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Die Welt · 1914-07-03 · 27 (3.7.1914) · p. 704

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
27 (3.7.1914)
Article
Die II. Konvention des jüdisch-nationalen Arbeiterverbandes in Amerika
Date
1914-07-03
Page
704 (sequence 1)
Language
German
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704 D!E3§BELT Nr. 27 Aus der poale-zionistischen Bewegung (Von unserem Berichterstatter.) Die II. Konvention des jüdisch-nationalen Arbeiterverbandes in Amerika Der „Jüdisch-nationale Arbeiterverband“, der von der amerikanischen Poale Zion gegründete und geführte Orden für Kranken- und Lebensversicherung und nationalproletarische Kulturarbeit, hielt vom 22. bis zum 26. April in New York seine zweite ordentliche Konvention ab, zu welcher 75 Delegierte aus allen Gegenden der Vereinigten Staaten und Kanadas erschienen waren. Dem von M. Braun erstatteten Tätigkeitsbericht der Generalexekutive entnehmen wir folgende interessante Etnzel- Der Verband zählt gegenwärtig 2500 Mitglieder in 65 Ortsvereinen, die über 40 Städte in 19 Staaten zerstreut sind, seit April 1913 sind 1300 Mitglieder neu beigetreten. In Anbetracht der Schwierigkeiten der Gründungsjahre, des Mangels an Erfahrung, der schweren ökonomischen Lage der jüdischen Arbeiter und im Vergleich mit dem Wachstum anderer Orden in den ersten Jahren nach der Gründung erscheint die Entwicklung des Verbandes als eine geradezu glänzende. Im Laufe des verflossenen Jahres ist die Legalisierung in den meisten Staaten endgültig durchgeführt und ein gut funktionierender Organisationsapparat eingerichtet worden. Die Summe der Versicherungsbeträge ist ungefähr 900000 Dollar. Doch der Verband beschränkt sich nicht auf reine Versicherungs- und Organisationsagenden, sondern entfaltet eine rege gesellschaftliche und kulturelle Tätigkeit. So nahm derselbe einen regen Anteil an der Protestbewegung gegen die immigrationsfeindliche Hetze, insbesondere gegen die bekannte Bournett-Bill, die das Erfordernis des Lesens und Schreibens einführen und politisch Verfolgte von der Einwanderung ausschließen will. Der Verband hat an alle jüdischen Orden einen Brief gerichtet mit der Aufforderung, sich an der Protestbewegung tatkräftig zu beteiligen, hat selber mehrere große Meetings eanberufen und an einer Konferenz von jüdischen Arbeitervorstehern teilgenommen, die außerdem von jüdischen Unions, der jüdisch-sozialistischen Föderation, den Poale Zion und dem Arbeiterring (einem großen 50 000 Mitglieder zählenden jüdischen Arbeiterorden) beschickt war. Diese Konferenz beschloß auf den Vorschlag der Vertreter des jüdisch-nationalen Arbeiterverbandes, für den Fall einer Enquete über die Immigrationsfrage eine jüdische Arbeiterdelegation zu entsenden, um die immigrationsfeindlichen Argumente der Amerikan Federation of labor zu widerlegen. Während des Beilis-Prozesses hat der Verband in Gemeinschaft mit den Poale Zion im ganzen Lande grandiose Protestversammlungen abgehalten. Der Verband nahm Anteil an der Protestbewegung gegen den Beschluß des Technikumkuratoriums in der Frage der Unterrichtssprache. Anläßlich des Todestages Herzls haben die Gruppen für den Herzlwald gesammelt und mehr als 100 Bäume gestiftet. Für den Palästinaarbeiterfonds wurden 750 Dollar gesammelt, für verschiedene Streiks etwa 1500 Dollar. Viel Segensreiches hat der Verband auf dem Gebiet der kulturellen Arbeit geleistet. Der größte Teil der im Lande existierenden national-radikalen Schulen wurde vom Verbände und den Poale Zion gegründet. Im letzten Jahre sind unter Mitwirkung des Verbandes zehn neue Schulen gegründet worden. Die Schulen haben unmittelbar vor der Verbandskonvention eine Konferenz abgehalten, die zur Gründung eines Schulverbandes geführt hat. (Darüber werden wir noch berichten.) Der Verband hat ferner eine Flugschrift in englischer und jüdischer Sprache herausgegeben, worin die Errichtung jüdisch-hebräischer Abteilungen in den öffentlichen Bibliotheken propagiert wird; er hat Kurse für Erwachsene - eröffnet und mit der Herausgabe einer Kinderliteratur in jüdischer Sprache