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Die Welt · 1898-01-07 · 1 (7.1.1898) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
1 (7.1.1898)
Article
Frumosa (Bukowina) [Nachricht]
Date
1898-01-07
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Ortschaften vereinigt, waS nicht allzn oft geschieht. Aber bei nns hat der Zionismus ein merkwürdiges Resultat gezeitigt, er hat die Hitzköpfe gedämpft und die Stillen gehoben, und die Juden unseres Bezirkes bilden eine ftiedfertige und einträchtige Judenschaft. Nachzutragen wäre noch, dass Herr R e i n h o l d bei der Feier die Festrede hielt. KrmxolUNg (Bukowina). Das vom Vereine „Zion" im Communalsaale veranstaltete Makkabäerfest ist gewiss das schönste Fest, das von der hiesigen Judenschaft je ausgegangen ist. Der ftische Lusthauch der zionistischen Idee hat auch unsere Juden aufgerüttelt und eS fand das Makkabäerfest dieselben ohne Unterschied ihrer sonstigen gesellschaftlichen Stellung in weihevoller Stimmung vereinigt vor. Zuerst begrüßte der Obmann, Herr Landes» und Gerichtsadvocat Dr. Zaloscer, die erschienenen Festgäste in herzlicher Weise und forderte in einer tiefe Wirkung hervorrufenden Ansprache die Juden zur Einigkeit, Brüderlichkeit und Mildthätigkeit auf. Hierauf hielt Herr Adolf Rauchwerger in formvollendeter Weise die Festrede, in welcher er die Heldenthaten der Makkabäer feierte. Es folgte nun ein flottes Tanzkränzchen, das erst am nächsten Tage um 8 Uhr morgens sein Ende fand. In einer Tanzpause sprach Herr Dr. Gelber über die Pflichten der jüdischen Frau dem Zionismus gegenüber und betonte, dass es die Pflicht einer jeden jüdischen Mutter sei, schon in die Kindesseele jüdisch-nationales Stammesbewusstsein zu pflanzen. Exernoivitz. Die Makkabäerfeier des Vereines „Zion", fand am 26. December in der hiesigen Chorschule statt. Sie gestaltete sich zu einer großartigen Kundgebung der hiesigen zionistischen Judenschaft. Der große Saal war bis aufs letzte Plätzchen gefüllt. Hunderte von Personen konnten keinen Einlass finden. Auch Damen hatten sich in stattlicher Zahl eingefunden. Die beiden ReichSrathsabgeordneten Dr. Straucher und David Tittinger, ebenso wie der Bicepräfident der Cultusgemeinde Herr Bernhard Baltinester wohnten der erhebenden Feier bei. Nach der herzlichen Begrüßungsansprache des Bereinspräsidenten Herrn E. H. M e l z e r wurde die Ceremonie des Chanukalichteranzündens vom Cantor Herrn Schräger vorgenommen, worauf der Ober-Rabbiner Herr Dr. Rosenfeld die Festrede hielt. In kurzen markanten Zügen entwarf der Prediger der Gemeinde ein Bild jener großen historischen Vorgänge, die daS Zeitalter der Makkabäer ausfüllen, zog eine geistreiche Parallele zwischen dem Renegatenthum der hellenistischen Epoche und dem der Gegenwart, sprach von dem hohen, ethischen Werte des Zionismus, der die Gemüther aufgerüttelt, und anerkannte, dass die Bestrebungen der Zionisten, der Judcnnoth durch Gründung einer Bank behufs ausgedehnter Colonisation Palästinas ein Ende zu machen, der Unterstützung aller Edlen und Guten wert sei. (Lebhafter, anhaltender Beifall). Hierauf sprach Rabbmer Herr Weiß. Seine Rede zeichnete sich durch die Eleganz der Diction aus. Als sorgsamer Wächter der Religion gab er der zionistischen Jugend zu verstehen, dass Religion und Nation im Judenthume innig verknüpft sind. Die Rede wurde sehr beifällig ausgenommen. Die Tendenzrede hielt Herr Dr. Philipp M e n c z e l. Mit hinreißender Beredsamkeit schilderte der tteffliche Redner die ttaurige, sittliche und sachliche Judcnnoth, den Antisemitismus im Westen und im Osten und kam dann auf das zionistische Programm zu sprechen, welches in der Schaffung einer rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina gipfelt. Nach Schluss des officiellcn Theiles fand im großen Saale des „Hotel Ruffie" ein gemüthlicher Abend statt, der einen sehr animierten Verlauf nahm. Dr. M. Ebner hielt eine kurze Ueberschau über die ganze jüdische Geschichte und verwies auf das ttöstliche Moment des Zionismus. Um Mitternacht fand dieser Theil der Feier sein Ende. Berlin. Die „Bereinigung jüdischer Sttrdierender" hielt unter dem Vorsitz des Herrn Jungmann eine glänzend gelungene Makkabäerfeier ab. Die Festrede hielt unser Freund Th. Zlocisti. Außerdem sprachen die Herren: Pailand, Friedemann, Dr. H. und R. L o e w e. sowie Herr Fcitelberg. Berlin. Die Vereinigung jüdischer Frauen und Mädchen, „Juda's Töchter", hielt eine sehr zahlreich besuchte Makkabäerfeier ab, wo Herr Dr. H. L o e w e die Festrede hielt über: „Was uns die Chanukalichter erzählen". Besonders stürmischen Beifall erntete er, als er den Brief eines bekannten christlichen Philozionisten verlas, der die Erwartung einer lebendigen Fortentwicklung de§ Zionismus lebhaft begrüßt. Dininskr. In der letzten, außerordentlich stark besuchten Versammlung der hiesigen „Chowewe Zion", hielt Herr M e l a m e d einen Bortrag über „Die Bedeutung des Chanukafestes" als Wiedervereinigung der Juden zu einer selbständigen Nation. Der Redner wies auf die vielfachen Schwierigkeiten hin, die Serubabel und Josua zu überwinden hatten. Ihre heftigsten Widersacher waren ihre eigenen Mitbrüder, die Nebukadnezar durch Orden und Titel an sich gefesselt hatte. Herr Melamed sagte auch sehr treffend, dass, wenn vor 2000 Jahren 40.000 Mann ausreichten, den Grund zu einem mächtigen Reich zu legen, auch die 25 Dörfer, die jetzt in Palästina von Juden bewohnt werden, genügen könnten, den Boden zu einem zukünftigen Judenreiche vorzustellcn. Die Ausführungen des Redners wurden mit Beifall belohnt. Auch den Herren Jarcho, Joffe. Stein und I a u r t a u, wie dem Cantor und seinem Chor wurde lebhaft applaudiert. Der Zionismus gewinnt zusehends Anhänger. Als vor einem Jahre die „Chowewe Zion" einen Makkabäer-Abend veranstaltete, hatte sie kaum hundert Zuhörer aufzuweisen, die meistens nur aus Neugierde gekommen waren, während jetzt circa 300 Personen versammelt waren, darunter viele Aerzte, Ingenieure, Kausleute, Studenten rc. Fast corporativ hatte sich die jüdische Geldaristokratie absentiert. Dagegen wirkte sehr erfreulich der Anschluss der jüdischen Studentenschaft an den Zionismus, da diese früher ebenso wie ihre russischen Collegen fast nur den focialistischen Ideen huldigte. Unsere Stadt hat ein schrecklich großejüdische- Proletariat, dadurch die bekannten neuen Gesetze noch vergrößert wird. Obgleich es mit Bestimmtheit behauptet werden kann, dass in keinem Lande, wo Juden wohnen, so viel an Wohlihätigkeit geleistet wird, wie im „Lande der Schnorrer", in Litthaucn. so muss dennoch constatiert werden, dass die Noth, die infolge der Einführung des Branntweinmonopols eine ganz enorme geworden ist, sich keineswegs vermindert hat. Der einfache Jude in Litthauen hat eben keinen anderen Ausweg, als unter dem Drucke der Regierung und dem Hasse der Bevölkerung zugrunde zu gehen oder Hand in Hand mit den Zionisten für sich und seine Kinder ein sicheres Heim in Palästina zu erstreben. Mdrsifs. Während der Chanukawoche fanden bei uns eine Reihe von Makkabäerfestlichkeiten statt, die alle einen erhebenden Verlauf nahmen und unserer Bewegung Hunderte von neuen Anhängern zuführten. Besonders sei die Feier des hebräischen Clubs „Israel Hazachir" (Jung- Jsrael) erwähnt. Alle Reden und Begrüßungen wurden in hebräischer Sprache gehalten. Unvergesslich aber wird die größte bis jetzt stattgefundene Chanukafeier der zionistischen Hochschüler Odessa's sein, zu der die hervorragenden Persönlichkeiten unserer Gemeinde und viele Schriftsteller erschienen waren, unter anderem die Herren A b r a m o w i t s ch, Dubrow, Achad-Haom, Sloustsch, Tschernikowsky, E p h e u u. a. Auf die Begrüßung des Präsidenten, stuck. S ch e n k i n, antwortete im Namen der jüdischen Schriftsteller der greise Verfasser der „Kljatscha", Abram o witsch, der in seiner Rede der Freude Ausdruck gab, in seinem Alter eine jüdische Jugend erstehen zu sehen, die zu größter Hoffnung berechtigt, da sie ihr heiliges Ideal in die dumpf gequälte jüdische Masse, als eine Botschaft einer nahenden Erlösung ttägt und ihr dadurch Muth und neue Kräfte verleiht, dir Leiden der Gegenwart zu ertragen Die Rede hat einen mächtigen Eindruck in den nach Hunderten zählenden Festtheilnehmern zurückgelassen. Die in vollendetem Hebräisch gehaltene Rede des Herrn Sloustsch wurde lebhaft acclamiert. Die Gäste verließen die Feier mit dem Bewusstsein, der Zionismus sei eine Quelle mächttger Anregung für die Gegenwart und ftoher Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Dublin. Den Fortschritt der zionistischen Bewegung bemerkt man am demltchsten an den Lubliner Juden. Seit den Tagen des Baseler CongresseS ist hier alles für den Zionismus, und die Betheiligung an zionistischen Veranstaltungen ist eine besonders rege. Am 25. December fand eine Makkabäerfeier statt, die Herr Dr. Spiro mit einem Borttag über die Schckelsammlung eröffncte. Im Verlaufe der Discussion wurde auch der Dclegiertentag der russischen Zionisten, der unter dem Vorsitze Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Mohilcwer stattfand, eingehend besprochen. Sofia. Samstag den 13./25. December veranstaltete der Centtalverein „Zion" in Sofia eine Makkabäerfeier, die einen überaus glänzenden Verlauf nahm. Ucber 500 Gäste füllten die weiten Räumlichkeiten deS „Hötel Bulgarie", und den später Kommenden konnte der Eintritt nicht mehr gestattet werden. Herr Carl Herbst eröffncte den Abend mit einer von großem Beifall aufgenommenen Reve über die Bedeutung des Makkabäerfestes und seinen Zusammenhang mit dem Zionismus. Hierauf wurden nationale Gedichte von den Abiturienten D a v i d o f f. Arneti, Chaimoff und der Obergymnasiastin Frl. GisellaHorn vorgettagen, die unter lebhaften Zurufen wiederholt werden mussten. Frau Malvine Herbst hielt eine feurige Ansprache an die jüdischen Frauen, sich am Frciheitskampfe in jüdtscher Frauen Weise zu bethätigen. Der Bicepräsident Leon Radbill berichtete über die Thätigkeit des Vereines und Herr Nathanson sprach über die Berechtigung des Zionismus. Einen erhebenden Eindruck machten die zionistischen Lieder, die von einem gemischten Chor von Schülern und Schülerinnen des Sofianer Obergymnasiums vorgettagen wurden. Da konnte man sehen, wie tiefe Wurzeln der Zionismus in den Herzen unserer Juden geschlagen. Bei den ttäumerischen, sehnsuchtsvollen Weisen blieb kein Auge thränenleer. Will man über die Makkabäerfeier ein objecrives Urtheil haben, muss man einen der zahlreichen christlichen Gäste befragen. Uebereinstimmend ist ihr Urtheil über den hohen ethischen Wert des Zionismus. An der Feier betheiligte sich fast die ganze sephardische Gemeinde, während einige „bessere" Juden der Aschkcnasim sich im Hause eines reichen Juden zu einer Christbcscheerung zusammenfanden. Sie sind dadurch zum Gespötte der ganzen Stadt geworden. Tondo«. Sowohl hier als in vielen Städten Großbritanniens wurde das Chanukafest gefeiert. Es waren zumeist zionistische Vereine, für die das Chanukafest zugleich ein zionistisches Meeting war, in dem neben den Erinnerungen an unsere alten Helden auch der Gegenwart und der Zukunft unseres Volkes gedacht wurde. Hier veranstalteten der „Western Tent" der „Chovevi Zion-Associatton" am Samstag den 25. December, der „Eastern Tent" am Sonntag den 26., die „Bnei Zion-Associatton" am Montag den 27. December. dann auch das „Doung Zron Institute" und die „MakkabaeanS" ihre Makkabäerfeier, die glänzend ausfielen. Im erstgenannten Verein sprach der Vice-Cbief Prag mit enthusiastischen Worten vom Zionismus und von den Erfolgen des vergangenen Jahres, im zweiten überraschte der Rabbiner der Hampstead-Synagogc Rev. Green seine Zuhörer mit einem zionistischen Vortrage der folgendermaßen schloss: „Ich bin ein Zionist und ich hoffe, dass wir mit Gottes Hilfe einmal unseren Staat haben werden. Ich weiß, dass man uns Träumer nennt, und dass für viele der Traum einer Wiedererlangung Palästinaein fanatischer Optimismus ist. Aber man vergesse nicht, dass stets nur die Enthusiasten die Welt besser gemacht haben." In Glasgov, Manchester, Dublin u. s. w., bot die Makkabäerfeier den Zionisten die beste Gelegenheit zur krästtgen Agitation.

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