Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 2 (14.1.1898)
- Article
- Paris
- Date
- 1898-01-14
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 2. JPK&wdc Seite 11. Spalier bildeten und vor Esterhazy das Haupt entblößten. Das wartende Publicum empfienq Esterhazy mit Hochrufen Der zweite Akt des Spectakelstückes „Das militärische Panama" ist somit beendet. Russland. Warschau. (Orig.-Corr.) Aus Petersburg wird gemeldet, dass die vom Unterrichtsministerium eingesetzte Specialcommisston zur Revision der bestehenden Gesetze über die Juden beschlossen hat, dem Reichsrathe die Aushebung der unter Alexander III. geschaffenen percentuellen Beschränkung der Anzahl jüdischer Zöglinge in den höheren Lehranstalten Russlands vorzuschlagen. Warschau. Nach Einrührung des Branntwein-Monopolgesetzes am 1. (13.) Jänner werden alle in den Branntweingeschäften Bediensteten Warschau vcrlaffen müssen, insofern sie das Recht zum Aufenthalte sonst nicht besitzen oder nicht den Nachweis eines anderen Gewerbes erbringen können. Die Ausweisung dürfte binnen 30 Tagen nach der Sperrung der betreffenden Verschleißstellen durchgeführt werden. Die Zahl der dadurch hart Getroffenen beträgt gegen 6000, von denen nur ein ganz geringer Theil die Aussicht hat, in ihrer Stellung in den wenigen Geschäften zu verbleiben, die nicht das Opfer des Monopolgesetzes sind. Türkei. Jerusalem. (Orig.-Corr.) Zwischen der Talmud-Thora Ez Chajim und der Jcschiboh Tonath Chajim ist neuerdings ein Streit ansgcbrochen betreffs der Almosengelder, die aus England herübcrfließen. Laut Uebcreinkommen aus "früheren Jahren sollten letztere ausschließlich zu Talmud-Thora-Zweckcn verwendet werden. Nun behauptet aber die bezeichnete Jcschiboh, in der thatsächlich über hundert Jünger dem Thora-Studium obliegen, wenn auch nicht dem Namen, doch ihrem Wesen nach zur Talmud-Thora zu gehören. Hoffentlich wird dieser Slreit ans dem Londoner Congress, wo ohnedies über Chalukah gesprochen werden wird, beigelegt werden. Es wäre wünschenswert, dass dort auch der jüdisch-marokkanischen Gemeinde, die leider mit ihrem Untergange kämpft, gedacht wird. Bis heute hat man sie — geradeso wie die Antizionisten unsere unglücklichen Heimatlosen — mit der Hoffnung vertröstet, dass die Zeiten sich ändern werden. Bis die Verfolgungen in Marokko aber aufgebört und ihre Landsleute dortselbst in der Lage sein werden, sie zu unterstützen, sind diese längst nicht mehr vorhanden! Die Aussicht überhaupt auf Einsetzung eines Ccntralcomitcs hat hier großen Beifall gesunden. Es ist doch himmelschreiend, wenn schwere Opfer gebracht werden, um einen aschkcnasischcn Chacham Baschi ausznstellen, während Hunderte und abcrhunderte jüdischer Familien am Hungertuche nagen. In dem Momente, wo ein Comite die Chalukahgelder verwalten würde, würden auch solche Missbräuche aufhörcn. X. Amerika. New-Aork. (Orig.-Corr.) Das Schreiben des Congress- Bureaus hinsichtlich der Vereine mit praktischer Colonijationsthätigkeit hat hier angenehm berührt. Alle Vereine, denen ihr Correspondent eine Abschrift des Briefes zukommcn ließ, erklärten sich rückhaltlos zu dem Baseler Programm und werden die diesbezüglichen schriftlichen Erklärungen der Einzclvcreine demnächst an das Wiener Bureau abgchcn. Endlich werden auch die Zionisten von Amerika zu einheitlicher Arbeit sich vereinigen. Nächsten Donnerstag findet eine Versammlung statt, bei welcher vorläufig folgende Vereine durch je fünf Delegaten vertreten sein werden: „Zionistischer Rabbinerverband", New-Iorker „Zionsfreunde", „Zionoh", „Dorsche Zion", Brooklyner „Chowewe Zion", Newarker Verein „Zion", Bayonner „Chowewe Zion". Ihren Anschluss haben angemeldet die „Chowewe Zion" von Cleveland, Ohio und Savannah Georgia. In der erwähnten Versammlung, welche den Charakter einer Vorbereitung tragen wird, sollen keine Beamte, sondern bloß ein Comite erwählt werden, welches einen an s ä m m t l i ch e Vereine abzuschickenden Organisationsentwurf auszuarbeiten hab.m wird. Die Vereine, welche sich zum einheitlichen Wirken für Donnerstag zusammenfinden werden, umfassen ungefähr 2000 Mitglieder, durchweg erprobte Männer, die dem Zionismus schon ersprießliche Dienste geleistet haben. Aus dieser Centrale soll sich dann für Amerika ein zionistisches Pressbureau, eine zionistische literarische Sectivn und eine Section zur Pflege der hebräischen Sprache, in erster Linie zur Errichtung einer Schule mit hebräischer Unterrichtssprache organisieren. Es unterliegt keinem Zweifel, dass alle diese zu bildenden Sectionen bald Erfolge aufweisen werden. Die Brooklyner Chowewe Zion hatte letzten Sonntag ein Makkabäerfest, das über alle Maßen gelungen war und auch für die Kosten des zum