Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 27 (3.7.1914)
- Article
- Leitsätze für die hebräische Realschule in Haifa
- Date
- 1914-07-03
- Page
- 700 (sequence 2)
- Language
- German
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700 Nr. 27 Gewandtheit der Hand, technisches Können, Präzision der Arbeit anerziehen. Zeichensaal und Werkstätte sind für uns unentbehrlich wichtige Lehr- und Erziehungsstätten. Geleitet werden sollen sie von einer selbständigen Künstlerpersönlichkeit. von der die Freude an der Handbetätigung als lebendiger Faktor auf die Schüler übergeht und die ihnen ein Wegweiser auf dem Weg der Geschmacksbildung sein soll. Aber auch keinen Sachunterricht wollen wir gemäß der alten Kerschensteinerschen Forderung erteilen ohne Zeichnen, wollen Formen und Bilden in Plastilin und Ton, Basteln in Pappe und leichtem Holz in alle die Lerngebiete einführen, wo sie der Klärung der Vorstellungen und der Festigung der Kenntnis dienen können. Neben das oft allzu fremde Wort setzen wir als zweites Ausdrucksmittel die zu steter Anteilnahme zwingende Betätigung mit der Hand. So bekommen wir ein wichtiges Hilfsmittel mehr, aus unserer Schule eine Arbeitsschule zu machen. Was verstehen wir unter der Arbeitsschule? Wie alle Kinder sollen auch unsere Kinder etwas wissen und was sie wissen, als stets gegenwärtigen Besitz haben. Aber sie sollen es lebend ergreifen lernen, picht Fertiges von uns hinnehmen, sondern bei der Aufnahme und Aneignung lebendig mitwirken. Wie wir das Gewordene nie ohne das Werden zeigen, so sollen unsere Kinder unter ihrer Hand und aus ihrem Mund die Dinge werden lassen, sollen Begriffe und Kenntnisse entstehen, aus ihrer geistigen und körperlichen Arbeit herauswachsen lassen. Wievieles wird sich so überhaupt erst zur klaren Aneignung bringen lassen, für wievieles die sonst so mühselige Drillarbeit bei der Einprägung erspart werden. Wie selbstverständlich müssen so unsere Schüler am Unterricht anteilnehmen, die oft, viel öfter als wir es glaubten, vor unserm noch so nachdrücklichen Wort entwichen.- Arbeitsplätze soll unsere Schule enthalten; Arbeitsplätze auch für geistige Arbeit, Arbeiter, fleißig schaffende Arbeiter soll sie aufweisen, nicht Konsumenten fertig überlieferter geistiger Werte. Darum fordern wir (die Arbeits- Und wenn sie irgendwo gefordert werden muß, so muß sie von uns gefordert werden. Wir müssen, soll unsere Arbeit für das Land von Nutzen sein, zu Ordnung und Präzision der Arbeit erziehen. Wollen wir bei dieser Arbeit nicht in einer Flut von doch nicht durchgeführten Reglements ersticken, so gibt es für uns keinen anderen Weg. In der Arbeitsschule wird Ordnung und Gewissenhaftigkeit zur Lebensgewohnheit; sie ist eben, das macht sie für uns so wertvoll, Erziehungsschule. Und sie muß ja so .weittragend erziehlich wirken. Durch die Art ihrer Arbeit schafft sie klare und selbständige Menschen, und sie erzieht in konsequenter Methodik durch stete praktische Betätigung den Willen. Als etwas Selbstverständliches betrachtet sie die Selbstregierung der Schüler, denn hier wo die praktische Arbeit die ßchüler in immer neu sich bildende Arbeitsgemeinschaften einordnet, kann die Schule der Mitregierung der Schüler nicht entraten. Wieviel Kameradschaftsgefühl und wieviel Gemeinsinn muß aber diese Gemeinschaftsarbeit aus sich erzeugen, wieviel Selbstdiszipliniertheit erfordert sie von einem jeden. So soll uns die Arbeitsschule „klare, selbständige, willensstarke, uneigennützige“ Menschen erziehen, Menschen, die es gelernt haben, dem Ganzen sich einzuordnen, der Gemeinschaft sich ganz hinzugeben. So hoffen wir hier Menschen zu schaffen, die für die künftige Gestaltung unserer Arbeit hier im Lande gut vorbereitet sind. Männer der Tat, denen jedes Wort zur Tat werden muß, weil sie „kein Wort ohne Tat kannten“. 