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Die Welt · 1914-07-31 · 31 (31.7.1914) · p. 794

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
31 (31.7.1914)
Article
Keine Judenausweisungen im Rheinland [Nachricht]
Date
1914-07-31
Page
794 (sequence 1)
Language
German
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794 DIEÄELT Nr. 31 \JL7p I TfHR A\JIV ▼V ELI villiUIilll Deutschland Keine Judenausweisungen im Rheinland Die Nachricht, daß das preußische Ministerium des Innern Ausweisungen aus dem rheinisch-westfälischen Industriegebiet angeordnet habe, bewahrheitet sich nicht. Wie einem Vertreter des „Reichsvereins der deutschen Juden“ im Ministerium des Innern erklärt wurde, ist eine solche Anordnung nicht ergangen und auch nicht beabsichtigt. Oesterreich Oesterreich-Ungarn unter Waffen Während diese Zeilen geschrieben werden, ruft die österreichisch-ungarische Monarchie ihre Völker unter die Waffen, i:rd wenn diese Blätter in die Hände der Leser kommen, sind wohl schon die Kämpfe im vollen Gange. Die zweieinhalb Millionen Juden des Reiches stellten bekanntlich ein im Verhältnis zu ihrer Zahl gewaltiges Kontingent an Soldaten des Mannschaftsstandes, an Offizieren und Aerzten. Aus den beiden Metropolen Wien und Budapest, aus dem weiten österreichischen Osten, aus dem ungarischen Flachlande, aus Böhmen, Mähren und Schlesien, aus den südslavischen Ländern und nicht zuletzt aus den Annexionsgebieten Bosnien und Herzegowina eilen Juden in hellen Scharen zu den Fahnen, ein hochkultiviertes, intelligentes Element des kaiserlichen, königlichen Heeres, treu ergeben dem greisen, ehrwürdigen Kaiser Franz Josef,, der alle seine Untertanen mit gleichem Maße mißt und dem die Judenschaft der österreichisch-ungarischen Monarchie und der Annexionsländer eine grenzenlose sprichwörtliche Liebe entgegenbringt. Die ehernen Stimmen der Feldschlacht sprechen, und die giftigen Stimmen der Judenhasser, der berufsmäßigen antisemitischen Demagogen im Osten und Westen des Reiches müssen schweigen. Jetzt gilt der Mann, der Waffen tragende Staatsbürger, jetzt, in der Feuerlinie, sind alle gleichberechtigt — auch die Juden. Mit Stolz sehen wir unsere jüdischen Krieger, die zahllosen Jünglinge von der Universität, die Reserveoffiziere aus den liberalen Berufen, die schlichten, zähen Landjuden, die niederträchtig verunglimpften Ostjuden, welche — im bosnischen Okkupationsfeldzuge, auf den Schlachtfeldern des russisch-japanischen Krieges und beim jüngsten rumänischen Waffengange hat es sich wieder gezeigt — wackere heldenhafte Soldaten sind, in die Schlacht ziehen. Sie werden ihre Pflicht tun wie immer und ein Neues wird sie anspornen im Kämpfen, im Leiden und im Sterben: der jungjüdische Geist, der unsere Jugend erfüllt, der sie verpflichtet, in allem, was sie leisten, ihr Bestes und Höchstes zu leisten um ihres heißgeliebten Volkstums willen. Der.freue Judenadel leitet sie in die Feldschlacht. Und die zurückbleibenden Männer wie Frauen werden ihre Menschenpflicht gegenüber Darbenden, Kranken, Verwundeten mit selbstloser Hingabe leisten — um des Staates und um ihres jüdischen Volkstums willen, das in Nöten des Vaterlandes Scheiterhaufen und gelben Fleck, Ghetto und Pogrom vergaß, und sich würdig seiner uralten Kultur und seinen herrlichen mosaischen Gesetzen stets den Werken der Nächstenliebe bis zur Selbstentäußerung hingab. Wie ein Leuchtturm werden unsere Juden dastehen, draußen auf den blutigen Feldern, daheim in Stadt und Land, treu, mutig, hilfsbereit, und der neue jüdische Jischub wird sie segnen. Ehrung durch N.-F.-Spenden r. Es ist eine erfreuliche Erscheinung, daß der N ationalfonds im ganzen Volke immer populärer wird, und es verbreitet sich immer mehr die unter Zionisten längst übliche Sitte, zu Ehrungen, bei freudigen Anlässen usw. die Sammelmittel des Nationalfonds zu benützen und durch Ueberreichung des Diploms die Setzung des Denkmals im Volksbesitz zu dokumentieren. Als symptomatisch und höchst erfreulich verdient folgende Begebenheit besondere Anmerkung: Herr Kais. Rat Robert Fuchs Edler von Robbetih, erster Vizepräsident der Prager Kultusgemeinde-Repräsentanz, ein Mann, der sich um die einzelnen kulturellen und Wohlfahrtsinstitute der Prager jüdischen Gemeinde außerordentliche Verdienste erworben hat, feierte vorige Woche hier seinen 00. Geburtstag. Aus diesem Anlaß hat sein Sohn, Herr Herbert von Fuchs, im Prager Nationalfondsbureau tausend Kronen erlegt mit der Bemerkung, die Familie des Jubilars wünsche ihn an seinem Festtag durch eine nationale Spende bzw. durch Ueberreichung der Diplome zu ehren. Die 1000 Kr. wurden zur Pflanzung eines Oelbaumgartens und zu einer Eintragung ins Goldene Buch verwendet. Es ist als ein großer Erfolg zu bezeichnen, daß die unvoreingenommenen vornehmen nichtzionistischen Kreise die Bedeutung des Nationalfonds anerkennen und sich daran gewöhnen, bei allen Anlässen des Volkes zu gedenken. Ritualmordpropaganda in einer Prager Volksschule r.— In letzter Zeit ist hier wieder ein Fall schändlichster antisemitischer Propaganda bekannt geworden. Die tschechischen Zeitungen berichten, daß in der Neustädter deutschen Knabenvolksschule in Prag ein dort als Lehrer angestellter Mönch des Emausklosters den kleinen -Kindern eine Geschichte erzählte, wie die Juden einen kleinen Christenjungen gekauft, in den Wald geschleppt und an einen Baum gebunden hätten, dann seien sie über ihn hergefallen, haben ihn gemartert und gestochen, das frische Blut in Gefäßen aufgefangen und beim Backen der Osterbrote verwendet. — Leider ist bisher von keiner Seite zur Klarstellung des Falles eingeschritten worden, was um so bedauerlicher ist; als vor I1/2 Jahren sich ein ganz ähnlicher Fall in einer Prager deutschen Volksschule ereignet hat und die Behörden damals dem intervenierenden Präsidenten des zionistischen Distriktskomitees eingehende Untersuchung und energische Vorkehrungen zugesagt haben. Die Prager deutsche .Presse hat damals die Sache totgeschwiegen und schweigt auch jetzt, aus Furcht den deutschen Schulen bei den Juden zu schaden. Ohnedies suchen immer mehr Juden die tschechischen Schulen auf; manche Deutsche aber fahren in dieser Art rohester und giftigster antisemitischer Propaganda fort, ohne daß die Judenschaft sich bisher dazu aufgerafft hätte, einmütig die gebührende Antwort zu geben. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß während des Bei 1 is -Prozesses . die tschechische Presse einen von den hervorragendsten Vertretern der tschechischen Intelligenz gezeichneten Protest veröffentlicht hat, während die Deutschen Böhmens es abgelehnt haben, sich an irgendeiner Protestaktion zu beteiligen.

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