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Die Welt · 1914-06-12 · 24 (12.6.1914) · p. 586

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
24 (12.6.1914)
Article
Jahreskonferenz der Zionisten in Amerika
Date
1914-06-12
Page
586 (sequence 2)
Language
German
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586 Nr. 24 DIEE^ELT Die Nachricht, daß Dr. Schmarja Levin nach Amerika kommen will, hat das allgemeine Interesse für die Konvention, zu der noch viele andere Delegierte erwartet werden, noch bedeutend erhöht. Dr. Levin wird die Konferenz im Namen des Actions-Comites begrüßen und wird auch auf einer großen öffentlichen Versammlung, die anläßlich der Konferenz stattfindet, sprechen. Unter den Gesinnungsgenossen, die auf dieser Konferenz sprechen werden, sind Mr. Nathan Strauss, Mr. Louis Brandeis, Dr. Max Heller, Mr. Jakob de Haas, Rev. H. Masliansky und Dr. I. L. Magnes. Mr. Lipsky wird das Präsidium übernehmen. New' York. Anläßlich einer Versammlung des „Order Sons of Zion“ in New York sprach Nathan Strauß über den Zionismus. Er ist zweimal in Palästina gewesen und hat dort 35 blühende Kolonien gefunden, die keine Armut kennen, außerdem hat er beobachtet, daß Palästina eines der gesundesten Länder der Erde ist, und daß die Juden weiter nichts nötig hätten, als sich zusammenzuschließen und miteinander zu arbeiten, um das Ideal des Zionismus zu verwirklichen. Er selber arbeitet stets daran, die jüdische Sache zu fördern, und er verspricht, daß sein Sohn auch hierin sein Nachfolger sein wird. Daß er Palästina noch einen dritten Besuch abstatten will, zeigt sein reges Interesse für das Land. Nach der Rede von Mr. Strauß sprach Joseph Barondess über den Wert des Zionismus als wichtigen Faktor im jüdischen Leben und gab die Gründe an, aus denen eigentlich jeder Jude Zionist sein müßte. In ähnlicher Weise äußerte sich Jacob S. Strahl darüber, daß er nicht verstünde, wie es Juden geben könnte, die keine Zionisten sind, und daß sich seiner Meinung nach über kurz oder lang sicherlich jeder Jude zum Zionismus bekehren würde. FEUILLETON IWNW Ein Brief Theodor Herzls an Dr. H. Hildesheimer, Berlin4) Wien, 9. Mai 1897. Sehr geehrter Herr! Von Ihrer bekannten Loyalität erwarte ich die Aufnahme dieses Briefes in die nächste Nummer der „Jüdischen Presse". Zunächst bescheinige ich Ihnen hiermit, daß Sie sich vom Münchener Zionisten-Congreß zurückziehen. Ich bedaure diesen Ihren Entschluß, der mich überraschte, lebhaft, denn es wird nicht leicht sein, für das Referat, welches Sie übernommen hatten — „Die Aufgaben der jüdischen Wohltätigkeit in Palästina“ — sofort einen Ersatzmann zu finden, der in dieser Frage so bewandert ist wie Sie. Der Congreß findet natürlich auch statt, wenn wir keinen Referenten über „die Aufgaben der jüdischen Wohltätigkeit in Palästina“ ausfindig machen könnten. Dieser Congreß ist überhaupt nicht mehr rückgängig zu machen; der Gedanke einer solchen Versammlung gehört gleich anderen publicirten Gedanken nicht einmal mehr dem, der ihn zuerst aussprach. Viele Juden haben den Congreß acceptiert, damit ist die Frage erledigt. Die vorbereitende Commission, die auch nach Ihrem Rüdetritte vom Referat über „die Aufgaben etc.