1 Daß wir der körperlichen Erziehung großes Gewicht beilegen müssen, ergibt dieses Programm von selbst. Wir brauchen auch körperlich gut disziplinierte und durchgebildete Menschen, und wir hoffen auch von dieser körperlichen Erziehung neue Wege zur Ausbildung von kameradschaftlichem Sinn, Gemeinschaftsgefühl, Fähigkeit zur Selbstregierung. Turnen und Sport, vor allem aber das Wandern, sollen uns selbständige, Willensstärke, uneigennützige Menschen erziehen helfen. Noch eines Faktors muß Erwähnung getan werden, auch wenn wir auf ihn heute nur als auf einen zukünftigen hinweisen können. Hier aber liegt einer der Kernpunkte unseres Programms, das ohne seine Erwähnung recht unvollkommen erscheinen müßte. Im Zusammenhang mit der Schule soll schon jetzt eine Pension stehen, und wir werden, wenn sie geschaffen, verlangen müssen, daß möglichst alle Kinder, zum mindesten, die vom Ausland, hier ihre Wohnung und .— ihre Heimat finden. Wollen wir mit unserer Arbeit nicht nur Kenntnisse vermitteln, sondern Menschen bilden, so dürfen wir nicht darauf verzichten, alle diese Kinder unter unserer intimen Obhut und Pflege zu wissen. Eine Anzahl Lehrer werden in dieser Anstalt wohnen müssen, um im intimen Zusammenleben mit den Kindern ihrer menschlichen Entwicklung die Wege weisen zu können, die sie dem Erziehungsziel der Schule zuführen. So hoffen wir, wird sich, wieder entstanden aus der Zusammenarbeit von Lehrern und Schülern, und wie wir hoffen, so manchen anderen Freundes, der sich dieser Arbeit in Treue zugesellt, langsam neben die Schule die ihrer würdige Erziehungsstätte stellen. Es werden von hieraus, zu Reinheit und Uneigennützigkeit erzogen, Menschen ausgehen, deren Wirkung in der künftigen Entwicklung unseres Landes sich geltend machen wird. Denn das bleibt ja doch das Entscheidende, und das stehe hier am Ende dieser rein sachlichen Ausführungen, als Bekenntnis und als Gelöbnis zugleich für alle, die an unserer jungen Gründung mitarbeiten: „Wir wollen nicht eine neue Stätte zum Erwerb von Berechtigung für akademisches oder technisches Studium sein, wir kennen nur einen Sinn und ein Ziel für unsere Arbeit, neue Helfer für die Erlösung unseres Landes und die Befreiung unseres Volkes zu schaffen. Hierfür wollen wir unsere Jungens tüchtig, hierfür bereit machen. Vom kleinsten bis zum größten werden sie lebendig das Gefühl in sich tragen, daß sie Zukunftsmenschen sind, Menschen künftiger jüdischer Herrlichkeit. Das soll sie stacheln, das soll «sie erziehen, das soll sie reifen lassen zu „klaren, selbständigen, willensstarken, uneigennützigen Menschen“. Von der arabischen Presse (Von unseren* Berichterstatter.) Dem aufmerksamen Beobachter der arabischen Presse kann es nicht entgehen, daß eine gewisse Verschärfung im Verhalten dieser Presse gegenüber der zionistischen Arbeit in Palästina eingetreten ist. Nicht, daß die Tonart an sich schärfer geworden ist. Im Gegenteil: Es gab früher viel schärfere Ausfälle und gehässigere Artikel gegen die Juden und die jüdische Arbeit in Palästina. Namentlich der „Karmel“ in Haifa, der „Muktabes“ in Damaskus und so 'manche arabische Zeitung, in Beirut konnten sich früher in Haßartikeln und Verleumdungen nicht genugtun. Gegenüber den früheren journalistischen Produktionen dieser Presse ist heute eher eine gewisse Mäßigung im Tone zu konstatieren. Bedenklich ist aber, daß die Zahl der arabischen Zeitungen, die im allgemeinen eine ablehnende Haltung gegen uns einnehmen, sich sehr stark vergrößert hat. Während früher die judenfeindlichen Zeitungen in arabischer Sprache die Ausnahme von der Regel bildeten, ist es heute das Umgekehrte. In einem Punkte unterscheidet sich die feindliche Haltung der arabischen Presse von ähnlichen Erscheinungen in Europa. Während man draußen den antisemitischen Standpunkt mit der sogenannten jüdischen Inferiorität begründet und uns alle möglichen Laster und Gemeinheiten andichtet, ist hier das Gegenteil der Fall. Die arabische Presse Syriens und neuerdings auch zum großen Teil Aegyptens zerfließt in Lobeshymnen auf