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Die Welt · 1898-01-07 · 1 (7.1.1898) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
1 (7.1.1898)
Article
Die jüdische Lehrfarm in Odessa
Date
1898-01-07
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite S. Nr. 1. Aus der Viehzucht wird behandelt: die Fütterungslehre, die wichtigeren Milchviehracen, Krankheiten der Hausthiere, normale und kranke Milch; Bienenzucht, Seidenraupenzucht. Die Odeffaer Lehrsarm muss also, entsprechend ihren eben an gesührten Lehrzielen, zu den sogenannten praktischen Ackerbauschulen gezählt werden, d. h. zu denjenigen, welche daS Hauptgewicht auf die manuelle und technische Ausbildung für dar landwirtschaftliche Gewerbe legen (zum Unterschiede von solchen, welche vorwiegend die formelle Bildung, also die Theorie und Begründung der Praxis anstreben). Für die Bedürfnisse der Entwicklung deS Ackerbaues unter den Juden erscheint die Betonung der Praxis vor der Theorie als felbstverständlich. Bor allem die Farm sieht es darauf ab, die Zöglinge zu selbstständigen kleineren Landwirten auszubilden, diese aber auch zur Uebernahme von Gutsbcamtenstellen zu befähigen. Einige der Schüler sollen ferner zu Lehrern des Gartenbaues an solchen jüdischen Schulen herangebildet werden, an denen in der allerneuestcn Zeit der Unterricht in diesem Fache eingcführt wird. Inwieweit die Anstalt ihr Hauptziel — die Zöglinge zur rationellen Bewirtschaftung von kleinen Grundbesitzen zu befähigen — zu erreichen imstande ist, diese Frage wird erst die Zukunft beantworten. Die Farm ist noch zu jung, um Resultate in dieser Beziehung anfweisen zu können. Im Laufe der Sommerfericn kann die Farm außer der gewöhnlichen Schülcrzahl auch noch die 150 Knaben und Mädchen des Waisenhauses aufttehmen. Der Aufenthalt der Waisenkinder in der freien Natur, inmitten ländlichen Lebens und ländlicher Interessen, ermöglicht es den Aufsehern, diejenigen hcrauszusuchen, die am meisten Lust zu dieser Lebensweise bekunden und am besten für die Ausbildung als Landwirte geeignet erscheinen. Die Farm verfügt theils besitz-, thcils pachtweise über circa 80 Hectar Land, angcbaut wird hauptsächlich : Weizen, Gerste, Luzerne und Mohär (eine Futterpflanze). Die Milch, welche von 10—12 Kühen geliefert wird, wird zumeist zu Butter verarbeitet. Die bisherige Erfahrung hat gelehrt, dass die örtlichen Dcrhältniffe mehr für Garten- und Weinbau, als für Ackerbau und Viehzucht paffen. Namentlich dürften sich in Zukunft Gemüsezucht und Taseluaubencultur als besonders lohnend er» weisen. Die Baulichkeiten enthalten Schlaf- und Essräumc, zwei Classenzimmer, ein Bethaus, Molkerciräumlichkeitcn, einen Rindvieh- und einen Pferdestall, eine Schmiede- und Tischlerwerkstätte, ein Warenhaus, Wohnungen für die Angestellten und eine Remise. Das Unterrichtspersonal besteht aus dem Leiter der Anstalt, einem Adjunkten, einem Gärtner und einer Milch Wirtschafterin. Außerdem sind angestcllt: ein Schmiede» und ein Tischlermeister, sowie ein Feldvorarbeirer. — Die jährlichen Unterhaltungskosten belaufen sich auf ungefähr 15.000 Rubel. Dir Makkabäerfeier, Dirlitz. Am 25. December veranstaltete die Ferialverbindung „Emunah" in Bielitz eine Makkabäerfeier. Ingenieur Singer begrüßte die Anwesenden und wies auf die Bedeutung dieses Festes und die Erinnerung hin, welche dasselbrftnit der Glanzperiode der jüdischen Geschichte verknüpft. In begeisterten Worten priesjnr. S pitz (Emunah) dieHeldenthaten der Makkabäer, zog eine Parallele zwischen der damaligen und jetzigen Zeit und zeigte in drastischer und treffender Weise die Nutzanwendung für die.Gegenwart. Hierauf ergriff der Vertreter der akademischen Verbindung „Jvria" Herr Dr. Felix Rosenfcld das