Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 30 (24.7.1914)
- Article
- Die Hetze gegen Ernesto Nathan und die italienische Regierung
- Date
- 1914-07-24
- Page
- 773 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. BO &IE3SEELT 773 Trotz dieser energischen Abfuhr wird die Hetze der Klerikalen natürlich weitergehen. Der italienische Konsul in Jerusalem über die Entwicklung Palästinas (Von unserem Berichterstatter) 1.— Die in Florenz erscheinende „La Settimana Israelitica“ veröffentlicht in ihrer letzten Nummer ein Interview ihres Jerusalemer Korrespondenten mit dem dortigen italienischen Konsul, Graf Carlo Senni, über die Entwicklungsmöglichkeiten Palästinas, dem wir folgendes entnehmen: Auf Ihre Frage — sagte Graf Senni —, ob .ich an die Möglichkeit einer industriellen Entwicklung Palästinas glaube, muß ich- Ihnen sagen, daß ich großes Vertrauen zu den natürlichen Quellen des Landes habe. Das ganze Land ist voll von Bodenschätzen, die eine große Volksmenge glücklich machen können. Es genügt, die Hände auszustrecken, um solche Schätze zu finden. So sind z. B. unweit von hier, etwa fünf bis sechs Wagenstunden, ausgedehnte Phosphorlager. Wohl gibt es auch in anderen Ländern diesen Stoff, wie z. B. in Florida, Tunesien, Spanien usw., aber bei den großen Bedürfnissen der modernen Agrikultur genügt das noch lange nicht. Ich bin überzeugt, daß sich bald das Kapital dafür finden wird, wie es sich für die Ausbeutung der Petroleumquellen in der Nähe von Hebron gefunden hat. Die Amerikaner machen dort Experimente, und es ist wahrscheinlich, daß auf dem Markte nächstens palästinensisches Petroleum erscheinen wird. Was nun die Phosphorlager betrifft, so habe er sich in Beziehung mit italienischen Kapitalisten gesetzt, vornehmlich mit dem „Agrar-Ko-nsortium“ von Parma. Es sei ihm nach langen Verhandlungen gelungen, das Konsortium zu bewegen, den Professor an der Universität Bologna, Simone Ui, mit Unterstützung der Regierung zur Prüfung der Sache hierher zu senden. Professor Simonelli habe leider bald nach seiner Ankunft wegen eines .Unfalles Palästina wieder verlassen müssen. Aber er hoffe, daß die Angelegenheit wieder aufgenommen werde. Besonders die italienischen Juden hätten hier ein geeignetes Tätigkeitsfeld. Sie könnten ein Syndikat für die Ausbeutung der Bodenschätze bilden. Die italienische Regierung würde eine solche Initiative mit großer Sympathie begrüßen und würde sie mit großer Bereitwilligkeit unterstützen. Zum Schluß sagte der italienische Konsul dem Korrespondenten: Sagen Sie nur Ihren italienischen Brüdern, daßes hier auch für sie viel zu tun gibt. Rumänien Pogromdrohungen Der Verband der in Rumänien geborenen Juden hat an das Parlament von neuem eine Eingabe gerichtet, in welcher die Gleichberechtigung für die im Lande geborenen Juden gefordert wird. Auf diesen Schritt der rumänischen Juden antwortet nunmehr der Sekretär der rumänischen K u 11 u r I i g a, Professor Bogan D u i c a, mit einer in allen rumänischen Zeitungen veröffentlichten, in überaus aufreizendem Tone gehaltenen Kundgebung, worin er erklärt, daß die Judenfrage eine Machtfrage ist, und droht, daß auf den mindesten Versuch hin, diese Frage im Sinne der rumänischen Juden zu lösen, die rumänische Bevölkerung mit einem Pogrom nach russischem Muster antworten würde. Da sich auch die rumänische Regierung gegenüber den Forderungen der Juden konsequent ablehnend verhält, so wird befürchtet, daß der begonnene Kampf der rumänischen Juden um die Gleichberechtigung ihnen nicht unerhebliche Gefahren bringen wird. Der „N. J. K." wird aus Bukarest berichtet: Infolge der zügellosen antisemitischen Agitation kam es in Odobescht vorige Woche zu Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung. Der Straßenmob plünderte eine Anzahl jüdischer Läden und Wohnungen. Die Polizei schritt ein und verhaftete einzelne Exzedenten. In der rumänischen Kammer brachte der Leiter der judenfeindlichen „Kulturliga“, Professor Guza, diesen Vorfall zur Sprache und interpellierte den Minister des Innern, welche Maßregeln er zu ergreifen gedenke, „um die schädliche Tätigkeit der Juden zu unterdrücken und die judenfreundlichen Polizeibeamten zu bestrafen!“ Der Minister erwiderte, er werde eine Untersuchung einleiten und der Kammer über das Ergebnis berichten. ZIONISTISCHER ZENTRALFONDS Zentralfonds 1914 Ausweis der vom 8. Juli bis 20. Juli eingegangenen Beträge Zentralfonds Deutschland Berlin: R.-A. Alfred Fischer.JL 130.— Kleine Spenden: Dr. Bernstein, Dr. J. Wolf . . „ 24.— Russland Ossipowitsch: JL 21.60 Radim: .. 21.60 Kleine Spenden: Selischarow, Lisitschansk . . . „ 11.10 .Westösterreich Innerösterreich Kleine Spenden: Sammlung Röhr.JL 16.80 Mähren-Schlesien Prossnitz: Sammlg. Leo Beer . . . Kr. 64.90 JL 54.52 Kleine Spenden: H. Weigl, Dr. H. P., Z.M.V. Hasxnonäa, Moritz Hammel.„ 32.16 Kleine Spenden: Ortsgruppe Perugia, Prof. B. Dessau . ..Lei 20.— JL 16.— Südafrika Kinross: H.V.Z.A..£ 6.15.— JL 137.40 Australien Sydney: The Sydney Zionist Society . £ 5.—.— JL 102.— Hebräisches Schulwerk D eutschland Köln a. Rh.: Verein „Haschachar“.JL 50.— Militsch: Dr. Jutkowski (abgel. ärztliches Honorar der Familie Ehmann).„ 100.— Kleine Spenden: Dr. J. Wolf.„ 10.— Russland Borisow: S. Räbinowitz .JL 47.20 Kertsch: „ 253.18 Kiew: Ch. E. 508.— Konotop: 190.08 dzt. Kissingen: Chaia Sara Rosenthal (z. Andenk. ihres sei. Mannes J. J. Rosenthal).„ 400.— Poltawa: „ 171.54 Selischarow: 21.40 Warschau: Sammlg. 1t. Ausweis „Hazefirah“ . „ 218.— Kleine Spenden: Ostaschkow ....... „ 5.— 9999994 006429311346