begonnen, wofür er Anerkennungsschreiben von Perez und Dinessohn erhielt. Außerdem ist gemeinsam mit den Poale Zion ein Buch über das jüdische Erziehungsproblem herausgegeben worden, das viel zur Aufklärung und Propaganda beigetragen hat. Nach einem eingehenden Referate Dr. Syrkins über „Kooperative Arbeit“ wurde ein fünfgliedriges Komitee gewählt, daß den Plan für kooperative Tätigkeit des Verbandes studieren und im Falle eines positiven Resultates Shares ä 5 Dollar für die Mindestsumme von 1000 Dollar herausgeben soll. Die Art des Unternehmens wird erst dann bestimmt werden. Von den weiteren Beschlüssen erwähnen wir die Herausgabe eines dreimonatlichen Journals, die Gründung eines Bildungsfonds, die Besteuerung der Mitglieder mit 8 Cent pro Quartal (je 2 Cent für die national-radikale Schulbewegung, Palästinaarbeiterfonds, gewerkschaftliche Tätigkeit, Denver Sanatorium). Gegen die Anti-Immigrationsbewegung wurde eine scharfe Resolution angenommen und beschlossen, eine Konferenz aller jüdischen Gewerkschaften und Orden einzuberufen zum Zwecke der Gründung einer Arbeiter-Inunigrationsliga zum Kampfe für die freie Einwanderung. Protestresolutionen wurden ferner angenommen gegen den mexikanischen Krieg, gegen die Blutgreuel in Kolorado und gegen den polnischen Boykott, Sympathieresolutionen für den national-radikalen Schulverband, für den „Haschomer“. Eine Resolution begrüßt die jüdische Kolonisationsbewegung in Amerika und fordert die Genossen und Gruppen zur tatkräftigen Förderung derselben auf. Eine weitere Resolution wünscht die Gründung einer Palästina-Arbeiterfonds-Kommission aus 'Vertretern aller Organisationen, die für diesen Fonds tätig Der Palästina-Arbeiterfonds Dieser von. der II. Weltkonferenz ins Leben gerufene Fonds zur Förderung der proletarischen Palästinaarbeit leistet jetzt schon Bedeutendes. Er erhält das Jaffaer Informationsbureau, subventioniert Arbeiterinstitutionen, beteiligt sich an den Kautionen der Okkupationsgenossenschaften, die in der Erschließung des Bodens schon heute eine bedeutende Rolle spielen usw. Die Einnahmen des Fonds sind vorläufig noch verhältnismäßig klein. Nach dem soeben veröffentlichten Berichte sind in der Zeit vom 15. September 1913 bis 30. April 1914 eingegangen: Aus Oesterreich 1809,30 Kr., Amerika 1500 Kr., England 389,15 Kr., Rußland 154,62 Kr„ Westeuropa 160,98 Kr., Palästina 100 Kr., Diverse 234,76 Kr., zusammen 4349,31 Kr. Doch ist zu hoffen, daß die Eingänge bald in raschem Tempo wachsen werden. In Amerika hat die fetzte Konvention der Poale Zion beschlossen, in den nächsten zwei Jahren 25000 Kr. aufzubringen, in Oesterreich wird in manchen Orten die Arbeit soeben erst organisiert, in England, Rußland und Palästina sind erst jüngst Sammelstellen errichtet worden, die eine erfolgreiche Tätigkeit versprechen. Chasanowitsch in Galizien Der Sekretär des Wiener Verbandsbureaus, L. Chasanowitsch, hat am 13. d. Mts. eine große Organisations- und Propagandareise über Galizien und die Bukowina begonnen. Diese Tournee ist in erster Linie internen Organisationsfragendes Weltverbandes und der österreichischen Partei gewidmet, insbesondere der Gründung von Kulturkommissionen zur Unterstützung der Tätigkeit des Verbandsverlages „Neue Welt“ in Wien. Doch wird Chasanowitsch in einigen Städten auch in öffentlichen Versammlungen auftreten und Vorträge halten. Die Tournee wird ungefähr einen Monat dauern. Verlag „Neue Welt“ Der junge Verlag entwickelt sich gut Dieser Tage ist eine Broschüre Dr. Schillowskys: „Die Assimilation“ erschienen, der eine ganze Reihe weiterer Veröffentlichungen folgen werden. 888888888888888888888888 Erneuern Sie sofort Ihr Abonnement, da Sie sonst keine Garantie für die pünktliche Zustellung der Nummern in diesem Quartal haben. Oberweisen Sie den Abonnementsbetrag (aus Deutschland and Oeste eich-Ungara) kostenlos mittels Postscheck, ans allen übrigen Ländern per Postanweisung* Schedes auf europäische Banken oder in Briefmarken. Verlag „Die Welt“ BERLIN W 15, Sächsische Str. 8. 888888888888888888888888

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