Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 24 (12.6.1914)
- Article
- Sitzung des großen Actions-Comités
- Date
- 1914-06-12
- Page
- 576 (sequence 4)
- Language
- German
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576 DIETffiELT-- - - - - --- Nr. 24 3. Hebräische Universität. Das Vorbereitende Komitee zur Gründung einer hebräischen Universität in Jerusalem dankt dem Arbeitsausschuß für die geleisteten Arbeiten und billigt die von ihm geplanten weiteren Schritte. Das Vorbereitende Komitee fordert den Arbeitsausschuß auf, die Arbeiten zur Herstellung der Pläne für eine medizinische und andere in Betracht kommende Fakultäten fortzusetzen und auf Grund der gesammelten Materialien ihm ein Referat darüber zu unterbreiten. 4. Hebräisches Schulwerk. Das A. C. hat mit Befriedigung von der Entwicklung des neuen Schulnetzes in Palästina Kenntnis genommen und fordert die Organisation auf, durch energische Werbung von Jahresbeiträgen den Etat des Schulwerks zu sichern. 5. Jüdischer Kulturfonds „Kedem". Das Große A. C. nimmt mit Befriedigung davon Kenntnis, daß der Kulturfonds „Kedem" nach Erledigung der erforderlichen organisatorischen Vorarbeiten nunmehr seine Arbeit aufgenommen hat und ersucht die Landes- und Sonderverbände, dem „Kedem" ihre dauernde tatkräftige Unterstützung zuzuwenden. Jahreskonferenz 1914. Das A. C. beschließt, die Jahreskonferenz 1914 auf den 30. August und die folgenden Tage nach Berlin einzuberufen. Die III. Konferenz der Zionistischen Studentenorganisation „Hechawer“ ln Heidelberg (Eigener Bericht.) Die Zionistische Studentenorganisation „Hechawer" hat vom 1.—5. Juni ihre dritte Tagung in Heidelberg abgehalten. Vor zwei Jahren als kleiner Verein in Bern gegründet, mußte er nach mehrmonatlicher angestrengter Arbeit nach München wandern, wo er sich als Kartell der zionistischen Studenten aus Rußland konstituierte, ln kurzer Zeit gelang es ihm, eine Reihe westeuropäischer Studentenvereine um sich zu scharen, um den Grundstein zu legen für eine allgemein -europäische russischjüdische zionistische Studentenorganisation. Die zionistische Stimmung, die in den Kreisen der jüdisch-russischen Studentenschaft in den letzten zwei Jahren eine große Stärkung erfahren hat, hat hier opferfreudige und energische Arbeiter gefunden, und so gelang es in einem Zeitraum von kaum einem Jahre eine gesunde großzügige Studentenorganisatio« zu schaffen. Es gelang dem Hechawer bis jetzt zirka S00 Mitglieder zu vereinigen, eine regelmäßige Studentenpresse in russischer, hebräischer und jüdischer Sprache mit einem Leserkreis von einigen Tausend Kommilitonen zu schaffen. Es galt, nun die gesammelten Kräfte zu reorganisieren, den Verband der Studentenvereine in Deutschland, Oesterreich, der Schweiz, Frankreich und Bulgarien um sich zu gruppieren, zu stärken und zu erweitern, um das Erziehungswerk der heranwachsenden akademischen Generation in die richtigen Wege zu leiten. — In einer der letzten Nummern der „Welt" haben wir bereits auf die überaus reiche und interessante Tagesordnung hingewiesen. Der Versuch, die dritte Jahreskonferenz einzuberufen, hat mit seinem Gelingen alle Erwartungen übertroffen. Mehr als 50 Delegierte, Vertreter russisch-zionistischer Studentenvereine in westeuropäischen Universitätsstädten, sind zur Tagung erschienen, um an der Reorganisation des „Hechawer“ mitzuarbeiten. Die Konferenz begann am 1. Juni abends. Der große Saal der Harmonie-Gesellschaft war festlich geschmückt und mit jüdisch-nationalen Emblemen geziert. Außer den Delegierten sind beinahe 150 Gäste, größtenteils nichtzionistische Studenten. erschienen. Im allgemeinen betrug die Zahl der Gäste 300. Es ist bezeichnend, daß sämtliche Gäste der Konferenz fast ununterbrochen mit großem Interesse beigewohnt haben. Eine festliche Stimmung war auch durch die lebhafte Beteiligung der zionistischen Leitung hervorgerufen. Es sprachen auf der Konferenz der zweite Vorsitzende des E. A. C., Herr Dr. Tschlenow, und die Mitglieder des G. A. C., die Herren Julius Simon und Professor Ch. Weizmann. Außerdem wohnte der ganzen Tagung der Sekretär des E. A. C-, Herr Dr. Bernstein, bei. Das Mitglied des Zentralkomitees des Hechawer, Herr stud. Kischin ewski, eröffnete die Konferenz in hebräischer Sprache. Es wurden dann die Wahlen des Präsidiums