Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 5 (4.2.1898)
- Article
- Zur Militärstatistik der Juden
- Date
- 1898-02-04
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 5 hauptet wird. Die Juden stellen Percentuell mehr Soldaten als viele andere Bolksstämme in Oesterreich. Wenn die Juden bei 45 per Mill der Bevölkerung nur 38 per Mill des Soldatenstandes stellen, wie verhält es sich mit den anderen Nationen? Das ist in demselben Buch zu lesen. Percents atz Percents atz Nationen der des B e v ö l k e - Soldatenstandes Deutsche . . . 288 pro mille Polen .... 93 Czechen . . . . . . 233'2 „ 144 Ruthenen . . . . . . 139-2 „ 84 Slovenen . . . Diese vergleichende Statistik beweist doch mehr als ellenlange Betrachtungen. Bei keiner einzigen Nationalität decken sich beide Percentsätze! Allein durch Vergleichung der Daten des Jahrbuches vom Jahre 1893 mit den Resultaten der Volkszählung *) kann man noch zu anderen sür die Juden sehr vortheilhasten Schlüssen gelangen. Nation Ber > 5 l k e r u n g s- Soldaten- Deutsche. 51T T e r 8,461.580 z r T T e x 308.685 Polen. 3,719.232 99.511 Czechen. 5,472.871 154.080 Ruthenen. 3,105.221 90.611 Slovenen. 1,176.672 31.422 1,143.305 40.844 Und das bedeutet Es entfallen auf 100 Polen 2 67 Soldaten Czechen 281 Slovenen 2-67 und nur Juden Deutsche 3 64 L. Schussgeld für die Juden. Am 26. Jänner gab es im niederösterreichischen Landtag eine Debatte über eine Petition des ornithologischen Vereines und der Genossenschaft der Wiener Thierhändler um Abänderung des Vogelschutzgesetzes statt. Abgeordneter O s n e r sagte, er wünsche, das energisch gegen die Frauenmode Stellung genommen werde, Vogelleichen aus die Hüte zu stecken. Abgeordneter Schneider: Tic Schonzeit fiir die Judenraubvögel muss aushören, Schnssgeld sür die Juden soll gezahlt werden. Die Juden in China. Tie angesichts der augenblicklich vor sich gehenden politischen Ereignisse begründete Aussicht, dass China in nächster Zeit mehr als bisher der europäischen Forschung zugänglich werden wird, lässt die Erwartung berechtigt erscheinen, dass auch das interessante Dunkel, welches die im „Reiche der Mitte" ansässigen Juden umgibt, mir der Zeit etwas gelichtet werden wird. 9iur Wenigen dürste überhand l die Thatsache bekannt sein, dass seit uralter Zeit im „Reiche der Mitte" Juden gewohnt haben: nach dem Wenigen, was bisher darüber von einigen Forschnngsreiscndcn und insbesondere von Missionären ermittelt worden ist, muss die beschichte der chinesischen Juden überaus interessant sein. Dass "Abkömmlinge des jüdischen Stammes bereits zur Zeit des ersten Tempels in China sich ausgehalren haben müssen, wird aus einer vielerörterterten Stelle des Propheten Jesaja entnommen, in welcher von den „Sinesen", die weit im Osten wohnen, die Rede ist. Dieser Name wird von den meisten Gelehrten aus die Bewohner China sgedeuter. Bemerkenswert ist ferner, dass ein chinesisches Werk aus dem 6. Jahrhundert v. Ehr. Geburt existiert, in welchem von Noah, der Sintfluth, Abraham, Moses Joses, dessen "Aufenthalt in Egypten und seinen Brüdern die Rede ist. Historisch seftgestellt ist sodann, dass im Jahre 224 v. Chr. Geburt eine "Anzahl Juden aus Persien nach China cingewandert ist. Znur erstenmale aber erlangt man sichere Kenntnis von der Existenz einer jüdischen Gemeinde in China im Jahre 1617 durch einen Bericht des Missionärs P. Gvnzani. In diesem überaus interessanten Berichte erzählt der Missionär, dass es *) R auchberg: Tie Bevölkerung Oesterreichs. Wien l!