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Die Welt · 1914-07-24 · 30 (24.7.1914) · p. 770

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
30 (24.7.1914)
Article
Ein Zwischenfall in Haifa [Nachricht]
Date
1914-07-24
Page
770 (sequence 2)
Language
German
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770 t>lE3^£ELT Schwierigkeiten, indem sie sich auf eine aus Konstantinopel eingetroffene Verfügung berief. Erst auf Verwendung des russischen Konsuls wurde ihnen die Landung gestattet. Wie sich nunmehr herausstellt, ist der ganze Zwischenfall auf ein Mißverständnis der hiesigen Behörde zurückzuführen. Die fragliche Verfügung aus Konstantinopel bezog sich in Wirklichkeit auf eine Gruppe jüdischer Auswanderer aus Saloniki, die als griechische Staatsangehörige verabsäumt hatten, ihre Passe beim türkischen Konsul vidieren zu lassen. Nr. 30 Von der Eisenbahnlinie Jaffa—Jerusalem Die Einnahmen der Bahnlinie Jaffa—Jerusalem beliefen sich nach dem vor kurzem veröffentlichten Geschäftsbericht im Jahre 1913 auf rund 13 000 030 Eres. Die Gesellschaft verteilte auf Stammaktien im Nominalwert von 500 Frcs. 4,0625 Eres, pro Aktie, auf Obligationen im Nominalwerte von 500 Frcs. 33,9584 Frcs. Außerdem sollen stille Reserven von beträchtlichen Summen angesammelt sein; wie hoch sich diese belaufen, ist in dem Bericht nicht angegeben. u/pi TruD fYfcJlff lllllllllllllllllililllllllllllllllllllllllllllllliilllllllllinillllli ▼V ErJLl Illtlillllllllllilillllillllllllli Der XII. Geschäftsbericht des Hilfsvereins Der neue Jahresbericht des Hilfsvereins der Deutschen Juden bietet wiederum interessante Materialien. Bei einem Stande von 27 000 Mitgliedern hat er 1S7 000 M. Jahresbeiträge und namhafte besondere Zuwendungen. Wie nicht anders zu erwarten, enthält der Geschäftsbericht zahlreiche Hinweise auf die Differenzen, die das letzte Jahr gebracht hat. An vielen Stellen des Berichts zeigt sich das Bestreben, den Vorwurf, als sei der Hilfsverein mehr eine deutsche als eine jüdische Institution, zurückzuweisen. Das Mitgliederverzeichnis der außerhalb Deutschlands wohnenden Mitglieder umfaßt 71/2 Seiten, und es ist in vielen Hinsichten besonders erfreulich, daß auch die Länder, die bei jüdischen Wohlfahrtsbestrebungen mitteleuropäischerweise meist nur als Objekt betrachtet werden, hier gut vertreten sind. Gleich die vier ersten Beiträge sind eine Illustration der erwähnten Internationalität: sie stammen aus Aligarh in Indien, aus Ancona, aus Antwerpen und aus Baden in der Schweiz. Palästina ist mit sechs Plätzen vertreten, und Rußland nimmt mehr als die Hälfte der Auslandsliste ein. Das Schulwerk figuriert in dem Tätigkeitsbericht an erster Stelle. Es umfaßt gegenwärtig 44 Anstalten mit zirka 7000 Schülern, wovon auf Palästina 28 Institute mit 3000 Schülern entfallen. Zwischendurch bekommen wir Einblicke in jüdische Verhältnisse verschiedener Länder. Besonders interessant ist die Veröffentlichung eines rumänischen Geheimbefehls der Militärbehörde, die in der Befürchtung, daß die bekannten und öffentlichen Rechtsbeschränkungen einmal nicht ausreichen könnten, hier noch zu dem Mittel des geheimen Zirkulars greift Wir erfahren auch etwas von der jüdischen Kolonie Messila Chadascha in der Nähe von Konstantinopel. Die Kolonie, eine Ansiedlung russischer Juden, liegt gegenüber den Prinzen-Inseln auf der asiatischen Seite. Das Land gehört 100 Familien, von denen zurzeit nur 25 dort wohnen. Bei dem Erwerb des Bodens hat die Ica mitgeholfen. Die günstige Lage und guten Verkehrsverhältnisse lassen eine