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Die Welt · 1898-01-07 · 1 (7.1.1898) · p. None

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
1 (7.1.1898)
Date
1898-01-07
Page
None (sequence 1)
Language
German
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Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaktion'oder Administration: Wien, IX., Türkenstraße 9, zu richten. Unftankirte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripte nicht zurückgesendet. Oesterreich-Ungarn: halbjährig 3 fl. — 6 Kr., ganzjährig 6 fl. — 12 Kr.; für daS Ausland: Deutschland DkMIjöVikjfk. ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf.. England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg, Rußland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50 Kop., Schweiz. Frankreich. Italien, Türkei. Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Egypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 CtS. Amerika ganzjährig 3 Doll. 40. Nr. 1. Wien, 7. Jänner 1898. 2. Jahrgang. Krdsrkion und Administration: Wie«, IX., Türkenstraße 9. Telephon Nr. 8608. Preise der Nnrrigen: Die viermal gespaltene Petitzeile 10 kr. Einzelne AllNvers 15 kr. Abrechnung. Bon Spectator Eduard Glaser, bürgerlicher Arabist und Wüstenwanderer in München, kann dem Verlangen nicht widerstehen, sich mit dem Zionismus auseinanderzusetzen. Er befriedigt dasselbe auf vier ganzen Spalten eines Berliner Blattes, aber was in dieser pcträischen Endlosigkeit zwischen Sand und Gestein aufhebeuswert ist, lässt sich von einem einzigen Windstoße forttragen. Eduard Glaser, der Arabist und Wüstcnwanderer von der Taunstraße in München, behauptet nämlich, der Zionismus sei, bewusst oder unbewusst, ein englisches Werkzeug zur Sprengung der Türkei und zur Gründung eines Pufferstaates, der im britischen Interesse den Landweg von der Südostecke des Mittelmeeres nach Indien zu sichern hätte, der Zionismus sei also antitürkisch, antirussisch, antifranzösisch und berge in sich die Gefahr einer Wiederausrollung der orientalischen Frage. Im Uebrigen gönnt Eduard Glaser den armen, von dem Antisemitismus gemarterten Juden eine „Zufluchtsstätte", eine „bescheidene, aber ausreichende Judencolonie", ohne jedoch zu verrathen, wo sie nach seiner Wohlmcinnng unterzubringen wäre. Nur aus den Worten: „Auch da kann der Herrscher des ottomanischen Reiches helfen", geht hervor, dass er gar nicht weiß, was der Zionismus anstrebt, und darum besser gethan hätte, auf den Ruhm eines Zionistentödtcrs zu verzichten und sich mit dem bescheidenen Lorbeer des Arabisten zu begnügen. Sonach könnte es überflüssig erscheinen, sich mit diesem neuerstandcnen Widersacher des Zionismus zu befassen, der, indem er seine Kannegießerei zum Besten gibt, seiner selbst spottet und nicht weiß wie. Eduard Glaser ist jedoch typisch für die antizionistischen Drachentödter, deshalb verlohnt es sich der Mühe, ihn aus der Menge herauszugreifen und an ihm zu demonstrieren, dass der nationale Jude sich vor niemandem mehr zu hüten Ursache hat, als vor dem sogenannten assimilierten Juden. Der „Assimilierte" ist nämlich im Grunde gar nicht so hartherzig, dem armen russischen und rumänischen Juden — immer nur denen! — irgendwo und irgendwie Kessere Unterkunft zu missgönnen, nur darf er dabei selbst «icht incommodiert oder gar zu einem Opfer an seinem Wohlleben, seinen bürgerlichen Demüthigungen, seinen Titel- und Ordensaussichten verhalten werden. Der assimilierte und der zionistische Jude stehen, wenn ein historischer Vergleich erlaubt ist, nebeneinander, wie weiland die Rheinbundsdeutschen und die nationalen Deutschen; während jene mit Wollust die Fremdherrschaft ertrugen, unter der aus Herzogen Großherzoge, aus Kurfürsten Könige und aus Geldwechslern Weltbankiers wurden, bereiteten die nationalen Deutschen unter Jammer und Gefahren die Befreiung vor. Der assimilierte Jude duckt sich, steckt Rippenstöße und Fußtritte ein, aber er wird dabei Baron, Ritter, Hofrath; der zionistische Jude will nichts sein, als berechtigter Mensch, und weil ein solcher ohne eigene Scholle, ohne Heimat und Heimatsgefühl nicht zu denken ist — was jeder neue Tag ihm von neuem blutig einschärft — so reclamiert der Zionist das Land seiner Väter als seine historische Heimat, als sein Erbtheil, auf das sein Anspruch niemals verjährt, weil er niemals preisgegeben worden ist. Man sollte denken, dass jemandem, der aus dem Umkreise der Prager Altneuschul herrührt — und Eduard Glaser ist in diesem Falle — die Erinnerung nicht entschwunden sein könnte an das Schicksal, das per vim und per nefas den Juden bereitet ist und das der Zionismus zu mildern sich bestrebt. Doch die sogenannten Realpolitiker, zu denen sich Glaser als „assimilierter" Jude rechnet, sind Mottoen höherer Ordnung, Motiven desnationalen Stolzes, der sittlichen Auflehnung gegen Schmach und Unbill nicht zugänglich, und nichts ist in diesem Betracht für sie alle bezeichnender als die Vorstellung, die sich Glaser von den „führenden Geistern" des Zionismus macht. Sie können, meint er mit einer Insinuation, an der Spitze des Zionismus bleiben, auch wenn dieser nichts mehr mit Zion zu schaffen hat. Das also ist's! „Wenn ich Deiner vergesse, Jerusalem, so verdorre meine Rechte", hat der Jude seit zweitausend Jahren gelobt, und nun, da das Gelöbnis sich anschickt, Hoffnung, vielleicht auch Erfüllung zu werden, wird Jenen, die den Weg weisen, nachgerufen, sie hätten nur den Ehrgeiz, an der Spitze einer Bewegung zu stehen. Wahrhaftig, da passt doch der Goethe'sche Vers: „Es bellt der Spitz auS unf'rem Stall Und will uns stets begleiten. Doch seiner Stimme lauter Schall Beweist nur, dass wir reiten." Nicht indessen darum, Herrn Eduard Glaser einen Spiegel vorzuhalten, handelt es sich. An jedem Kläffer und jedem Kannegießer ein Exemxel zu statuieren, ist der Zionismus zu stolz und zu stark. Nur gegen eine Doppcldenunciation soll Verwahrung eingelegt werden, die dieser neueste Champion der Antizioniften verübt, weil sie darauf berechnet ist, den Zionismus zu verleumden und zu discreditieren. Diese Doppcldenunciation richtet sich an die Adresse der Türkei und an die Adresse des europäischen Misstrauens gegen England. In Constantinopel soll der Argwohn erweckt werden, dass der Zionismus die Geschäfte Englands besorgt und die Türke

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