Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 28 (10.7.1914)
- Article
- Die jüdischen Ausgrabungen in Palästina vor der Académie des Inscriptions
- Date
- 1914-07-10
- Page
- 726 (sequence 2)
- Language
- German
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726 Nr. 28- DJE^qEELT Zeiten bereits stattgefundenen Verwüstungen übrig blieb. Er hat auch gleichfalls die Mauern der uralten Befestigung aufgefunden, welche die Schluchten der Peripherie schlossen, sowie das ganze hervorragend organisierte Verteidigungssystem'. Die Quelle, welche in ältester Zeit die Stadt mit Trinkwasser versorgte, und das System einfacher Wasserleitungen, welche über die Berge hinweg das Wasser in ein gegen Angriffe geschütztes Bassin leiteten, wurden auf weiten Strecken sondiert und aufgedeckt. Schließlich wurden noch wichtige Dokumente aus der römischen Epoche gefunden, u. a. die Weihinschrift einer Stiftung „für die Fremden“, die von einem gewissen Nathan um die Mitte des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung errichtet worden war und die eine Synagoge, eine Badeanstalt und einen Gasthof umfaßte. Diese Inschrift, die in griechischer Sprache abgefaßt ist, rief eine eingehende Diskussion hervor. Die Anti-Fremdenbewegung in Frankreich b. — Durch die bei den Kammerwahlen errungenen Erfolge ermutigt, beginnen die Pariser Antisemiten ihre Fremdenhetze mit verstärktem Eifer. Das Organ der Kaufleute des 4 ten Arrondissements kündigt offen an, daß diesmal der Kampf gegen die „Fremden“, d. h. die Juden, viel schärfer und energischer betrieben wird. In derselben Nummer veröffentlicht das Mitglied des Gemeinderates G a 11 i, dem das neugeschaffene Abgeordnetenmandat im 4. Kreis zugefallen ist, einen an den Polizeipräfekten gerichteten Brief, in welchem er ihn auf die organisierte Bettelei aufmerksam macht, die durch fremde Unternehmer geführt wird; dieselben brächten Kinder verschiedener Nationalitäten eigens nach Paris, um sie zum Betteln anzuhalten. Er fordert die Behörden auf, die bestehenden Vorschriften über die Begrenzung der Einwanderung einzuhalten. Herr Galli hat damit eine neue Parole in den Kampf gegen die Juden geworfen. Früher waren es die Unsauberkeit oder die Gefahr der Verbreitung ansteckender Krankheiten, welche die Juden zu unerwünschten Nachbarn machten. Jetzt ist es die Straßenbettelei, für die die Juden herhalten müssen. Wie wenn dieses ehrsame Gewerbe nicht unter den Franzosen selbst zu großer Blüte und Virtuosität gebracht worden wäre. Wie aber, wenn der Polizeipräfekt vor einiger Zeit bereits die Mahnungen des Herrn Galli befolgt und die Einwanderung einiger hundert Juden in das Stadthausviertel verhindert hätte? Herr Galli hätte dann auf seinen Abgeordnetensitz noch eine Weile warten können! Auch die Kammer hatte dieser Tage ihre Fremdendebatte. Ein Pariser Abgeordneter, Pugliesi-Conti, Redakteur des Hetzblattes „La Patrie“, hatte einen von der ganzen Rechten Unterzeichneten Antrag e'ngebracht, die ausländischen Arbeiter mit einer besonderen Steuer zu belegen. Die reaktionären Redner schilderten die Verdrängung der einheimischen Bevölkerung durch die „Fremden“ in den schwärzesten Farben; nachdrücklich wurde hingewiesen auf die ganzen Stadtviertel, in denen die französische Sprache einem germanischem Kauderwelsch Platz gemacht habe. Sämtliche linksstehenden Parteien sprachen sich gegen die Forderungen der Nationalisten aus, deren demagogischen Motive sie aufs schärfste geißelten. Der Antrag Pugliesi-Conti wurde mit großer Mehrheit sine die vertagt. Allerdings hatte die Regierung vorher versprochen, selbst die Frage eingehend zu studieren und an die Kammer mit einem entsprechenden Anträge heranzutreten. Der Ministerpräsident V i v i a n i hatte dem Antrag der Rechten keinen prinzipiellen Widerstand entgegengesetzt, sondern nur verlangt, nicht zu sofortigen Maßregeln gezwungen zu werden, die zu