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Die Welt · 1914-07-03 · 27 (3.7.1914) · p. 701

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
27 (3.7.1914)
Article
Von der arabischen Presse
Date
1914-07-03
Page
701 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 27 701 jüdische Tugenden. Nach den Darstellungen der arabischen Presse sind wir Juden ein Mustervolk in bezug auf Solidarität, Einmütigkeit, Bildung, Opfersinn, Reichtum, Treue usw. Nur folgt dann die Schlußfolgerung, daß die Araber Palästinas und Syriens sich vor so einem tüchtigen, mit materiellen und kulturellen Gütern reich gesegneten Volke in Acht nehmen müssen, und infolgedessen die Warnung, daß die treuen Araber dem zionistischen. Teufel auch nicht einen Finger reichen sollen, da er gar bald die ganze Hand wird haben wollen. Es folgt fast in jedem Artikel die stereotype Aufforderung, es den tüchtigen und achtenswerten Zionisten gleich zu tun und das Land aus eigener Initiative dem Fortschritt entgegen zu führen. Man kann nicht behaupten, daß besondere Handlungen der letzten Zeit seitens der jüdischen Bevölkerung diesen Wandel herbeigeführt haben. Es liegt in erster Reihe einfach der Umstand vor, daß sich eine Anzahl arabischer Journalisten, in den letzten Jahren intensiv mit den Fragen der jüdischen Kolonisation befaßt hat. Während wir vor Jahren unsere Not damit hatten, unsinnige Uebertreibungen und falsche Darstellungen, die einfach aus Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse sich in der arabischen Presse breit machten, zu widerlegen, ist das heute zum großen Teil nicht mehr nötig, da eine bessere Kenntnis und auch eine richtigere Schätzung unseres Könnens Platz gegriffen hat. Man spricht noch immer von der ^zionistischen Gefahr", aber zugleich ist jetzt viel im arabischen Blätterwald von einer „Verständigung" die Rede. Besonders die ernsten Elemente sind jetzt für eine Verständigung zwischen Arabern und Zionisten. Sie erkennen und geben zu, daß das palästinensische Arabertum an sich doch zu schwach und zu arm in jeder Beziehung ist, um aus eigener Kraft sich aus der jetzigen Stagnation und Unkultur erheben zu können. Sie sind auch weitsichtig genug zu erkennen, welche Vorteile für Palästina im besondern und für das türkische Reich hn allgemeinen sich ergeben müssen, wenn Juden und Araber sich gemeinsam und friedlich nebeneinander der wirtschaftlichen und kulturellen Erschließung widmen werden. Daß auch für uns ein großer Teil der Schwierigkeiten und Hindernisse dadurch wegfallen würde, braucht wohl nicht erst betont zu werden. Besonders wird die Idee der Verständigung von dem „Mukattam“ in Kairo vertreten. Diese anerkannt vornehmste arabische Zeitung hielt sich all die Jahre von der judenfeindlichen Strömung fern. In der letzten Zeit mußte sie aber ihre Spalten einer Diskussion der zionistischen Frage öffnen. Zum Schlüsse kam dann einstimmig von jüdischer und arabischer Seite ein Vorschlag, wonach eine arabisch-zionistische Konferenz einberufen werden soll, in welcher über all die Fragen, die das friedliche Zusammenarbeiten beider Nationen betreffen, offen und ehrlich verhandelt werden soll. Nach Bekanntgabe dieses Vorschlages erklärte die Redaktion des „Mukattam", daß nun die Diskussion geschlossen und die Situation genügend geklärt sei und sie deshalb bis zur Abhaltung der in Rede stehenden Konferenz nichts mehr weder für noch gegen den Zionismus veröffentlichen wird. Schon diese Erklärung ist ein deutlicher Beweis dafür, mit welchem Interesse man in ernstlichen arabischen Kreisen einer Aussprache zwischen Juden und Arabern entgegensieht. Es muß leider konstatiert werden, daß man in den jüdischen Kreisen