Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 4 (28.1.1898)
- Article
- Kairo [Nachricht]
- Date
- 1898-01-28
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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die Geladenen: Frau Karoki, Herr Pin carbi, Sterner (aus Wien) und Frau Weinstein. Herr Sterner fand großen Beifall. Als er von unserem Helden Bar-Cochbah sprach, ward er stürmisch applaudiert, ebenso wie Herr Weinstein, als er die zionistische Bewegung vom religiösen Standpunkt aus darlegte und den Jrrthum der Protest, rabbincr nachwies. Türrinnscki. 3. Jänner 1898. Mit Beginn des Sonnenjahres 1898 ist auch in Amerika ein neues Licht aufgegangen. In Cincinnati ist nämlich eine starke Organisation zur Förderung der Zionsbewegung ins Leben getreten. An und für sich ist cs ja selbstverständlich, dass überall Vereine für den erhabenen Zweck entstehen, dass aber gerade hier in Cincinnati derartiges zustande kam, ist besonders verzeichnenswert. Unsere Stadt ist bekanntlich die Brutstätte der systematischen Opposition, von hier gehr über das ganze Land die Parole aus, denn hier ist der Sitz der einzigen amerikanischen Reformrabbincr-Schule (Hebrew Union College) und hier haust Rabbi Jsaac M. W i s e, welcher gegen die Palästinabewegung mit voller Dampfkraft anpustet und die ganze Welt glauben machen möchte, das amerikanische Judenthum verschmähe die Zionsfrage, da man der Ueberzeugung sei. dass das Judcnthum schon vor 1800 Jahren eine Nation zu sein aufgchört habe und nur noch als Rcligionsgcsellschaft fortbestehc. um die glänzenden mosaischen Morallehren zu verbreiten. Eine gestern stattgehabte Massenversammlung Cincinnatier Juden zur Besprechung der Frage und die hierauf erfolgte Einzcichnung von mehr als 150 Personen zu Gunsten der Palästina-Erwerbung und Wiederaufrichtung der jüdischen Nation war sicherlich ein beredter Protest gegen die Insinuationen unserer Rcformrabbiner. In einer der größten hiesigen Versammlungshallen war eine elegant decorierte Tribüne errichtet. Umrahmt von amerikanischen Nationalfahnen erschienen die lebensgroßen Bilder von H erzl. Nordau und George Washington. Redner aus verschiedenen Berufsbranchen sprachen, nämlich ein Arzt, ein Rabbiner, ein Gewerbetreibender, ein Kaufmann und ein städtischer Beamter. Alle stimmten darin überein, dass das Colonialsystem verwerflich und nur das Nationalsystem acceptabel sei. Keine Stimme erhob sich gegen die logisch scharfen Ausführungen und begeistert stimmten die zahlreichen Anwesenden in den Losungsruf: „Leschono Habö B’Jeruscholajim“. Das Arrangements-Connte hatte einen Fehler begangen, dass es nur einen Sccretär zur Annahme von Mitgliedsschafts-Anmeldungen vorgesehen hatte. Die Reden nahmen beinahe die ganze verfügbare Zeit in Anspruch, und um 6 Uhr Abends musste die Halle für eine andere Gesellschaft geräumt sein. Wenn nicht, so wären mindestens 500 Zionsmitglieder aus der Versammlung hervorgegangen. Die Cincinnatier-Bereinigung, welche den Namen „Ohawe Zion" angenommen hat und aus tauglichen Elementen besteht, liefert den Beweis, dass das amerikanische Judenthum sich zwar die erleichternde Ritual- und Ceremonial-Reform gefallen lässt, aber das Nationalgefühl trotz unserer Rabbiner nicht eingebüßt hat. Lsrrespsndernen. Oesterreich-Ungarn. Wien. (Orig.