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Die Welt · 1914-07-31 · 31 (31.7.1914) · p. 801

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
31 (31.7.1914)
Article
Haarlem [Nachricht]
Date
1914-07-31
Page
801 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 31 DIE :elt 801 In dem Garten der „Vereeniging“ zu Haarlem fand die Versammlung statt. Fräulein J. Goudsmit referierte über ihre Reise nach Palästina und Herr Rabbiner S. Ph. de Vries hielt einen Vortrag über die hebräische Sprache. Der Bundesvorsitzende Nehemia de Lieme regte die Anwesenden zur tatkräftigen Unterstützung des Schulfonds an. Nachmittags wurde ein Ausflug nach Bloemendaal und Zandvoort gemacht, wo alle zu einem Festmahl versammelt waren. Herr Dr. Klee hielt eine begeisternde Rede. Ein erheblicher Betrag wurde für den J. N. F. gesammelt. Belgien Antwerpen. Zu einer der eindrucksvollsten zionistischen Kundgebungen in Antwerpen gestaltete sich die diesjährige Gedenkfeier für Theodor Herzl am 14. Juli. Der Hauptredner des Abends war Herr Dr. Alexander Marmorek aus Paris. Der große Saal der „Thalia“ war überfüllt. Nachdem Herr Torczyner den Gast begrüßt hatte, hielt Herr Jean Fischer eine kurze Ansprache. Hierauf nahm Dr. Marmorek das Wort, um in leuchtenden Farben das Bild von Herzls Persönlichkeit vor uns erstehen zu lassen. Redner schloß mit den Worten Goethes: Von hier und heute geht eine neue Epoche in der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen: ihr seid dabei gewesen. — Marmoreks Ausführungen wurden mit Begeisterung aufgenommen. Herr Torczyner schloß den Abend mit der Aufforderung, für den Herzl-Wald in großem Maßstab beizusteuern. S. F. Aus der poale-zionistischen Bewegung Die I. Konferenz der „national-radikalen“ Schulen (Von unserem Berichterstatter.) b.I.- Die von den amerikanischen Poale Zion und dem jüdisch-nationalen Arbeiterverbande ins Leben gerufene „national-radikale“ Schulbewegung ist nunmehr in ein neues Stadium ihrer Entwicklung getreten. Die in den Tagen vom IS. bis 21. April d. J. in New York abgehaltene erste Schulkonferenz, an der 18 Schulen mit etwa 3000 Kindern vertreten waren, hat die Schaffung einer Organisation beschlossen, die die ganze Arbeit zentralisieren soll. Da es uns infolge Raummangels nicht möglich ist, einen ausführlichen Bericht von dieser bedeutsamen Konferenz zu bringen, so lassen wir hier bloß die wichtigsten Beschlüsse folgen. Die Konferenz hat folgende Prinzipienerklärung angenommen: „Als nationale Juden glauben wir an die Einheitlichkeit des jüdischen Volkes und wollen sie mit allen unseren Kräften erhalten und fördern. Wir wollen daher unseren Kindern eine diesem Zwecke dienliche Erziehung geben, eine Erziehung, die das jüdische Kind mit den Juden aller Länder und aller Zeiten geistig verbindet. Als radikale Demokraten wollen wir die Erziehung des jüdischen Kindes in Einklang bringen mit dem Fortschritt, der Wissenschaft, dem freien Gedanken und mit den fortgeschrittensten Anschauungen über gesellschaftliche Ethik und Menschenliebe. , Wir betrachten daher die folgenden Gegenstände als für diese Erziehung notwendig: Jüdische und hebräische Sprache, jüdische und hebräische Literatur (die alte und die neue), jüdische Geschichte und völkische Poesie (Volkssagen, Gesang u. dergl.). Unsere Schule muß bei den Kindern ein gesundes Verständnis der jüdischen Religion entwickeln, indem sie dieselbe vom kulturhistorischen Standpunkte aus betrachtet. Die Lehrer müssen sich bemühen, den Kindern die nationalen, ethischen und poetischen Seiten der jüdischen Religion beizubringen. Sowohl die nationalen, als auch die radikalen Anschauungen dürfen nicht als Gegenstände eines selbständigen Unterrichts gelehrt werden, sondern bloß sofern sie sich im Geschichts- und Literaturunterricht abspiegeln.“ Wie man schon aus diesem Programme ersieht, wollen die national-radikalen Schulen die staatliche Volksschule vorläufig nicht ersetzen, sondern bilden vielmehr eine Ergänzung derselben. Deshalb ist der Lehrplan auf Gegenstände der nationalen Erziehung beschränkt. Die Leiter der Bewegung sind sich jedoch bewußt, daß dieses Zweischulensystem, in welchem zwei verschiedene Schulen in zum Teile entgegengesetzter Richtung auf das Kind einwirken, auf die Dauer unhaltbar ist. Die national-radikalen Schulen werden sehr bald daran gehen müssen, auch die allgemeinen Gegenstände des Volksschulunterrichtes emzuführen und die einzigen Schulen ihrer Zöglinge zu werden. Bei den Spaniolen In Saloniki ist eine poale-zionistische Gruppe von spaniolischen Arbeitern gegründet worden, die bereits mit dem poale-zionistischen Weltverbande in regem Verkehr steht. Das Verbandsbureau bereitet jetzt eine Propagandabroschüre in spaniolischer Sprache vor. Außerdem ist eine Reise eines Mitgliedes des Verbandsbureaus nach Bulgarien, Saloniki, Konstantinopel usw. geplant. „Das Wort“ Das neue Organ der russischen Poale-Zion hat in den breiten jüdischen Arbeiterkreisen eine begeisterte Aufnahme gefunden. Aus allen Ecken des Ansiedlungsrayons erhält das Blatt täglich Begrüßungen und die Arbeiter sparen auch nicht mit Spenden. Schon jetzt ist die Herausgabe einer Beilage „Der Handelsangestellte“ beschlossen. Konferenz der studierenden Jugend Am 29. und 30. Juni tagte in Lemberg die VII. Konferenz der jüdischen, sozialistischen studierenden Jugend „Poale-Zion“ Galiziens. Der von Werdinger erstattete Bericht konstatiert ein stetes Wachsen der Bewegung. Von den organisatorischen Beschlüssen ist besonders der Beschluß zu erwähnen, ein Monatsblatt in jüdischer Sprache mit polnischer Beilage herauszugeben. Außerdem hielt Locker einen Vortrag über „Intelligenz und Volk“, Juris referierte über „das jüdische Kulturproblem“. Für die nächste Konferenz wurde die Abhaltung eines Seminars für Kursleiter in Aussicht genommen. Kleine Mitteilungen I. Tururi Vorigen Mittwoch fand im großen Tempel die Trauung unseres eifrigen Gesinnungsgenossen Adv. Moi.sc F o a statt. Dem jungen Paare unsere herzlichsten Glückwünsche. Illllllllllllllllllllllllll SPRECHSAAL iiiamiiiiiiiiiiiiiiiiiii Wir erhalten folgende Zuschrift: In seinem Artikel „Das kommende Geschlecht“ in Nr. 29 der „Welt“ stellt Dr. S. Bernstein die hinsichtlich unserer Beziehungen zum „Züricher Verband“ auf der Heidelberger „Hechower“-Konferenz gefaßte Resolution als „taktisch-diplomatisches Kompromiß“ hin und gibt damit unserer Resolution eine Deutung, die der Stimmung der großen Majorität unserer Mitglieder widerspricht und (sicherlich gegen die Absicht des Verfassers) geeignet ist, die positive Stellungnahme des „Hechower“ zum „Züricher Verband“, die eine der wichtigsten Ergebnisse unserer Konferenz war, in einem schiefen Lichte erscheinen zu lassen. Wir halten es daher für unsere Pflicht, den klaren Wortlaut der Resolution, die keine einseitige Auffassung zuläßt, an dieser Stelle zu veröffentlichen : 1. „In Rücksicht darauf, daß die akademischen, ökonomischen und kulturellen Interessen der jüdischen Studentenschaft fordern, daß alle ihre nationalen Elemente sich vereinigen; daß diese Vereinigung zur Nationalisierung breiter Kreise der Studentenschaft beiträgt und den Kampf gegen die Assimilation erleichtert, — hält die dritte Konferenz des „Hechower“ die Beteiligung der Mitglieder an den allgemeinen unparteiischen Studentenvereinen und auch an dem „Züricher Verband“ für wünschenswert und nützlich.“ 2. „An solchen Orten, wo die allgemeinen nationalen Vereine vom Prinzip vollständiger Neutralität und Unparteilichkeit abweichen, — sind die Mitglieder zum Austritt verpflichtet. Zum Austritt ist die Zustimmung des C. K. des „Hechower“ nötig.“ 3. „Die Konferenz hält es für wünschenswert, in allen Städten vereinigte Kommissionen aller lokalen jüdischen Vereine zu gemeinsamer Arbeit auf akademischem, kulturellem und ökonomischem Gebiet zu schaffen.“ Indem wir um Veröffentlichung dieser Erklärung bitten, zeichnen wir mit vorzüglicher Hochachtung und Zionsgruß Charlottenburg, 24. Juli 1914. Zentralkomitee der zionistischen Studentenorganisation „Hechower“.

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