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Die Welt · 1914-06-12 · 24 (12.6.1914) · p. 588

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
24 (12.6.1914)
Article
Die Ausgrabungen in Palästina
Date
1914-06-12
Page
588 (sequence 2)
Language
German
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588 DIEX&ELT Nr. 24 Kunst und Technik — die ganze Vielseitigkeit der hellenistischen Kultur spiegelt sich auch in den Funden wieder, die uns die palästinensischen Ausgrabungen bescheren. Das Judentum stand in engster Berührung mit dieser umfassenden Kultur, und es ist kaum möglich, die Grenzen scharf auseinanderzuhalten. Hätte Alkios, ein Mann, vielleicht ein Beamter Gesers, nicht glücklicherweise die Grenzsteine seines Ortes mit hebräischen Schriftzeichen versehen lassen, wir wären nie auf den Gedanken gekommen, daß es sich hier möglicherweise um den Sabbatbezirk einer Stadt handelt, der hier urkundlich festgestellt ist. Wir müssen es tief beklagen, daß die Juden so (vielfach ihren Kindern griechische Namen gaben, und doppelt schätzen wir deshalb die wundervolle Säule, die dem Chananja bar Jakob errichtet wurde, die stolz den Namen und die Schrift der Väter trägt und die heute hoch oben in einer Moschee in Gaza eingebaut ist. Es ist eine merkwürdige Tatsache, daß wir nicht einmal den jüdischen Namen des letzten Makkabäerfürsten kennen würden, wenn er uns nicht auf Münzen neben seinem griechischen Namen erhalten wäre. Antigonos, der letzte Makkabäer, der den Königstitel führte, nannte sich wie der Stammvater seines Geschlechtes Mattathia. Die ganze Geschichte des makkabäischen Königshauses können wir an Hand der Münzen verfolgen, von dem glücklichen Anfang, da auf den Münzen Simons die stolzen Worte „Der Erlösung Zions“ standen, bis auf die Zeit, da das fremde Geschlecht des Herodes den jüdischen Königsthron bestieg. Noch einmal erzählen uns die Aufstandmünzen von der Befreiung Judas unter Bar Kochba, den sie Simon, den Fürsten Israels, nennen. Dann verstummt auch diese Quelle, die wir den Ausgrabungen Palästinas verdanken. Fast die gesamten Ergebnisse der Palästina-Archäologie verdanken wir christlichen Forschem. Die Ausgrabungen wurden durch Männer wie Flinders Petrie, Bliss, Macalister, Sellin und Schumacher geleitet. Die größte zusammenfassende Schilderung ist von Pere Hugues Vincent in seinem Werke „Canaan d’apres l’exploration recente“ gegeben, die neueste, wissenschaftliche Darstellung ist von Thomson unter dem Titel „K o m - pendium der palästinensische'n Altertumskunde“ veröffentlicht. In Palästina selbst arbeiten wissenschaftliche Institute, die von Franzosen, Deutschen und Amerikanern unterhalten werden, in edlem Wettstreit an dem Fortschritt der jungen Wissenschaft. In jüdischen Kreisen findet man wenig Interesse für das uns so naheliegende Gebiet, obwohl die Ausgrabungen in Jericho und Samarien wenigstens mit jüdischem Gelde finanziert worden sind. — Wir haben die Absicht, Palästina kulturell zu erobern, und die stolze Krönung dieses Werkes soll die jüdische Universität in Jerusalem sein. Es ist selbstverständlich, daß zu einer hebräischen Universität in Palästina auch ein Institut für palästinensische Archäologie gehört, in der die jüdischen Lehrer die Geschichte des jüdischen Landes lernen werden. Aber nicht allein darin würde die Bedeutung einer solchen Anstalt bestehen. Es ist zu erwarten, daß durch eine derartige Gründung auch das Prestige der hebräischen Universität in den Augen der europäischen Wissenschaft unendlich gehoben würde. Die Gleichberechtigung, die wir für die Universität