rach der Wahl sprachen Frau Sophie R a ch t, Frl. Marie "Rächt, Tr. Lippe und zuletzt Herr R o k e a ch. Das Beispiel der jüdischen Frauen wirkt ermunternd auf die männliche Jugend ein. Bei dem Präsidenten des Lvcalcomitös laufen zahlreiche Beitrittserklärungen ein, obzwar das traurige Factum zu bemerken ist, dass sich die studierende Jugend ostentativ fcrnhält, was eigentlich nicht Wunder nehmen darf, da die Zahl der Taufen in diesem Kreise eine besonders große ist. L>r. L. Krakau. Meinen Bericht über die Makkabäerfeier bitte ich dahin richtig zu stellen, dass der Präsident des „jüdischen" Casinos Dr. Michael Kaufmann heißt. Auch möge der Herren F r i e dmann, Goldberger und Königsberg gedacht werden, die den musikalischen Theil in echt künstlerischer Form besorgten. Brody. Tie jüdische Jugend in unserer Stadt, die vortrefflich organisiert ist, hat den ersten Punkt ihres Programmes erfüllt. Ein Zionverein, eine Filiale der Parteileitung, ist nämlich bereits gegründet, die Statuten wurden von der Statthalterei schon genehmigt, und für den 9. d. M. wurde eine Volksversammlung einberufen. Wie indifferent ein großer Theil unserer Stammesgenossen sich den jüdischen Angelegenheiten gegenüber verhält, hatten wir Gelegenheit, uns zu überzeugen Fast die ganze sogenannte „Intelligenz" glänzte durch ihre Abwesenheit, Auf der Tagesordnung stand: i. Was will der Zionismus? 2. Constituierung des Vereines. Als Erster ergriff der Telegierte aus Lemberg, Herr Salomon Schiller, das Wort. In klarer Weise schilderte er die Fortschritte der zionistischen Bewegung. Mit besonderem Beifall wurden seine Ausführungen begleitet, namentlich, als er darlegte, wie vieles die zionistische Partei zur Belebung der hebräischen Sprache gethan habe. Einen Beifallssturm entfesselten die Worte des nächsten Redners, Herrn H. Salz mann. Darauf wurden die Wahlen vorgenommcn. In den Ausschuss wurden die Herren: H. L i f s ch ü tz, P i l p e l, Dr. Jang, Felmann, A. Kapise und H. R a p a p o r t entsendet. Zum Schluffe wurde ein Tiscussionsabend im Locale des Vereines der jüdischen Arbeiter „Fortschritt" eröffnet. Zastavna, 10. Jänner 1898. In unserem Städtchen besieht seit dem 9. d. M. der Verein „Schiwas Zion". Bei der am 9. Jänner slattgesundenen Generalversammlung sind die Einwohner unseres Städtchens zahlreich erschienen. Ter Alterspräsident, Herr Schmiel Jägendorf, begrüßte mit einer warmen Ansprache die Anwesenden, legte ihnen in kernigen Worten die Ziele des Zionismus klar uud forderte die Mitbürger zur rührigen Mitwirkung auf. Dieser mit Beifall aufgenommene Vortrag rief unter den Versammelten große Begeisterung hervor und es erklärten alle, dem Vereine beizutreten. Bemerkenswert ist, dass in unserem Städtchen die Apathie gegen den Zionismus zum großen Theile bei den Reformern zu finden ist, während die Chassidim warme 'Anhänger dieser Idee Bei der vorgenommcnen Wahl des Ausschusses für das Jahr 1898 wurden gewählt; Schmiel Jägendorf, ci t a n R o st l e r, David S t e r n b e r g, S i g m u n d H i l b e r m a n n. Eisig Lerne r, Meier Stelner und Moses Silberbusch. Herr Moritz A in p e l dankte den Erschienenen und schloss mit einem Hoch auf Zion und die Führer der zionistischen Bewegung. Bohorodczany. "Am 2H. December v. I. fand die Makkabäcrfeier des Vereines „Ezrath-Jsrael" statt, die'einen äußerst würdigen Verlauf nahm. Tie Tendenzreden hielten die Herren Wundermann und Appenzeller, oftmals von stürmischem Beifall unterbrochen. Tie Vorträge des bekannten hebräischen Recitators Herrn Haller und des Sängers Herrn Krämer gaben dem feierlichen Charakter der Feier "das Intime eines Familienfestes, und bis in die späte Stunde blieben die Versammelten in fröhlicher Stimmung beisammen. Fundul Moldowi. Mir Freuden können auch wir von dem Zustandekommen eines Zionsvereines in unserer Gemeinde berichten. Nicht allein freiwilliger Drang, sondern auch die Noth und Gefahr, die über den Häuptern der Juden in dieser Gegend drohend schwebt, zwang unsere Judenschaft, sich zu einigen. Vor drei oder vier Jahren hat man noch nichts von Judenhass gehört, heute hört man bereits