Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 28 (10.7.1914)
- Article
- Zionistische Regungen in Tripolis
- Date
- 1914-07-10
- Page
- 730 (sequence 2)
- Language
- German
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730 Nr. 28 DIE^KELT ■den Juden der italienischen Kolonie für den Zionismus zu werben. Der „Circolo“ gründete auch Abendkurse für den Unterricht des, Hebräischen als lebendige Sprache, welche sich jetzt der größten Beliebtheit erfreuen und von Hunderten von Herren und Damen besucht werden. Ferner veranstaltet der „C i r co 1 o" Geldsammlungen für zionistische Institutionen; es werden zu diesem Zwecke von Zeit zu Zeit Festlichkeiten veranstaltet, die sehr besucht sind und gute Resultate erzielen. So sind in der letzten Zeit bei solchen Gelegenheiten ansehnliche Summen für den Jüdischen Nationalfonds, für die Jemenitensiedelung usvv. gesammelt worden. Ueberhaupt macht sich ein starker Zug nach Palästina bemerkbar und nicht wenige arbeiten auf die Uebersiedelung nach Erez-Israel hin. Einige kräftige, junge Leute sind bereits nach Palästina ausgewandert mit dem festen Entschluß, dort Erdarbeiter zu werden. Besondere Verdienste um diesen Umschwung zugunsten ries Zionismus haben sich unsere jungen Gesinnungsgenossen Elia Nhaisi, Nahum, M. Cohen u. a. erworben, die unermüdlich tätig sind, unserer Bewegung einen immer größeren Anhang zu werben. Wie ich erfahre, wird Tripolis bald einen neuen Oberrabbiner in der Person des Dr. Dario Disegni, dem jetzigen Oberrabbiner von Verona, erhalten. Dr. Disegni ist ein eitriger Zionist und hat in Verona sich um das national-jüdische Leben verdient gemacht. Es ist zu hoffen, daß er in seinem neuen Amte die guten Anlagen der tripolitanischen Jugend weiter entwickeln wird. Schweden Stockholm. Wir haben vorigen Sonntag eine Herzl-Feier veranstaltet, die einen würdigen Verlauf nahm. Zirka 50 Personen waren anwesend. Herr Joseph Nachemsohn, Kopenhagen, eröffnete mit einigen Worten die Feier. Darauf folgte das Mincha-Gebet, vorgetragen von Herrn A. Z. T a r s c h i s, „El-mole rachamim“ gesungen von Herrn Benkow. Die Festrede hielt Herr M. Tarschis in jiddischer Sprache über das Thema: „Dr. HerzI und sein Lebenswerk.“ Nach einem Appell des Nationalfonds-Kommissärs wurden Baumspenden für den Herzlwald gesammelt. Mit dem Gesang der „Hatikwah“ schloß die Gedenkfeier. Südafrika Pretoria. Vor kurzem wurde hier eine Loge des „Hebrew Order of Druids“ gegründet, die den Namen Otto Warburg- Loge erhalten soll. »MMMM»»» Literarisches Eine Schrift über die Vorgeschichte des Zionismus In einem schweizerischen Verlag wird demnächst eine interessante Schrift erscheinen: „Die Vorgeschichte des Zionismus“ von Dr. P. G o 1 d r i n g , Bern. Auf Grund reichhaltigen Quellenmaterials, das ihm zum Teil vom Odessaer Komitee der Chowewe-Zion zur Verfügung gestellt worden ist, schildert der Verfasser die Entwicklung der Zionsidee in den letzten Jahrzehnten vor Theodor Herzls Auftreten. Das Werk wird eine Lücke in unserer zionistischen Literatur ausfüllen. E. N. Frenk: ivV'23 'D’2 ’pV'S ‘H'rp Die Juden Polens zur Zeit der napoleonischen Kriege. Warschau 5674. (Hebräisch.) Die vorliegende Arbeit ist nur als Skizze zu betrachten, da sie bei weitem keine erschöpfende Darstellung dieser Zeitperiode bietet. Der Verfasser schildert, wie Napoleon es verstanden hat, die Juden für seine Zwecke zu benutzen. Für ihre guten Dienste sollte den Juden, die sich zu jener Zeit in einer trostlosen Lage befanden, die Emanzipation