Wort. In gehaltvoller Rede beglückwünschte er die „Emunah" zu ihrer von Erfolg gekrönten Bemühung, eine mit jüdischem Bewusstem erfüllte Gesellschaft um sich versammelt zu haben und forderte sie auf, tapfer in ihren mühevollen Bestrebungen fortzusahrcn. Unter allgemeinem Beifall erhob sich Herr Rabbiner Dr. Glas er und ermahnte die jüdische Studentenschaft fortznfahren, das jüdische Bewusstsein zu beben und zu pflegen. Zum Schluss hielt jnr. Brück (Emunah) einen schwungvollen Toast aus die Gäste. Jubelnden Beifall erweckte der Bortrag eines zionistischen Gedichtes (Chanuka) des rühmlichst bekannten Führers der Brunner jüdischen Studentenschaft Berthold Feiwel durch teeftu. Dörfler (Emunah). Ein animiertes Tanzkränzchen schloss die überaus gelungene Feier. Kleinberg. JTxtBtneft. Ein neues Gebiet hat sich dem Zionismus erschloffen. Bon wahrer und auftichtiger Liebe zu ihrem jüdischen Volke begeistert, in der richtigen Erkenntnis, dass die einzige Lösung der Judenfrage im Zionismus gelegen sei, haben sich die beiden Herren Huppert und Oberlehrer Kraus aus Friede? seit ihrer Rückkehr vom Baseler CongresS bemüht, auch werkrhätig der großen Sache zu dienen. Freudig leistete daher die Verbindung österreichisch-schlesischer Hochschüler „Jvria" ihrer Einladung Folge, in Friede! eine Makkabäcrfeier zu veranstalten. Diese fand am 27. December unter überaus zahlreicher Bethciligung statt; noch vor der angcsetzten Anfangsstunde war der Saal dicht gefüllt. Cand. med. B. Hahn eröffncte die Versammlung mit einer kernigen Ansprache, in welcher er auf den Zweck der Veranstaltung hinwies. Nach ihm ergriff Herr K l e i n b e r g das Wort zur Makkabäerrede; in einem trefflichen Bilde schilderte er zuerst die Zustände zur Zeit der Makkabäer — die Epoche der wiedergewonnencn Selbständigkeit des jüdischen Volkes — woraus er in satyrischer Weise das Gegenstück, die heutigen Verhältniffe unter den Juden, geißelte, einen Vergleich ziehend zwischen den Gegnern der Makkabäer und den Feinden des Zionismus, jetzt wie damals Frömmler und Assimilanten, verbündet im Kampfe gegen diejenigen, welche den Juden ihre Selbständigkeit wiederzuerringen streben. Nach Abfingung des Makkabäerliedes erhob sich Herr Ingenieur Emil F r i e d-zur Tendenzrede. In anschaulicher Weise wusste er den Versammelten das moralische Judenelend zu schildern, deffen Schuld er hauptsächlich den lächerlichen Seiten der Assimilation zuschob. Hierauf entwickelte er das zionistische Programm als einzig mögliche Remedur gegen diese zerrütteten Verhältniffe. Oflew. Rübenstein brachte dann das Lied „Der Schwur" von Dr. Leo Sofer zum Bortrag. Der Führer der schlesischen Zionisten Herr Dr. M. Kornblüh (Freistadt), der nahe der Grenze des Alters sich die jugendliche Begeisterung zu bewahren verstand, begründete in kräftigen hebräischen Citaten die zionistische Bewegung sowohl vom Standpunkte der Religion als auch von dem des Nationalismus. Es begrüßte sodann der Präses der israelitischen Cultusgemeinde von Friedek-Mrstek, Herr Hermann L ö w, im Namen des Cultusvorstandes die Verbindung „Jvria" und sprach ihr seinen Dank für ihr tapferes Eintreten für das Judenthum aus. In schlichten herzlichen Worten gab hierauf Herr Huppert die Anregung zur Gründung einer zionistischen Ortsgruppe; beinahe sämmtliche Anwesende meldeten ihren Beitritt an, und wurden die Herren: Hermann Löw, Huppert, Kraus. Adolf Reik, Gciringer und Schwarz in das vorbereitende Counts einstimmig gewählt. Erwähnt sei noch, dass Herr Obercantor Weiß in künstlerischer Weise daS Cedernlied vorlrug und sich damit den Beifall der Anwesenden errang. Rohskyn. Mittwoch den 15. December fand in der großen Synagoge eine Volksversammlung, einberusen vom Vereine „Bnej