nächsten Weltcongress zu entsendenden Delegaten ein nettes Sümmchen ergeben hat. Präsident Dr. Michael Singer eröffnrte die Versammlung mit einer von großer Begeisterung getragenen Ansprache, worauf der rühmlichst bekannte Canlor Rev. Carniol die Chanukalichter entzündete und die Anwesenden mit seinem Gesänge entzückte. Als Redner und Sänger wirkten mit: Rev. Dr. Phil. Klein, Rev. Zadikoff, Mr. Smulowitz, Mr. Wechsler, Dr. Bluestone, Präsident der Zionoh, das Geschwisterpaar Wohl, Mr. Rubinstein und andere. Nach der Schlussrede Dr. Singers huldigte das junge Volk bis zum frühen Morgen dem Tanzvergnügen. Die „Ohole Schein" haben ebenfalls eine Centrale gebildet. Präsident derselben ist Prof. Richard Gottheil, Vicepräsident H. Rose nthal, Secrctär Hr. Mirsky. Es ist begründete Hoffnung vorhanden, dass die beiden Centralen sich vereinigen oder mindestens im Einverständnis mitetnander wirken werden. New-Nork. lKabeldepcsche an die Red.) Gruß und Handschlag dem unermüdlichen Streiter für Zion, Dr. Herzl! Die Centrale New-Iork wurde soeben gegründet. Das Baseler Programm bildet die Basis, Zion das Ziel. Rabbiner Dr. Klein, Dr. Singer, Dr. B l u e st o n e. vereinsncrch richten. Im Verein jüdischer Mädchen „Hadaff«h", sprach Herr Juda R. Landau über sein Drama „Blui für Blut" und har mit diesem Vortrag außerordentlichen Erfolg erzielt. Der nächste programmgemäße Bortrag entfällt wegen der Wahlen im Vereine. Der Ferialvercin jüdischer Hochschüler „Mafsad«", veranstaltete am 29. Dccember in der Kanzlei der jüdischen Cultusgemeinde zu Weißkirchcn einen Vortrags» und Discussionsabend. I. U. C. Max R i e s e nf c l d referierte über die Lage der Juden in Oesterreich. Seinen Ausführungen, die uachzuweisen such!en, dass eine Reformation der Volkswirtschaft den Juden nur dann helfen könne,-wenn dieses Volk unter denselben Voraussetzungen leben werde wie andere Nationen d. i. ein eigenes Territorium besitzen werde, folgte allgemeiner Beifall der zahlreich erschienenen Judenschaft Weißkirchens.' H—d— 5 citf chriften-Rundsch au. Im Jännerhcfr der Krakauer Monatsschrift „PrzeglLd lesen wir in der „Politischen Rundschau" über die Exceffe in Prag Folgendes: «Diese Exc.ffe haben sich tn ihren letzten Consequcnzen gegen die Juden gerichtet und dieser antisemitische Charakter führte dann zu den beklagenswerten Brandschatzungen und Diebstählen. Wenn überhaupt jemals, so haben sich die Juden in Prag überzeugen können, dass jede erregte nationale, religiöse oder sociale Leidenschaft sich schließlich gegen sie selbst wendet. Das merkwürdigste Symptom des Endes unseres Jahrhunderts ist gerade der in den Bolksmassen schlummernde Judenhass, der bei der erstbesten Erregung zum Ausbruche kommt. Jede SNaßenrevolte endet jetzt mit dem Rufe: Nieder mit den Juden! Damit müssen und sollen die Juden rechnen." Die „Polnische Rundschau" wird gewöhnlich vom Grafen Stanislaus Tarnowski geschrieben. Der von Rabbiner Dr. Weiszburg Gyula redigierte „Jövö“ drückte bereits zu wiederholtenmalen, besonders in dem Artikel über die österreichischen Makkabäerfeiern, seine entschiedene Sympathie für den Zionismus aus und erklärt in der letzten Nummer, dass „früher oder später diese Idee auch von denen wird ernstgenommen werden müffen, die jetzt nur ironisch oder achselzuckcnd darüber reden". Es ist erfreulich, dass der Zionismus auch in Ungarn immer mehr Freunde gewinnt. —k—. Der „Jewish World“ veröffentlicht eine neue größere Erzählung von Isidor Z angw il l: „Maimon der Dumme und Nathan der Weise". In den englischen Blättern finden wir in der letzten Zeit neuerlich sehr bemerkenswerte Aufsätze über verschiedene Fragen aus dem jüdischen Leben. Der „Daily Mail“ schildert in einem Aufsatze das große Jntereffe, mit dem die jüdischen Immigranten in London die englische Sprache studieren. Es sind dies zumeist Einwanderer aus Russland und Polen, die in den Abendstunden von 6',, —8'/- Uhr in den vom „Russo-Jewish Committee“ errichteten Cursen sich die Elemente der englischen Sprache anzueignen bemühen. — Im „Fortnightly Review“ spricht Lucien Wolf „Vom Antisemitismus und dem Fall Dreyfus". — Mr. John A. Dyche, ein ans Russland eingewanderter Jude und Schneider in Leeds gibt uns im „Contemporary Review“ unter der Aufschrift „Der jüdischeArbeiter" ein sehr anschauliches Bild der jüdischen Arbeiterverhältnipe in England. Darin weist er an der Hand von statistischen Daten die Grundlosigkeit der englischen Angstmeierei vor der russisch-jüdischen Arbeiterconcurrenz nach. Wir werden auf diesen Artikel noch ausführlich zurückkommen. Am 19. December hat in Canada die erste jüdische Zeitung zu erscheinen begonnen. Sie heißt „Jewish Times“ und wird in Montreal herausgegeben.