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Die Welt · 1914-07-03 · 27 (3.7.1914) · p. 663

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
27 (3.7.1914)
Article
Theodor Herzls "Einfälle zum Judenstaat"
Date
1914-07-03
Page
663 (sequence 4)
Language
German
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Nr. 27 663 DIE3&ELT Für Geld darf bei uns weder Adel noch Orden zu haben sein. Ich werde die bis zur Reichsgründung anderwärts erworbenen ohne Rücksicht auf ihre Erlangung nostrifidren. Später nur mehr die auch anderwärts auf wirklich adelswürdige Weise. Ein Jude wird sich nicht das portugiesische Marquisat kaufen und bei uns nostrifidren können. Aber wenn er in Portugal für glänzende Thaten (die ja auch auf uns zurückstrahlen) geadelt wird, erkenne ich ihn daheim an. Immer wird das vom Adelsamt genau zu prüfen sein, individualisieren. 17. Herrenhaus f. Adel aber nichts erblich. Eine Würdigkeitssichtung muß vorhergehen. Das muß ich noch vertiefen, wie ich den albernen Erben anderer Länder vorbeuge. 18. 11. VI. Die „vergessenen Mädchen“ werden für .Kindergärten, Pflege von Arbeiterwaisen etc. verwendet. Aus diesen von Freiern vergessenen Mädchen bilde ich das Corps der Gouvernanten für die Armen. Sie bekommen Staatswohnung, genießen Ehren (gleichwie jeder Gentleman zuvorkommend gegen Gouvernanten ist) und werden schließlich pensioniert. Aber sie können ebenso hierarchisch aufsteigen wie Männer. Sittliche Aufführung Bedingung. Der Leiter des Personalamts wird dadurch eine wichtige Person. Ich muß dafür einen milden gerechten weltkundigen älteren Mann nehmen und ihn beständig überwachen, denn seine Fehler können viel Schaden stiften, Unzufriedenheit und Erbitterung hervorrufen. Ich will aber ein glückliches Volk haben. 19. Hazardspiele werden nicht geduldet. Meine Beamten dürfen überhaupt nicht spielen. Denn diese Ableitung der Intelligenz ist nicht mehr nötig. Wir brauchen und verwenden alle Geisteskräfte. Die Abenteurerlust, die sich im Spiel auslebt, soll vielmehr den Boden unserer neuen Erde düngen. Ich selbst war als Jüngling ein Spieler — gleich Lessing und Laube und vielen Anderen, die später doch ordentliche Männer geworden sind — aber ich war es nur, weil mein Thatendrang keinen Abfluß hatte. Dies werde ich zuerst als milde Ermahnung den Spielern sagen. Wer aber nicht folgt, den verstoße ich aus meinem Dienst. Spielen dürfen nur Kinder und Alte. Das Spiel der Kinder muß aber der körperlichen Ausbildung dienen: Lauf- und Ballspiele, für Jünglinge Cricket, für Mädchen Tennis. Die ruhigen Spiele müssen dazu dienen, die spätere Entwicklung des Geistes vorzubereiten. Zeichnen, Malen, Lesen von sinnvollen Märchen, Bauspiele für Uebung der Kombinationslust u. dgl. Die Alten dürfen Karten spielen, auch nicht Hazard, weil sie den Zuschauern Lust machen könnten, und weil sich das für Patriarchen nicht ziemt. Ich will aber die Familie patriarchalisch haben. Allerdings werde ich vornehme Spielcercles dulden, aber Mitglieder nicht unter vierzig Jahren, und hohe Spielkartensteuer für Staatseinkünfte. 20. 14. VI. Unsere ganze Jugend, alle, die jetzt zwischen 20 und 30 Jahre alt sind, werden von unklaren sozialistischen Richtungen ab- und mir zufallen. Sie werden als Wanderprediger in ihre Familien und ins Land hinausgehen — ohne daß ich sie noch aufzufordern brauche. Für sie ist ja das Land! DIE BRIEFE HERZLS Von Dr. Adolf Friedemann Die Arbeiten an meiner Herzl-Biographie haben mir zum Bewußtsein gebracht, ein wie überaus großes Kontingent von Briefen unseres großen Toten vorhanden ist. Zerstreut in der Welt, befinden sich diese Aeußerungen seiner Empfindungen, seiner schriftstellerischen und politischen Tätigkeit in den Händen von Personen der mannigfaltigsten Kreise. Herzl hat außerordentlich viel geschrieben. Er selbst sagt in einem Schreiben an einen seiner Vertrauten: „Die geheimen Briefe an sich sind schon Viermännerarbeit.“ Und wirklich wuchs seine Korrespondenz mit jedem Jahre seines Lebens mehr ins Ungemessene. Dazu kam, daß er seine Geschäfte, sobald sie irgendwie von Wichtigkeit waren, gern selbst erledigte und nicht Dritten überließ. Alles, was ihn bewegte und was er empfand, kommt Ln seinen Briefen zum Ausdruck, und oft fragt man sich erstaunt, wie es möglich gewesen ist, daß der so unendlich durch Geschäfte aller Art in Anspruch genommene Mann alle diese Briefe selbst verfaßte. In den ersten Jahren seiner politischen Tätigkeit hat Herzl — wie selbstverständlich auch stets früher — alle seine Briefe selbst geschrieben. Mit der zunehmenden Arbeit gewöhnte er sich mehr und mehr ans Diktieren, und leider sind sehr viele Briefe, die diktiert waren, von den Empfängern als weniger wertvoll vernichtet worden. Das war um so mehr unrecht, als auch die diktierten Briefe, soweit sie erhalten sind, uns zeigen, daß sie keineswegs nur dem reinen Geschäftsverkehr dienten. Vielmehr finden sich gerade in ihnen oft die interessantesten Stellen, besonders innerpolitischer Art. Die ganz wichtigen Briefe schrieb Herzl auch später selbst, meist in ein Durchschreibebuch, so daß wenigstens die Kopien erhalten sind. Leider ist das Papier der Originalbriefe fast durchweg nicht holzfrei und reißt überdies so leicht, daß sich ein großer Teil der Schriftstücke in einem traurigen Zustand befindet. Ich habe deshalb angeregt, man möge die Originale sammeln und durch die heute in so reicher Weise zur Verfügung stehenden Konservierungsmittel der Nachwelt erhalten. Ueberhaupt wäre es außerordentlich wünschenswert, wenn sich ein Kuratorium mit festem Statut bildete, das die Verwaltung des gesamten Herzl-Nachlasses innerhalb des Nationalfonds übernehmen und einen besonderen Beamten mit der Verwaltung von Herzls Nachlaß betrauen würde. Zunächst beabsichtige ich, meine biographischen Arbeiten in der Richtung fortzusetzen, daß ich die Briefe Herzls aus aller Welt sammele und Kopien derselben entnehme. Da zunächst ja die Originale infolge des Nichtbestehens einer Verwaltungskommission für den Herzl-Nachlaß zurückgegeben werden müssen, wird wenigstens auf diese Weise eine reichhaltige Sammlung der Briefe Herzls Zusammenkommen. Viele Briefe Herzls eignen sich heute noch nicht zur Veröffentlichung für das breitere Publikum. Herzl war eine sehr impulsive Natur und hat oft in seinen Briefen über Lebende oder kürzlich erst Verstorbene, Zionisten

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