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Die Welt · 1914-06-26 · 26 (26.6.1914) · p. 632

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
26 (26.6.1914)
Article
Auswanderung von Saloniker Juden nach Sofia [Nachricht]
Date
1914-06-26
Page
632 (sequence 2)
Language
German
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632 DIEX&ELT Nr. 26 Geschäftshäuser und Wohnungen mieten sollen. Infolgedessen sind die Mieten in Sofia in den letzten Tagen erheblich gestiegen. Ein jüdischer Ober-Staatsanwalt Isaac Effendi Ferrara, ein jüdischer Jurist, der seine Studien auf Kosten der türkischen Regierung in Paris vollendet hat, ist zum Ober-Staatsanwalt am Kassations-Gericht in Konstantinopel ernannt worden. Amerika Ankunft von Ernesto Nathan In Amerika Emesto Nathan, der frühere Bürgermeister von Rom, ist aus Neapel in New York angekommen. Ira Nelson Morris begrüßte Mr. Nathan im Namen des Präsidenten Wilson, ein Komitee des Ordens B’nai B’rith und Philipp Cowen im Namen der amerikanischen Juden. Eine Einladung des Ordens, einem Empfang, der ihm zu Ehren veranstaltet werden sollte, beizuwohnen, mußte er ablehnen, da er sofort nach dem Westen Weiterreisen müsse und nur für wenige Tage nach New York zurückkehre. Canada Neue zionistische Gesellschaften in Canada Die letzten Berichte zeigen, daß die Zionisten in Canada eine sehr erfolgreiche Propaganda betreiben. Dr. John Sliaynes Reise nach dem Westen ist ein großer Erfolg gewesen, allein daraufhin wurden 3000 Dollar gesammelt. Besonders hohe Beiträge hat jedoch der Landfonds, der für eine zweite kanadische Kolonie in Palästina bestimmt ist, bekommen, so daß zu erwarten steht, daß der erforderliche Betrag für diese Kolonie in Höhe von 10 000 Dollar bis zur nächsten Konvention gesammelt sein wird. PALÄSTINA-RUNDSCHAU ■BllllBiiB Von unserem Schulwerk (Von unserem Berichterstatter.) Die Schaffung des neuen, zionistischen Schulwerkes in Palästina hat eine Reihe von pädagogischen und verwaltungstechnischen Fragen hervorgerufen. Das Schulwerk umfaßt städtische und ländliche Schulen, Volks- und Mittelschulen, Schulen strengreligiöser und freier Richtung. Bezüglich der Verwaltung untersteht eine Reihe von Schulen dem Odessaer Komitee der russischen Chowewe - Zion. In mehreren Kolonien werden die Schulen ganz oder teilweise von der J. C. A. unterhalten, die aber die innere Ausgestaltung der Schulen im allgemeinen den Lehrern überläßt. Es sei übrigens bemerkt, daß die J. C. A. mit dem Schulwesen in Palästina so zufrieden ist, daß sie sich neulich bei der Versetzung eines ihres höheren Beamten, des Herrn Starkmet, von Palästina nach Argentinien von palästinensischen Lehrern ein Programm für ihre argentinischen Schulen ausarbeiten ließ. — Eine besondere Stellung im hebräischen Schulwesen nehmen die beiden Gymnasien in Jerusalem und Jaffa, die landwirtschaftliche Mittelschule in Pethach-Tikwah und die Musikschulen ein, die in der Verwaltung ihrer Angelegenheiten fast ganz selbständig sind. In der Regel werden diese Schulen in finanzieller Hinsicht von einem „Waad-Hamfakeach“ (Verwaltungsvorstand) verwaltet, während die pädagogischen Fragen vom Lehrerkollegium entschieden werden. Meistens aber sitzen die Vertreter der Lehrer auch im Verwaltungsvorstand und haben so auch in finanzieller Beziehung entscheidenden Einfluß, so daß die betreffenden Schulen völlig das Gepräge ihrer Lehrkörper tragen. In letzter Zeit versuchten auch die Eltern einen Einfluß auf diese Schulen zu gewinnen. Es ging dabei nicht ohne Widerstände seitens der Lehrer ab, welche