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Die Welt · 1914-06-26 · 26 (26.6.1914) · p. 631

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
26 (26.6.1914)
Article
Der Kampf um die national-jüdische Erziehung
Date
1914-06-26
Page
631 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 26 631 DIE3§KLT werden die Kinder von unwissenden Reverends zweimal wöchentlich in „Religion“ unterwiesen. Welche Resultate dieser Religionsunterricht zeitigt, ist aus der Tatsache zu ersehen, daB nach vier- oder fünfjährigem Unterricht 99 % der Zöglinge nicht in der Lage sind, Hebräisch zu lesen. Selbst die bekanntesten jüdischen Gebete sind ihnen fremd. In englischein Synagogen sieht man oft, wie junge Leute, die zur Thorah aufgerufen werden, sich von dem Kantor das Gebet vorlesen lassen, weil sie selbst das kurze Gebet aus dem Siddur nicht ablesen können . . . Was Wunder, wenn bei einer solchen jüdischen Erziehung Hunderte junge Juden und Jüdinnen „still untertauchen“ und dem Judentum verloren gehen? Aber die Eastender hebräischen Schulen, die in der Lage sind, ein gesundes jüdisches Geschlecht zu erziehen, werden boykottiert und bekämpft. Jede dieser Talmud-Thoras steht jeden Tag vor dem Bankerott, weil die armen Whitechapler Juden nicht in der Lage sind, die Anstalten würdig zu erhalten. Die Politik der aus Posen, Nürnberg und Breslau stammenden Engländer mosaischer Konfession ist klar und durchsichtig: Da sie die großen jüdischen Massen nicht gewaltsam entjuden können, so wollen sie das Judentum in Whitechapel aushungern. Die Sammeltätigkeit für das Schulwerk in England xyz. — Die Propagandatour des Herrn Dr. Schmarja Levin in England hat gute Resultate gezeitigt. Neben den bereits gebildeten Komitees in Manchester, Liverpool, Glasgow und Leeds, die mit der Sammeltätigkeit für unser hebräisches Schulwerk . in Palästina bereits begonnen haben, hat auch die Engfish Zionist Federation sich ernstlich an die Arbeit gemacht, das Sammelwerk zu organisieren. Die letzte Sitzung der Executive der E. Z. F. hat ein dreigliedriges Komitee, bestehend aus Herrn Joseph Go wen, Herrn Dr. S. M. Melamed und Rev. J. K. Goldbloöm bestellt, das die Aufgabe hat, Mittel und Wege ausfindig zu machen, wie eine bestimmte jährliche Summe für das hebräische Schulwerk in Palästina von Zionisten und Nichtzionisten aufzubringen sei. Dieses Komitee hat bereits seine Arbeit aufgenommen und beschlossen, zunächst an gewisse einflußreiche nichtzionistische Persönlichkeiten mit der Bitte heranzutreten, ein unparteiisches Komitee zu bilden. Es ist zu hoffen, daß dieses Komitee sich auch konstruieren wird. Was die Sammeltätigkeit im zionistischen Lager anbetrifft, ist beschlossen worden, allen der Federation angehörenden Vereinen zur Pflicht zu machen, einen bestimmten jährlichen Beitrag an die E. Z. F. für das Schulwerk abzuführen. Die Besteuerung der einzelnen Vereine richtet sich natürlich nach der Mitgliederzahl und nach den wirtschaftlichen Verhältnissen des betreffenden Ortes. Wenn auch nicht erwartet werden kann, daß alle Vereine die von ihnen geforderten Summen ganz abführen, da es den Vereinen oft an Arbeitskräften fehlt, die diese Sammelarbeit verrichten können, so ist immerhin zu hoffen, daß wenigstens 80 o/o der den Vereinen auferlegten Steuern aufgebracht und der E. Z. F. zugeführt werden. Eine erfreuliche Erscheinung ist das Verschwinden jeglicher Opposition gegen die Schulpolitik der Leitung. Selbst von einer passiven Opposition ist nichts mehr zu merken. Wenn die E. Z. F. die von ihr aufgenommene Arbeit zugunsten unseres Schulwerks in Palästina energisch fortsetzt, ist zu hoffen, daß England in seinem Beitrage