Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 1 (7.1.1898)
- Article
- Weil's Juden san
- Date
- 1898-01-07
- Page
- 10 (sequence 1)
- Language
- German
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Seite 10. JP*$wr WeillK Juden fdtiu G.-R. Grub er: Warum haben Sie es denn gar so wenig eilig mit der Erledigung jenes Antrages, der auf die Entschädigung der durch die tschechischen Greuelthaten arg geschädigten Deutschen in Prag abzielte? G.-R. Havranek: Weil's Juden san! (Wiener Gemeinderath 27. Dccember 1897.) Ein Lieblingswunsch. Abgeord. Noske: Ich kenne kein Mittel, die financielle Lage des Landes gründlich zu bessern. Abgeord. Schneider: O ja! Confiscation der Judengüter. (Niederösterr. Landtag 30. December 1897). Honorierter Antisemitismus. Von dem Bürgermeisteramte der Stadt Komotau ist an den Reichsrathsabgeordneten K. H. Wolf ein Kästchen mit 1400 Mark in deutschem Gelde als Weihnachtsgeschenk abgeschickt worden. Der Abgeordnete K. H. Wolf wurde bei der jüngst stattfundenen Wahl zum Landtagsabgeordneten von Teplitz—Dux— Bilin gewählt. Der israelitische Tempel in Gaya wurde vor Kurzem von unbekannten Einbrechern ausgeraubt. Ein friedliches Paradies. Die „Schlesische Zeitung" widmet in ihrer Jahresrundschau den rumänischen Verhältnissen folgende, mit einem unheimlichen Ernst niedergeschriebene Betrachtung : „Rumänien hat auch in diesem Jahre den Beweis geführt, dass es der einzige unter den Balkanstaaten ist, der als ein Element derRuhe und desFrredens gelten kann." Nach dieser verblüffenden Einleitung fährt das Blatt in dem gleichen Tone beängstigender Hallucination fort: „Wenn vor Kurzem in einem bestimmten Theile der europäischen, insbesondere auch der deutschen Presse unter tendenziöser Hervorhebung aller für Rumänien ungünstigen Momente ein Feldzug gegen den rumänischen Credit eröffnet worden ist, so war die Ursache dieses Treibens ebenso durchsichtig, wie die Tendenz. Es handelte sich da um eine Pression zu Gunsten des rumänischen Judenthums, das der Regierung in der für dasselbe allerdings wichtigen Frage des Militärdienstes und der mit diesem zusammenhängenden Erlangung der rumänischen Unterthanenschaft seinen eigenen Willen aufzuzwingen suchte und durch seine herausfordernde Haltung einen Straßenkrawall in Bukarest veranlasst hatte, dem eine größere Anzahl jüdischer Läden zum Opfer gefallen war. Der rumänischen Regierung die ganze Macht des jüdischen Capitals und die Gefährlichkeit einer judenfeindlichen Politik vor Augen zu führen, war der Zweck jener Campagne der Börsenpreffe gegen Rumänien." Nachwehen der rumänischen Exceffe. Infolge des vom Deputierten Politimos in der rumänischen Kammer gestellten Verlangens, dass der Redacteur des jüdischen Blattes „Pamanteanul" Herr M. Botoscheneanu ausgcwiesen werde, hat der Ministerrath die Ausweisung dieses Juurnalisten beschlossen. Da man erfuhr, dass sich Herr Botoscheneanu in Jassy befinde, so wurde der Polizei der Befehl errheilt, ihn zu arretieren und nach Bukarest zu schicken. Am 24. December wurde Herr Botoscheneanu in Jassy, wo er als Gast bei seine Schwester weilte, von dem Chef der Polizei in Haft genommen und über die Grenze gebracht. Die Ausweisung erfolgte wegen Betheiligung des Journalisten an der Agitation gegen die Einführung der neuen Judenbeschränkungen. Der jüdische Cultus im französischen Budget. Das nächstjährige Budget enthält folgende Posten: Personal der jüdischen Gemeinden 133.530 Francs, jüdisches Seminar 22.000 Francs, zur Erhaltung der jüdischen und protestantischen Gebethäuser (diese Positionen sind immer vereinigt!) 51.000 Francs. In Oesterreich, dessen Residenz allein mehr jüdische Einwohner hat als ganz Frankreich entfallen auf dem jüdischen Cultus — 5000 Gulden. Französische Juden aus Pappe. Der Spielwarenmarkt von Paris bringt eine Neuheit. Sie heißt die „Dreyfusfrage" und stellt aus Pappe ausgeschnitten eine Gruppe von Männern mit carricaturalcn Judenköpfen dar, deren Nasen sich maßlos verlängern, wenn man an einer Strippe zieht. Die entzückte Menge kauft diese Spielzeuge massenhaft. Eine judenreine Expedition. Gegen Ende des Monates März wird eine eigenartige Expedition von Russland aufbrechen. In Frankreich hat sich eine Gesellschaft gebildet, deren Aufgabe darin besteht, die russische Kaufmannschaft der französischen näher zu bringen und dadurch die Vermittlung Deutschlands im Warenaustausch zwischen Frankreich und Russland auszuschalten. Diese Annäherung soll zunächst durch eine Reise russischer Kaufleute nach Frankreich bewirkt werden. Ein besonderer Zug wird die russischen Kaufleute gegen mäßige Kosten nach Frankreich befördern. An der Reise können nur Kaufleute und Industrielle mit ihren Familien theilnehmen — Juden sind ausgeschlossen. Die Reise wird drei Monate in Anspruch nehmen. Die Reisenden werden alle bedeutenden Städte Frankreichs besuchen und sich dort mit der örtlichen Handelswclt bekannt machen, die Fabriken und Werke besichtigen :c. Lord Rothschild und die Pferdeb ahnkutsch er. Alle Omnibus- und Pferdebahnkutscher von London hatten in der Weihnachrswoche an ihren Peitschen goldfarbene und blaue Schleifen. „Was bedeutet das?" fragte man sie. „Das sind die Farben des Stalles von Lord Alfred Rothschild. Um ihn zu ehren, schmücken wir uns jetzt." Und so geschieht es alle Jahre in der Weihnachtswoche, besonders am Vorabend des Weihnachtsfestes. Unter den Londoner Kutschern und Schaffnern gibt es keinen populäreren Mann als Alfred Rothschild. Als großer Freund von Pferden und Wagen, als unermüdlicher Reiter und Wagenlenker hat er große Sympathien für Kutscher und gibt sie auf originelle Weise kund. Jedes Jahr, wenn das Weihnachtsfeft herankommt, lässt er von seinen Landgütern 3000 Paar Fasan- Hennen und Truthühner nach London kommen und schenkt sie den Omnibus- und Pferdebahnkutschern. Jeder Kutscher und jeder Schaffner erhält sein Weihnachtsgeschenk, kein einziger wird ausgenommen. Daher kommt es, dass Lord Rothschild von jedem Schaffner und von jedem Kutscher gegrüsst wird, wenn er die von den öffentlichen Vehikeln befahrenen Straßen durchschreitet. (Berl. Tagbl.) Eine Million Juden in Nordamerika. Wie Mr. Sulzberger in einer Publication der „American Jewish Historical Society" mittheilt, beträgt die jüdische Bevölkerungs- Ziffer in Nordamerika 937,000 Personen. Hievon entfallen auf den Staat New-Iork allein. 35.000 California. 35.000 Indiana .15.000 Pennsylvanien. 85.000 Ohio. 50.000 Miss ouri . 25.000 Louisiana. 20.000 :c. Der jüdische Statistiker in London Mr. Jacobs hat die Ziffer lediglich auf 750.000 berechnet. Der Winter in Palästina hat heuer ausnehmend früh begonnen. Schon in der ersten Hälfte November war starker Reif. Die Witterung ist in diesem Jahre ganz besonders rauh. In Damaskus gab es sogar 3 Grad Kälte, eine Kälte, die selbst im Januar selten erreicht wird. Man erwartet Schnee ut diesem Jahre. Seit fünf Jahren hat es nicht recht geschneit. Die zionistische Bewegung. Spende« für zionistische Zwecke find an Herrn Dr. O. K o k e s ch, Hof- und Gerichts- Advoeaten in Wien, I., Singerstratze 25, zu senden. Trrnbrrg. Die hiesigen Zionistinnen haben, wie bekannt, innerhalb des „Syon" einen Club „Sammelpunkt der jüdischen Frauen" gegründet. Derselbe hat nun an die jüdischen Schwestern einen begeisterten Aufruf gerichtet, mit der Aufforderung, in den Club cinzutreten, „um eingedenk der Pflichten, die sie als Jüdinnen und Töchter des jüdischen Volkes zu erfüllen haben, denselben in seinem Wirken zu unterstützen". Der Aufruf betont das Baseler Programm als seine Basis und führt über die Bedeutung der Frauen für die zionistische Bewegung aus: „In den Händen der Frauen liegt zum großen Theil die Verwirklichung der zionistischen Idee. Denn ihnen obliegt die Erziehung der Heranwachsenden Generation. Da eröffnet sich ein schönes und dankbares Gebiet für jede jüdisch denkende und fühlende Frau. Die jüdischen Frauen haben es endlich begriffen, dass cS in so schweren Zeiten ihrer unwürdig wäre, vom Schauplatze fernzubleiben, und sie haben die Rolle erkannt, die sie in dem Proccffc der jüdischen Renaissance zu spielen berufen sind. Darum gründeten sie innerhalb des Vereines „Syon" ihren eigenen Sammelpunkt, dessen Aufgaben, die Erweckung und Verbreitung dcL jüdischen Nationalbewusstseins, die Pflege der zionistischen Idee sein sollen. Jetzt, da die Frauen in der Gesellschaft die Gleichberechtigung anstreben, müssen sie zuerst ihre Reife beweisen." „Möchte dieses Bewusstsein bald tausende jüdischer Fraucnherzen durchdringen, denn wir brauchen Frauen, Frauen von Energie und Pflichtbewusstsein." Isssy. (Aufruf der Bereinigung „Benoth Zion".) Die zionistische Bewegung hat sowohl bei uns in Rumänien als im Auslände einen solch großen Auffchwung genommen, dass wir gleichfalls zur Hebung und Förderung dieser nationalen Idee alles Mögliche'beizutragen verpflichtet sind. Wir haben also beschlossen, eine Bereinigung unter dem Namen „Benoth Zion" (Töchter Zions) in Jassy zu gründen und bitten alle nationalfühlenden Töchter Zions unserem Vereine beizutreten.