glänzende Entwicklung erhoffen. Einstweilen ist das Los der Kolonisten noch sehr traurig. „Es fehlen noch Wohnhäuser, die Leute wohnen zusammengepfercht in Stallungen, die sie vorgefunden. Aber nicht der Mangel an bequemen Wohnungen war es, worüber diese aus tiefstem Elend in Rußland geflüchteten Juden Klage führten. Das Fehlen einer Schule für ihre Kinder, 70 an der Zahl, ließ ihnen keine Ruhe." Der Hilfsverein der deutschen Juden hat die Mittel für die Eröffnung einer Schule bereitgestellt. Unter der Ueberschrift „Griechenland (frühere europäische Türkei)“ finden wir Angaben über das Schulwerk des Hilfsvereins in Saloniki. Es besteht dort ein Kindergarten mit zirka 200 und eine Knaben- und Mädchenschule mit zirka 150 Kindern. „Das Schulgeld hat sich vermindert“, heißt es in dem Bericht. Dann geht es weiter: „Der deutschen Schule in Saloniki, die 368 Schüler und Schülerinnen, darunter 268 Israeliten, zählte, setzten wir wiederum für einen hebräischen Lehrer 1000 Frcs. aus.“ — Dies entspricht einem jüdischen Schulbesuch von 73 °/o auf der dortigen deutschen Schule! Von den ausführlichen Darlegungen über das sehr umfangreiche Schulwerk in Jerusalem sei hier nur darauf hingewiesen, daß das Lehrerseminar und die Handelsrealschule die definitive Anerkennung (mit dem Range eines Lyceums) von den türkischen Behörden erlangt haben, und daß das Abgangszeugnis den Absolventen nunmehr „den Eintritt in eine türkische Universität und somit auch in europäische Hochschulen“ ermöglicht. Hier ist auch vom landwirtschaftlichen Unterricht die Rede, durch den die im Seminar ausgebildeten Lehrkräfte befähigt werden sollen, später auf den Kolonien zu wirken. Ergänzt wurde der theoretische Unterricht durch Exkursionen im Lande und durch praktische Arbeit in der mit den mannigfachsten Kulturen versehenen Kolonie Pethach-Tikwah. Von Interesse ist auch in dem Kapitel über die jüdische Zentralbibliothek, die mit 2000 Frcs. subventioniert wurde, daß an hebräischen Büchern 5485, an fremdsprachlichen 3290 entliehen wurden, unter denen die deutschen mit 1127 an erster Stelle stehen. (Es folgen russische, französische und englische.) Die Zahl der Besucher betrug 21 954. Der Abschnitt über die Auswanderungsangelegenheiten enthält viel Bemerkenswertes. Das Jahr 1913 war wieder ein besonders trauriges. Allein nach den Vereinigten Staaten wanderten in diesem Jahre über 138 000 Juden, von denen rund 96 000 (70 o» aus Rußland stammen. Die jüdische Gesamtauswanderung im Jahre 1913 ist auf 170 000 zu veranschlagen, wovon auf Rußland zirka 130 000 entfallen, so daß diesmal der russisch-jüdische Geburtenüberschuß von zirka 100 000 durch die Auswanderung übertroffen ist. Infolge des polnischen Boykotts sind diesmal auch die Juden Russisch-Polens, die sonst den geringsten Anteil an der Emigration haben, sehr stark beteiligt gewesen. Die Gesamtausgaben für die Auswandererfürsorge beliefen sich im Berichtsjahre auf 215 000 M., wozu die Ica 85 000 M. beigesteuert hat. Auch die Auswanderung nach und via Galveston wird erwähnt, die nunmehr zum Stillstand gekommen ist. Nach dem Berichte waren 1913 über Bremen 3005 jüdische Auswanderer nach Galveston befördert worden, wovon 2227 auch das Bureau des Hilfsvereins in Bremen in Anspruch genommen Deutschland Verbot jüdischer Einwanderung nach dem Rheinland Nach einer ministeriellen Anordnung soll auf Grund von Erhebungen, die über die Einwanderung galizischer und russischer Juden angestellt worden sind, in den Städten des r h e in i-

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