Zion", behufs Besprechung des Baseler Congreffes, der Agitation und Anregung zur Schekelsammlung statt. Nach den einleitenden Worten der Vorsitzenden Herrn A. Weidmann sprach Herr L. Taubes, der als Gast erschienen war, über die Colonisation, über den zu gründenden Natioualfond und den zu leistenden Schekel. Die Versammlung nahm die Idee der Schekelsammlnng mir Begeisterung auf, und eine für die Verhältniffe unser Stadt beträchtliche Summe ist schon an die Centrale abgegangen. Stanislsu. Die Juden unserer Stadt, die von einer geradezu sprichwörtlichen Langsamkeit sind, beginnen etwas reger zu werden. Allen voran die Zionisten. Es besteht seit Jahren schon eine Ortsgruppe, „Erez Israel", die über eine stattliche Mitgliederanzahl verfügt, aber es geschieht vieles nicht, was geschehen sollte. Bon dieser Einsicht sind auch die Leiter des Vereines durchdrungen und schicken sich an, eine durchgreifende Reorganisation durchzuführen. — Am 22. December fand im großen Theatersaale eine Makkabäerfeier statt, die einen äußerst glanzvollen Verlauf nahm. Die schwungvollen Reden der Herren TaubeS, Dr. Schur und A. Stand wurden von dem zahlreichen Publicum mit Begeisterung ausgenommen. Nrxesroiv. Am 19. December fand in den Sälen des kaufmännischen Vereines „Mercur" eine Makkabäcrfeier statt, die ein eigens dazu gewähltes Counts des „Chowewc Zion" in glänzender Weise durchführte. Nach den einleitenden Worten des Vorsitzenden A. Lion sprach der Tarnower Advocat Dr. Rost über die Zeit vor den Makkabäern, die mit der unserigen soviel Aehnlichkeit aufweise. Schließlich forderte der Redner zur Schekelsammlung auf. Lebhafter Beifall lohnte seine Rede. Zwei Knaben von sieben und zehn Fahren trugen hierauf hebräische Gedichte vor. Herr Wachtel trug unter großem Beifall jüdische Lieder vor. Die Schlussrede sprach Herr Kalmann Kurzmann, worauf sich der officiellen eine gemüthliche, zwanglose Unterhaltung anreihte. Kolomes. Am 25. December fand im Rathhaussaale die zweite Makkabäerfeier statt und halten sich zn derselben die jüdische Intelligenz und noch einige christliche Gäste eingefunden. Die Reden hielten Dr. Z i p s e r und jur. I. Fell. Den zweiten Therl des Programmes besorgten die Damen : Frl. Brüller, Frl. Hecht und Frl. Kr i w e r und der jugendliche Virtuose L. Zeiger. ZslrsrMkr. In der Makkabäerwoche fand im Vereine „Zion" ein Cyklus von Vorträgen statt. — Sonntag den 19. December sprach Herr Löbel Taubes aus Kolomca in einer glänzenden Jargonrede über den Zionismus. — Der 22. December brachte uns einen kritischen Vortrag des Herrn Elias Glaser über „Die Feiertage unter besonderer Berücksichtigung des Weihfestes", an den sich dann eine sehr lebhafte Discussion anschloss. — Am letzten Chanukaabend sprachen die Herren: Oscar Glaser über „Fudenstaat und Baseler Congress", F. Seidmann über „Geschichte der Makkabäer" und A. L. Lagstein über „Zionismus im weiteren Sinne". — So bot diese Woche uns eine Summe von kräftigen Agitationsmttteln und den anderen Bürgern eine Quelle von Aufklärung. Die öfteren Vortrags- und Discuffions-Abende, zu denen auch Nichtmitglicdcr Zutritt haben, erhalten das actuelle Interesse ziemlich warm — unsere Mitgliederzahl nimmt täglich zu. Der Verein besteht kaum zwei Monate und zählt bereits 160 Mitglieder, die allen Gesellschaftskreisen angehören. Mit der Schekelsammlung für den Nationalfonds wurde bereits begonnen. Ani. Frurnosa. (Bukowina). Das Fest der Makkabäer wurde auch hier dazu benützt, im Sinne der zionistischen Propaganda zu wirken. Unser zwar kleiner, dennoch rühriger Zionsvcrcin hatte am 25. December eine Makkabäerfeier veranstaltet, und dazu fast alle Juden der umwohnenden

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