eine starke Einmischung in pädagogische Fragen fürchteten. Wo aber ein ernstlicher Wille im Kreise der Eltern vorhanden war, gelang ihm auch die Bildung eines „Waad-Hahorim“ (Eltemkomitee). Bis auf wenige Ausnahmen (z. B. - die „Tachkemonischule“) wurden alle diese Schulen formell durch den Lehrerverband (Agudath-Hamorim) zusammengehalten. Man war sich jedoch nicht darüber einig, ob die Agudath-Hamorim bloß eine Fach-Vereinigung oder mehr sei. Fest stand nur, daß es eine wichtige Aufgabe des Verbandes sei, Hebräisch zur herrschenden Sprache in den Schulen zu machen und für die pädagogische Fortbildung der Lehrer zu sorgen. Es wurde aber im großen und ganzen wenig geleistet. So war es ein Hauptwunsch der Lehrerschaft, zumindest für die Schulen in den Kolonien einen einheitlichen Lehrplan auszuarbeiten, allein diese Arbeit ist bis heute noch nicht in befriedigender Weise erledigt. Die Ursachen für die geringe Leistung des „Merkas- Hamorim" (Vorstand des Lehrerverbandes) lagen darin, daß die Mitglieder anderweitig mit Arbeiten überhäuft waren und daß sie sämtlich im Ehrenamt tätig waren. Eine Besserung trat erst ein, als Dr. L u r I e, der jetzige Vorsitzende im „Merkas-Hamorim“, die finanzielle Beteiligung der zionistischen Organisation sowie einzelner bekannter Zionisten (Dr. Magnes u. a.) erreicht hatte. So konnten in den letzten zwei Sommern wertvolle Ferienkurse abgehalten werden, über die seinerzeit der „Welt“ ausführlich berichtet wurde. Dank dieser Veranstaltungen und einiger anderer Arbeiten gelang es dem „Merkas-Hamorim“ zu einer mehr als bloß repräsentativen Körperschaft der palästinensischen Lehrer zu werden. So waren die Verhältnisse als durch das Vorgehen der Führer des „Hilfsvereins“ und seines palästinensischen Vertreters der Sprachkampf entfacht und mit elementarer Gewalt ausgefochten wurde. Die Resultate dieses Kampfes sind bekannt. Die zionistische Organisation sah sichplötzlich vor die unabweisbare Notwendigkeit gestellt, zu allen anderen Aufgaben auch den Ausbau eines eigenen Schulwesens zu übernehmen. Die meisten Schulen, die als Frucht des Kampfes entstanden sind, entsprechen so sehr den Bedürfnissen der Bevölkerung, daß man sie eigentlich auch ohne den Schulkampf hätte schaffen müssen. Das neue Schulwerk umfaßt in Jerusalem ein Lehrerseminar, eine Handelsschule, einen Kursus zur Ausbildung von Kindergärtnerinnen, eine Knabenschule, eine Mädchenschule, einen Kindergarten und Abendkurse für Erwachsene. Außerdem gehören zum zionistischen Schulwerke eine gehobene Bürgerschule in Jaffa und eine Realschule in Haifa, Jetzt, wo die neuen Schulen bereits konsolidiert sind, ist die zionistische Organisation dem Gedanken der Schaffung einer einheitlichen Direktion für diese Schulen nähergetreten. Zunächst aber drängte sich eine andere Frage, die eigentlich nur eine Nebenfrage ist, in den Vordergrund der Diskussion: die Frage, wo der Sitz der neu zu schaffenden Direktion sein solle. Die Rivalität zwischen Jerusalem und Jaffa, die sich schon bei anderen Fragen bemerkbar gemacht hatte, trat auch in dieser Frage in die Erscheinung. Es ist von Interesse, die entgegengesetzten Ansichten, die bezüglich dieser Frage in der palästinensischen Presse zum Ausdruck gekommen sind, kennen zu lernen. Die Ortsfrage wurde zuerst in einem Leitartikel der Zeitung „Hapoel hazair“ in Jaffa behandelt. Der Verfasser setzt sich für Jaffa aus folgenden Gründen ein: In letzter Zeit kommt man immer mehr zu der Erkenntnis, daß die zio- 49686403

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