zu dem Schulfonds nicht hinter anderen Ländern Zurückbleiben wird. Der englische Zionismus bewegt sich jetzt wieder in aufsteigender Linie. Dies ist aus dem langsamen aber sichern Anwachsen der englischen Beiträge für den Nationalfonds zu ersehen. Wenn auch noch keine Zahlen über den diesjährigen Schekeltag vorliegen, so kann man doch schon jetzt sagen, daß auch der Schekelverkauf in diesem Jahre größer war als in den letzten Jahren, in denen kein Kongreß stattfand. Bei dieser Lage der Dinge sollte es der E. Z. F. nicht schwer fallen, 6- bis 700 L jährlich für das Schulwerk aufzutreiben. Der Order of Ancient Maccabeans wird hoffentlich nicht hinter der E. Z. F. Zurückbleiben. Rabbinerkonferenz in London Auf der Rabbinerkonferenz, die kürzlich in London stattgefunden hat, wurde auch die jüdische Universitätsfrage erörtert. Rabbiner Salomon - Manchester führte in einer längeren Rede aus, daß er die Gründung einer rein jüdischen. Universität in Palästina für wertvoll halte. Eine jüdische Universität in Palästina würde die Möglichkeit bieten, die jüdische Jugend in den osteuropäischen Ländern, denen das Universitätsstudium so erschwert und oft ganz versagt wird, für akademische Berufe vorzubereiten und zwar in einer Weise, die sie befähige, Palästina große Dienste zu leisten. Zu diesem Zweck müßte das Studium der Land- und Forstwirtschaft im Vordergründe stehen und dafür gesorgt werden, daß möglichst nur soviel Studierende dort sind, als in Palästina in akademischen Berufen unterzubringen sind, abgesehen natürlich von denen, die das Studium nicht zu Erwerbszwecken betreiben. Rev. Dr. I. Hochmann sprach über „Palästina und die jüdische Renaissance“. Er hob das wundervolle Aufleben des jüdischen Geistes in Palästina hervor und hält es für die Pflicht eines jeden Rabbiners, soviel in seinen Kräften steht, Mitarbeiter für Palästina zu werben. Gerade die Rabbiner sind dazu berufen, an der Wiedererlangung Palästinas für das jüdische Volk mitzuarbeiten, damit mit der Rückkehr zur alten Kultur und Sprache auch eine Rückkehr zum alten Glauben erfolge. Rußland Schächtverbot in Rußland Aus Konstantinopel wird berichtet, daß der Scheich-ul- Islam, das Oberhaupt der mohammedanischen Kirche, im Namen der zwanzigtausend Mohammedaner, die in Rußland leben, gegen das Anti-Schächtgesetz protestieren will, das der Duma vorgelegt worden ist. Die Mohammedaner haben dasselbe Interesse am Schächten wie die Juden, denn bei ihnen wird das Vieh auch nach jüdischem Ritus geschlachtet. Aus Petersburg verlautet, daß das Gesetz in der Kommission unterdrückt werden wird. Eine Auswanderer-Bank In Warschau fand eine Konferenz statt, die über die Frage der Gründung einer jüdischen Auswanderer-Bank verhandelte. Nachdem 25 000 Rubel von bekannten jüdischen Männern gezeichnet waren, wurde ein Komitee gebildet, das sich mit der Vergrößerung des Fonds beschäftigen soll. Frankreich (Von unserem Pariser Berichterstatter.) b.- Unserem Bericht über die Kammerwahlen in Nr. 20 der „Welt“ ist hinzuzufügen, daß H. Stern, den wir unter den neuen jüdischen Abgeordneten aufzählten, seinen Wählern erklärt hat, daß er katholisch ist. Dagegen sind noch zwei weitere Juden gewählt, I g n a c e und B o k a n o w s k y, so daß die neue Kammer 7 Juden zählt. Türkei Auswanderung von Saloniker Juden nach Sofia Aus Konstantinopel wird berichtet, daß ungefähr 120 der größten jüdischen Kaufleute aus Saloniki, die die Behandlung, welche ihnen die Griechen zuteil werden lassen, unerträglich finden, beschlössen haben, nach Sofia überzusiedekn. Sie haben zu diesem Zweck Agenten Idorthin gesandt, die

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