erstreben, erfordert auch gleiche Pflichten, und die Jerusalemer Universität ist der gegebene Mittelpunkt für alle wissenschaftlichen Interessen, die sich an Palästina knüpfen. Vielleicht werden die Ausgrabungen in Palästina dazu beitragen, auch in jüdischen Kreisen Verständnis für die Notwendigkeit unserer Mitarbeit auf diesem Gebiete zu erwecken. LITERARISCHE RUNDSCHAU WWW»» Marie Jehanna Walewska (Gräfin Wielopolska): Die Beilis-Affäre und ihre Folgen. Stanislau 1914. (Polnisch.) Die Verfasserin der vorliegenden Broschüre steht hinsichtlich der Judenfrage und des Zionismus in der polnischen Publizistik vollständig vereinzelt da. Wir sind an die wegwerfende und verachtungsvolle Ablehnung des Zionismus seitens der Polen seit Jahren gewöhnt. Die Polen fühlen instinktiv, daß der Zionismus letzten Endes darauf ausgeht, aus gebückten Ghettojuden freie und stolze Menschen zu machen. Das wollen sie aber nicht. Für sie ist ein „Moschko“, ein willfähriges Werkzeug ihrer Herrengelüste, aus politischer, wirtschaftlichen und anderen Gründen viel bequemer. Es wäre aber ein Irrtum zu glauben, daß die Polen etwa den jüdischen Assimilationsbestrebungen Sympathien entgegenbringen, da sie doch den Zionismus hassen. Die Politik der führenden Kreise des polnischen Volkes ist gegenwärtig vielmehr auf eine systematische und möglichst vollständige Verdrängung des jüdischen Elements aus allen seinen Positionen gerichtet. Diese Richtung wird als „Asemitismus“ bezeichnet und ihr Kampfmittel ist der — Boykott. Unter der Losung des Boykotts gestalten sich zurzeit die polnisch-jüdischen Verhältnisse im Königreich Polen und in Galizien. Den Boykott verkündet mit geringen Ausnahmen die ganze polnische Presse, den Boykott predigen alle Parteien, von den Klerikalen angefangen bis zu den radikalen Demokraten. Gräfin Walewska — eine ungemein interessante Persönlichkeit — stellt sich mit der vorliegenden Publikation in entschiedenen Gegensatz zu der allgemeinen Boykottparole. Sie führt dagegen sowohl rein praktisch-wirtschaftliche Motive als auch — und zwar in erster Reihe — Erwägungen ideeller Natur ins Treffen. Es wäre — so spricht Walewska zu ihren Volksgenossen — eine unverzeihliche Versündigung an dem Geiste des polnischen Idealismus, wenn das polnische Volk der Theorie der rohen Gewalt huldigen wollte. Ein auf dem Wege des Unrechts erlangter nationaler und wirtschaftlicher Vorteil sei eben kein Vorteil. Mit Bezug auf den Zionismus nimmt Walewska eine ebenso vereinzelte Stellung ein: sie zollt der zionistischen Idee — auf Grund einer genauen Kenntnis unserer Parteiliteratur — uneingeschränkte Anerkennung, und zeigt Verständnis für die Größe und Schönheit des jungjüdischen Ideals. Was hat das aber mit der Beilis-Affäre zu tun? — Gräfin Walewska ist eine Bekennerin des polnischen Unabhängigkeitsgedankens, dessen Spitze gegen die russische Reaktion gerichtet ist. Die Juden, insbesondere die selbstbewußten Juden, die Zionisten, seien nun — sagt Walewska — ebenfalls Feinde der russischen Gewaltherrschaft und diese Feindschaft sei eben infolge der Beilis-Affäre gewaltig gesteigert worden. Polen und Zionisten in den polnischen Ländern hätten somit eine gemeinsame Kampffront. Auf Grundlage dieses gemeinsamen Interesses schlägt Gräfin Walewska ein Bündnis vor, das sich auf alle Gebiete des nationalen und wirtschaftlichen Zusammenlebens erstrecken sollte. Die jüdischen Assimilanten, die freiwilligen, will Walewska keineswegs verdrängen: mit den Assimilanten möge das polnische Volk in Brüderlich- 68419482

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