“ fortbesteht, und zwar hier in Wien u. A. den Präsidenten des Verbandes der österreichischen Zionistenvereine Dr. M. T. Schnirer, Professor Dr. Kellner, Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. O. Kokesch zu Mitgliedern hat und im Aufträge unserer Kölner, Pariser, Londoner Freunde, im Einverständnis mit den Landescomitees von Galizien, Rumänien und Bulgarien wirkt — die vorbereitende Commission hat nur noch für die Ordnung der Congreß-Geschäfte Sorge zu tragen. Wir hegen die feste Zuversicht, daß der Congreß einen würdigen Verlauf nehmen wird, daß wir die Sache, die ja auch Ihnen am Herzen liegt, um ein gutes Stück vorwärts bringen werden, und namentlich, daß es gelingen wird, manche nebelhafte und thörichte Vorstellung von den Bestrebungen der Zionisten zu berichtigen. Man wird in weiteren Kreisen erkennen, daß man unserer Bewegung unrecht thut, wenn man ihr nichts als Schwärmerei und Gewaltsamkeit — Sie gestatten, daß ich mich nicht der kräftigeren Worte unserer Gegner bediene — *) Wir entnehmen diesen Brief der im Jüdischen Verlag erscheinenden Herzl-Biographie von Dr. Adolf Friedemann, aie zahlreiche Dokumente zur Geschichte des Zionismus zum erstenmal der Oeffentlichkeit zugänglich macht. nachsagt. Ich glaube, Sie selbst werden sich recht von Herzen freuen, wenn der Congreß solche Resultate zeitigt. So fasse ich wenigstens die Schlußworte ihrer Rücktrittserklärung auf, wo Sie freundlich zugeben, daß es eine „zweifellos in bester Absicht geplante Veranstaltung“ sei, wenn Sie sich auch nur von einer anderen Form, der Veranstaltung versprechen, daß sie „wirklich Segen bringen kann“. Hierüber gehen unsere Meinungen, wie es scheint, auseinander. Zu dem Bedauern, welches ich über Ihren Rücktritt empfinde, weil dem Congresse eine sehr geschätzte Kraft entzogen wird, gesellt sich noch ein anderes Bedauern. Ich fühle einen schweren Vorwurf aus den Worten Ihrer Erklärung heraus: „Da Herr Dr. HerzI trotzdem mit der Versendung seiner Vorankündigung fortfährt, sieht sich der Herausgeber dieses Blattes zu der Erklärung gezwungen, daß er selbstverständlich nie die Absicht gehabt hat, an einem „Zionisten“-Congreß theilzunehmen, sondern seine Anwesenheit und seine Mitwirkung einzig und allein für den Fall in Aussicht gestellt hat, daß die geplante Versammlung einer Besprechung der mannigfachen Aufgaben des palästinensischen Hilfswerkes, insbesondere der Colonisation gewidmet sein Was heißt das „trotzdem“? Herr Bambus, bisher Mitglied der den Congreß vorbereitenden Commission, hatte, ohne mich vorher zu benachrichtigen, eine unsere ganze Arbeit abschwächende Erklärung veröffentlicht, wonach es scheinen konnte, als ob „die ganze Angelegenheit sich noch durchaus im Stadium der Vorbereitung befinde.“ Ich war davon verblüfft, ersuchte Herrn Bambus um eine neuerliche Richtigstellung, die ich nicht selbst vornehmen wollte, weil ich der Meinung war, daß es sich nur um oberflächliche Divergenzen handle. Ich sollte ja mit Ihnen am 29. April in Prag zur Berathung einiger Congreßfragen Zusammentreffen. Das Stelldichein wurde am letzten Tag als „noch verfrüht“ abgesagt. Jedenfalls hatte ich keinen Grund anzunehmen, daß Sie sich lossagen wollten, da Ihre Einwendungen mir nicht als prindpielle vorkamen. Sie hatten gewünscht, daß es „Congreß der Chowewe Zion“ statt „Zionisten-Congreß“ heiße, worin ich keinen größeren Unterschied zu sehen vermochte als zwischen bonnet blanc und blanc bonnet. Ferner war Ihnen der folgende Passus meiner „vorläufigen Anzeige" nicht recht: So erhalten die gemeinsamen Bedürfnisse ein Organ. (Nämlich durch den Congreß.) Es wird ein Zufluchtsort für die Wünsche und Beschwerden unserer Brüder geschaffen. Oie Judensache muß 02530201020102010201020102010000530102010102025323

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