nach französischem Muster gewährt werden. In recht markanten Strichen führt uns der Verfasser die Lage der Juden und ihr Verhältnis zu den Emanzipationsbestrebungen der napoleonischen Regierung vor Augen. Dem größten Teile der jüdischen Volksmassen erschien die Emanzipation als eine neue „Gseirah“. Die orthodoxe und chassidische Judenheit trat energisch gegen die Emanzipation auf, die ihrer Meinung nach das Judentum zu erschüttern drohte. Sie setzte alle Hebel in Bewegung, um die „Gseirah“ zunichte zu machen, doch hatte sie damit zunächst wenig Erfolg. Aber nach kurzer Zeit änderte sich die Sachlage, denn der damalige Regent, der Sachsenkönig, erließ ein Dekret, daß die Juden von der Konstitution ausgeschlossen seien. Die Juden zogen diese Wiederherstellung des Status quo schon deswegen vor, weil sie dadurch vom Militärdienste, der sie in Kollision mit ihren religiösen Pflichten brachte, befreit wurden. Am 20. März 1812 überbrachten die Gemeindeältesten dem Kriegsminister Josef Poniatowski hierfür den Dank der Judenheit. An Stelle des Militärdienstes aber mußten die Juden nunmehr Spionendienste leisten. Von besonderem Interesse sind die chassidischen Erzählungen aus dieser Zeit, die uns die Stellung dieser Gruppe zu den damaligen Ereignissen klar zeigen. In diesen Erzählungen wird Napoleon meist als Retter der Juden gepriesen. Die 'Zaddikim sollen nach der Befreiung der Juden vom Militärdienste den Napoleon liebgewonnen und für seinen Sieg gebetet haben. Doch mit Napoleons veränderter Haltung gegenüber Polen änderte sich auch das Verhältnis der Zaddikim zu ihm. Alle und der „Maggid“ von Kozienice an ihrer Spitze wünschten von nun an Napoleons Untergang herbei. Ja, viele begannen offen für Rußland einzutreten. So heißt es in einem Briefe des „Raw“, Rabbi Schneur Salman aus Lady: „Wenn Bonaparte siegt, wird Israels Reichtum groß werden, aber Israels Herz wird sich von Gott abwenden; wenn dagegen Alexander siegt, wird Israels Armut größer werden, doch ihr Herz wird sich dem Dienste Gottes unterwerfen.“ Wenn auch das vorliegende Büchlein nicht allen wissenschaftlichen Anforderungen genügt und einen allzu feuilletonistischen Anstrich hat, so ist es doch schon um deswillen lesenswert, weil der Verfasser es verstanden hat, auf Grund der von ihm mitgeteilten chassidischen „Maasijoth“ ein interessantes Kulturbild der damaligen Judenheit zu entwerfen. Brody. " N. M. Gelber. Schluß des redaktionellen Teiles Bei der Administration „Die Welt*4 sind eingegangen: Für die Hebräische Universität: Dr. Gustav Hozez, Wien, auf Veranlassung Dr. Harryr Torczyners.M. 50.93 FQr das Mikrobiologische Institut: „Vergesse* nicht das Mikrobiologische Institut“ Siegnrand Eppler. Wien K.2.— Jt 1.68; Benno Lieh tenstern, Wien EL 2.— — •4t 1.68; Prof. Kellner, Wion K. L— ■ Jt —.84; Johann Kremenezky, Wien K. 10.— — Jt 8.40; Ing. Josef Seidener, Wien K. —.50 Jt —.42; Beinrieh Lederer, Wien BL —30 — Jt —42; Leo Weise, Wien KL. 1.— Jt —.84; Oswald Weiss, Wien K. 2.— --- Jt 1.68; Jalias Weiss, Wien EL I.— Jt —34; Dr. Elk&n Weiss, Wien BL 2.— — Jt 1.68; Emanuel Lockspeiser, Boryslaw K- L— — Jt —34; Kais. Kat Emil Broch, Tarno-w K. —.50 Jt —.42; Kais. Bat C. Hirsch, Wien K. 5.— — Jt 4.20; Heinrich Bard, Lemberg BL 6.— — Jt 5.04; Fischei Engelstein. Metz Jt —.50; Simon Gerstenhaber Jt —.80; Josef Frankel Jt —30; Jona Holdner Jt —.20; Isak Großmsnn Jt —26; Simon Than, Hetz JC —.25; Jacob L&mmle, Saarbrücken Jt —,25; Ed Putzrath, Breslau —,25; Max Schauder, Saarbrücken Jt. —,40