-Corr.) Wie man uns mittheilt, haben die Rabbiner Za d o c - K a h n (Paris), Hildesheimer (Berlin), Hirsch (Hamburg), H o r o v i tz (Frankfurt), Ehrenreich (Rom) und Güdemann (Wien) ein hebräisches Warnungsschrciben gegen den Mädchenhandel erlassen. Der Brief ist an alle Rabbiner und Rabbinats-Berweser in Galizien, Rumänien und Russland gerichtet, denen zur Pflicht gemacht wird, doch alle Eltern darauf aufmerksam zu machen, dass sie ihre Töchter nicht Leuten zweifelhaften Rufes anvertrauen, die sie durch Versprechungen von lucrativen Dienststellen an sich locken, um sie dann zu unsittlichen Zwecken nach Amerika oder Afrika zu transportieren. In dem Schreiben wird der Adressat aufgefordert, jeden, der sich mit Mädchenhandel beschäftigt, aus der Gemeinde zu stoßen, und schließlich die Zuversicht ausgesprochen, dass es auf diese Art gelingen werde, das Uebel auszurotten. Wien. (Orig.-Corr.) Im Gasthaus Breuer in der kleinen Schiffgasse, wurde am letzten Samstag eine zionistische Volksversammlung abgehalten. Den Vorsitz führte Herr D i ckst ein, das Referat erstattete Herr Dr. Leopold .K ahn. Redner beschäftigte sich in seinem langen Vortrage mit der Lage der Juden in allen Ländern und wies auf die Gefahren hin, denen die Judenheit in allen Ländern, selbst im „freiheitlichen" Frankreich ausgesetzt ist. Dann verglich er die politischen Verhältnisse der Juden zur Zeit ihrer Selbstständigkeit mit ihrer moralischen Degeneration und politischen Rückständigkeit von jetzr, um zu beweisen, dass eine Wiedergeburt des jüdischen Volkes nur auf seinem eigenen Boden möglich sei. Nach dieser sehr beifällig aufgenommenen Rede ergriff Herr Brandes zu einer wissenschaftlichen Erörterung des Zionismus das Wort. Der folgende Redner Tr. R. Landau betonte den proletarischen Charakter der zionistischen Bewegung, die, mögen auch Nichtproletarier an ihrer Spitze stehen, in erster Linie der wirtschaftlich leidenden jüdischen Bolksmasse zu helfen bestimmt ist. Diese Masse sei auch physisch herabgckommen und hygienisch verwahrlost, aber nur diese durch die ökonomischen Bedingungen der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung verursachten Umstände seien daran schuld, dass die Juden nicht den ihrem Percentsatze entsprechenden Theil zum Heercscontingent stellen können. Wir haben keine Ursache uns dessen zu schämen; mögen es diejenigen thun, die bisher die Führerschaft der Judenheit an sich gerissen haben, ohne etwas für das Volk zu thun. Es sprachen noch einige Anwesende, worauf die Versammlung geschlossen wurde. Bemerkenswert ist, dass in dieser sehr zahlreichen Versammlung keine einzige entgegengesetzte Anschauung zum Worte kam, und dass vielmehr alle Reden die allgemeine Zustimmung fanden, wiewohl auch viele Nichtzionisten anwesend waren. Budapest. (Orig.-Corr.) Der Zionisten-Gegner, der Anführer unserer ungarischen grimmigsten Gegner, Herr Szabolesi, Redactcur des „Egyenlöscg" scheint aus der Osscnsive in die Defensive gedrängt worden zu sein. Wodurch? Wahrscheinlich durch das unheimlich rasche Wachsthum des Zionismus. In einem langen, weinerlichen Artikel klagt er, „man habe ihn der Hetze gegen eine jüdische Idee geziehen." Im Rückzuge schnellt er noch manchen Partherpfeil ab. Nach Wiederholung ofr aufgewärmter Argumente theils orthodoxer, theils assimilatorischer Färbung sagt er beiläufig folgendes: „Die Orthodoxen sehen mit Aerger und Hohnlächeln auf die Messiasse herab, die früher dem Judenthume am fernsten