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Die Welt · 1898-01-07 · 1 (7.1.1898) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
1 (7.1.1898)
Article
Dr. Leon Pinsker
Date
1898-01-07
Page
8 (sequence 1)
Language
German
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«eite 8. Nr. 1. X>t% £eott pinsker. (Porträi.) „Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn's hoch kommt, so sind's achtzig Jahre, und wenn's köstlich gewesen, so ist's Mühe und Arbeit gewesen." Das war es für Pinsker. In Tomaschew, einem kleinem russisch-polnischen Städtchen nahe der Grenze Galiziens, 1822 geboren, verlebte er eine arbeits- und entbehrungsreiche Jugend. Sein Vater, ein bekannter hebräischer Schriftsteller, war genöthigt, nach Odeffa zu ziehen, um daselbst den Lebensunterhalt für seine Familie zu gewinnen. Ju Odessa absolvierte Pinsker die Elementarschule und das Gymnasium mit ausgezeichnetem Erfolge. Seinen Universitätsstudien oblag er an der Moskauer medicinischen Facultät. Im Jahre 1849 kam er wieder nach Zweigvereines der „Gesellschaft zur Verbreitung der Aufklärung unter den Juden Russlands", bekleidete auch das Amt eines Vorstehers der „Talmud-Thora", war Präsident des Montefiore-Verbandes und nachher des „Vereines für jüdische Handwerker und Ackerbauer in Syrien und Palästina." Seit dem Jahre 1882 widmete er sich ganz der jüdisch-nationalen Idee, deren unvergängliche Principien er in der Brochure „Autoemancipation" in geradezu classischer Weise auseinandersetzte. Und wenn auch Pinsker die letzte Consequenz des tausendjährigen Judenelends — die Forderung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte im Lande der Väter — nicht zum Ausdruck gebracht hat, so hat er doch HGKW Odessa zurück. Nach mehrjähriger Thätigkeit im städtischen Spitale Odessas begann er seine Praxis. Seine glänzende Diagnose, seine kaltblütige Entschlossenheit und nicht am wenigsten seine fast weibliche Zartheit im Verkehr mit den Kranken erwarben ihm die allgemeine Liebe und Verehrung. Ueber seiner ausgedehnten ärztlichen Thätigkeit aber vergaß er nie an seine unglücklichen Brüder. Er kannte ja ihr Elend aus eigener Anschauung. Schon im Jahre 1861 vereinigte er sich mit Dr. E. Soloweizig zur Herausgabe der in russischer Sprache erscheinenden Zeitschrift „Zion". Seine zahlreichen literarischen Arbeiten geben Zengnis von einem umfassenden Geiste und großer schriftstellerischer Begabung. Aber er war nicht nur mit der Feder für seine Stammesgenoffen thätig. Er war einer der Gründer des Odessaer dieses Judenelend in seiner ganzen Größe empfunden. „Unser Vaterland — die Fremde, unsere Einheit — die Zerstreuung, unsere Solidarität — die allgemeine Anfeindung, unsere Waffe — die Demuth, unsere Wehrkraft — die Flucht, unsere Originalität — die Anpassung, unsere Zukunft — der nächste Tag!" So charakterisierte Pinsker die Lage der Juden, fast in derselben Weise, wie dies später in den Tagen von Basel geschah. Als Professor Bielkowsky an Pinskers Grabe am 24. December 1891 die Worte sprach: „Das wiedererstandene Israel wird Dir eine Stelle in seinem Pantheon anweisen", da ahnte man noch nicht, dass Israel sobald daran gehen würde, den Platz für ein solches Pantheon in Anspruch zu nehmen. Am 29. August 1897 tagte die erste jüdische Nationalversammlung. W.

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