Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 2 (14.1.1898)
- Article
- Pariser Brief
- Date
- 1898-01-14
- Page
- 5 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. L. zösischen Juden die Zuverlässigkeit ihrer Freunde kennen gelernt. Sie werden leider bald noch um eine andere Erfahrung reicher werden. Panama, die Dreyfusaffaire, die offenkundige parlamentarische Corruption — das waren für die Antisemiten willkommene Dinge. Sie haben sie denn auch nach Möglichkeit in ihrem Interesse ausgebeutct. Und ihr Erfolg hat sie ermurhigt, zu verbuchen, auch die Kammer für ihre Sache zu erobern. Der Deputierte Beaureg ard hat sich dieser Aufgabe unterzogen. Erbrachte einen Antrag ein, dass die Juden von allen öffentlichen Aemtern ausgeschlossen werden sollten. Der Kammerpräsident Brisson hat diesen Antrag als gesetzwidrig nicht zur Berathung zugelassen. Da änderte Beauregard seine Taktik und erklärte, da die Juden kein Vaterland besäßen, sondern ihr Vaterland das Geld sei, so beantrage er im Interesse der nationalen Bertheidigung, dass das Decret vom 17. März 1808 wieder in Kraft'trete. Dieses Decret verfügt zahlreiche Beschränkungen der Rechte der Juden. Dieser Antrag wird von einer Commission geprüft werden; die Antisemiten hoffen damit eine Aera antijüdischer parlamentarischer Actioneu inaugurieren zu können. Wenn man bedenkt, dass die Neuwahlen bevorstehen, so muss man leider der Vermuthung Raum geben, dass eine große Anzahl von Candidaten auf ihr antisemitisches Glaubensbekenntnis hi», sich mit großer Aussicht auf Erfolg um ein Mandat bewerben werden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die nächste französische Kammer auch eine ausgesprochene antisemitische Fraction haben wird. Das sehen die französischen Juden jetzt schon ein. Es wird sich jetzt darum handeln, ob die Juden imstande sein werden, in das Palais Bourbon Männer zu entsenden, die fähig sind, ihre Rechte zu vertheidigen, ihre Ehre nicht antasten zu lassen und ihre Interessen zu schützen. So sind gegenwärtig die Verhältnisse in Paris. Wie sonderhar nehmen sich, dagegen gehalten, die Ausführungen Theodore Reinachs aus, der in dem Artikel „Juif“ (la Grande Encyclopedie) eine Atrophie des jüdischen Nationalbewusstseins, die Lockerung unserer spärlichen nationalen Bande und das unvermeidliche Aufgehen des jüdischen Volkes in der arischen Völkerfamilie prophezeit. Herr Reinach gehört zwar dem Volke au, aus dem die Propheten hervorgegangen sind; gleichwohl scheint es mit seiner Prophetie nicht weit her zu sein. Argus. Die Makkabäerfeier. Tvfchitz. Der Ferialverband jüdischer Academiker „Severitas" aus Loschrtz und Umgebung hielt am 29. December 1897 seinen zweiten Bereinsabend, eine Makkabäerfeier, ab, der trotz der allergrößten Opposition von Seite unseres Assimilantencorps, das unter der Führung unseres CulluSvorstandcs steht, ein Bild wahrer und ungezwungener Gcmülhlichkeit und Geselligkeit darbot. Nach der Begrüßungsrede durch das Präsidium hielt eanä. zur. E m. Hirsch die Tendenzrede, in der er die Assimilation in der schärfsten Weise behandelte und zum Schluffe die Berhältniffe in der Cultusgemeinde Loschitz den Anwesenden ins wahre Licht stellte. Nach ihm sprachen die Vertreter der Verbindung „Beritas-Zephira"-Brünn, der jüdisch-nationalen Finkenschaft, der „Libanonia", Wien, des Ferialverbandes „Gculah", Olmütz, „Maffada", Weißkirchen, und des Zweigvereines „Zion", Olmütz. Bon den anwesenden Gästen ergriffen Herr Dr. Heinrich Eckstein, Herr David Hirsch und Herr LeopoldNettl das Wort und ernteten lebhaften Beifall für die Betheuerung, dass sie sich in dem schweren Nationalitätenkampfe nur an die Seite der acadcmischen Jugend stellen wollten und alles daransetzen werden, um die jüdische Bürgerschaft ganz auf unsere Seite zu bringen. Das Fest gieng in ein Tanzkränzchen über, und Alt und Jung erfteute sich bis in die Morgenstunden an der ungetrübten jüdischen Geselligkeit. KrsKsu. Die von der zionistischen Studentenschaft am 26. Dccember 1897 im Saale Klein's veranstaltete Makkabäerfeier ist sehr würdevoll verlaufen. Trotzdem das „jüdische" Casino, an deffen Spitze ein bescheidenes Advocatchen, Dr. Daniel Kaufmann, steht, seinen großen Saal nicht zur Verfügung stellen wollte, damit nur daS Karlen- und Billardspiel keine Unterbrechung erleide, und trotz anderer Hindernisse gelang es dem rührigen Comite unter der Leitung unseres unermüdlichen Parteigenoffen Dr. Kornhäuser dennoch, ein schöner Fest zu arrangieren und alle Kreise der jüdischen Bevölkerung zu deffen Besuch heranzuziehen. Es erschienen u. a. unsere Parteigenoffen, die Advocatcn Dr. Ader und Dr. Frühling, dann Cultuspräfident Dr. H o r o w i tz, Gemeinderath Dr. S e i n f e l d , die Händelskammerräthe Falter und D a ttn er, zahlreiche Damen und Herren, letztere besonders vom Kaufmannsstande, die studentische Jugend u. s. w. Bon den drei hiesigen UnivcrsitätSprofefforen, die diverse „Wochenschriften" dem Judcnthum zur „Ehre" anrechnen, erschien trotz Einladung kein einziger. Dafür stellte sich der christliche Univcrsitätsprofcffor Cr. Bujwid ohne Einladung ein und sprach sich sehr sympathisch über das Fest aus. Die Feier begann mit einem dcclamatorischmusikalischen Theil, an den sich die Reden reihten. Es sprachen sind. jur. Anselm Lutwak und der Ehrenpräsident der Feier, unser Gesinnungsgenoffc Rabbiner Dr. Thon, und die formvollendeten Reden Beider, besonders des Letzteren, wurden mit stürmischem Beifall ausgenommen. Dann trug noch Lind. jnr. L o e b l ein hebräisches Gelegenheitsgedicht vor. Hierauf wurden zahlreiche Zustimmungs-Telegramme und -Schreiben vorgelcscn, darunter von Dr. Herzl, Dr. Rülf, Dr. Lippe, Dr. Birnbaum. Dr. S. R. Landau, den Zionisten in Köln, vielfachen acadcmischen Verbindungen u. s. w. Mit einem drei Soge* starken Briefe beglückte uns Profeffor H e m a n aus Basel, in dem dieser eifrige Philo-Zionist an der Hand der Propheten und Bibel mit der Ansprache „Ihr jungen Makkabäer" uns zum Kampfe behufs Erlangung eines wahren Judenstaatcs und nicht bloß eines „politischen Duodez-Stätleins" ermuntert. Dieser Staat müsse aber ein Staat der socialen Gerechtigkeit, des sittlichen Fortschrittes und der allgemeinen Humanität sein. Und einen solchen Staat können nur die Juden gründen; Israel im Lande Israels. Sobald wir vom Verfaffer die Erlaubnis erhalten, werden wir den ganzen Brief veröffentlichen. Es wäre überflüssig, zu bemerken, dass die Zuhörer innerlich gestärkt das Fest verließen. Nicht mehr lange und diese letzte Hochburg der galizisckcn Assimilation wird krachend zusammenstürzen. Trmbrrg. Am 25. December 1697 veranstaltete der hiesige Handlungsgehilfen- und Arbeiter-Verein „J v ri a" im großen Sitzungssaale der Cultusgemeinde eine Makkabäerfeier. Handlungsgehilfen und Arbeiter, die größten Eiferer für die socialdemokrarische Partei, wandten ihr den Rücken und scharten sich, den Ernst ihrer Lage wohl erkennend, um die zionistische Fahne. Die Makkabäerfeier sollte documeutieren, dass den jüdischen Proletariern dieLichlgestalten des Judenrhums nicht gleichgiltig find, und dass sie Heldenmuth und Aufopferung zu verehren wiffen. In diesem Rahmen bewegte sich die mit großem Schwung gehaltene Eröffnungsrede des Dicepräsidenten der „Jvria", Herrn Kassier. Herr Goldstaub trug mit melodiöser Stimme das Narionallied „Dort wo die Ceder" vor. Die Herren L i f s ch ü tz und W i r t h unterhielten das Publicum mit Jargon-Declamationen, während Herr Jmmerdauer auf dem Clavier jüdische Weisen aus Goldfadens Opern vortrug. Die Festrede hielt Herr T i e g c r. In jüdisch-deutscher Sprache feffelte dieser das Publicum mit seinen trefflichen Erzählungen und Analogien zwischen heutigen und damaligen Verhältnissen. Erwähnt muss noch werden das Biolinspiel des Frl. P o r j e s und die hebräische Declamation des Herrn Rapp. Nach der Feier fand ein Commers statt. L. K. Prxemysl. Der Verein „Zion" feierte am 24. December 1897 fein Makkabäerfest in solenner Weise. Der Vicepräsident, Herr A. Mermelstein, begrüßte die zahlreiche Versammlung mit einer längeren Ansprache. Er wieS darauf hin, dass ohne Makkabäer auch ein Jchuda Makkabi nichts ausrichten konnte, und ermunterte dre Versammelten zu Thaten. Hierauf nahm der Cantor Herr S t r o k e unter Musikbegleitung die Ceremonie des Chanukalichter-Anzündens vor. Herr S. Auerbach hielt dann die Festrede und Herr Stierer hielt eine Vorlesung über die Bedeutung des Chanukafestes. Der Zionistenchor sang „Dort wo die Ceder" und Fräulein E. Schweder dcclamierte daS Gedicht „Wann?" von Perlmann. Stsnislsu. In Ergänzung des Berichtes über die Makkabäerfeier muss nacvgeholt werden, dass daS Gelingen des Festes hauptsächlich den Bemühungen unseres verdienstvollen Präses, Herrn Broch, zu verdanken ist. Bolertzoiv. Unser Städtchen feierte zum drittenmale das Fest der Makkabäer, aber nie verlief die Feier so glänzend wie heuer. Die einleitende Rede hielt Herr Dr Blumenthal, woraus Herr Lothringer das Wort zur Tendenzrcde ergriff und die Zeit der HaSmonäer mit unserer Epoche verglich. Die glänzenden Ausführungen des Redners wurden mit lautem Beifall ausgenommen. Die folgenden Redne , Herr Bickel, der die hebräische Festrede hielt, und Herr L ö w n e r wussten durch ihre sachlichen Ausführungen den großen Eindruck auf die Anwesenden noch zu erhöhen. Wodhajrr. Der Verein „Zion" hat Samstag, den 25. December 1897 eine Makkabäerfeier veranstaltet, die einen sehr würdigen Verlauf nahm. Die besonders zahlreich erschienenen Gäste wurden von Herrn K i t t n e r in hebräischer Sprache begrüßt. Hierauf hielten Herr Marienberg und Herr Goldschlag Reden in polnischer und deutscher Sprache. Musik und Chor waren unter Leitung des sind. jur. Sternschuss. Wrails. Der hiesige Verein „Chowewe Zion" veranstaltete Samstag, den 25. December in der großen Synagoge eine Makkabäerfeier. Dieselbe war außerordentlich zahlreich besucht, der Zuzug dauerte fort, bis daS letzte Plätzchen besetzt war. Es war ein weihevoller Abend, der alle Gcmüthcr bis ins Innerste rührte. Nachdem der Cantor Blank die Chanukalichter angezündet hatte, sang er mit Chorbegleitung „Dort, wo die Ceder in hebräischer Sprache. Dann hielt Herr Isaak An ent die Festrede, in der er auf die gegenwärtige Lage der Juden hinwies und alle zum Festhalten am zionistischen Gedanken aufforderte. Als er dann vom Baseler Congress und von der Bedeutung de§ Schekels sprach, da wurden stürmische Beifallrufe laut, und alle drängten sich vor, um den Schekel „für unser heiliges Vaterland" hinzugeben. Ich vermag nicht, die Gemüthsstimmung dieser „Fremdlinge" zu schildern, die sich beim Auseinandergehen den Wunsch zuriefcn: „Nächstes Jahr in Jerusalem!"