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Die Welt · 1898-01-14 · 2 (14.1.1898) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
2 (14.1.1898)
Article
Herr Abgeordneter Poratynski hat das Wort
Date
1898-01-14
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite 8. Nr. 2 42 Percent. 3-9 " 3'5 3-6 3-6 3-8 36 3-4 Um die fünf Gulden Stempel ist es nur Schade. Der Enkel des jüdischen Cultusgemeinde-Secrclärs bleibt für den polnischen Redacteur satisfactionsunfähig, mag er nun Piepes heißen oder Poratynski und Herr Poratynski sen. wird gewiss ebenso warm für die Interessen der Juden eintreten wie Piepes 8en. — indem er schweigt. Jüdische Criminal-Statiftik in Oesterreich. Dieses Thema ist ein sehr beliebtes Gebiet antisemitischer Entstellungen. Erst jüngst hat Pater S z p o n d e r im Parlament die haarsträubendsten Sachen von der Criminalität der Juden in Galizien erzählt. Im Lichte der objcctiven Wissenschaft stellen sich freilich diese Sachen ganz anders dar, sogar besonders günstig für die Juden. Der soeben erschienene Band der österreichischen Statistik über dieStrafrechtspflege im Jahre 1894 ist dafür ein neuer Beleg. Die Zahl der jüdischen Verbrecher ist nichtnureine verhältnismäßig niedrigere, als bieder Andersgläubigen, sondern sie geht auch immer mehr zurück. Die Juden bilden in Oesterreich 4'8 Percent der Bevölkerung, so hoch sollte sich also auch ihr Verbrecherantheil beziffern. Statt dessen finden wir aber nur 3'4 Percent. Im Jahre 1894 wurden in Oesterreich 30.133 Personen verurtheilt. Nach dem Percentsatz der Juden in der Bevölkerung sollten ans sie 1446 entfallen, wir finden aber nur 1041. In Niederösterreich kommt zum Beispiel auf 725 Christen ein Verbrecher vor, bei Juden aber auf 805 Seelen. Den Rückgang des Antheils der Juden an den Verbrechen illustriert am besten folgende Tabelle. Im Jahre 1886 waren sie betheiligt mit „ „ 1887 „ „ „ 1888 „ „ 1889 „ „ „ 1890 „ „ „ 1891 „ „ 1892 „ „ „ 1893 „ „ „ 1894 „ Dass die Juden nicht auf ihr volles Conto von 4-8 Percent sündigen, ist doch wirklich — ein Verbrechen! Der älteste Mann von Wien ist ein Jude M. L. Kohn. Dieser Tage hat er seinen 111. Geburtstag gefeiert. Der Schauplatz dieser seltenen Feier war das Versorgungshaus, wo der Alte von seiner Achtguldenpfründe kümmerlich lebt. Nachwehen zu den Prager Exceffen. Am 8. Jänner standen wieder einige der bei den Excessen in den ersten Decembertagen Verhafteten vor ihren Richtern. Die Angeklagten Jaroslav Kotek und Josef Pulec, von denen sich ersterer an dem Bombardement gegen die Stabenow'sche Fabrik in Zizkow, letzterer an der Plünderung des Ladens des Kaufmannes Arthur Grab in Zizkow betheiligt hatte; überdies war beiden zur Last gelegt, bei der Plünderung der Läden des Gabriel Gregr und des Moriz Glaser in Zizkow verschiedene Waren entwendet und fortgeschafft zu haben. Kotek war sodann am anderen Tage (2. December) in dem Laden eines Kaufmannes erschienen und hatte ihm gedroht, er werde, falls ihm nicht einige Cigaretten geschenkt würden, den Leuten sagen, der betreffende Kaufmann sei ein Jude, und es werde demselben dann der Laden ausgeplündert werden. Die beiden genannten Angeklagten gestehen die ihnen zur Last gelegten Delict: zu. Kotek wurde zu 3 Monaten schweren mit Fasten verschärften Kerkers, Pulec zu 10 Wochen