>!7>. ihm gelungen sei, einen chinesischen Juden kennen zu lernen, der, da er als Arzt eine chinesische Erziehung erhalten habe, im Stande gewesen sei, sich mit ihm zu verständigen. Ter Jude sei erstaunt und hocherfreut gewesen, mir einem Bekemrer des „einigen Gottes" Zusammentreffen, da er nie etwas von Christus und einem neuen Testamente gehört hatte, und er infolge dessen nichts von einer neuen Religion wusste, habe er ihn, den Missionär und seine Begleiter ebenfalls für Juden gehalten. Diese Mitglieder des jüdischen Stammes in China unterscheiden sich von den Chinesen in ihrem äußeren "Auftreten und chren Sitten nur wenig; sie werden von den letzteren Hoei-Hoei genannt, während sie selbst sich Tiao-kin-kiao nennen nach ihrem Brauche, die Venen aus dem Fleische der Thiere, dass sie genießen wollen, zu schneiden. Trotz aller an sie herantretenden Versuchungen sind sie ihrem Glauben nicht abtrünnig geworden. In Kai-fong-fu, der Hauptstadt von Nordchina, haben sie eine Synagoge, die bereits im Jahre 1183 erbaut, und später umgevaut worden ist. Sie soll am meisten nach dem Modell des Tempels in Jerusalem erbaut sein und Inschriften in hebräischer Sprache enthalten, welche sich theils auf die Geschichte von "Adam, Abraham, Moses beziehen, theils der Bibel entlehnt sind, u. A.: „Höre Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einig." Zum letztenmale in jüngster Zeit hat der Tirector des Instituts sür ausländische Sprachen in Peking, P. A. Martin, im Jahre 1868 jene chinesischen Abkömmlinge des jüdischen Stammes besucht. The Training home for jewish girls. Tie "Anstalt, die diesen Namen trägt und seit dem Jahre 1894 in London besteht, bat den Zweck, arme jüdische Mädchen in häuslichen Arbeiten zu unterweisen und dann als Dienstmädchen unterzubringen. Während man bei uns in Oesterreich selbst im mindesten Versuch jüdischer Selbsthilfe von „jüdischer" Seite „Revolution" wittert, reiht sich in London "Anstalt an Anstalt, die lediglich der Besserung der Lage des jüdischen Proletariats zu dienen bestimmt sind. Diesem Zwecke dient das „Jüdische Dienstbotenheim" und bald soll eine jüdische Handwerkerschule entstehen. Das erwähnte Heim nimmt Mädchen im Alter von 13—15 Jahren zumeist vom East-Eud auf, erweckt in ihnen Sinn für Ordnung, Häuslichkeit, und bringt ihnen die Fertigkeiten des Waschens, Kochens, Strickens, Kiuderpflegens und dgl. bei. Während die "Anstalt in den ersten Jahren mit Vorurtheileu der Elten: ihrer Pfleglinge zu kämpfen hatte, ist jetzt schon die "Anerkennung ihrer Wichtigkeit bis in die weitesten Kreise gedrungen. "Auch ist die Nachfrage nach den entlassenen Mädchen, die nur ein Jahr in der "Anstalt verbleiben, nicht nur in London, sondcni auch in den Provinzstädten eine sehr große. Ein Mädchen, das auf dem ersten Posten mehr als ein Jahr verbleibt, wird durch einen Preis ausgezeichnet: eine silberne Uhr. Zur Vergrößerung seines Fonds veranstaltet das zum Zwecke der Erhaltirng dieses Heims organisierte Damen-Cvmitü einen Bazar. Derselbe wird am 2. Februar um 2'/« Uhr nachnritrags von der Lady Rothschild eröffnet. Die gewesene Lady-Mayvres Fandet -Philipps steht ihr zur Seite. Es wäre zu empfehlen, dass die jüdischen Frauen am Contiirenre dieser bisher einzig dastehenden jüdischen Mnsteranstalr ein wenig Interesse schenkten. "An Material fehlt es leider nicht — wenn es ihnen nur an Thatkrafr und Opferwilligkeit nicht fehlen würde. Vielleicht liegt gerade darin das beste Mittel gegen die Mädchenhändler, denen man die in Elend verkommenden Opfer entzieht. I.. Die Colonien in Palästina. Der Vertreter des Odessaer Cvmites fiir "Ansiedlung in Palästina und Syrien, Tr. Joffe, begab sich nach Paris, um von der Cvlonisations- Gesellschaft eine Unterstützung für die Colonisten von Hedera n erlangen, damit sie den Häuserbau vollenden uird einen Fundus instruclus anjchafsen können. "Auch gedenkt die Jewish - Colonisarion-Associativn die jüdischen Lohnarbeiter in den Colonien seßhafto zu machen und sendete zu diesem Behufe den gewesenen Tirector der argentinischen Colonien, Herrn Hayem.