Aeußerungen wie : „Bis zum!. Jänner >898 habt ihr noch Ruhe, aber nach' dem Neujahrstage seid ihr Juden alle über die Grenzen des Landes geworfen." Daher ist es auch erklärlich, dass die hierortigcn Juden auf einmal wie ausgetauscht wurden. Juden, die aus Hass früher beim Begegnen einander Strohhalme, wie etwas Unreinem, nachwarfen,' saßen bei der gestrigen Generalversammlung in brüderlicher Eintracht vereint. In den 'Ausschuss wurden die Herren Sacharji Bauer und Selig Kluger gewählt. Bechometh. Der Zionismus wirkt Wunder. Unsere Bukowinaer Juden, die sich vor allen anderen durch ihre Indolenz gegen alles, was jüdisch hieß, auszeichneten, die mit verdrossenen Blicken in fremde Lager hinüberschielten, kennen auf einmal wieder jüdisches Selbstbewusstsein une Narionalgefühl. Und das gehl mit Sturmesschrilten. Bon Czernowitz gicng die Bewegung aus, und heute gibt es in den kleinsten Drtschafteu zionistische Vereine. Als letzte Gründung ist die Constituierung des Vereines „Tomche Zion" in Bcchomcth zu verzeichnen. Alle diese Ortsgruppen unterstehen der Czcrnowitzer Centrale. Berlin, 21. Jänner. Gestern 'Abend hatte die „Berliner z i o n i st i s ch e V e r e i n i g u n g" ihren ersten Diskussionsabend. Ter Schriftsteller S. Lublinski referierte über die Ereignisse der letzten Wochen und Monate, die sich in Prag, in Bukarest, in Algier und Paris abgespielt haben. Er suchte sie psnchologisch zu erklären, indem er überall die gleichen, treibenden Motive nachwics: geschärfte, nationale 'Abneigung und Versuch der herrschenden Claffcn, das Ddium ihrer Handlungsweise auf die Juden abzuwälzcn. Es entspann sich eine interessante Discussion. Ein junger, ungarischer Jude meinte, in Ungarn, wo doch ähnliche nationale Verhältnisse wie in Böhmen wären, gebe es keinen Antisemitismus. In seiner Antwort wies Lublinski auf die überraschenden Wahlerfolge der katholischen Volkspartei, und Dr. H o l z m a n n, der Land und Leute aus eigener 'Anschauung kennt, bestätigte, dass das magnarische Volk in seinen mittleren und unteren Schichten durch und durch antisemitisch wäre. Herr Dr. Seligsohn machte dem Referenten den Vorwurf, dass er den jüdischen Chauvinismus stärke, indem er die Juden nur als Sündenbock der herrschenden Classe darstelle und die großen Fehler und «ünden gewisser jüdischer Kreise verschweige, die zum Beispiel in Frankreich den 'Antisemitismus verursacht hätten. Redner verlangt energisch, dass man gewissen jüdischen Parvenü- und Betrügerkreisen öffentlich absage und jede Solidarität mir ihnen ablehne. Darauf erhob sich der junge Student G o l d b e r g zu einer ausgezeichneten Rede, in welcher er darauf hinwies, dass schon Mar Nord au auf dem Baseler Congress jenen zweifelhaften Kreisen unter lautem Beifall abgesagt hätte. Es wäre aber ein Jrrthum, sich einzubilden, dass auf solche Weise der 'Antisemitismus zu überwinden wäre. Man würde sür die Schandrhaten Einzelner doch immer das ganze Volk verantwortlich machen. Lublinski, in seinem Schlusswort, betont sehr scharf, dass allerdings die Juden auch ihre schweren Gebrechen hätten, dass Streber und Kriecher unter ihnen leider nicht selten wären. Darum bekämpften die Zionisten auch immer die kindische Politik der 'Abwehrvcreine, die jeden Juden ohne Unterschied als einen makellosen Engel hinstellten. Aber man dürfe nicht vergessen, dass viele dieser Gebrechen Folge der Knechtschaft und des schweren Druckes find. Indem der Zionismus die Juden in die Freiheit und die Heimat führen will, erstrebt er nicht nur eine politische, sondern auch eine sittliche Wiedergeburt des jüdischen Volkes. Dieses Schlusswort fand Beifall. 'An Fördcrcr zionistischer Dichtung. Von meiner unter dem Titel „Liederbuch für j ü d i s ch e V e r e i n e" herausgegebenen Sammlung zionistischer Lieder und Gedichte wird in kürzester Frist eine zweite Auflage erscheinen, die gegenüber der ersten eine völlige Umarbeitung und Erweiterung bedeutet. Angesichts der außerordentlichen Werbekraft, die das Singen zionistischer Lieder hat, bitte ich alle sangesfreudigen Gesinnungs-

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