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Die Welt · 1914-07-17 · 29 (17.7.1914) · p. 744

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
29 (17.7.1914)
Article
Weltkonferenz der Agudath Israel
Date
1914-07-17
Page
744 (sequence 1)
Language
German
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744 DIE&ELT Nr. 29 WELTCHRONIK Weltkonferenz der Agudath Israel Die Tagesordnung der bevorstehenden Weltkonferenz (Kenessija Gedola) der orthodoxen Organisation „Agudath Israel" ist nunmehr festgestellt. Die eigentliche Konferenz beginnt in Frankfurt a. M. am Dienstag, den 3. Elul (25. August), und endet voraussichtlich Montag, den 9. Elul (31. August). — Von Mittwoch, den 27. Aw (19. August), bis Sonntag, den 1. Elul (23. August), wird in Homburg die Tagung des „Rabbinischen Rates" stattfinden. Von Sonntag, den 1. Elul (23. August), finden Sitzungen des provisorischen Komitees, der verschiedenen Kommissionen, der Landesorganisationen und Gruppenverbände statt. Die wichtigsten Punkte der Tagesordnung sind: Vorlage und Diskussion über das Statut der Agudath Israel, Referate über „Stand und Hebung des Thorastudiums in den verschiedenen Ländern der Diaspora", General- und Spezialreferate über die Aufgaben der A. J. in Erez Israel und Referate über „Die ökonomische Lage der Judenheit". Allgemeine Konferenz der Ito Wie das Organ der „ungarischen Ito", die Wochenschrift „Egyenlöseg" in Budapest, berichtet, findet die allgemeine Konferenz der Jewish Territorial Organisation am 3. und 4. September d. J. in Zürich statt. Den Vorsitz werden die Herren Israel Zangwill und Spielmann aus London führen. Die ausführliche Tagesordnung soll demnächst veröffentlicht werden. Oesterreich Zu den nationalen Kämpfen in Mähren (Von unserem Berichterstatter.) a.— Die Juden werden doch klüger und beteiligen sich an den fremdnationalen Kämpfen nicht mehr oder doch nur in verschwindender Zahl. Anläßlich des berüchtigten, blutigen deutschen Volkstages zu Brünn im Jahre 1905, den draußen in den Vorstädten und im mährisch-schlesischen Flachlande der kleine jüdische Mann bitter büßen mußte, beteiligten sich noch auf deutscher und tschechischer Seite zahlreiche Juden. Bei den deutschnationalen und tschechischnationalen Demonstrationen jedoch, die am 28. Juni dieses Jahres in Brünn stattfanden, hielten sich die Juden, mit Ausnahme eines Grüppchens deutsch - national - jüdischer Studenten, durchaus Ein ganz besonderes Verdienst um diese gesunde Entwicklung haben sich neben der zielbewußten Arbeit unserer zionistischen Vereine diewackerenjüdischenTurner erworben, die in allen Teilen der Provinz die jüdische männliche und weibliche Jugend um sich scharen. Ein Sinnbild dieses erfreulichen Wandels in der Haltung und Gesinnung der mährischen Judenschaft war das herrliche jüdische Kreisturnfest zu Brünn, das acht Tage vor dem Sokoltage und der deutschen Gegendemonstration stattfand. Achthundert Turner und Turnerinnen marschierten auf und zeigten vor mehr als 3000 Zuschauern Proben ihres Könnens. Bald wird die ebenso schädliche wie häßliche fremdnationale Betätigung der mährisch-schlesisch-böhmischen Juden trotz der fortgesetzten Brunnenvergiftung der „Neuen Freien Presse" und einiger Exaltados der Geschichte angehören. Ungarn „Liberale" Judenfreundlichkeit (Von unserem Berichterstatter) 1.1.— Eine vielbesprochene politische Kandidatur wirft ein grelles Licht auf die Judenfreundlichkeit unserer politischen Parteien. Als der ehemalige Ministerpräsident Baron Desider B a n f f y, der ein entschieden jugendfreundlicher Politiker und Abgeordneter eines Bezirkes in Szeged, der zweitgrößten Stadt Ungarns war, vor einigen Jahren starb, war bereits die jetzt regierende Partei der nationalen Arbeit, die Nachfolgerin der liberalen Partei, am Ruder. Ein Teil der Wähler proklamierte nun einen alten Vorkämpfer dieser politischen Richtung, Dr. Izsö v. R 6 z s a, zum Abgeordnetenkandidaten. Herr Dr. v. Rözsa ist eine angesehene Persönlichkeit, Präsident der Anwaltskammer und auch der jüdischen Kultusgemeinde. Kaum wurde seine Kandidatur bekannt, protestierte der größere Teil der Szegediner nationalen Arbeitspartei energisch dagegen, daß das Mandat einem Juden übertragen werden sollte, und stellte in der Person des Präsidenten des dortigen Katholikenklubs, Baron Franz v. Gerliczy, einen Gegenkandidaten auf. Da man vermeiden wollte, daß innerhalb der „liberalen“ Regierungspartei der jüdische Kultuspräsident und der Präsident des Katholikenklubs sich als Gegenkandidaten bekämpfen, mußte einer von ihnen zurücktreten. Es ist nicht schwer zu erraten, daß das Opferlamm Herr Dr. v. Rözsa war. Seine Anhänger kandidierten dann auch einen Nichtjuden, den als Verteidiger im Ritualmordprozesse -von Tisza- Eszlär weltberühmt gewordenen Karl v. E ö t v ö s. Bei der Wahl siegte jedoch Baron v. Gerliczy mit großer Majorität. Baron v. Gerliczy starb jetzt und das Mandat wurde wieder frei. Die Geschichte wiederholt sich aber.* Ein Teil der Wähler proklamiert von neuem Herrn Dr. v. Rözsa zum Kandidaten, wogegen wieder protestiert wird. Der jüdische Kultuspräsident findet nun einmal bei den „liberalen" Wählern keine Gnade. Die Judengegner tragen das Mandat dem Abgeordneten Eugen v. Rönay an, der selbst Mitglied der nationalen Arbeitspartei ist. Zur Zeit, wo ich diese Zeilen niederschreibe, ist die unerquickliche Affäre noch nicht erledigt. Es wird behauptet, daß Dr. v. Rözsa diesmal nicht zurücktreten, sondern den Kampf ausfechten wolle. Kaum wird dies bekannt, berichtet das offizielle Organ der Unabhängigkeitspartei, der größten Oppositionspartei des Landes, ein Teil der Opposition werde Herrn v. Rönay, obgleich er Mitglied der Regierungspartei ist, gegenüber Dr. v. Rözsa dennoch unterstützen . . . Oeffnen solche Zustände den assimilatorischen Juden noch immer nicht die Augen? Kleine Mitteilungen Austritte aus dem Judentum. Die Pester israelitische Kultusgemeinde hat sich genötigt gesehen, die Gemeindesteuer zu erhöhen. Während die Kleinbürgerschaft, der weitaus größere Teil der Gemeindemitglieder, trotz der ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse die neue Steuerlast, wenn auch ungern, auf sich nimmt, benutzten Mitglieder der assimilierten Intelligenz die Gelegenheit, die Steuererhöhung mit dem Austritte aus dem Judentum zu beantworten. Die innere Fäulnis ist also bereits soweit fortgeschritten, daß es nur einer — nicht einmal allzu großen — Steuerhöhung bedarf, um zahlreiche Austritte aus dem Judentume zu bewirken. Eine Dozentur für jüdische Geschichte. Knapp vor Schluß des Semesters wurde uns eine angenehme ^9127670653857

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