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Die Welt · 1898-02-04 · 5 (4.2.1898) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
5 (4.2.1898)
Article
Der Gefangene auf der Teufelsinsel
Date
1898-02-04
Page
8 (sequence 1)
Language
German
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Seite 8 Nr. 5 Der Gefangene auf der Teufelsinfel. I. V. Widmann, Feuilletonredacteur des Berner „Bund", widmet dem Unglücklichen auf der Teufelsinsel folgende sympatische Verse: Ob schuldig oder nicht — dass er nicht weiß. Wie über ihn der Streit entbrannt so heiß! Dass ihm nicht kündet fernen Sturmes Heulen, Wie sich zur Schlacht um ihn die Geister theileu! Dass in des Westens Wolkenwand, der grauen. Die Augen er nicht sieht, die nach ihm schauen, Die Stimmen nicht, die um ihn hadern, hört. Wenn Wogenschwall den Ocean empört! Bon Wandervögeln rauschen weiße Schwingen, Doch keine Botschaft können sie ihm bringen. In Millionen Herzen wildes Zittern: Europa bebt durch ihn in Ungewittern, Und er aus seinem Eiland weiß von nichts, Lebt Tag und Nacht im Wechsel nur des Lichts. Und Sonn' und Mondstrahl mögen ihn erreichen. Doch nicht der Liebe, nicht des Hasses Zeichen. Noch lebend, schon ein abgeschiedner Geist, Um den sich zürnend eine Welt zerreißt. Die Judenexeeffe in Algier. Wie französische Blätter berichten, kam es vor einigen Tagen, gleich nach dem Begräbnis des Cayrol, der bei den tumultuarischen Kundgebungen gegen Zola zu Tode kam, wieder zu einem heftigen Excess. Schon lange vor der angesehen Stunde hatte sich eine nach rausenden zählende Menschenmenge vor dem Trauerhause eingefunden. Der Gouverneur, begleitet von seinem Cabinerschef und einem Ordonnanz-Officicr, sowie der Bürgermeister von Algier mir seinen Adjuncten und ein großer Theil der Stadträthe begaben sich in das Haus, um der Witwe ihr Beileid auszudrücken. "Auch der Polizeipräfcer erschien und gleich nach ihm M. Regis mit einem prachtvollen Blumenkranz an dessen breitem Atlasbande in Goldschrifr die Worte prangten: „Der antisemitische Verein". Ties schien das Signal zu einer kleinen Manifestation zu sein, doch wurden die Rufe: „Vive Regis!" sofort als ungehörig zurückgewiesen. Der aus mehr als 5000 Personen bestehende Zug, dem sich auf dem Wege nach dem Kirchhofe auch der spanische Gesandte anschloss, bewahrte während der Ansprachen der Maire's von "Algier und Mustapha, sowie der Brüder Regis im Namen des antisemitischen Vereines und der Studentenschaft die ernsteste Haltung. Als man aber den Friedhof verließ, wurden unter den Studenten, trotzem der Maire eindringlich zu Ruhe mahnte, Rufe nach „Gerechtigkeit" und Rache laut und bald sonderte sich eine Gruppe Manifestanten ab, die — auf einer des Weges kommenden Pferdebahn drei harmlose Israeliten erkennend — sofort über die Unglücklichen herfielen und sie mit Sreinwürfcn und Messerstichen derart verletzten, dass zwei bereits am selben "Abend gestorben sind. "Außerdem wurden noch mehrere andere Personen in der Stadt durch die aufgebrachten Antisemiten verwundet. Aus dem Leben der Märtyrer. Tie Verfasserin der in deir letzten "Nummern der „Welt" veröffentlichten "Novelle, „Ans dem Leben der Märtyrer", die in der „P r z y s zlose" zuerst erschienen ist, heißt "A d o l f i n a. Jüdische Proletarier. "Als der Hausirer Gidalje Breit hart, Levpoldstadt, Rembrandtstraße 30, wohnhaft, Samstag Nachts um halb 11 Uhr den Enkplatz in Simmering passirte, brachen hinter einer Verkaufshütre plötzlich drei Burschen hervor, überfielen ihn und schleppten ihn hinter die Hütte. Torr warfen sie ihn zu Boden, würgten ihn und traten ihn mit Füßen. Die Strolche zerrten an seinem Warenkasten, der Gegenstände im Werthe von sechs Gulden enthielt, und suchten ihm den Kram zu entreißen. Ter Ueberfallene schrie aus Leibeskräften um Hilfe und sein Geschrei rief zwei Sicherheitswachleute herbei, die den Hausirer aus den Händen seiner Angreifer befreiten und zwei der Strolche festnahmen, während der Tritte fiüchtig wurde. Tie Verhafteten sind der Spängler- Gebilfe Alexander Schwaiger, 38 Jahre alt, und der Monteur Franz Wilfart, 20 Jahre alt, beide Simmering, Hauffgaffe 