mit Fasten verschärftem schweren Kerkers verurtheilt. Die Mitglieder der ungarischen Bottspartei machten am 2. Jänner in Pest bei den Grafen Zichy und Moritz Nicolaus Eßterhazy ihre Aufwartung. Auf die Begrüßungsansprache des Parteipräsidenten Johann Molnar dankte Graf F. Zichy. Die Bolkspartei, sagte Redner, ist bestrebt, das christliche Ungarn auf staatlichem und socialem Gebiete zu verwirklichen. Die Mischehe und die Geistlichkeit. Die evangelische Generalsynode, die unlängst in Berlin tagte, beschäftigte sich unter anderem auch mit der Frage der Mischehe zwischen den Juden und Bckennern der evangelischen Confession. Die Zahl der Mischehen ist im Wachsen begriffen, speciell ist dies in Berlin der Fall. Die Synode hat dem Oberkirchenrath der Provinz Brandenburg eingeschärft, dieser unliebsamen Erscheinung seine größte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Eine hebräische Preisausschreibung. Unser Gesinnungsgenosse Herr W. W i s s o tz k y in Moskau hat dem Odessaer Zweigvercin der „Gesellschaft für Verbreitung der Bildung unter den Juden Russland's" 4300 Rubel überwiesen, um damit einen Preis für die beste hebräisch-historische Arbeit zu begründen, welcher alle drei Jahre zur Vertbeilung gelangen soll. Die ersten Preisaufgaben lauten: „Der Kosakenkrieg in Kleinrussland und Polen", und „Geschichte der neuhebräischen Literatur." Die zionistische Bewegung. Spende» für zionistische Zwecke sind an Herrn Dr. O. K o k e s ch, Hof- und Gerichts- Advocaten in Wien, I., Singerstrafte 25, zu senden. Trmbrrg. Am 1. Jänner 1898 fand die Generalversammlung der Vereines „Jvria" statt. In dcffclben wurden nachstehende Herren in den Ausschuss gewählt: Moritz Ihr, Leo Koffler, OsiasBoltuch, Baruch Goldstern, Osias Bascchis, Moritz Mandl, SamuelSchorr, Richter, Igel, Hübet, Sand, Wosk, Fal Da der Verein vorwiegend aus Handlungsgehilfen besteht, bcscbloss man, für eine fachliche Ausbildung der Mitglieder zu sorgen. Außer dem historischen und hebräischen Curse wurde ein Buchhaltungs- und Stenographircurs gegründet, ferner wurde ein Arzt und ein Advocat für den Verein gewonnen, die den Mitgliedern unentgeltlich zur Seite stehen. Zahlreiche mündliche und schriftliche Anzeigen aus der Provinz zeigen, dass sich bald mehrere zionistische Arbeitervereine gründen werden, und jene Kreise sich dieser Idee öffnen werden, die bisher ihr fernstchen zu müssen glaubten. Mirlnvca. Unser Gesinnungsgenosse, Herr Ch. Steinholz, die Seele unseres neugegründctcn Zionsvereins, hielt am Abend des vergangenen Samstags eine längere, zündende nationale Rede, in welcher er das Wesen und die Bestrebungen des Zionismus in großen Zügen entwickelte. Die Ausführungen des Redners gipfelten in Folgendem : Die Erlösung der politisch und ökonomisch leidenden Judenschaft kann nur durch die Verwirklichung des politischen Zionismus erfolgen. Alle bisherigen Versuche, die Judenstage zu lösen, krankten an einem besonderen Fehler und führten zu keinen positiven Resultaten. Bon der successiven Colonisation Palästinas, von dem Wohlthätigkeits- Zionismus, dessen Zweck eS ist, die materielle Lage der ärmsten Inden zu verbessern und diese dem Ackerbau zuzuführen, von dieser Colonisierung, die zwar volle Unterstützung verdient, haben wir wenig zu erwarten; denn durch die Ansiedelung einiger