Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 28 (10.7.1914)
- Article
- Jüdischer Kulturfonds "Kedem"
- Date
- 1914-07-10
- Page
- 729 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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729 Nr. 28 - DlEg^ELT Berichtigung. Im Protokoll des XI. Kongresses, Seite 352, ist ein Fehler unterlaufen, den wir hiermit richtigstellen. Dort heißt es: „Es liegt eine Erklärung der Poale Zion und Zeire Zion vor, welche lautet (liest): „Die Vereinigte Fraktion der Poale Zion und Zeire Zion, denen insgesamt usw.“ Das ist nicht richtig. Die betr. Erklärung ist nicht durch die Poale Zion und Zeire Zion, sondern durch den Hapoel Hazair und die Zeire Zion abgegeben worden. Zionistische Propaganda in den böhmischen Bädern Zahlreiche Gesinnungsgenossen besuchen während der Badesaison die böhmischen Badeorte Karlsbad, Marienbad, Franzensbad, Johannisbad und Teplitz. Eine systematische zionistische Propaganda in diesen Badeorten müßte von großem Erfolge begleitet sein. Das Zionistische Zentralbureau bittet Gesinnungsgenossen, die sich für diese Propaganda zur Verfügung stellen wollen, ihre Adresse und die Zeit ihres Aufenthaltes im Bade dem Zionistischen Zentralbureau bekanntzugeben. Deutschland Berlin. Der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina versendet seinen 6. Jahresbericht, der ein Bild seiner Tätigkeit im Jahre 1913 gibt. Wir ersehen aus diesem Bericht, daß die Spitzenschulen des Verbandes im Frühjahr 1913 eine Krisis durchzumachen hatten, die sie jedoch gut überstanden haben. Der Absatz der Spitzen hat sich gegen Schluß des Jahres sehr gehoben, und die Aussichten für die Zukunft der Spitzenateliers scheinen somit günstige zu sein. Die Mädchenfarm in Kinereth ist im Laufe des vergangenen Jahres weiter ausgebaut worden. Eine zweite Lehrkraft wurde engagiert, die Milchwirtschaft wurde durch die Ortsgruppe Moskau erweitert, die Baumschule übernahm der Prager jüdische Frauenverein, der Haushaltungsunterricht wurde gefördert, eine Geflügelzucht angelegt. Zum ersten Male wurden Schülerinnen der Farm im Sommer 1913 entlassen und erhielten sofort Anstellung in den Kolonien, teils in Arbeiterküchen, teils übernahmen sie den Gemüsebau und die sonstigen weiblichen Arbeiten in der Landwirtschaft. Für das Krankenhaus in Haifa, dessen finanzielle Lage im letzten Jahre eine sehr traurige geworden war, da der Verband seine Subvention leider nicht erhöhen konnte, war der Besuch der Frau Baronin Rothschild in Palästina von großer Bedeutung. Frau Baronin Rothschild hat dem Spital eine jährliche Subvention von 6000 Frcs. zugesichert, außerdem Terrain- und Baukosten für ein eigenes Gebäude. Zwar ist das Budget des Krankenhauses dadurch noch nicht gesichert, immerhin ist seine Lage bedeutend gebessert, und wir dürfen hoffen, daß es nun der dortigen jüdischen Bevölkerung dauernd erhalten bleibt. — Am 13. Mai fand die Generalversammlung des Verbandes im Hause der Jüdischen Gemeinde zu Herlin statt. Die Generalversammlung beschloß, die Tätigkeit des Verbandes noch auf einen weiteren Zweig kultureller Arbeit auszudehnen, indem sie für die seit dem August 1913 in Jaffa eröffnete Kinderbewahranstalt, die den hebräischen Namen „Haomen“ führt und unter der ärztlichen Aufsicht von Frau Dr. Gutmann-Jaffa steht, eine Subvention bewilligte. So geht der Verband auf seinem Wege immer weiter und jedes neue Anwachsen seiner Mitglieder gibt ihm die Möglichkeit, sein Arbeitsfeld auszubauen und zu erweitern. Möge diese Erkenntnis alle diejenigen, die ihm noch bislang fernstehen, recht bald zu seinen Freunden und Förderern machen. Oesterreich Wiener Herzlfeiern a.— Die Wiener Zionisten begingen den zehnten Todestag Theodor Herzls durch Gedenkfeiern in allen Bezirken, in welchen Juden in größerer Zahl siedeln und durch einen großen Gedenkabend im Beethovensaale, der am 2. Juli stattfand. Nach einem eindrucksvollen Gesangsvortrage des neugegründeten jüdischen Männergesangvereins „H akinno r“, um dessen Zustandekommen und Gedeihen sich sein Dirigent, Herr Professor Wolf, ein großes Verdienst erworben hat, ergriff Adolf Stand das Wort zur Gedenkrede, in der er Herzl den Juden, Politiker und Menschen schilderte. Nach seinen Ausführungen, denen stürmischer Beifall folgte, sang der „Hakinnor“ die Hatikwah. Der jüdische Handlungsgehilfenverband being am 4. Juli eine solenne Gedenkversammlung. Herr Sam. traus sprach über das Thema: „Herzl, der Schöpfer des neuen Judentums und seine soziale Bedeutung für unsere Klasse.