30 wohnhaft. Dem Commiffariate überstellt und einem Verhöre unterzogen, gaben sie an, dass sie sich mit dem Hausirer nur einen Scherz machen wollten, um ihn zu erschrecken. Beide Burschen leugneten ihren entsprungenen Complicen zu kennen. Dieser wurde jedoch bald in der Person des 16jährigen Eisengießers Carl Hausbach von einem Polizei-Agenten ausgeforscht und in seiner Wohnung, ebenfalls Hauffgasse 30, verhaftet. Alle drei Wegelagerer wurden wegen Verbrechens des Raubes dem Landesgerichte eingeliefert. Die Jefchiba in Odessa erhielt den obrigkeitlichen Auftrag, den Unterricht der hebräischen Sprache auf zwei Stunden täglich und den des Talinuds auf drei Mal wöchentlich zu beschränken. Die Handelsschule in Petersburg besuchen 553 Hörer. Davon sind nur sechs Juden. Mae Kinley sür die Beschränkung der Einwanderung. Das New-Porter Journal veröffentlicht eine Unterredung, die ein Mitarbeiter des Blattes mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Mac Kinley hatte. Mac Kinley sagte: Ich bin immer für die Beschränkung der Einwanderung gewesen. Tie jetzt dem Congress vorliegende Bill zur Beschränkung der Einwanderung ist schon vom Staate genehmigt worden. Ich hoffe, dass das Repräsentantenhaus sic auch genehmigen wird. Meinen geringen persönlichen Einfluss werde ich jedenfalls dazu benützen, dass es bald geschieht. Ich bin schon seit einiger Zeit zur Ueberzeugung gekommen, dass sich in den „Vereinigten Staaten" ernste industrielle Störungen nicht vermeiden lassen, solange wir die Thore imser Städte jedem Ankömmling weit offen stehen lassen, wenn wir Einwanderer aufnehmen, während unsere eigenen Mitbürger keine Arbeit haben. Tie Beschränkung der Einwanderung ist der erste Schritt zur dauernden Wohlfahrt." Eine tobte „Schlaraffia". Ein auf dem Saazer Hopfenboden gedeihendes „deutsch-radicales" Blatt berichtet: Die Saazer „Schlaraffia" wurde vorige Woche von der Prager Allmurter aufgelöst. Die Zustände in diesem Vereine, in welchem noch Deutsche und Juden bei einem Tische saßen, waren schon lange unhaltbare gewesen. 'Der völkische Geist harte auch iu die Schlaraffenburg Eingang gefunden, und hier die „Ritter" gar bald in zwei Lager getheilt, die sich nicht fteundlich gegenüberstanden. Tie Auflösung har diesem Zustande ein Ende gemacht. In der Stadt selbst hat die Verfügung allseits freudig iiberrascht, denn mit der "Auflösung der Saazer „ Schlaraffia" ist für die Juden die letzte Stärre gefallen, wo sie sich noch breit machen konnten. Ein aufgelöster Verein. Ter czechisch-antisemitische Verein „Narvdni Obrana", welcher entschieden für die Durchführung des Losungswortes „Lvüj k svemir und die Bvycortierung der deutschen und jüdischen Geschäftsleute cintrat, wurde von der Starrhalterei wegen Ueberschreirung des stamtarischen Wirkungskreises aufgelöst. Zugleich erfolgte auch die Auflösung der sieben Ortsgruppen des Vereines. Ter Obmann desselben, der czechisch-clericale Redacreur Johann Klecanda, wurde am 27. Jänner zur Polizei vorgeladen und von der Auflösung des Vereines verständigt. Das Schlachtvieh und der Abgeordnete Schneider. In der Sitzung des niederösterreichischen Landtages vom 28. Jänner stellten die "Abgeordneten Schneider und Genossen folgenden Antrag betreffend die Abschaffung des Schlichtens, sowie das Verbot der Einfuhr und des Verkaufes geschächtereu Fleisches. 1. Das Schächten von Thieren ohne vorhergcgangene Betäubung ist in Niederösterreich verboten. 2. Der Verkauf geschächtereu Fleisches ist in Niederösterreich verboten. 3. Die Einfuhr geschächreten Fleisches nach Niederösterreich ist verboten. 4. Tawiderhandelnde verfallen im ersten Berretungsfatte (Geldstrafen in der Höhe von 50 bis 500 fl. und im Wiederhobrngsfalle "Arreststrafen von 8 Tagen bis zu 3 Monaten, sowie der Entziehung des Rechtes zum Betriebe des Fleischergewerbes". Zur Militärstatistik der Juden. Wenn tvir das militär-statistische Jahrbuch aufmerksam ansehen, gelangen tvir zu der Feststellung, dass der Percentsatz der Juden im Heere für Oesterreich ein wesentlich höherer ist, als gemeinhin be-

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