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Die Welt · 1914-07-10 · 28 (10.7.1914) · p. 725

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
28 (10.7.1914)
Article
Joseph Chamberlain
Date
1914-07-10
Page
725 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 28 725 DIE^ELT nach seiner letzten Zusammenkunft mit Herzl sprach er von unserem Führer in Ausdrücken höchster Begeisterung. Sein Beileidstelegramm an das Actions-Comite anläßlich des Ablebens Theodor Herzls ist noch in unser aller Erinnerung. Die Stellung Chamberlains zu der damals in Vorbereitung befindlichen Alien Bill war eine sehr merkwürdige. Er persönlich war ein ausgesprochener Gegner der Alien Bill, alleiner glaubte seinen jüdischen Freunden raten zu sollen, die berüchtigte Bill nicht zu bekämpfen, weil eine allzu starke Opposition von jüdischer Seite gegen den Entwurf die latente antisemitische Bewegung noch verstärken würde. Wenn die Bill erst einmal Landesgesetz ist, würden auch die Agitatoren ihre Propaganda einstellen — so äußerte sich Chamberlain seinerzeit zu einem ihm befreundeten jüdischen Politiker. Im Grunde genommen hat Chamberlain recht behalten, denn die Alien Bill schadet nichts und nützt nichts, sie ist in keinem Falle danach angetan, einen Immigrationsstrom aufzuhalten. Wenn der englische Antisemitismus nicht erloschen ist, so hat dies nichts mit der Alien Bill und mit der Einwanderung der Juden nach England, die in den letzten Jahren ganz aufgehört hat, zu tun, sondern mit einer gewissen Sorte englischer Blätter, die im Grunde in Petersburg redigiert werden. Die von Rußland mit fetten Annoncen bedachte russophile Presse in England ist das Zentrum der antisemitischen Propaganda in England . . . Chamberlain war es gar nicht recht, daß England Rußlands offizieller Freund geworden war. Allein in den letzten acht Jahren hatte sich Chamberlain von aller politischen Arbeit zurückgezogen und konnte den neuen Gang der Dinge nicht aufhalten. Eine schwere Krankheit zwang ihn, sich aller politischen Betätigung zu enthalten. Jetzt hat ihn der Tod von seinem langen Siechtum befreit. Der Verstorbene hat ein Alter von 78 Jahren erreicht. Sein Sohn, Austen Chamberlain, gehört zu den drei bedeutendsten Führern der konservativen Partei und hat die beste Aussicht, mit der Bildung eines Kabinetts betraut zu werden, falls die nächsten Parlamentswahlen nicht zugunsten der Liberalen ausfallen. Da der Sohn in vielen Dingen seinem großen Vater gleicht, ist zu hoffen, daß er von ihm auch das aufrichtige Interesse für das jüdische Volk geerbt hat. Das Actions-Comite hat an den Rt. Hon. Austen Chamber- - lain, Birmingham, das folgende Kondolenzschreiben (in englischer Sprache) gerichtet: The Rt. Hon. Austen Chamberlain Highbury Moor Green Birmingham. Das Actions-Comite der Zionistischen Organisation hat mit tiefem Bedauern die Kunde vom Ableben Joseph Chamberlain’s, Ihres hochverehrten Herrn Vaters, vernommen und gestattet sich, Ihnen im Namen der Organisation sein innigstes Beileid zum Ausdruck zu bringen. Der große Sohn des großen Britenvolkes hat die Tragödie des seit fast zweitausend Jahren der eigenen Scholle entbehrenden Judenvolkes tief empfunden und mit dem Blicke des weitsehenden Staatsmannes das Grundübel unseres Leidens erfaßt. In einer der Kolonien des britischen Weltreiches wollte er uns zur Schaffung eines Volksasyls verhelfen. Dem jüdischen Volke konnte dies freilich das jüdische Land, an dem es vom Tage seiner Verbannung an mit unerschütterlicher Treue hängt, nicht