vorgenommen. Als Ehrenvorsitzender der Konferenz wurde Herr Dr. Tschlenow mit stürmischem Beifall gewählt. In das Präsidium wurden gewählt die Herren: L a d i s c h i n s k i - Halle, Rok a c h - Berlin und Singalowski- Bern. Es wurden dann eine Reihe von Kommissionen zur Prüfung der Mandate, eine Kultur- und Organisations-Kommission, sowie ein Pennanenzausschuß gewählt. Es folgten dann zahlreiche Begrüßungsansprachen. Herr Julius Simon- Mannheim begrüßte -im Namen des Actions- Comites, Herr Dr. Bernstein- Berlin sprach über die Bedeutung des Hechawer für das russische Judentum, Herr A. Go 1 d st e i n-St. Petersburg überbrachte die Grüße der russischen Zionisten. Im Namen der Hasmonaea - Heidelberg sprach dann Herr Weizmann in einem sehr schönen Hebräisch; David s o h n - Heidelberg begrüßte die Konferenz im Namen des V. J. St.; für den Jüdischen Kulturverein - Heidelberg sprach Herr Krupeni. Der Delegierte von Bern teilte mit, daß die Berner Gruppe des Hechawer die Konferenz in das Goldene Buch eingetragen habe und überreichte unter großem Beifall das Diplom dem Präsidium. Der Vorsitzende Rokach dankte den Rednern im Namen der Konferenz und bat die Vertreter der Zionistischen Organisation versichert zu sein, daß der Hechawer unserem Ideal treu bleiben und durch Taten die auf ihn gesetzten Hoffnungen rechtfertigen wird. Es sind Begrüßungstelegramme eingelaufen aus: Petersburg, Moskau, Warschau, Baku; ferner von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, der Zionistischen Föderation Misrachi, den russischen Z'ire Zion, von den Redaktionen Rasswiet-Petersburg und Hazefirah-Warschau M. Großmann, Berlin, erstattete den Bericht über die Tätigkeit des „Hechawer" während des letzten Jahres. Der Referent weist auf die Schwierigkeiten der ersten Arbeiten hin und auf die schweren Momente, mit denen die Leiter der Organisation bis vor einem Jahre zu kämpfen hatten, und bringt interessantes Material über den gegenwärtigen Stand und die bisherige Entwicklung des Verbandes. Der „Hechawer“ zählt zirka 800 organisierte Mitglieder mit 35 Ortsgruppen. Die Vereine entwickeln sich sehr gut. 10 Vereine besitzen eigene Räume. Innerhalb der Vereine wird eine intensive kulturell-erzieherische Arbeit gepflegt. Es werden systematische Vorträge und Referate über jüdische Geschichte, Literatur, sowie über sämtliche Probleme des jüdischen Lebens gelesen. Vorträge über Palästina und Zionismus bilden das Hauptinteresse der Erziehungsarbeit. Zirka 12 Vereine besitzen gut organisierte hebräische Sprachkurse. Ursprünglich war die Zahl der hebräischen Sprachkurse viel größer, eine ganze Reihe von Kursen konnte sich aber mangels eigener Räume nicht halten. Das Zentralkomitee des „Hechawer“ hat eine systematische Propagandatätigkeit unter den russischen Studenten entfaltet. Nach sechs- bis siebenjährigem Stillstand hat jetzt wieder eine intensive zionistische Propaganda in den jüdisch-russischen akademischen Kolonien eingesetzt. Das Zentralkomitee hat mehrere Agitationstoumeen durch die Ortsgruppen veranstaltet. Im Laufe dieses Jahres wurden mehr als 20 Städte besucht. Besonderes Interesse hat das Zentralkomitee der Presse und Agitationsliteratur gewidmet. Es hat die Halbmonatsschrift „Jewreiski Student“ in russischer Sprache (die vom Kartell Zionistischer Studierender aus Rußland in Berlin gegründet wurde) übernommen und reich ausgebaut. Ursprünglich ein Blättchen von acht Seiten, hat sich das Blatt zu einer gediegenen Zeitschrift von 24 Seiten entwickelt. Die Zahl der Abonnenten stieg von 900 auf 1800. Die hebräische Monatsschrift „Hechawer“, die eine ernste zionistische Ausbildung der Mitglieder ermöglichen soll, hat sehr erfreuliche Fortschritte zu verzeichnen. Die erste Nummer der Monatsschrift ist in tausend Exemplaren abgesetzt worden, die zweite Nummer mußte schon in 1500 Exemplaren gedruckt werden. Ohne Unbescheidenheit darf gesagt werden, daß der hebräische ,*Hechawer" die beste hebräisch-wissenschaftliche Zeitschrift für die Jugend ist. Auch das interne Blatt „Sionistki Listok“ (das Zionistische Blatt), das ausschließlich für die Mitglieder bestimmt ist und den internen Interessen des Verbandes dient, hat sich auf das beste bewährt. Der „Hechawer“ versuchte in engere Fühlung mit anderen jüdisch - nationalen Körperschaften zu treten. Es steht