Repressalien des Auslandes führen könnten. Er kündigte den Zusammentritt einer interministeriellen Kommission an, welche über die Opportunität neuer Bestimmungen für die Einwanderung beraten wird. So werden wir vielleicht demnächst auch in Frankreich eine Gesetzesvorlage gegen die Einwanderung erleben. Bei der starken Majorität, welche die Linke besitzt, ist zu: hoffen, daß drakonische Maßregeln vermieden werden. Es muß aber mit dem Wunsche der Regierung und des Parlamentes gerechnet werden, den Pariser Massen trotz ihrer oppositionellen Haltung von Zeit zu Zeit einige Konzessionen zu machen, die diesmal dazu noch auf Kosten der Juden geschehen können. Wenn also günstigenfalls neue Erschwerungen vorderhand noch unterbleiben, ist als wahrscheinlich anzunehmen, daß die bestehenden Verordnungen strenger gehandhabt werden. Und so liberal im allgemeinen die französische Verwaltung ist, so unangenehm kann sie werden, wenn sie sich auf die Formalitäten versteift. Der „Jid in Paris“, der diese Fragen ständig mit Interesse und Verständnis behandelt, richtet einen Appell an die jüdische Bevölkerung, gemeinsam gegen die drohende Gefahr Front zu machen. Er ermahnt aber auch die eingewanderten Juden, die Auswüchse, die sich in der eng zusammengepferchten Kolonie ei^eben haben und die den Judenfeinden einen Anschein von Recht geben können, aufs energischste zu bekämpfen. Kleine Nachrichten b. — Am 9. und 10. Juni fand in Paris die Generalversammlung des französischen Rabbinerverbandes statt, die sehr gut besucht war. Es wurde beschlossen, einen Befähigungsnachweis für die Anstellung als Religionslehrer einzuführen. Das Lehr- und Prüfungsprogramm wurde festgesetzt. Diese Neuerung, die der Bestätigung des Zentralkonsistoriums bedarf, soll im Jahre 1017 in Kraft treten, i,— General Valabregue, bisher Kommandeur des 2. Armeekorps in Rouen, wurde zum Mitglied des Oberkriegsrates ernannt. Er ist der erste Jude, der in diese Körperschaft gelangt.; England Anwachsen der jüdischen Presse (Von unserem Berichterstatter.) X. Y. Z. — Eine der erfreulichsten Erscheinungen in der englischen Judenheit ist der Aufschwung der jüdischen Presse in den letzten Jahren und das geradezu rapide Wachsen der Presse in Whitechapel. Vor einem Jahre gab es in Whitechapel nur zwei jüdische Tageszeitungen, heute gibt es ihrer vier. Es ist schwer zu sagen, ob all diese Zeitungsunternehmungen rentabel sind, aber sie existieren und werden von den großen Massen gelesen. Es ist wichtig, festzustellen, daß all diese jiddischen Blätter in Whitechapel, die auch in der Provinz sehr verbreitet sind, entweder ausgesprochen zionistisch, wie etwa das „Jüdische Journal“ und der jüdische „Expreß“, oder radikal-nationalistisch, wie die Morgen- und Abendausgabe der „Zeit“ sind. Seitdem die „Jewish World“, einst das Organ einer kleinen Assimilantengruppe, in den Besitz der Gesellschaft der „Jewish Chronicle“ übergegangen ist, ist auch dieses gut geleitete jüdische Penny-Wochenblatt ein jüdischnationales Organ geworden, das natürlich mit dem Zionismus sympathisiert und über alle Erscheinungen in der zionistischen Welt ausführlich berichtet. Auch die „Jewish Review“, die alle .zwei Monate erscheint und von unseren Gesinnungsgenossen Herrn Dr. Hochmann und Norman Bentwitch geleitet wird, darf als gutes national-jüdisches Organ angesprochen werden. Das einzige offiziell zionistische Organ in England, die Monatsschrift „The Zionist“, welche von den Herren Sacher, Simon und Laindmann redigiert wird, nimmt eine erfreuliche Entwicklung, obgleich ihre Leserzahl vorläufig noch gering ist. Diese musterhaft redigierte Zeitschrift hätte ein großes Organ werden können, wenn der englische Zionismus einheitlich organisiert wäre; denn die sieben- bis achttausend englischen Zionisten bedürfen eines eigenen Organs, obgleich die anderen jüdischen Zeitungen und Zeitschriften im Lande pro-zionistisch sind.