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Die Welt · 1914-06-12 · 24 (12.6.1914) · p. 589

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
24 (12.6.1914)
Article
Die Beilis-Affäre und ihre Folgen [Rezension]
Date
1914-06-12
Page
589 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 24 DIE k e i t leben, mit den Nationaljuden in einem Bündnis. Bündnis bedeutet gegenseitige Achtung, vollkommene Anerkennung kultureller Sonderinteressen und friedfertiges Zusammenleben. So gewinnt der Zionismus für die polnische Patriotin, abgesehen von seinem allgemein-menschlichen Werte, eine besondere nationalpolitische Bedeutung. „. . . Wir (Polen) haben nicht gewartet, bis die zionistische Idee heranreift — wir haben sie nicht von den Höhen des nationalen Interesses, sondern von den Tiefen unseres Sentiments bewertet.“ Wir wollen hier selbstverständlich nicht in eine Kritik des Bündnisvorschlages der Gräfin Walewska eingehen, noch uns über den inmitten der Boykotthetze höchst fragwürdigen Einfluß dieser interessanten Schrift verbreiten, — wir wollten sie lediglich vermerken. Um noch auf die Beilis-Affäre zurückzukommen, will ich erwähnen, daß die Verfasserin, in der einschlägigen Literatur allseitig bewandert, die Ritualmord-Gutachten des unwissenden Mönchs *P r a n a i t i s und seiner Genossen einer vernichtenden wissenschaftlichen Kritik unterzieht, die viel Wertvolles darbietet. T a r n 6 w. Dr. W. Berkelhammer. Kleine Geschichten aus der Bibel von Schalom Asch. Jüdischer Verlag. Berlin und Leipzig. Es ist ein bekanntes Gesetz, daß die Völkergeschichte ebenso eine Entwicklung von Kindheit zum Mannesalter kennt wie der individuelle Mensch. Darum machen die biblischen Berichte, welche von den ältesten Phasen der israelitischen Geschichte handeln, inhaltlich und formell den Eindruck, als wären sie in ihrer naiven Schönheit mit besonderer Berücksichtigung der kindlichen Psyche abgefaßt. Man braucht sie nur in der Fassung des Originals zu erzählen — und die Wirkung ist da. Ein guter Pädagoge wird sich aber in der Wiedergabe der Urgeschichten nicht krampfhaft ängstlich an das überlieferte Wort halten und kann in der Ausschmückung und Begründung biblischer Details ruhig aus Phantasie und Gemüt Eigenes schöpfen. Schalom Asch hat es trefflich verstanden, die „kleinen Geschichten aus der Bibel“ in einer poetisch vertieften und das Kindergemüt anziehenden Darstellung wiederzugeben, wobei ihm die Kenntnis der alten Midraschim besonders zustatten kommt. Aus der Agada sind die meisten Zutaten geschöpft; der Angriff eines orthodoxen Blattes, der Verfasser habe die Bibel „gefälscht“, ist daher lächerlich und könnte mit demselben Recht gegen den Midrasch gerichtet werden. Die Kinder wollen etwas Lebendiges und Farbiges vor sich sehen und fragen noch nicht viel, was „wahr“ oder „nicht wahr“ ist. — Die äußere Ausstattung des Buches, Druck, Papier und Bilderschmuck, kann als hervorragend bezeichnet werden. — N. b. M. Leo Herrmann: Nathan Birnbaum, sein Werk und seine Wandlung. (Erschienen in der Sammlung: „Die jüdische Gemeinschaft“, Reden und.Aufsätze über zeitgenössische Fragen des jüdischen Volkes, herausgegeben von Dr. Ahron Eliasberg.) Diese zionistische Gabe zum 50. Gebrutstage Nathan Birnbaums ist eine ernste, kluge und klare Arbeit. Zwei Kapitel behandeln auf Grund der gesammelten Schriften Mathias Achers sein Werk. Dann setzt sich Leo Herrmann mit Achers „Alljudentum“ auseinander, beschreibt in einem vierten Kapitel, das besonders lesenswert und schön ist, „Nathan Birnbaums Wandlung“, um schließlich die Persönlichkeit dieses Mannes zu betrachten. Es erfüllt uns mit Genugtuung, daß ein überzeugter Zionist liebevoll und begeistert der Bedeutung Birnbaums gerecht wird und die Wandlungen dieses leidenschaftlichen Kämpfers, der sich wirklich wie eine Fackel verzehrt, zu ergründen und zu begreifen sucht. D. O. A. ELT 589 „Saatkörner.“ Von Malvine und Flora G r ü n w a 1 d. Wien. 1914. Selbstverlag. Dieses schlichte und sehr innige Buch will mit seinen Parabeln und Gedichten die heranwachsende jüdische Jugend mit den jüdischen Fest- und Gedenktagen, den „Saatkörnern des Lichtes“ vertraut machen. Wir glauben, daß die beiden Verfasserinnen, die ihre pädagogischen und dichterischen Neigungen diesem schönen Zwecke widmeten, vollauf erreicht haben, was sie anstrebten. Sie fanden den kindlich innigen Ton. Möge das belehrende und begeisternde Werkchen, das als Konfirmationsgabe gedacht und sehr gut ausgestattet ist, weite Verbreitung finden. Wien. Dr. O. A. F. Heil per n: nnsoV "IVTrns (Vorhalle der Literatur.) Eine Chrestomathie für den Beginn des Unterrichts in der hebräischen Literaturgeschichte. Wilna, Verlag Rosenkranz und Schriftsetzer, 1914. (Preis 1 Rubel 50 Kop. 430 Seiten.) Es ist eine wahre Freude, dieses Buch anzeigen zu können, das ebensosehr Zeugnis ablegt für den Reichtum der modernen hebräischen Literatur wie für die Entwicklung der hebräischen Erziehungsmethode und Erziehungsmittel. Nach der Absicht des Verfassers soll das Lehrbuch eine „Vorhalle“ sein, es soll den Schüler, der in den unteren Klassen die hebräische Sprache erlernt hat, nun dahin führen, zur Literatur ein lebendiges Verhältnis zu bekommen, und zwar zur modernen Literatur, denn die Auswahl, die H e i 1 p e r n getroffen hat, berücksichtigt nur die letzten Jahrzehnte. Sie ist so angeordnet, daß der Schüler, der bisher gewohnt war, 7lur bei rechtzeitiger 'Erneuerung des Abonnements werden unliebsame Storungen in der Zustellung des Blattes vermieden. Wir möchten daher unsere geehrten Leser, deren Abonnement am 30. dfuni f9f3 ablauft, dringend bitten, die Erneuerung unverzüglich vorzunehmen. Alle Abonnements, die bis Ende d.M. nicht ausdrücklich abbestellt sind, betrachten wir als erneuert. der ddbonnementsbeurage aus Deutschland und Oesterreich-Ungarn erfolgt kostenlos mittels Postschecks, die wir sämtlichen Beziehern, deren Abonnement abläuft, direkt zugehen lassen. Aus dem Auslande überweist man Beträge an uns am einfachsten per Postanweisung, wo dies nicht möglich ist, per Scheck auf europäische Banken oder in Briefmarken. T/erlag „ 3)te TÜ/e/t" BERLIN W 75, Sächsische Straße 8. SNZMMMUMEE

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