“ Hierauf folgten Vorlesungen aus Herzls Schriften. Die „Wiener zionistische Vereinigung“ veranstaltete eine Herzlfeier für die zionistische Jugend. Herr J. U. C. Glanz hielt die Festrede und Herr med. Schick rezitierte aus den Werken Herzls. Der Gang zum Grabe Herzls findet Sonntag, den 12. Juli, 9 Uhr früh, statt. Generalversammlung des Vereins „Haschachar“ Bielitz. Am 20. Juni fand unter zahlreicher Beteiligung die 17. Generalversammlung statt. Herr Obmann Wilhelm Sobel eröffnete mit einer hebräischen Ansprache den Abend und gab hierauf Herrn Dr. Wilhelm Wagner das Wort zum Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Jahr. Von größeren Veranstaltungen seien erwähnt: Das große Gartenfest, das im Verein mit den oberschlesischen Zionisten veranstaltet wurde, der Vortrag Dr. Levins und die Makkabäerfeier, bei der ein hebräisches Drama aufgeführt wurde. Bei den Kultuswahlen im Juni 1913 siegte unsere Liste mit bedeutender Majorität. Im abgelaufenen Jahre wurden der „jüdische Handlungsverein“, der „Zionistische Jugendklub“, der „Wanderbund Blau-Weiß“, der Sportklub „Hakoah“ und eine Ortsgruppe des „Frauenbundes für Kulturarbeit in Palästina“ gegründet, an deren Spitze bewährte Gesinnungsgenossen stehen. Für den Nationalfonds wurden im Vereinsjahre zirka 1600 Kr. und für das Schulwerk zirka 1400 Kr. gesammelt. Bei der hierauf vorgenommenen Neuwahl wurden die Herren: Wilhelm Sobel, Adolf Huppert, Artur Rabinowitz, Dr. Aschermann, Emil Feiner, Dr. Leo Zitrin, Dr. Allerhand und als Revisoren die Herren Salo Wechsberg und Karl Borger einstimmig in den Vorstand gewählt. Wien. Der Jüdische Turnverein Makkabi Wien X hat mit Zustimmung des Kreises West-Oesterreich der Jüdischen Turnerschaft die Aufgabe übernommen, das II. Kreisturnen in Brünn vom 21. Juni d. J. kinematographisch aufnehmen zu lassen. Der Film wird vom 1. Juli ab den einzelnen Vereinen auf Verlangen leihweise zur Verfügung gestellt. Anfragen wegen Verleihung des Films sind an den Obmann des Vereins Herrn S. Insel, Wien X, Südbahnviadukt, zu richten. Brünn. Die jüdisch-akademische Rede- und Lesehalle (im Kartell der Hallen Oesterreichs) hielt ihre Herzl-Gedenkfeier unter zahlreichem Zuspruch der hiesigen Studentenschaft am 25. Juni in ihrem Vereinslokale ab. Gand. mech. Chaim Grüns eit sprach über „Herzls Leben und Wirken“. Hieran schloß sich eine Vorlesung aus Herzls Schriften durch stud. arch. Edgar Perl. Dann hielt stud.-ing. Artur Grün einen Vortrag über: „Theodor Herzl und wir“, in welchem er die Wandlungen im Zionismus seit Herzls Zeit besprach. Nachdem eine Sammlung für den Herzlwald eingeleitet worden war, schloß die Feier mit dem Absingen der „Hatikwah“. Italien Zionistische Regungen in Tripolis I.— Aus T r i p o 1 i s, wo die Juden nach dem ersten Freiheitsrausche viele Verunglimpfungen zu ertragen hatten, kommen jetzt erfreuliche Nachrichten über verschiedene Versuche zur Reorganisierung und Belebung des Judentums in zionistischem Sinne. Diese Bestrebungen gehen von der jüdischen Jugend aus, die von den bestehenden Verhältnissen am wenigsten befriedigt ist. Tripolis, eine der größten und ältesten jüdischen Gemeinden Lybiens, hat im großen und ganzen ihre alte Organisation als autonome Körperschaft des Judentums bewahrt. Selbst das jüdische „Tribunal“ besteht noch, und seine Urteilssprüche und Entscheidungen sind für die Angehörigen der Gemeinde verbindlich. Die Juden sind den alten Sitten und Gebräuchen im allgemeinen treu geblieben. Der Durchschnitt ist aber ungebildet, da es an guten Schulen im modernen Sinne fehlt. Auch das Hebräische ist als Sprache vernachlässigt, obwohl es viele Kenner der rabbinischen Literatur gibt. Der Zionismus, der bisher unbekannt war, beginnt jetzt einzudringen. Die Jugendbewegung in Italien, die von zionistischem Geiste durchtränkt ist, hat einen starken Widerhall bei der jüdischen Jugend von Tripolis gefunden. Die Berührung der tripolitanischen Jugend mit der italienischen hat eine Erweiterung des jüdischen Horizontes zum Resultat gehabt: sie begann das moderne Judentum und seine Bestrebungen kennen zu lernen, und in ihr erwachte das Bedürfnis nach jüdisch-nationaler Betätigung. Nach dem Vorbild der italienischen Jugend wurde in Tripolis ein „Circolo di Cultura Ebraica“ gegründet, der die Aufgabe hat, unter