ersetzen. Doch wird unser Volk den Namen Joseph Chamberlain’s dankbar in seine Annalen einzeichnen und dem großen Politiker und Menschen für immer ein treues Andenken bewahren. Das Actions-Comite der Zionistischen Organisation Prof. Otto Warburg. Dr. Echiel Tschlenow. Generalversammlung der Jewish Colonization Association Die Generalversammlung der Jewish Colonization Association fand am 28. Juni 1914 unter dem Vorsitz von Herrn Fr. Philippson, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Verwaltungsrats, statt. Anwesend waren die Herren L. Cohen, P. Errera, Herbert G. Lousada, Vertreter der Anglo Jewish Association, S. Reinach, C. Netter, Vertreter der Berliner Gemeinde, Fr. Philippson, Vertreter der Brüsseler Gemeinde, Dr. J. Blau, Vertreter der Gemeinde von Frankfurt a. M., Dr. A. Netter, Vertreter der Alliance Israelite Universelle, und Dr. J. Simon. Der Vorsitzende des Verwaltungsrats, Herr N. Leven, war am Erscheinen verhindert, ebenso Herr CI. G. Monte- Außerdem waren anwesend die Herren Direktoren S. Sonnenfeld, E. Meyerson und L. Oungre, der Sekretär Herr E. Schwarzfeld und die Herren W. Auerbach, H. Franck, E. Mayer und A. Schmoll. Nachdem der Vorsitzende die Beschlußfähigkeit der Versammlung festgestellt hatte, wurde das Protokoll der Versammlung vom 29. Juni 1913 für richtig anerkannt. Darauf ließ der Vorsitzende vom Bureau den Jahresbericht über die Tätigkeit der I. C. A. im Jahre 1913, die Bilanz des Rechnungsjahres und den Bericht des vereidigten Sachverständigen, der die Rechnungen geprüft hat, vorlegen. Diese Berichte wurden von der Generalversammlung genehmigt. Oesterreich Der Tod des österreichischen Thronfolgerpaares a.— Das furchtbare Schicksal des österreichischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Gemahlin, die in Sarajewo einem Mordanschlage zum Opfer fielen, hat die österreichischen Völker tief erschüttert. Die Judenheit des Reiches hat in ungezählten Manifestationen ihrer mitfühlenden Trauer Ausdruck gegeben. Die Zionisten der Residenz veranstalteten anläßlich der großen Herzlgedenkfeier im Beethovensaale eine Trauerkundgebung. Das Mitglied des Actions-Comites der zionistischen Partei Adolf Stand besprach tiefbewegt das schreckliche Ereignis. Das fluchwürdige Verbrechen habe in allen Teilen der Donaumonarchie das Entsetzen und die tiefste Entrüstung der jüdischen Untertanen hervorgerufen, die an dem Kaiserhause mit sprichwörtlicher Liebe hängen. Alle jüdischen Herzen bewege der heiße Wunsch, daß die Aeußerungen der Treue, Anhänglichkeit und mitfühlenden Trauer dem greisen, vielgeprüften Kaiser Franz Josef I. in diesen schweren Tagen neuerlicher harter Prüfungen Erleichterung schaffen mögen. Die Versammlung hörte die Trauerkundgebung stehend an. Frankreich Die jüdischen Ausgrabungen in Palästina vor der Acad€mie des Inscriptions (Von unserem Pariser Berichterstatter.) b. — In der letzten Sitzung der Academie des Inscriptions berichtete der Kapitän Raymond W e i 11 über die Ausgrabungen, die er im letzten Winter auf Rechnung des Barons Rothschild in Jerusalem vorgenommen hat. Seine Forschungen erstreckten sich auf das heute verlassene Terrain der Davidsstadt, der alten kanaanäischen Akropolis, die von dem israelitischen Eroberer, dem Begründer der Dynastie, erstürmt worden war und in deren Mauern er und seine Nachkommen begraben werden sollten. Weil! hat die alten Königsgräber aufgedeckt, oder vielmehr das, was von diesen Gräbern nach den in ältesten

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