Palästinas dieser Erscheinung bis jetzt nicht die nötige Aufmerksamkeit entgegengebracht hat. Auch die hebräische Presse Palästinas ist von Schuld nicht freizusprechen. Während sie sich sozusagen mit jeder Bagatelle in unserem Leben der „Kehilla" bis zum Ueberdruß befaßt, schließt sie die Augen vor den Vorgängen in der politischen Umwelt. Eine Ausnahme allerdings bildet die „Hacherut", die ab und zu Auszüge aus der arabischen Presse bringt. In letzter Zeit hat sich sogar in Jaffa ein sephardischer Verein „Agudath Hainagen" von Männern gebildet, die des Arabischen kundig sind und die sich das eingehende Studium unserer arabischen Frage zur Aufgabe gestellt haben. Allein all dies sind nur geringe Ansätze. Der Emst dieses Problems verdient es, daß auch unsererseits die führenden Männer zu einer programmatischen Stellungnahme kommen und für das aufzustellende Programm, welches nur auf der Basis des Friedens und gegenseitiger Achtung ausgearbeitet werden kann, unerschrocken hüben und drüben kämpfen. Ein so schwerwiegendes Problem wie das Zusammenarbeiten zweier, wenn auch in noch so vielen Beziehungen verwandter Nationen, kann nur von den Einsichtigsten gelöst werden, diese aber müssen den Mut ihrer Ueberzeugung haben, sie müssen der Masse ihre Meinung diktieren und nicht umgekehrt, sich von der Masse ins Schlepptau nehmen lassen. Um so erfreulicher ist es, daß die leitenden Kreise unserer Bewegung sich der Wichtigkeit der Frage voll bewußt sind und das Nötige tun werden, um zu einer Verständigung mit den Arabern, welche in unserem Interesse, ebenso wie im Interesse der arabischen Bevölkerung, wie der türkischen Regierung liegt, zu gelangen. WELTCHRONIK Der Orden Bnei Brith im Orient (Von unserem Konstantinopeler Berichterstatter.) 1. — Kürzlich fand hier eine Tagung statt, die durch ihre Form wie durch ihre Debatten und Beschlüsse als erfreuliches Zeichen dafür angesehen werden kann, daß man bei zielbewußter Arbeit das jüdische Interesse und das jüdische Gefühl im orientalischen Judentum sehr wohl zu entwickeln vermag. Wir sprechen von der Sitzung der Großloge des Ordens Bnei Brith, welche sich zu einem kleinen jüdischen Kongreß auswuchs und hoffentlich der Beginn werterer energischer Arbeit zum Wöhle des orientalischen Judentumes sein wird. Außer den Delegierten der Konstantinopelloge des Ordens nahmen zahlreiche Vertreter der Logen aus den Batkan- Iändera, aus Kleinasien und Palästina an den Verhandlungen teil. Die Debatten und Beschlüsse konnten naturgemäß der Oeffentlichkeit nicht zugänglich gemacht werden, doch darf man sagen, daß die Tagung über den Kreis der Teilnehmer hinaus lebhaftes Interesse fand und jedenfalls der so sehr notwendigen Stärkung des jüdischen Solidaritätsgefühles die besten Dienste leistete. Der amerikanische Botschafter, Herr Morgenthau, empfing eine Abordnung der Großloge in seiner Sommerresidenz am Bosporus. Auch nahm er an dem großen Bankett teil, das den Abschluß der Tagung bildete, und hielt dabei eine Rede, in der er aufs neue sein starkes Interesse für die Entwicklung des jüdischen Elements in der Türkei und in Palästina zu erkennen gab. Unter der glänzenden Leitung des Herrn Niego hat die Konstantinopeler Loge wie die Großloge für den Orient in der kurzen Zeit ihres Bestehens schon ausgezeichnetes geleistet. Hier, wo man von moderner jüdischer Arbeit bisher kaum etwas wahrnehmen konnte, ist zum ersten Male durch die Loge der Versuch gemacht worden, Juden aller Richtungen zusammenzuschließen und in positiver Arbeit dauernd zusammengehalten. Das ist kein geringes Verdienst und muß freudig anerkannt werden. 9904831589124628144270421704

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