hundert oder selbst einiger lausend Familien in Palästina ist die jüdische Frage nicht gelöst. Will daS jüdische Volk aus zweitausendjähriger nationaler und socialer Knechtschaft befreit werden, so muss eine die gesammte Judenschaft umfassende internationale Action unternommen werden und dies ist der Staatszionismus. — Der stürmische Beifall, der am Schluss der Rede laut wurde, bekundete, dass die Zuhörer mit dem Vortragenden eines SinneS seien. WolechoiV. Der Zionismus hatte dieser Tage in unserer Stadt einen großen Erfolg zu verzeichnen. Ein schon seit längerer Zeit auf socialistischer Grundlage bestehender Gärtnervcrein acceptterte das Baseler Programm und erklärte sich officiell für zionistisch. Seine Mitglieder zahlten bereits den Schekel. Dlrumsrkk (Galizien). Am 1. Jänner fand hier eine jüdische Volksversammlung statt, in welcher Dr. B r o d s k y eine Rede über den Zionismus und seine Durchführung hielt. Das zahlreich erschienene Publicum spendete den Ausführungen des Redners reichlichen Beifall und constiruierte sich noch am selben Abende zu einem Zionsverein, der streng auf dem Baseler Programm aufgebaut ist. Forsrrnr (Rumänien). Die tiefe Bewegung, die jetzt durch die rumänische Judenheit geht, äußert sich in einem ganz merkwürdigen Wachsen der zionistischen Bewegung. Kreise, die sich früher der Zionsidee feindlich gegenübergestcllt haben, find zum Zionismus bekehrt worden, Städte, wo kein Zionsverein aufkommcn konnte, besitzen deren nun mehrere, alte, schon bestehende Bereinigungen, die aber infolge der Indolenz ihrer Mitglieder nicht prosperierten, erwachen zu neuem Leben. In unserer Stadt besteht schon seit dem Jahre 1882 ein Verein „Ischen, Erez Israel". Dieser hat sich nun reorganisiert und ein Actionscomits gebildet, dem die Herren N. Daniel, I. Finkelstein, D. Rinzler, Eh. Edelstein und M. Urban angehören. Eorstr. Die Unruhen, die angeblich hier stattgefunden haben und von verschiedenen Blättern mit phantasievollen Details ausgestaltet wurden, find das Gebilde der Phantasie eines erfindungsreichen Berichterstatters. Interessant ist es. dass sich auf Corfu unter dem Vorsitze des Professors M. C a i m i eine zionistische Bereinigung gegründet hat. Sie steht auf dem Boden des Baseler Programms. Zbsrsch. Dr. Gabel, der Bicepcäfident des Lemberger Zionvercincs, sprach hier unter großem Beifall am 6. und 8. Jänner über den Lemberger Zionistentag und dar Programm des Zionismus. Donpon. Die zionistische Bewegung interessiert immer weitere Kreise. Der neugegründete Verein „Wood Hazioni" in Manchester zählt bereits 608 Mitglieder. Die hiesigen Zionsvereine gewinnen immer mehr Anhänger. Die Monatsschrift „2)oung Israel" veröffentlicht in ihrer nächsten Nummer einen Artikel von Rev. A. A. G r e e n „Warum bin ich Zionist" und von dem bekannten Novellisten Mr. S. I. G o r d o n eine Novelle „Mit der Bahn nach Zion". In der nächsten Zeit reist auch einer unserer thatkrästigsten Mitstreiter, Mr. N. Mayer, nach Palästina, um uns von seinen persönlichen Eindrücken zu berichten. Der famose Reformer Mr. Oswald Simon hat wieder einen Speech gegen den politischen Zionismus vom Stapel gelassen, diesmal in der „Christotheosophical Society". Er betheuert, ein Englishman zu sein — mag er es bleiben.

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