gestanden waren." . . . . Die Juden hätten kein Nationalgefühl, weil sie keine Nation seien. Dann schilderte der geehrte Antizionist die Unmöglichkeit der Durchführung und die furchtbaren Gefahren, die aus einem Judenstaate erwüchsen: die Kreuzfahrer werden nicht umsonst geblutet haben wollen. Schließlich macht er die sensationelle Enthüllung, die Zionisten hätten mitgeredet, aber noch nichts für die Unglücklichen gerhan, ja sie hindern sogar die anderen (??), die den Elenden helfen wollen. Zu diesen Bemerkungen möchte ich Herrn Szabolesi nur fragen: Wenn wirklich alle seine Ausführungen richtig wären, warum entfesselte er statt einer würdigen und sachlichen Opposition eine geradezu beispiellose Hetze gegen den Zionismus und seine Führer und die ungarischen Zionisten, die er als Vaterlandsvcrräther l randmarkte? Hat das nicht vielleicht einen anderen und minder jüdischen Grund? Und wer sind die Anderen, die den elenden Juden helfen wollen, und' die wir daran gehindert haben? Ör. R. Krakau. (Orig.-Corr.) Der Wahlkampf für den Cultusvorstand ist ein außerordentlich lebhafter geworden. Besonders unsere Gesinnungsgenossen, die mit dem Losungswort, dass nur politisch reine und ehrliche Volksmänner in den Cultusvorstand gewählt werden dürfen, :n den Wahlkampf traten, sind es, die durch ihre Agitation aufklärend und erziehend auf die jüdische Wählerschaft wirken. Während die Präsidial-Coterie sich in Conventikel zurückzieht und allerlei Jntriguen anwendet, um sich die Stimmen zu sichern, sind es unsere Parteigenossen, die in großen Volksversammlungen an die Wähler appellieren. Am 23. December fand im Hotel Klein eine solche von einigen hundert Wählern besuchte Volksversammlung statt. Den Vorsitz führte Dr. Moriz Wechsler, einer unserer angesehensten Advocaten, der jedoch wegen seiner Charakterfestigkeit und Unabhängigkeit von der Coterie bekämpft und aus dem Gemeinderathe und Cultusvorstand hinausgedrängt wurde. Dr. Wechsler besprach die traurigen politischen Verhältnisse in der Gemeinde und betonte, dass es sich nicht um Personen handle, sondern darum, die Coterie, die das ganze össentliche Leben lahmlegt und überall an ihre Werkzeuge Mandate vertheilt, zu beseitigen. Advocat Dr. Fr ü h l ing machte die Wähler aufmerksam, dass sie sich nicht durch Drohungen einschüchtern lassen. Gcmeindcrath Schmelkes, ein orthodoxer Jude, beantragte, den bisherigen Leitern des Cultusvorstandes die Entrüstung auszusprechen. Es sprachen noch: Buchhändler Faust, Herr Birnbaum und Dr. Kornhäuser. Letzterer wies darauf hin, dass die Cliqucwirtschaft im Cultusvorstand nur deshalb möglich sei, weil das privilegierte Wahlsystem herrsche. Es müsse das Volk an die Wahlurne gerufen werden, und erst dann könne eine Sanierung der Kahalwirtschaft eintreten. Er beantragte auch eine Resolution für das allgemeine. gleiche Wahlrecht in den Cultusvorstand. Diese Resolution, die auch den Dank für den Vorsitzenden und eine sehr scharfe Verurtheilung des bisherigen Cultuspräsidiums enthielt, wurde einstimmig angenommen. Der Verlauf der Versammlung war ein sehr würdiger, und unsere Gesinnungsgenossen haben sich gestern durch ihre Entschiedenheit noch mehr die Sympathien der Bevölkerung erworben. 8. R. Lemberg. (Orig.-Corr.) Die „Zionistisch-Academische Lesehalle" in Lemberg hat an Emile Zola und an die Redaction der „Aurore" folgendes Telegramm abgesandt: