Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 1 (7.1.1898)
- Article
- Jassy
- Date
- 1898-01-07
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3315709-3315742-3315744--03650-3356374- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
Nr. 1. «eite 11. Damit der Verein jedem zugänglich sei, haben wir die Monats- Einzahlungen auf die minimale Summe von 25 Bani festgesetzt. Um zahlreiche Anmeldungen bittet das provisorische Comirs. Beitritts-Erklärungen werden entgegengenommen bei: Fräulein Riza Dux, Clara Hirschcnsohn, Sophia Nacht und Marie Nacht. WvsKsu. Wie wir dem „Wofchod" entnehmen, hat der Großhändler W. Wisszozky in Moskau, ein eifriger Zionist, dem Odesiaer Comptoir der Rcichsbank einen Betrag von 4300 Rubel für ewige Zeiten übergeben mit der Bestimmung, dass alle drei Jahre die ausgelaufenen Zinsen für das beste Werk in hebräischer Sprache über eines der folgenden Themata : „Geschichte der Juden zur Zeit der Haidamaken", „Versuch einer Geschichte der ncuhebräisch.-n Literatur", „Jüdische Gestalten in der europäischen Literatur, besonders in der englischen", auszufolgcn seien. Behufs Prüfung der eingclauser.cn Werke wird eine Commission eingesetzt, deren Mitglieder die hervorragenden Kenner der jüdischen Geschichte und Literatur sind : M. M a r g u l i e s , der hervorragende Jugendschriftsteller Abramowitsch, der Obcrrabbiner von Moskau I. Max, I. Günzburg, Zctlin und der Geschichtsforscher S. M. D u b n o f f. Die zionistischen Hochschüler an der Odesiaer Universität gedenken im Mai d. I. eine Excnrsion nach Palästina behufs Besichtigung der Colonien zu unternehmen und möchten sich auch mit ausländischen Hochschülern, die zionistisch gesinnt sind, diesbezüglich ins Einvernehmen setzen. Nähere Auskunft erlhcilt Herr NaumSlouscky in Odesia. Tondon. Ein Zweigverein des Colonisations-Verbandes in Odessa ist hier im Entstehen begriffen. Neirr-Hork. Auch hier hat sich eine Gesellschaft für den Import der Producte der jüdischen Dörfer Palästinas gebildet. Die „Chowewe Zion" haben sich in das Handelsregister unter der Firma „kalestine Product Importing Company“ einlragen lassen. Das Capital der Gesellschaft wird aus 5000 Antheilcn zu 5 Dollars, demnach aus 25.000 Dollars (.60.000 Gulden) bestehen. 4omft)cn&mjen. Oesterreich-Ungarn. Wien. (Orig.-Corr.) Am letzten Sonntag fand neuerlich eine öffentliche Sitzung des Cultusvorstandes statt. Rücksichtsvoll wie die Herren schon einmal sind, haben sie auch diesmal die vertrauliche, oder, wie sie es nennen, „nicht öffentliche" Sitzung, Frankreichs Paris. (Orig.-Corr.) Ein Drama von vollendeter Schönheit hat Zola die Affaire Dreysus genannt. Ein Drama? Das wohl, von vollendeter Schönheit — das gewiss nicht; dazu agieren zuviel Schwachköpfc und Jntriguants in dem Stücke. Es ist überhaupt kein wahres Drama, weil der Held nicht an seiner tragischen Schuld stirbt, sondern an Lumpereien, die andere hinter der Scene begehen. So bekommt der unparteiische Zuschauer allmählig den Eindruck, dass sich vor ihm ein Drama mit ungenügend motiviertem Ausgang abspiele, während die eigentlichen Acteure ganz wo anders ein Schelmenstück durchführen. „Das Drama" wird übrigens mit seiner endgiltigcn Rollenbesetzung am 6. oder 8. Jänner angeblich nochmals aus seinen Gehalt geprüft werden. Der Regisseur ist diesmal der Major Rav ary. Es hat nunmehr an einigen pikanten Episoden gewonnen. Da ist eine Person, die das corriger la fortune als Lebensprincip betreibt und aus irgend einem Grunde von den Oberen und Obersten in ihren vielmögenden Schutz genommen wird; da ist eine Dame, die angeblich mit dieser Person verschleiert verkehrt und sie vor Unheil bewahrt hat. Ueber die Dichte, Länge und die sonstigen Qualitäten des Schleiers ist vorläufig nichts bekannt; auch was er verhüllen soll, ist noch nicht zur Genüge klargestellr worden. Da aber, wie gesagt, längstens am 8. Jänner das kriegsgerichtliche Verfahren eröffnet wird, so darf man hoffen, dass nicht viel mehr Heimlichkeiten und „Entdeckungen" bis dahin das Bild verunstalten werden, das die einzelnen Processparteien von dem Stande der Angelegenheit entwerfen. Amerika. New-Zork. (Orig.-Corr.) Wie schon seinerzeit berichtet, wird dem Congress demnächst eine Bill vorgelegt werden, welche eine besondere Beschränkung der Einwanderung anstrebt. Ein hiesiges Tagblatr interviewte jüngst sämmtliche Mitglieder des Senats und Repräsentantenhauses mit Bezug auf deren Haltung gegenüber der demnächst vorzulegenden Bill. Und das Interview, welches füglich als Probeabstimmung gelten mag, ergab, dass der verhängnisvolle Gesetzentwurf mir erdrückender Majorität zur Annahme gelangen ^wird. Es ist ein oftenes Geheimnis, dass jene Bill in erster «•'VW, Wfcv jfcW Wif rrUlU^l V | ] WIUV1U|V. ' I I ' V - ’-'f ~ " I — A" —r-— — " - I früher abgehalten. Das Publikum mag nur warten; die öffent-'" Linie die Einwanderung jüdischen Proletariats aus Russland i* Xam _I 4. — X! CV . <. «•«'»Sk /XIf«i rtvt Wi t ff ITrtX tritt* »in» SflrrtV^irt» lichen Sitzungen finden ohnedies nicht gar o t im Jahre statt. Auf der Tagesordnung stand die Wahl der berden Bice-Präsidenten sowie der Obmänner und Obmann-Stellvertreter der sechs Sectionen. Die Herren Dr. Stern und Dr. Gustav Kohn wurden als Vice-Präsidenten wiedergewählt; an Stelle des Advocaten Dr. Stein, der wegen „Ueberbürdung infolge Einführung der neuen Civilprocess-Ordnnng" seine Obmannstelle der V. Section niederlegre, wurde Dr. Stern, und statt des letzteren zum Obmann der IV. Section und damit zum Schätzmeister der Cultusgcmeinde wurde Herr Moriz Hirsch, der seit einem Jahre dem Cultusvorstande angehört, neu gewühlt. Die Wahlen erfolgten fast mit Stimmeneinhelligkeit; in diesem Vorstande, der fern Mandat aus den Händen von 20 Percent der Wahlberechtigten erhalten har, gibt es keine Opposition. Rur- Herr Architect Fleischer, der bekannte Verfechter des gothischen Tempelstyls, erhielt als Obmann-Stellvertreter der I. Section (Bethäuser) bei der Anwesenheit von 17 Vorstandsmitgliedern 11 Stimmen und er schmollte. Er nahm das Mandat nicht an, und es wurde eine Neuwahl^ vorgenommen. Diesmal erhielt er 14 Stimmen, aber er blieb bei seinem Entschlüsse trotz des Drängens der Collegen. Eine weitere Neuwahl wurde einem späteren Termine Vorbehalten. Nach § 22 der Wahlordnung, muss dieselbe jedoch innerhalb 14 Tagen erfolgen. Hieraus gelangte ein Dringlichkeitsantrag Stiaßny und Genoffen auf die Tagesordnung. Die Kunde von den Prager Judenexcessen und vom Ruin vieler jüdischer Familien ist endlich auch in die Seitenstettengaye gedrungen. Spät, aber doch. Die Antragsteller gaben die Anregung, den Beschädigten eine Unterstützung zu gewähren von — 1000 Gulden. Der Referent Dr. Stern begründete den Antrag unter Hinweis auf die Größe des angemeldeten Schadens von 168.000 Gulden und die Gesammthöhe des den Juden zugefügten Schadens, die von Eingeweihten aus 300.000 Gulden geschätzt wird. Dr. Gustav Kohn wollte dem Antrag eine weitere Begründung zufügen: „Weil weder Staat noch Gemeinde etwas für die Beschädigten gethan haben." Das schien aber den Leisetretern zu gefährlich und das Amendement wurde abgelrhnt. Nur keine Politik. Wenig aber sicher. Am Ende hätte noch irgend ein Vorstandsmitglied hinzusügen wollen: „Und alle unsere reichenGlaub ensgenossen", für die Prager Juden auch nichts gethan haben." Die 1000 Gulden wurden bewilligt." und Galizien beschränken will. Und so sehr wir eine derartige Verfügung aus allgemein freiheitlichem Principe beklagen, in diesem Falle dient sie denn doch nur dazu, den noch immer Verblendeten die Augen zu öffnen und die Nothwendigkeit des Zionismus zu demonstrieren. Die „Zionoh", ein wirklich vornehmer zionistischer Verein, veranstaltete letzten Samstag unter Vorsitz von Dr. Bluestone ein Makkabäerfest, dessen Verlaus jeden Zionisten mit inniger Freude erfüllt hat. Zu vielen tausenden hatten sich unsere festlich gekleideten Glaubcnsgenoffen eingesunden, um den Vorträgen zu lauschen. Als Redner fungierten Rabbiner Dr. Phil. Klein, Dr. Drachman, Dr. Z insler, Dr. Michael Singer, Rabbiner Zadikoff und Rabbiner Jaches. Unter dem Eindrücke des Festes schlossen sich dem Verein sofort mehrere hundert Mitglieder an. Nächsten Sonntag findet in Brooklyn das Makkabäerfest der Brookyner Chowewe Zion statt; dem Feste folgt ein Ball, dessen Erträgnis für die Entsendung eines Delegierten zu dem nächsten Congress verwendet werden wird. Der berühmte Cantor Carniol wird den gesanglichen Theil des Festes leiten, während die Herren Rabbiner Dr. Klein, Dr. Singer, Wechsler Starrels und Rabbiner Zadikoff Gelegenheitsreden halten werden. Auch für den Vortrag jüdisch-nationaler Gedichte ist gesorgt worden. In der letzten Sitzung desselben Vereines, wie auch in einer Verfammlung der „New-L)orker Zi onssreund e" hat Congressmitglied David Trietsch über den Baseler Congress referiert und für seine interessanten Ausführungen vielfachen Beifall geerntet. Nun endlich werden die Zionisten in Amerika centralisiert werden. Der vor Kurzem entstandene, aus orthodoxen Rabbinern gebildete zionistische Verein Zion h amegujeno th, die Zionoh, New-Aorker Zionsfreunde, Brooklyner Chowewe Zion, der Newarker Verein „Zion" und die Bayonncr Chowewe Zion haben sich bereits zu gemeinschaftlichem Wirken vereinigt. Ueberdies hat der Rabbinerverein sämmtliche orthodoxen Rabbiner des Landes zur Bildung weiterer zionistischer Vereine und zum Anschluss an die New-Iorker Centrale aufgefordert. Ich werde hoffentlich recht bald in der Lage sein. Ihnen diesbezüglich die erfreulichsten Mittheilungen zu machen. 21.