Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 27 (3.7.1914)
- Article
- Ein lebendes Denkmal für Theodor Herzl
- Date
- 1914-07-03
- Page
- 707 (sequence 1)
- Language
- German
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DIE3§KLT ssIE^Sb! Der Jüdische Nationalfonds ist daxu bestimmt, in Palästina Grund, und Boden als unvtrövßerliches Eigentum des jüdischen Volkes xu enterben. Vom V. Zionistenkongreß im Jahre 1901 gestiftet, hat er bereits die Höhe von über 4 Millionen Mark erreicht. Briefe und sonstige Sendungen sind zu adressieren s Harrptburean des Jüdischen Nationalfonds z. H. des Herrn Justizrat Dr. M. J. Bodenheimer, Cöln, Hansahaus, Friesenplatz Ein lebendes Denkmal für Theodor Herzl Zehn Jahre sind am 20. Thamus dahingegangen, seit Theodor Herzl von uns ging. Die Zeit ist in die Vergangenheit gesunken. Herzl aber steht aufrecht in unserem Leben, in Grösse und in Schönheit. Sein sinnendes Auge ruht auf der Zukunft seines Volkes. Der ganzen Judenheit gehört sein Werk; nicht einer Partei. Er gab uns den neuen Mut zu dulden, zu hoffen und zu schaffen. Er gab uns die Würde wieder, die den Wert und die Verpflichtung eines grossen Erbes in sich trägt. Seiner Seele Adel adelte uns alle. Selbst die Widerstrebenden nennen ihn den Edlen. Für sein jüdisches Volk starb Herzl, um in ihm fortzuleben. Nicht als eine verblassende Erinnerung, nicht als mythische Gestalt, um die die Legende den Glorienschein aus Strahlen webt. Aus Verzweiflung und müder Resignation erlöste er den jüdischen Tatwillen: in diesem Willen lebt Herzl. Keine Nachrufe drum an seinem Todestages Aufrufe zur Tat sind seines Werkes würdig. Keine stumpfe Trauer: in dem Entschluss zu zukunftfrohem Schaffen soll sich sein Leben in uns erneuen. In der Feierlichkeit unserer Arbeit nur können wir Herzls Gedächtnis feiern. Dem lebenden Herzl haben wir ein Denkmal gesetzt in dem lebenden Walde. Im Herzl walde will sich unsere Dankbarkeit verewigen. In der Keimkraft des Baumes, die nur von Zukunft weiss. finden wir das Symbol der Keimkraft Herzischen Geistes. Wer von dem Genius Herzls nur einen Hauch verspürt hat, den werden am heutigen Tage Dankbarkeit und Treue verpflichten, mitzuhelfen, das Denkmal Herzls zu errichten, würdig des grossen Namens. Neunzigtausend Bäume sind gespendet worden. Das ist viel und doch viel zu wenig, gemessen an der Grösse Herzls. Sein Hochziel, dass das Land der Väter neu erblühen müsse, wird in der Anpflanzung von Bäumen in Erez Israel schöne Wirklichkeit. Sein Gedanke, dass ein Volk nicht durch Wohltätigkeit erhalten werden kann, wird siegreich in unserer Baumspende. Im Herzlwalde findet ein neues Geschlecht die Berührung mit der Erde, die Freude und das Wissen in ihrer Bearbeitung. Sein Ideal, dass es unwürdig sein muss, für die Werke der Gesittung zu betteln, reift zum Segen. Wenn die Bäume in unermüdlicher Gabenfreude zu ihrer Zeit ihre Früchte geben werden, Oel und Mandeln, Feigen und Pfirsiche, dann werden ihre Erträge Schulen und andere Kulturanstalten erhalten. Die Früchte des Landes werden seine Sendboten sein, und sie werden überallhin die Kunde bringen von Fleiss und ernstem Eifer und einer Erkenntnis, die weit in die Zukunft sah. Also wollen wir uns rüsten, den 20. Thamus (14. Juli) zu einem Werktag jüdischen Willens zu machen. Jeden Juden rufen wir auf, Herzls zu gedenken und sein Andenken zu feiern durch eine sinnvolle Tat. Setzen wir ihm ein Denkmal, das ein Denkstein unserer Liebe ist. Durch seine sittliche Schönheit hat er uns reich gemacht. Mehren wir diesen Reichtum durch die Freude am Opfer: Spende jeder Jude einen Baum! Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds.